Sunny Bizness über seine neue EP, die Vega-Videos und das Afu-Ra-Feature (Interview)

Sunny Bizness ist bereits seit vielen Jahren Teil des Games. Er ist stets ein Garant für sauberen, qualitativ hochwertigen Rap, schaffte jedoch nie den Durchbruch.

Bisher! Vor zwei Tagen erschien allerdings seine EP M.A.S.K. exklusiv bei Hiphop.de zum Free Download. Mit dem Werk kündigt Sunny gleichzeitig sein Debütalbum für nächstes Jahr an.

Für die EP hat er sich unter anderem Unterstützung von Bosca und der Raplegende Afu-Ra geholt. Wie die Features zustande kamen, welche Erwartungen er hat und was das eigentliche Konzept des Releases ist, erklärt er uns im Interview.

Fangen wir beim Intro an: Hier sagst du in Bezug auf deine Musik: "Lass mir doch meine Zeit", und dass du erst dein Leben ordnen musstest. Wolltest du verhindern, dass unter einer schnell angekurbelten Produktion die Qualität deiner EP leidet?

Sunny Bizness: Musik spielt immer eine Rolle bei mir und nimmt auch immer gewisse Zeit in Anspruch. Mit der Line spiele ich vor allem auf mein Album an, an dem ich schon länger arbeite und in das ich die meiste Kraft und Zeit investiere. Dafür will ich mir die Zeit nehmen, die ich brauche, weil ich einfach den Anspruch habe, etwas zu machen, dass es so noch nicht gibt, wie ich es auch im Intro sage. Ich denke, dass jeder Mensch Phasen im Leben hat, in denen nicht alles nach Plan läuft und die einen dazu veranlassen, Dinge zu überdenken, zu verändern und wieder Ordnung zu schaffen, um sich wiederum auf wichtige Sachen wie Musik besser fokussieren zu können.

Warum genau musstest du erst Ordnung in dein Leben bringen?

Sunny Bizness: Wie gesagt, es läuft nicht immer alles nach Plan und wie jedes Leben ist natürlich auch meins geprägt von Ups und Downs. So sicher ich mir auch bin, dass ich mein ganzes Leben lang Musik machen werde, kann ich leider nicht immer so viel Zeit investieren, wie ich es gern würde, aber ich arbeite daran.

Weiterhin sagst du im Intro, dass das Spiel dich verändert habe. Inwiefern?

Sunny Bizness: Da Musik einen hohen Stellenwert in meinem Leben einnimmt und ich schon länger Musik mache, kann man schon fast sagen, dass sie mich miterzogen und geprägt hat und mich genauso zu dem gemacht hat, der ich heute bin, wie andere Dinge, die mir sehr wichtig sind und viel Zeit meines Lebens einnehmen. An diesem Spiel ist nicht immer alles positiv; nicht viele Menschen, die man kennenlernt, werden wirklich Freunde, und man lernteinfach früher oder später, nicht Jedem zu vertrauem, ob man will oder nicht. Ich meine, man braucht sich ja nur anzuschauen, wie die Künstler heute oft miteinander umgehen.

Du hast auch zwei Liebestracks auf deiner EP namens Pistole auf die Brust und Juendmi. Richten sich diese an eine bestimmte Frau? Woher kam die Inspiration dafür?

Sunny Bizness: Pistole auf die Brust richtet sich an eine bestimmte Frau und thematisiert eine Situation, die ich durchgemacht habe. Ich habe es ein wenig überspitzt dargestellt, um den Song nicht zu standardmäßig und plakativ werden zu lassen, aber auch, um die Problematik besser zu veranschaulichen. In Juendmi geht's zwar um Liebe, aber nicht um die zu einer Frau. Wenn man genau hinhört, wird das auch spätestens in der letzten Line des Parts klar.

Es sind auch einige Features vorhanden, zum Beispiel mit Bosca und Afu-Ra. Wie kamen diese zustande?

Sunny Bizness: Ich feier, was Bosca macht und kenne ihn jetzt auch schon paar Jahre, da ich mit dem ganzen Freunde von Niemand-Camp unter anderem auch schon auf Tour war und mit Vega musiktechnisch bereits zusammengearbeitet habe. Da die Jungs und ich ja auch aus der gleichen Ecke kommen, sind wir uns hier und da auch immer mal über den Weg gelaufen. Bosca und ich hatten schon länger vor, musikalisch etwas zusammen zu machen und jetzt hat es endlich geklappt. Der Kontakt zu Afu-Ra enstand über Phat Phillie, einen Freund aus Kroatien. Ich hätte selbst nie gedacht, dass er gleich so offen sein würde, den Beat feiert, Bock auf ein Video hat und vor allem auch zusammen mit mir an dem Track arbeiten will, um einen gemeinsamen Song zu schaffen und nicht nur Parts aneinander zu heften. Ich denke, das sieht man auch in dem dazugehörigen Video. Mir persönlich ist die direkte Zusammenarbeit für jedes Feature auch eine Grundvorausetzung; genauso, dass ich feier, was derjenige macht. Ich habe weder viel Geld bezahlt, was die Meisten sicherlich denken, noch sonst irgendwie meine Seele dafür verkauft. Ich habe Afu den Beat geschickt und alles Weitere hat sich von selbst entwickelt.

Ist A.M.L. auch das eigentliche Konzept der EP? Also, wolltest du uns etwas aus deinem Leben erzählen?

Sunny Bizness: Es gibt auf jeden Fall einige Lines, die man auf mein Leben beziehen kann und wenn man noch ein wenig zwischen den Zeilen liest, erfährt man sicherlich auch noch etwas mehr. Aber bei M.A.S.K. ging es mir nicht darum, meine Lebensgeschichte zu erzählen oder auch zu privat zu werden, sondern vor allem Spaß zu haben, ein wenig Rap über Rap zu machen und den Sound, mit dem ich selbst aufgewachsen bin, wieder ein wenig aufleben zu lassen.

Wie sehr bist du in deiner Musik du selbst bzw. wie viel der Kunstfigur Sunny Bizness steckt darin?

Sunny Bizness: Ich bin in meiner Musik immer ich selbst. Auch wenn ich übertreibe oder Konzepttracks mache, was auf dieser EP weniger der Fall ist, mache ich das aus meiner Perspektive und es gibt immer Aussagen, die man auf mich, mein Leben oder meinen Charakter zumindest ein wenig beziehen oder zurückführen kann.

Es gibt folgendes Zitat von dir: "Back to the Roots! Wo es auch noch ohne 'Hu*ensohn' und 'ich f*ck deine Mutter ging'/Lasst uns wieder versuchen, ein wenig die Kultur und die Musik in den Vordergrund zu stellen/" Was sagst du zu der aktuellen Entwicklung, dass Gangster- und Straßenrap nun mehrfach auch in den Charts stattfindet?

Sunny Bizness: Ich will nichts bewerten und habe auch keine Lust, mit so pseudointellektuellen Phrasen um mich zu schmeißen. Jedem müsste eigentlich klar sein, was ich meine. Ich finde, Deutschrap war noch nie so vielfältig, wie er jetzt ist, und ich selbst habe in meiner Jugend viel Zeit auf der Straße verbracht, weswegen ich unter anderem guten Straßen- oder Gangsterrap feier, aber es wäre einfach schön, wenn auch Rapper wieder mehr in den Fokus kommen, die nicht ständig mit einem neuen Skandal um die Ecke kommen oder sich zum Clown machen müssen, damit sie gehört werden, sondern einfach nur weil sie gute Musik machen. Es wäre schön, wenn das Image zur Abwechslung mal wieder zweitrangig werden würde.

Bist du der Meinung, dass diese Art von Provokation der Musik an sich schadet und damit auch dem Ruf der Szene?

Sunny Bizness: Am Ende des Tages ist es doch so, dass Rap von der Straße kommt und da wird einfach nicht so gesprochen wie im Bundestag, aber ich denke, die Dosis macht das Gift, wie man so schön sagt. Meiner Meinung nach sollte alles in Maßen sein; das muss aber im Endeffekt jeder für sich selbst entscheiden bzw. beurteilen, sowohl als Hörer wie auch als Künstler.

Themawechsel: Du hast die aktuellen und sehr aufwendigen Vega-Videos zu seinem neuen Album Kaos gedreht. Warst du an den Ideen dazu maßgeblich beteiligt?

Sunny Bizness: Da ich die Videoproduktionsfirma Malariafilms mit meinen zwei Freunden Stipe Braun und Tarik Dorbane ins Leben gerufen habe und wir verantwortlich für die Umsetzung der Videos waren, war ich auch an der Ideenentwicklung beteiligt. Meistens übernehme ich den Part der Regie oder Produktion, aber ich trage auch Kabel und Kisten, wenn es sein muss. Ich bin mir da für nichts zu schade, wenn es das Projekt nach vorne bringt. Wenn jemand ein anständiges Video braucht, ist er bei uns definitiv richtig.

Wie kamen die Konzepte für diese zustande?

Sunny Bizness: Bei Wir sind die Eins war uns vor allem wichtig, das König ohne Krone-Thema aufzugreifen, da es auch die erste Single aus Vegas neuem Album werden sollte. Wir wollten anhand einer filmischen Idee einfach klar aufzeigen, dass Vega wieder zurück ist, um sich diese Krone zu holen. Ein Symbol, mit dem Vega oft vebunden wird, ist ja der Adler, doch da man den auch eher erwarten würde und er uns für dieses Video auch ein wenig zu “schön” gewesen wäre, haben wir einfach nach einer asozialen oder besser gesagt härteren Variante gesucht und da kam im Endeffekt nichts mehr in Frage als ein Geier, so schwer der auch zu organsieren war. Bei Ich will raus mit dir wollten wir mit dem Video vor allem das Gefühl des Songs widerspiegeln. Die konkrete Idee hat sich in mehreren Brainstormings entwickelt und immer wieder erweitert, so zum Beispiel um die Burgruine als Kulisse, das Medallion und weitere persönliche Dinge, die Vega im Clip bei sich hat und die sich auch größtenteils auf gewisse Art und Weise im Text des Tracks wiederfinden. Zu dem dritten Video, das noch kommt, kann ich noch nicht zu viel verraten, da es noch nicht veröffentlicht wurde. Ich kann nur soviel sagen: Es ist nochmal etwas ganz anderes und alle hartgesottenen Vega-Fans werden hier voll und ganz auf ihre Kosten kommen.

Du rappst nun schon sehr lange. Der große Durchbruch kam aber bisher nicht. Welche Erwartungen hast du an deine EP?

Sunny Bizness: Ich wollte mit der EP einfach ein kleines Lebenszeichen von mir geben und habe eigentlich nur die Erwartung bzw. den Wunsch, dass sie so viele Menschen wie möglich hören. Ich will und werde damit nicht das Game verändern, wie manche meiner Kollegen es immer so gerne ankündigen; dennoch steckt auf jeden Fall Liebe in dem Projekt. Die Leute sollen nur nicht denken, dass man jetzt nur mit so etwas rechnen kann, da mein Album sowohl vom musikalischen, als auch textlichen und raptechnischen Level noch mal auf einem deutlich höheren Niveau sein wird. Da in der kommenden LP die meiste Kraft, Arbeit, Geld und auch Zeit steckt, habe ich auch weitaus mehr Ewartungen daran, aber ich möchte jetzt auch im Vorfeld nicht zu viel darüber reden. Die Leute sollen einfach gespannt sein und vor allem reinhören, wenn es dann released wird.

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Interview: Saskia Meister

Die M.A.S.K. EP von Sunny Bizness zum Free Download findest du in unserer Release Section oder auch als Stream auf Youtube:

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