Das große Chronik 2-Interview - Selfmade Records im Gespräch
Es gab eine Zeit, da wurde man belächelt, wenn man in der völlig übersättigten Musikindustrielandschaft noch ein weiteres Label aus dem Boden stampfen wollte. Zu oft wurden da talentfreie Grundschulfreunde mitgezogen und nach dem ersten Release schrumpfte das Roster wieder gen Nullpunkt. Nicht so bei Selfmade Records : 2004 gegründet von Flipstar und Elvir Omerbegovic hat sich das in Düsseldorf ansässige Label mit interessanten Künstlern, hohen Chartplatzierungen, geschicktem Marketing und einem der meistdiskutieren Neuzugänge im derzeitigen Spiel etabliert. Dass dieses Spiel auch seine Schattenseiten hat, musste Selfmade Records am eigenen Leib erfahren: in den letzten Wochen überschlugen sich die Ereignisse in Rapdeutschland. Erst ein heftiger Schlagabtausch zwischen Selfmade Records und Aggro Berlin ( Features: Aggro Berlin vs. Selfmade Records: Alle Tracks ), dann das Ende vom Label mit dem Sägeblatt ( Features: Das Ende von Aggro Berlin ) und schließlich die unschönen Vorfälle während des Selfmade Tourstopps in Berlin ( News: Attacke auf Shiml bei Selfmade Konzert in Berlin ). Ab heute (17. April) steht nun der Labelsampler Chronik 2 im Laden. Jan Wehn sprach mit Favorite, Kollegah , Produzent Rizbo , dem neuen Signing Casper und Geschäftsführer Elvir Omerbegovic deshalb vor allem über Musik, die Vorteile eines facettenreichen Künsterkataloges und die fast schon obligatorische Internethateration.

Westdeutschlands Kings als Pre-Single ist ja schon etwas berechnend gewesen, oder?
Elvir: Ach, das würde ich nicht sagen. Angefangen hat es ja, als Fler und der Rest meinten, auf dem DJ Sweap -Tape sticheln zu müssen.

Kollegah, wie würdest du denn den Ausgang des Battles beurteilen?
Kollegah: Naja, was soll ich sagen? (schmunzelt) Ich sehe mich auf jeden Fall ganz klar als Gewinner. Deswegen wird da von unserer Seite auch nichts mehr kommen.

Seht ihr euch denn mittlerweile als eines der drei größten Labels in Deutschland? Man hört ja davon, dass Aggro Berlin und ersguterjunge demnächst ihre Pforten schließen. [Was im Falle von Aggro Berlin auch kurze zeit später geschah, Anm.d.Verf.]
Elvir: Also ich weiß nicht genau, wie der Stand bei den anderen Labels wie ersguterjunge oder Aggro Berlin ist. Sido hat natürlich gut verkauft – und von daher weiß ich nicht, wie deren Zukunftsplanung ist. Wir sind von diesen Zahlen auf jeden Fall noch weit entfernt, aber wir sind ganz guter Dinge und arbeiten dementsprechend darauf hin.

Was den Hiphop-Bereich angeht, habt ihr euch ja schon sehr etabliert. Meint ihr, dass das auch im Mainstream möglich sein wird?
Elvir: Das kommt auf den Künstler an. Man muss schon sagen, dass die anderen Labels, die in letzter Zeit erfolgreich waren, nicht so technisch-versierten Rap gebracht haben, wie wir das derzeit tun. Fakt ist natürlich auch, dass Hiphop und Rap sich weiterentwickeln. Die Kids sind sicher dafür zu begeistern auch mal neue Musik und Sachen, die sich weiterentwickelt haben, anzuhören. Wenn jetzt jemand von einem anderen Künstler beispielsweise auf Kollegah umgestiegen ist und dem eine Chance gegeben hat, wird er die alten Leute vielleicht auch nicht mehr so unterstützen. Wie gesagt, es kommt eben auf den Künstler an. Wenn wir jetzt mit Casper in den Mainstream gehen würden, würde er ganz andere Leute ansprechen. Aber an sich sehen wir was den Mainstream angeht keine Grenzen.
Casper: Ich denke einfach, dass mit diesem Label vieles möglich wird. Es wird ja allerorts geunkt, dass unser Rao nur Imagerap ist, der vermarktet wird und nicht ernst zu nehmen sei. Ich hingegen sehe das so wie das früher mit Wrestling war. Da hatte man auch den einen bösen Voodoopriester, die Irren aus dem Busch, den untoten Riesen und und und. Da wurden Rollen gespielt. Im Hintergrund der Sport. Da sehe ich persönlich nichts Verkehrtes, nichts Unreales und auch nichts Dummes dran. Zumal meiner Meinung nach niemand bei Selfmade ein schlechter Rapper ist, alles passiert auf einem textlich hohen Niveau. Und mal ganz im ernst: wer wirklich glaubt, dass Kollegah ein herzloser Zuhälter ist, der Kilos über die marokkanische Grenze schiebt oder Fave ein gewissenloser Irrer auf Pappe mit 40 Knarren im Club, der hat doch selber ein Problem. Im Ernst: nicht, dass ich mich als Imagerapper sehe, aber vielleicht einfach mal als Denkanstoss an die Leute.
Meint ihr, dass die Heterogenität eures Labels ein Probelm für den Verkauf des Samplers werden könnte? Das Leute sagen "Ich mag zwar Casper, aber Kollegah ist absolut nicht mein Ding" oder "Ich steh zwar auf Shiml, aber mit Fave kann ich gar nichts anfangen"?
Kollegah: Nein, ganz im Gegenteil: ich denke, dass verschiedene Images und Persönlichkeiten auf dem Sampler eher ein Kaufgrund sein werden. Wenn jeder dasselbe machen würde, wäre das Ganze ja auch eine sehr langweilige Angelegenheit. Dass der Sampler so eine große Bandbreite hat macht ihn ja erst interessant. Andere Labels schlagen immer in eine Kerbe und machen alle Gangsterrap oder was weiß ich. Wir haben alle vier sehr verschiedene Facetten.
Elvir: Die Single ist ja auch ein bisschen der Maßstab dafür. Mittelfinger hoch ist sehr gut angekommen. Das sind einfach verschiedene Styles und ein Beat, auf den die drei einzeln vielleicht gar nicht gerappt hätten. Diese unterschiedlichen Charaktere von Casper, Kollegah, Favorite und Shiml lassen den Sampler auf jeden Fall höherwertig erscheinen und besser dastehen, als viele andere.
Casper: Das ist doch eben das Ding. Ich verstehe das, wenn einer sagt, dass er Kollegah -Fan ist und mit einem Rasierklingenliebe oder Vatertag nichts anfangen kann - aber eben das reizt doch auch. Mittelfinger hoch ist das beste Beispiel dafür, wie diese verschiedenen Charaktere sich auf einen Beat, auf eine Aussage, auf einem Nenner treffen können. Wie langweilig wäre es denn, wenn auf einem Label vier Zuhälter, vier Anarchos, vier Punkrapper oder vier Bremen-Ost-Düsterrapper wären? Das ist unser Anstoß für ein besseres Zusammenleben. Selfmade im Auftrag der Kulturenverständigung. Kumbaja und so. War es von Anfang an geplant, ein Label mit solchen unterschiedlichen Charakteren aufzuziehen?
Elvir: Ja, auf jeden Fall.

Ist eure Distanz zur Rapszene dabei auch ein Stück weit gewollt?

Kollegah: Ich glaube, dass sich das einfach so ergeben hat. Ich war da auch früher nie wirklich dabei oder auch nur ein Fan von irgendjemandem. Auch diese ganzen Jams und so Zeug haben mich nie interessiert. Ich habe irgendwann angefangen zu rappen und das ist alles.
Favorite: Du hast schon recht. Wir haben auf jeden Fall nicht so viele Freunde im Game. (lacht) Das liegt vielleicht auch daran, dass wir die neue Generation sind, die den bisherigen Stars auf die Pelle rückt. Elvir sorgt auch dafür, dass wir nicht auf diesem Rapfilm hängenbleiben. Ich meine, was ist denn die Rapszene in Deutschland überhaupt? Natürlich machen wir Musik und sind auch Rapper, aber so ein richtig krasser Rapper mit allem drum und dran zu sein ist natürlich unsinnig.
Casper: Mal abgesehen davon, dass ich privat nicht wirklich viel Rap höre, halte ich es generell für schwachsinnig, sich hinzustellen und in die Luft zu brüllen, dass man mit Musik Millionen machen wird. Ich denke, wenn sich alle mal darauf einigen würden, dass es nicht um Leben und Tod geht, könnten sich auch alle ein bisschen entspannen. Ist ja schlimm, was teilweise im Game los ist. Dennoch sehe ich uns gar nicht als distanziert. Der Toni checkt ja am laufenden Band neue Talente aus, hat schon mit Chissmann , JAW und SunDiego was gemacht, damals auch mit mir, als mich von der jüngeren Generation kein Schwein kannte. Fave macht halt auch einfach Songs mit Savas , Banjo und K.I.Z. . Ich hänge mit Prinz Pi , Marteria und den Chimperator -Jungs. Ist ja nicht so, dass wir in Düsseldorf in einem Bunker hocken und alles erstmal grundlos Scheiße finden.

Ist es ein Nachteil, dass ihr aus unterschiedlichen Gegenden kommt, dass Selfmade nicht aus dem Crew und Unity Gedanken geboren wurde?

Favorite: Guck mal, wir sind doch Westdeutschland, wir sind hier die Kings, wie der Track ja auch schon sagt. (lacht) Aber ich find das gut, dass jeder bei uns sein eigenes Ding macht und sich nicht so in die Quere kommt. Es wäre ja auch blöd, wenn wir jetzt zum Beispiel noch jemanden aus Essen hätten, der so ähnlich wie rappt wie ich.

Ihr habt für euer Video Rotation bei MTV bekommen, eine ordentliche Anzahl an Klicks auf YouTube - seid ihr zufrieden mit dem Buzz im Vorfeld?

Elvir: Auf jeden Fall. Wir machen eben gute Labelarbeit. (schmunzelt) Natürlich kann man vorher nie sagen, wie das so laufen wird. Du stellst dem Kunden ja ein Produkt vor und entweder es gefällt ihm oder es gefällt ihm nicht. Wir versuchen natürlich immer das Beste aus der Sache rauszuholen und freuen uns über jeden Zuspruch. Es sind aber auch Projekte in Planung, wo wir wissen, dass es vielleicht nicht diese Zusprüche von einem Großteil der Hiphop-Fans geben wird – aber so etwas machen wir dann auch ganz bewusst.
Kollegah: Mittlerweile ist das ja schon Routine geworden. Ich bin jetzt zum zweiten Mal auf dem Backspin -Cover, das schockt mich jetzt nicht mehr so.
Favorite: Es ist sicher nicht mehr so eine große Sache. Ich war ja auch schon bei TRL und so Zeugs - aber da waren sie ja alle. (lacht) Ich habe unser Video seitdem es auf Rotation ist auch schon dreimal im Fernsehen gesehen durch Zufall. Wobei, ich lass immer extra MTV laufen. (lacht) Das ist auf jeden Fall immer geil. Fame ist schon cool.
Casper: Für mich ist das alles ein ganz krasser Film im Moment. Ich war noch nie im Fernsehen, hatte noch nie ein Video und plötzlich sehe ich das bei MTV . Andauernd. Ich sitze bei Pizza Hut und das Video läuft. Auf einmal bin ich auf dem Cover der Backspin . Auf einmal dies, auf einmal das. Das ist auf jeden Fall wirklich aufregend und ich bin unendlich dankbar dafür. Guck mal, ich mache den Kram schon soooo lange und es lief immer super. Ich hatte und habe immer super Fans gehabt, immer waren Shows cool, aber man merkt schon, dass jetzt mehr geht. Endlich hat man wirklich so diese paar Sachen, die einem keiner mehr nehmen kann. Später kannst du halt einfach deinen Kindern solche Sachen zeigen. Es motiviert auch unheimlich zu merken, wie viel mediale Präsenz möglich ist.
Warum habt ihr das Video eigentlich in Berlin gedreht?
Elvir: Das hat sich einfach so ergeben. Die Jungs von Los Banditos waren dort und haben uns gefragt, ob wir uns vorstellen könnten, dort zu drehen. Selfmade steht ja nicht für eine Stadt, von daher war das kein Problem. Wir wollten ein urbanes Video drehen, wie auch schon bei der Single zum ersten Sampler, und da passt Berlin natürlich perfekt.

Habt ihr euch die charakteristischen Szenen selbst ausgedacht?
Kollegah: Auf jeden Fall. Ich habe auch lange Fußball gespielt, genau genommen bis ich 16 war, und konnte so noch mal ein paar schöne Tricks präsentieren.
Casper: Ich bin früher krass viel Skateboard gefahren, eigentlich sogar ziemlich gut, deswegen dachte ich mir, dass das cool wäre. Zumal ich eh seit ein paar Wochen wieder aktiv rolle. Nur ist es morgens um sechs in Eiseskälte eben auch krass schwer, wirklich was zu zeigen. Ich bin uralt. Und uncool. Ein uncooler Uralter. Schlimm.
Favorite: Gut, ich bin jetzt nicht so der krasse Kickerfan. (lacht) Klar spiele ich ab und an mal, wenn einer rumsteht. Und den Kickertisch aus dem Video habe ich jetzt auch zuhause. Der war richtig ghetto, da fehlten auch die Köpfe und so. Also wenn du mal Bock hast, bist du herzlich eingeladen und wir zocken eine Runde.

Ihr seid mit euren Alben sehr gut in die Charts eingestiegen. Ist euer Ziel mit dem Sampler, noch eine Schippe draufzulegen?
Elvir: Was erwartest du denn?

Naja, eine ähnlich hohe Chartposition. Top 30 vielleicht?
Elvir: Wir wissen es natürlich auch nicht, erhoffen uns aber natürlich einen guten Charteinstieg. Es wäre vermessen zu sagen, dass wir jetzt auf jeden Fall charten. Ein Großteil der deutschen Rapplatten chartet nicht. Wir warten einfach ab, sind guter Dinge. Wir haben dem Sampler ja noch eine 120-minütige Label-Dokumentation auf DVD beigelegt und ich denke, dass die Fans das sehr gut aufnehmen werden. Andere Labels würden die vielleicht nochmal für 20 Euro extra verkaufen, um damit Kohle zu machen. Ob weitere DVDs in Zukunft folgen werden, weiß ich noch nicht. Klar, wenn die Fans es honorieren und uns dementsprechend entlohnen, kann man da auf jeden Fall drüber nachdenken.

Was kann man denn von der DVD erwarten?
Elvir: Zwei Stunden beste Unterhaltung. Wir gewähren den Fans mit der DVD einen Blick hinter die Kulissen. Wir waren mit Casper auf der Berlinale, mit Favorite im Knast, wo er ein Konzert gegeben hat. Außerdem haben wir Aufnahmen von der Shiml Releaseparty, wo unter anderem auch Buddy Ögun mit am Start ist. Und Kollegah hat sich mit Farid Bang ein bisschen ins Düsseldorfer Nachtleben geschmissen.
Kollegah: Das war auf jeden Fall eine lustige Angelegenheit. Wir sind einfach ein bisschen herumgefahren, haben Scheiße gebaut und die Kamera hat draufgehalten.

Wie ist denn der Kontakt zwischen dir und Farid überhaupt entstanden?
Kollegah: Naja, man hat sich halt kennengelernt als ich nach Düsseldorf gekommen bin. Ich fand seine Sachen richtig geil und habe sie sehr gefeiert. Er hat richtig lustige Sprüche drauf. Da lag es nahe, dass wir auch mal gemeinsam Songs machen.
Neben dem Farid-Feature ist auch dein Song mit Olli Banjo auf dem Sampler, Favorite.
Favorite: Wir waren ja zusammen auf Tour, gemeinsam mit F.R. . Da haben wir uns kennengelernt, Playsi gezockt und so weiter. Irgendwann kam dann die Idee zu dem gemeinsamen Song. Er macht jetzt was für unseren Sampler, ich werde dann auf Sparring 4 sein. Der Track ist auf jeden Fall richtig geil geworden, Banjo geht echt krass ab. Mit seinen Doubletimes und diesen krassen Flows und was weiß ich. (lacht)

Wie lief denn eigentlich das Album von Shiml?
Elvir: Für Shiml -Verhältnisse lief das auf jeden Fall gut. Wir sind auf Platz 86 eingestiegen. Man muss ja einfach bedenken, dass er drei Jahre weg vom Fenster war und sehr wenig Output hatte. Deswegen war es sicher auch schwer, da einen Hype auszulösen. Shiml ist halt auch einfach kein polarisierender Künstler. Insgesamt ist das Album sehr gut gelaufen. Vor allem besser als vieles, was in Restdeutschland herausgekommen ist. (lacht)

Warum ist Shiml nicht mit auf der Single Mittelfinger hoch ? Auf Dampfwalze wären ja alle Künstler gefeatured gewesen.
Elvir: Das hat sich einfach so ergeben. Mittelfinger hoch war in unseren Augen einfach die beste Single und das ist auch gar nichts gegen Shiml . Mit Dampfwalze haben wir ja auch einen Song, wo das komplette Roster vertreten ist. Wir wollen mit dem Sampler eben vor allem die Künstler anteasen, von denen der Konsument in Kürze wieder etwas Neues erwarten kann.

Denkst du denn, dass Casper auch so ein Potential hat?

Elvir: Ich glaube, dass sein Emo Rap-Image nicht ganz so zuträglich ist, wie das der anderen Jungs. Emo-Rapper ist halt ein Tag den er jetzt hat, den wird er so schnell auch nicht mehr los. Wobei ich ihn ja eher so als Britpop/Indierock-Rapper bezeichnen würde. Ich meine, er rappt auf Nirvana -Beats – das ist halt geil. Es ist schön, dass solche Facetten bei uns auch abgedeckt werden und denke, dass er damit auch sehr erfolgreich sein wird. Noch dazu ist er technisch sehr stark, sprich: er ist wirklich ein sehr guter Rapper.
Casper: Dem habe ich nichts hinzuzufügen. (lacht)

Wie habt ihr als Künstler denn
Casper aufgenommen?
Kollegah:
Also ich kenne Cas von allen eigentlich am längsten. Wir haben ja 2005 das erste Feature miteinander gemacht. Und die Leute mit denen ich rumhänge müssen ja nicht dieselben Klamotten tragen wie ich, weißte? Er ist auf jeden Fall ein Supertyp, den wir hier bei Selfmade herzlich willkommen heißen.
Favorite: Also er war ja labelintern schon ein bisschen länger im Gespräch. Daher wusste ich schon, mit wem ich es zu tun habe. (lacht) Er ist auf jeden Fall korrekt. Natürlich ist er anders als ich und ich bin anders als er. Mal gucken, wenn wir jetzt auf Tour gehen, kommen wir uns ja ein bisschen näher und dann wird er auch so cool wie ich. (lacht) Nein, quatsch! Ich sehe ihn echt als eine Bereicherung für uns. Ein netter Junge, der gut rappen kann. Was will man mehr?
Rizbo: Ich muss sagen, dass ich ihn mir ganz anders vorgestellt habe. Seine Stimme ist ja schon etwas anders, als sein Erscheinungsbild. Aber er ist ein krasser Rapper und die Sachen von ihm und Kollegah habe ich damals auf jeden Fall auch gefeiert. Cas, fühlst du dich denn bis jetzt aufgehoben?
Casper:
persönlich hätte Ich fühle mich super aufgehoben. Klar ist es ein Experiment. Es kann halt wirklich steil nach oben gehen, oder die Leute hassen es auf den Tod und es scheitert. Aber dieses Antiding ist schon immer meine Sache gewesen. Was hätte es mir in meiner Situation genützt, zu einem Major zu gehen? So gesehen war ich zwar unglaublich gehyped und auch eine polarisierende Figur über die viel geredet wurde, dennoch habe ich aber zahlentechnisch noch nichts gerissen. Da hab ich gesagt, ich will auf jeden fall erst mal noch indie was machen. Iches langweilig gefunden, den einfachen Weg zu gehen. Ich steh auf diesen Underdogstatus. So als Vorgruppe, das Feld von hinten aufräumen. Leute überzeugen müssen, live alles geben zu müssen. Mir ist schon klar, dass ich mich in ein Becken voller Haterhaie geschmissen habe, aber ich habe mittlerweile auch einfach das Selbstbewusstsein, dass ich dann wirklich auch mal sage: Ich weiß, was ich kann. Und ich denke, dass da noch was möglich ist. Wie viel, weiß ich nicht. Aber dieses Rapding ist eben auch nicht mein Leben. Ich muss niemanden davon füttern oder so. Vom Aufgehobensein her ist es ein Traum. Ich designe immer noch meine Shirts mit meinen Leuten zusammen, mache meine Grafiken, nehme meine Beats und alles ist immer noch Casper , nur eben mit unglaublich guter Arbeit dahinter. Wenngleich der Elvir noch an seinem Humor feilen muss. (lacht)
Nun gab es die Story mit Kollegahs gebrochenem Arm vom Armdrücken oder die ständigen Emo-Schwuchtel-Sprüche

Aber dein Background ist ja schon das Internet. Und natürlich ranken sich da einige Mythen um deine Vergangenheit. Durch die Dissgeschichte mit Fler ist das ja auch wieder etwas aktueller geworden.
Kollegah:
Klar habe ich im Internet angefangen. Ich konnte halt damals keine CDs pressen. Und wie ich vorhin schon meinte: die Leute reden einfach zu viel. Diese Realnessgeschichte muss einem einfach am Arsch vorbeigehen. Das gibt es ja bei 50 Cent oder so auch. Aber gut, wenn jetzt jemand kommt und mich testen möchte, dann kann er das gerne tun. Damit muss man dann auch leben. Was steht denn für 2009 noch an? Liegt der Fokus jetzt erstmal auf Casper?
Elvir: Das Album von Casper ist für den Herbst 2009 geplant. Davor kommt im Sommer noch eine Überraschung, welche den Leuten schon sehr bald offenbart wird. (schmunzelt) Das wird auf jeden Fall ein ganz besonderes Release im Sommer, welches über kurz oder lang für Furore sorgen wird. Wir geben auf jeden Fall Vollgas und gehen jetzt ja auch auf große Mittelfinger Hoch -Tour. Das sind mittlerweile 19 Dates und Österreich ist auch dabei. Es geht gerade erst los.
Casper: Die Tour wird der Hammer. Und da werden auch sicherlich die Fans von allen sehen, dass man zu allen Acts des Labels gut abfeiern kann. Ich persönlich freue mich schon mega darauf!

Aber neue Signings sind erstmal nicht geplant?
Elvir: Das ist schwer zu sagen. Da möchte ich mich nicht festlegen. Der Künstler müsste schon eine ganz eigene Persönlichkeit haben, auf die Leute wirken und vor allem auch zu uns und unserer Labelphilosophie passen. Jemanden komplett aufzubauen ist auf jeden Fall sehr schwierig und wäre natürlich auch mit sehr viel Arbeit verbunden. Nun, ich schaue schon ab und an mal herum. Aber da muss echt vieles stimmen.

bei Casper: Geht ihr ins Internet und guckt euch das alles an? Zumindest im Selfmade Forum seid ihr ja schon aktiv.Favorite: Ich bin auf jeden Fall nur in meinem eigenen Board unterwegs und quatsche da auch viel mit den Leuten.Casper: Hm, das ist ein schwieriges Thema. Am Anfang musste ich wirklich erstmal dran knabbern, denn ich bin wirklich viel im Netz unterwegs oder auch bei Shows eher bei den Fans als Backstage. Deswegen ist es schon irgendwie eine Gewohnheit, dass alles cool ist. Aber als ich zu Selfmade gegangen bin, war das für viele pubertierende Jungs glaube ich ein einschneidendes Erlebnis für ihr Machogehabe. Im ernst, ich bin null schwul und kleide mich völlig normal. Ich bin nur halt eben nicht der frauenschlagende Rachefürst, bei dem der Asphalt brennt und alle zu Knie fallen, sobald er aus seinem Ferrari steigt. Punkt. Nicht mehr, nicht weniger. Man merkt nun, dass einen plötzlich viel mehr Leute auf dem Schirm haben und vorher gar nicht kannten. Mittlerweile ist alles easy, ich wünsche mir nur nach wie vor ein bisschen mehr Objektivität, wenn es darum geht, irgendetwas zu kommentieren. Ich meine, wenn mir was nicht gefällt, dann mach ich mir doch nicht noch die Mühe, das in Grund und Boden zu tippen. Aber das scheint so ein Rapphänomen zu sein, mit dem man leben muss. Ich mach mein Ding, meine Musik, meine Sache. Und das wird auch früher oder später was reißen. Oder eben nicht. Aber klar, es nervt oft gewaltig.Kollegah: So etwas lese ich mir schon lange nicht mehr durch. Ich polarisiere nun mal stark und da gibt es immer Leute, die über dich reden. Aber davon darf man sich nichts annehmen. Wenn ich mir dann den Arm breche, ist das natürlich ein gefundenes Fressen für die Hater. Ich meine, dass sind meist eh so 11- oder 12-jährige Pisser. Da lohnt es sich gar nicht, sich irgendwelche Gedanken zu machen.
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