Duzoe & Dollar John über "Frank", Hype und das VBT (Interview) - Upcoming Artists

Knapp zwei Jahre lang verstaubte die Frank-EP auf dem PC der Internet-Battle-Legende Duzoe, bis sich dieser einen Ruck gab, sie mastern ließ und mit ihr nun eines der kompromisslosesten Releases des Jahres auf den Markt schmeißt. Die Veröffentlichung dieser EP ist allerdings nur eines der Themen, über die wir uns mit Duzoe unterhalten haben. Außerdem leistete uns im Rahmen des Gesprächs ein unterhaltsamer Überraschungsgast Gesellschaft.

Du bist bereits seit geraumer Zeit ein wichtiger Bestandteil des deutschen Untergrund-Raps und betrittst nun mit der bereits erschienenen Frank-EP erstmals die "große Bühne". Erzähl den Menschen, denen du bisher noch kein Begriff warst, zu Beginn des Interviews, wer du bist und für was du musikalisch stehst.

Ich bin Duzoe und kann quasi nichts (lacht). Dass mir Leute zuhören, liegt wohl an diesem VBT, an welchem ich regelmäßig teilgenommen habe, weil ein Freund mich dort einfach angemeldet hat. Mittlerweile habe ich mich von diesem Battle-Quatsch losgesagt und mache Musik. Zu hören ist das auf der Frank-EP!

Einige ehemalige Battlerapper wie Weekend finden sich mittlerweile in den Top Ten der Album-Charts wieder, wohingegen andere nach ihrer Teilnahme in der Versenkung verschwunden sind. Welche Eigenschaften benötigt ein Battlerapper, um sich außerhalb von Internet-Battles etablieren zu können?

Er braucht in erster Linie auf jeden Fall Talent und Authentizität. Man sollte irgendetwas verkörpern und auf diesem Weg ein Künstler sein, den die Masse mögen kann, ohne sich dabei zu stark anzupassen. Ich bin ein sympathisch-provokantes A*schloch und das kommt an bei kleinen 14-jährigen Mädchen.

Aus deinem letzten Turnier bist zu vorzeitig mit den Worten "dieser Hype ist nicht brauchbar" ausgestiegen. Nun zeigen andere, dass dieser Hype durchaus kommerziell nutzbar ist. Warum siehst du das anders?

Der Hype ist insofern nicht brauchbar, dass die VBTs, in denen beispielsweise auch Weekend teilgenommen hat, tausende Menschen unterhalten hat, was man an den Millionen von Klicks unter den Videos aus diesen Turnieren sieht. Beim VBT, bei dem ich dann ausgestiegen bin, hat die Resonanz stark nachgelassen und nur noch irrelevante Kinder haben teilgenommen, was sich auch in der schwindenden Aufmerksamkeit niedergeschlagen hat. Mir haben die Teilnehmer nicht gefallen und das ganze Drumherum hat mich genervt. Die Siegprämie war auch kein Anreiz mehr dort teilzunehmen, da es mir in erster Linie bei solchen Battles immer um den Spaß ging. Geld macht auch deutlich mehr Spaß, wenn man es mit Musik verdient, hinter der man voll steht und in der man sich gegnerunabhängig ausleben kann.

Die Frank-EP wurde bereits vor Jahren angekündigt und wartete seitdem auf ihre Veröffentlichung. Wie kommt es, dass diese erst jetzt den Weg in den Handel findet?

(Dollar John betritt die Gesprächsrunde, nimmt sich einen Stuhl und setzt sich dazu)

Dollar John: Ich würde gerne etwas dazu sagen, falls ich darf.

Duzoe: Er könnte als so etwas wie mein Manager auftreten!

Dollar John: Duzoe hat mir 2011, als wir uns im Internet kennengelernt haben, den ersten aufgenommenen Part der EP geschickt. Das habe ich schon sehr krass gefeiert damals.

Duzoe: Dass die EP bis jetzt noch nicht erschienen ist, lag daran, dass Zwiebel, mit dem ich die EP zusammen gemacht habe, und ich alle Songs aufgenommen haben und die Songs danach leider etwas in Vergessenheit geraten sind. Sie lag auf meiner Festplatte und ich hatte einfach keine Zeit, die Songs abzumischen. Nach einiger Zeit habe ich mir die Tracks nochmal angehört und festgestellt, dass diese nach wie vor zu gut sind, um sie einfach verstauben zu lassen. Da ist damals wie heute einfach Qualität vorhanden. Um zu verhindern, dass die Songs in Vergessenheit geraten, habe ich sie dann schließlich zum Mischen weggeben. Das klingt zwar anders als das, was ich im Augenblick mache, aber es ist dennoch nicht schwer, sich auf diese Songs einzulassen. Entstanden ist die EP innerhalb von einer Woche!

Wie kamst du zu der Entscheidung, als erstes physisches Release ein Kollabo-Projekt zu veröffentlichen, anstatt den VBT-Hype für ein großes Soloalbum zu nutzen?

DuzoeWeil ich unfassbar verliebt in Zwiebel und dessen Parts auf der EP bin! Den habe ich auch durchs VBT kennengelernt und fand ihn dort direkt unfassbar dope. Da man sich auch menschlich super verstanden hat, haben wir anschließend eine Crew gebildet. Mein erstes Soloalbum soll einen zusammenhängenden roten Faden haben und dazu war ich einfach noch nicht in der Lage. Deshalb die Entscheidung, zuerst mit Zwiebel zusammen eine EP aufzunehmen. Und am Ende sind es nun mal zehn krasse Songs plus einem Instrumental-Intro, die es verdienen, an die Gesellschaft gebracht zu werden. Ich liebe dieses Produkt einfach sehr, da ich mir immer gewünscht habe, dass Danny (Zwiebels bürgerlicher Name, Anm. d. Redaktion) viel mehr Aufmerksamkeit und Zuspruch für sein Talent bekommt.

Was ist Frank letztlich für eine EP geworden?

Duzoe: Es ist unfassbar fresh, weil man hier zwei Künstler hat, die super rappen, unfassbar schön und wahnsinnig schlau sind.

Dollar John: Und Duzoe ist auch dabei (alle lachen)!

Duzoe: Die EP ist sehr abwechslungsreich geworden. Mal Dubstep-angehauchte Instrumentale, dreckige Beats, aber auch melodramatische Themen. Wir haben uns auf jedem Song eine kleine Message bewahrt und mit Crystal F, Mikzn70 und LZA sind auch sehr starke Gäste mit im Boot. Nicht vergessen sollte man natürlich die fabelhaften Produzenten, wie z.B. Hollydontybe, meinen Crewpartner Kawenzmann, divix und – natürlich  Zwiebel und ich selbst.

Die EP ist trotz der Message, die ihr euch bewahrt habt, wahnsinnig hart und kompromisslos geworden. Was inspiriert dich, solche Songs zu schreiben?

Dollar John: Duzoe ist im Vertrauen gesagt ein kleiner Softie und eigentlich ganz lieb. Aus diesem Image möchte er ausbrechen und schreibt deshalb solche wütenden Songs. Tief im Inneren ist er eigentlich ein schüchterner, kleiner Kerl.

Duzoe: (lacht) Das ist natürlich Quatsch! Mich haben solche Songs als Hörer immer deutlich mehr angesprochen als dieser Mädchen-Rap, den es zurzeit gibt. Solche Musik ist einfach zeitlos. Ich feiere einfach harte Sachen, die nach vorne gehen!

Was ist denn Mädchen-Rap?

DuzoeMädchenrap machen auf jeden Fall eRRdeKa, Cro, eRRdeKa, Prinz Pi, eRRdeKa... (überlegt) Ach, ich darf gar nicht so weit ausholen, sonst krieg ich wieder nur aufs Maul. Aber eRRdeKa kann man auf jeden Fall so stehen lassen!

Was stört dich denn konkret an eRRdeKa?

DuzoeAch, das ist einfach viel zu soft und der Typ ist mir dazu einfach viel zu abgehoben. Der Hype, den der Kerl hat, ist einfach unverdient, wenn man sich anschaut, was er musikalisch leistet. Er kommt einfach aus dem Nichts und hat diesen krass unverhältnismäßigen Hype. Das mag zwar ganz schön sein für ihn, aber er ist meiner Meinung nach einfach nicht so gut, dass man ihn auf die Titelseite der Juice packen müsste. Ich möchte damit gar nicht sagen, dass ich in die Juice gehöre, sondern einfach, dass jemand ohne nennenswerte Erfolge und Fähigkeiten da eben nicht hingehört. Er ist nicht das, wofür er sich hält.

eRRdeKa hat es auf das Juice-Cover geschafft. Welche Ziele hast du dir für deine nähere Zukunft gesetzt?

DuzoeZiele habe ich Prinzip keine, außer Menschen, denen meine Musik gefällt, diese näherzubringen und mit dieser zu erfreuen. Geld spielt da eher eine untergeordnete Rolle, wobei es natürlich schön wäre, wenn Frank mir hilft, meine unbezahlte Ausbildung zu finanzieren. In erster Linie möchte ich allerdings meine Fans unterhalten.

Wie passt eine unbezahlte Ausbildung zum Erzieher eigentlich zu der Musik, die du machst?

Duzoe: Die Musik an sich ist ein schöner Ausgleich zu meiner Tätigkeit als Erzieher und das allmorgendliche Umswitchen von den expliziten Aussagen eines Rappers hin zu einer Person, die kleinen Menschen versucht, eine Perspektive zu bieten, ist auch super.

Dollar John: Bei solchen Fragen muss man als Hörer immer sehen, dass Duzoe die Musik, aber Thiemo (Duzoes bürgerlicher Name, Anm. der Redaktion) die Ausbildung macht. Das sind so gesehen zwei verschiedene Personen. Duzoe erzieht schließlich keine Kinder und Thiemo macht keine Musik.

Duzoe: Wow, du solltest alle meine Interviews geben (lacht). John hat auf jeden Fall Recht mit dem, was er sagt.

Welche Projekte folgen nun auf die bereits erschienene Frank-EP?

Manchmal sitze ich, nachdem ich meine Schule und meine Kindergarten-Arbeit absolviert habe, zuhause und arbeite fleißig an neuen Texten über das, was sich gerade in meinem Kopf abspielt. Aus diesen entstehen dann neue Songs, die irgendwann mein kommendes Soloalbum ergeben könnten. Klar ist auf jeden Fall: es komm etwas! Von der EP wird es sich insofern unterscheiden, dass weder ein Hasenkopf auf dem Cover noch ein Kollaborationspartner mit im Boot ist. Mehr kann ich allerdings noch nicht dazu sagen.

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