Außerhalb eures Mikrokosmos sieht Hiob einen Prozess, an dessen Ende die Sklaverei stehen wird. Seht ihr solche Tendenzen im Rahmen der modernen westlichen Welt?

Hiob: Das hab ich gesagt?

Morlockk: Ja, das ist bestimmt zugespitzt gemeint gewesen. Sklaverei ist natürlich ein großes Wort und man verbindet mit ihm Zeiten, die natürlich schon lange her sind. Man kann das aber natürlich auch übertragen. Wenn man sich alleine anschaut, wie es heute ist, wenn man mit Schulden lebt – und es ist fast unmöglich, heute ohne Schulden zu leben – dann ist das einfach eine Form von Abhängigkeit, die einen ein Stück weit versklaven kann.

Hiob: Man versklavt sich ein Stück weit selbst, indem man sich zu manchen Anschaffungen drängen lässt. Manche systematischen Dinge muss man eben auch einfach mitmachen. Man kann nicht ohne Geld leben, man kann nur schwer ohne Job leben. Darüber hinaus werden einem Erwartungen und Wünsche an das Leben übergestülpt. Seien es Dinge, die man anziehen soll, oder wie ein gutes Leben auszusehen hat. Das ist ein Stück weit eine Selbstversklavung.

Morlockk: Bevor das jetzt in eine zu politische Richtung geht, möchte ich noch sagen, dass wir auf musikalischer Ebene keine Leute sind, die groß rumjammern und nur das Negative sehen. Man muss auch sehen, dass es uns in Deutschland noch richtig gut geht.

Hiob: Es gibt keine Alternative zum Optimismus außer den Selbstmord.

Snaga und Fard haben sich die Thema Kapitalismus- und Obrigkeitskritik auf deutlich martialischere Art und Weise angenommen.

Hiob: Ich hab' das mitbekommen. Das ist natürlich etwas völlig anderes als das, was wir machen. Sie suchen alle Fehler bei der Gegenseite. Ich finde, Kritik beginnt immer mit der Selbstkritik und aus dieser Position heraus kann man dann andere kritisieren. Inhaltlich fand ich einiges, was sie gesagt haben, durchaus berechtigt und stimmig. Dieser übliche Shitstorm der Empörung hat mir dann allerdings auch Angst gemacht, da auf diese Art und Weise Künstler mundtot gemacht werden können. Das ist mir übel aufgestoßen bei der Geschichte.

Morlockk: Es würde, glaube ich, zu weit gehen zu sagen, dass wir uns krass damit beschäftigt haben. Wir haben natürlich die Singles mal gehört. Grundsätzlich finde ich es aber gut, wenn Menschen sich mit politischen Themen auseinandersetzen und somit eine wünschenswerte Debatte auslösen. Ich habe mir auch diese Staiger-Debatte angeschaut und es ist klar, dass diese Leute nicht mehr an einen gemeinsamen Tisch kommen, da hier einfach zwei Extreme aufeinandertreffen. Dass dies auf Hiphop-Plattformen debattiert wird, ist auf jeden Fall erstmal nicht schlecht.

Ihr beschwert euch, dass viele Kids heutzutage keine konkreten politischen Ideale mehr vorzuweisen haben. Können solche Debatten dafür sorgen, dass sich wieder mehr Kids mit Politik auseinandersetzen?

Morlockk: Naja, die beiden und wir auch fischen da denke ich im berühmten Fass. Ich denke, die Leute, die unsere Musik hören, wissen, was sie erwartet, setzen sich von sich aus mit der Materie auseinander und teilen so oder so unsere Meinung. Missionarisch auftreten und bekehren können wir Leute nicht und unsere Musik ist zu nieschig, um eine große Masse zu bekehren. Das wollen wir auch gar nicht. Es geht vielmehr darum, dass wir selbst uns mit diesen Thematiken auseinandersetzen.

Hiob: Ich bin mir auch gerade nicht mehr so sicher, ob die Jugend wirklich so unpolitisch ist. Anders gefragt, wann war die Jugend denn jemals politischer? Wir sind ja beide keine Soziologen und deshalb haben wir keine Belege für unsere Meinung.

Morlockk: Wenn ich bei Facebook sehe, was Jugendliche so posten, dann sind die teilweise schon politikinteressiert, aber dann geht es ganz schnell in so krude Ecken. Seien es merkwürdige Verschwörungstheorien oder nationalistische Tendenzen. Das habe ich in letzter Zeit häufiger mitbekommen.

Hiob: Es ist möglicherweise auch keine Politik-Verdrossenheit, sondern eine Verdrossenheit dem starren politischen System gegenüber.

Wie bewertet ihr in Zusammenhang mit den scheinbar verschwörungstheorieaffinen Jugendlichen die Rolle von Ken FM, der kürzlich versuchte, die Antilopen Gang zu verklagen?

Hiob: Ich kenne ihn persönlich nicht, finde ihn aber unsympathisch. Ich hab' immer ein Problem mit diesen Verkündern des Weltuntergangs. Das macht ja Leute eher paranoid, lässt sie abstumpfen und bringt sie ja nicht dazu, irgendwie tätig zu werden. Ich würde hier eher das Setzen von positiven Anreizen bevorzugen. Allerdings haben sich natürlich auch zahlreiche Verschwörungstheorien im Nachhinein als wahr herausgestellt. Sei es über FBI- oder CIA-Dokumente, die veröffentlicht wurden. Es gab zum Beispiel gerade diese Syphilis-Studie in den Vereinigten Staaten, die wurde einfach an Farbigen in Krankhäusern durchgeführt. Ohne deren Wissen! Das galt lange als Verschwörungstheorie. Vor ein paar Jahren hat sich Obama dann im Namen der US-Regierung dafür entschuldigen müssen.

Zum Abschluss des Interviews sprechen Morlockk und Hiob über zukünftige Projekte und ihre persönlichen Ideale. 

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Fard – Zappzarapp [Video]

Fard – Zappzarapp [Video]

Von Robin Schmidt am 01.11.2019 - 12:35

Fard lebt nach dem Motto "Zappzarapp". Seinen ausschweifenden Lifestyle präsentiert der gebürtige Gladbecker in seinem neuen Video – mit jeder Menge Party. Für den Beat verantwortlich zeichnen B-Case, Chryziz und Kiarash. 


FARD - "ZAPPZARAPP" (Official Video)

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