Was "der erste offen schwule Rapper Deutschlands" von homophoben Texten hält

Es ist schon irgendwie krass, dass eine Kultur, die sich mit ihrer Offenheit und Toleranz rühmt, immer noch nicht darauf klarkommt, wenn ein Mann auf Männer steht. Dass es dieses Problem durchaus noch gibt, haben mir zuletzt die Kommentare zum Artikel Kennst du schon Hiphops Transgender-Ikone Mykki Blanco? gezeigt.

"[Freund verlinkt] haha, würde ich sogar feiern, wenn er nicht gay wär" oder so ähnlich lautete da noch eine der freundlicheren Reaktionen. Digga, was ist dein Problem? Wenn die Mucke geil ist, ist sie halt geil.

Sich gerade in dieser doch noch – mindestens latent – homophoben Szene als schuler Rapper zu etablieren, dürfte nicht gerade leicht sein. Falk Schacht hat für bento mit Juicy Gay, dem "erste[n] offen schwule[n] Rappers Deutschlands" gesprochen und der sieht das Ganze ziemlich entspannt:

"Ich weiß, dass das Image sehr helfen kann, Aufmerksamkeit zu erzeugen. Aber ich hoffe auch, dass ich nicht nur darauf reduziert werde und die Musik mehr in den Vordergrund rückt. Homosexualität sollte kein Tabuthema mehr sein - auch im Hiphop nicht."


Der Dude ist natürlich nicht verblendet und weiß, in was für einer Szene er sich herumtreibt. Wie sieht er das also, wenn Schwuchtel und Homo als Beleidigung benutzt werden, was ja praktisch zur Tagesordnung gehört?

"Ich bin das gewohnt von Rap-Musik. Auch all das frauenverachtende Zeugs. Das ist eben der Battle-Shit. Ich finde, man muss im 'real rap' alles sagen dürfen."

Für ihn steckt da keine Homophobie drin. Ich denke und hoffe auch, die meisten Rapper meinen diese Lines nicht ernst. Wenn man das aber durch sein political correctness-Monokel betrachtet, hat es einen faden Beigeschmack. Andererseits hat es im Rap ja fast Tradition – der "Battle-Shit" eben.

Eine andere Deutschrap-Tradition will Juicy Gay fortsetzen: Irgendwann in den nächsten zehn Jahren will er Schwuler Samt releasen.

Lies hier das komplette Interview! Wie seine Musik ("zwischen Trap, Cloud Rap, R'n'B, Swag Rap und Boom Bap" – Falk Schacht), die ja eigentlich im Vordergrund stehen sollte, klingt, findest du am besten bei Soundcloud heraus. Das gibt's ziemlich viel davon. Ziemlich gratis:

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Kommentare

Wieso nennt er sich Juicy Gay wenn doch seine Musik im Vordergrund stehen soll?

Y not? Kurdo heisst auch Kurdo und will wahrscheinlich auch das die Musik im Vordergrund steht

kurdo heißt kurdo weil das sein vorname ist

G.U.D.G!! SCURRRRR

Wer den wegen seiner Musik feiert, den nenne ich in feinster battlerap Manier: "******".
Ihr hättet dem doch nie nen Artikel gewidmet, wenn er nicht "der einzige ******e" deutsch Rapper wäre.
Musik ist für den Arsch!

Also das die Begriffe "**********" und "Homo" schon lange nicht mehr mit Homo***ualität gleichzusetzen sind hat doch schon die South Park Folge "The F Word" (nachzulesen auf Wiki) gezeigt. Eine ********** ist einfach eine ********** weil er ne ********** ist. Das hat nichts mit Homo***uell zu tun. Auch Heteros können ********** sein wenn sie sich so verhalten. Einfach wie ********** eben.

Jo, grandiose Folge! In den Wörter steckt halt noch irgendwie drin, dass ****** zu sein etwas schlechtes ist. Aber wie du sagst, meint das wohl kaum jemand so

CHIEF TEXTREDAKTION

"...dass eine Kultur, die sich mit ihrer Offenheit und Toleranz rühmt..."
Tja, das behauptet Ihr (also Hiphip.de, vor allem Rooz) immer wieder, aber wie zum Geier kommt Ihr da drauf??
Wer macht das? Hat das gemacht? Sind das so viele, dass sie für "die Kultur" stehen? Wem gegenüber gelten die Offenheit und Toleranz?

Ist halt einer der Grundgedanken, den die frühen Hiphop-Künstler gelebt haben. Kommt nicht drauf an, woher du kommst oder wie du aussiehst, sondern darauf, was du kannst. Von der Kultur haben sich schon immer die unterschiedlichsten Menschen begeistern lassen.

Das Ganze ist aus rassistischer Un****rückung entstanden und richtet sich bis heute gegen Un****rückung und Ungleichheit (Straßenrap und so). Die Offenheit und Toleranz gelten gegenüber allen, die auch offen und tolerant sind... würde ich jetzt mal so auf die Schnelle sagen.

Klar gibt's auch Ausnahmen bei so einer riesigen, weltweiten Kultur, aber da liegen die Wurzeln ;-)

CHIEF TEXTREDAKTION

hab mir gerade mal n paar lieder angehört und muss sagen, eigentlich gar icht so scheise auch n paar gute lines wie z.b. ich bin im fler drin wie n paar *****ien aber in den liedern ist so übertrieben viel autotune drin dass man das meiste nicht mehr versteht. schade eigentlich...

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Hiphop-Podcast Mammut Remix mit Aria & 14 weiteren Gästen online

Hiphop-Podcast Mammut Remix mit Aria & 14 weiteren Gästen online

Von HHRedaktion am 28.12.2019 - 11:02

Deutschraps Podcast Game ist strong und wird mit jedem Jahr vielfältiger. Auf Initiative von Jan Kawelke und Vassili Golod von Cosmos Machiavelli Podcast haben sich insgesamt 15 Kollegen der Zunft – einige davon auch Mitglieder unserer diesjährigen Awards-Jury – zusammengefunden, um in bunt gemischten Konstellationen mit Themen ihrer Wahl das ablaufende Jahr Revue passieren zu lassen.

Der Hiphop Podcast Mammut Remix 2019

Mit dabei ist auch Aria, der gemeinsam mit Salwa Houmsi auf Grundlage des ersten Albums einer Rapperin an der Chartspitze ever (Shirin David mit "Supersize") über erfreuliche Entwicklungen für Frauen in der Szene gesprochen hat. Der Talk der beiden beginnt nach 26:02 Minuten im oben eingebetteten Upload der Backspin.

In den einzelnen Parts des Mammut Remix' wird eine spannende Bandbreite von Themen der Szene abgedeckt. Beteiligt waren neben den beiden Initiatoren sowie Aria und Salwa auch Mauli, Staiger, Falk Schacht, Jule Wasabi, Helen Fares, Josi Miller, Kevin und Niko von der Backspin, Jan Wehn, Tobias Willinski und Yannick Niang. Checkt den Podcast hier bei Spotify ab!


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