Aus der Banlieue in die ganze Welt: Wie der 22-jährige MHD mit Afro Trap die internationale Rapszene erobert hat

...15. April 2016 und hörte auf den Namen MHD (hier streamen). Das Album hat sicherlich einige überrascht. Es sind zwar alle sechs bis dato erschienenen Afro Trap-Parts auf der Platte gebündelt. Doch klingt MHD nicht von vorne bis hinten nach Gute-Laune-Mucke. Auch die gewohnte Härte der Lyrics bleibt in einigen Songs aus. Kein durchgängiger Representer-MHD, sondern vielmehr ein streckenweise nachdenklicher, melancholischer.

Möglicherweise sind es gerade reflektierendere Tracks wie Maman j'ai mal (= Mama, es geht mir schlecht) oder Ma vie (= Mein Leben), die einem im Gedächtnis bleiben, weil man diese Seite Syllas bisher noch nicht kannte. Klar, er lässt auch in seine Afro Trap-Songs einiges an Persönlichkeit einfließen. Er rappt über seine Erlebnisse mit der Musik, über seine Kindheit und Jugend auf den Straßen seines Viertels, über Familie und Loyalität zu Freunden. Doch stets schwingt dabei in Beats und Flows die Hitze der afrikanischen Steppe mit.

Toujours le même j'ai pas changé

J'ai blessé des gens, j'en suis désolé

//Immer das Gleiche, ich habe mich nicht verändert

Ich habe Leuten weh getan, es tut mir leid

[MHD – Maman j'ai mal (aus "MHD")]

Im Kontrast dazu wirken Lines wie diese wesentlich bedeutsamer. Besonders das Outro Wanyinyin (= Es ist die Liebe) trägt den Hörer förmlich aus dem Album hinaus. Für die Atmosphäre des Songs sorgt vor allem die beninisch-französische Grammy-Gewinnerin Angélique Kidjo.

Im Interview mit Noisey erklärt MHD, die Zusammenarbeit wäre über das Management der beiden zustande gekommen. Er hätte die in Brooklyn lebende Künstlerin bis dato leider noch nicht persönlich getroffen. Zum Zeitpunkt des Kontakts war sie gerade bei den Grammys. Sie hätte den Feature-Part dennoch unbedingt aufnehmen wollen:

Wir erklärten ihr, dass wir das Album in drei Tagen abgeben müssten. Sie flog dann extra früher nach New York zurück. Angelique war super nett, rief uns noch mehrfach an und versicherte sich, ob wir zufrieden sind. Und: Sie hat die Rapkultur wirklich verstanden. Bei den Grammys hielt sie eine bewegende Rede und appellierte an den afrikanischen Kontinent, seine Stimme durch die Musik zu erheben.

Abgesehen von fünf nachdenklicheren Tracks steht MHDs Debütalbum dennoch größtenteils im Zeichen der tanzbaren Afrobeats und des unaufhaltsamen Flows.

Roger Milla ist ein Brett über den kamerunischen Fußballnationalspieler, der wegen seiner außerordentlichen Leistung und seines getanzten Torjubels während der WM 1990 eine gewisse Bekanntheit erlangte.

A Kele N'ta (= Wähle nur sie) ist eine Hymne der guten Laune und der Lust auf Sommertage, in der es um einen Freund Syllas geht, der geheiratet hat. MHD bestärkt ihn in seiner Entscheidung und wünscht ihm alles Gute.

Wer die Afro Trap-Videos gesehen hat, wird kaum überrascht sein, dass auch auf dem Album die eine oder andere Fußballanspielung zu finden ist. MHD ist bekennender Fan des Ballsports und tritt in Clips gerne mal mit Trikot oder Trainingsanzug in Erscheinung. Seine Lieblingsvereine sind Paris Saint-Germain, Girondins Bordeaux und der FC Bayern München. Der Pariser erklärt seine Liebe folgendermaßen:

Girondis Bordeaux ist der Club meines Herzens, Paris mein Heimatverein und Bayern hatte, seit ich mich für Fußball interessiere, immer eines der besten Teams in Europa. Ich mag die Spielweise und den Teamspirit von Bayern München.

Insgesamt ist MHDs Debütalbum ein beachtliches Release geworden, auch wenn die Afro Trap-Songs den Großteil der anderen Tracks in Sachen Hitpotenzial locker ausdribbeln. Auf seinem zweiten Album will der Rapper ebenfalls dem Afro Trap treu bleiben. Es ist quasi so sicher wie das Amen in der Kirche, dass dabei wieder Hits wie Champions League oder Fais le mouve rausspringen, deren Tanzmoves auch Weltstars gerne nachahmen.

MHD on Twitter

Danke München ! Ich vergesse diese Show niemals. Die Tour geht weiter! Thanks Ribery @renatosanches35 @David_Alaba Merci Munich https://t.co/fX68XU97uq

Drake Direct on Twitter

Drake with them dance moves. https://t.co/ewLnmLOPNk

In der zweiten Jahreshälfte 2016...

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Kommentare

yooow, gerne mehr solcher Artikel mit bissl mehr Inhalt und weniger von der Clickbait*****

PNL - aus electro ghetto wird auto tune ghetto/ghetto romantik

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Fußballverein Olympique Marseille gründet Rap-Label

Fußballverein Olympique Marseille gründet Rap-Label

Von Clark Senger am 26.09.2020 - 14:45

Der französische Fußballverein Olympique Marseille geht einen möglicherweise zukunftsweisenden Schritt ins Musikgeschäft. Gemeinsam mit BMG gründet der neunmalige Ligue-1-Meister das Label OM Records, dessen Fokus auf Rap und R&B liegen soll.

Olympique Marseille & BMG gründen OM Records

Was diese Kombination wichtiger Player aus der Kultur an Vorteilen für alle Beteiligten mitbringen könnte, kann man sich bereits ausmalen. Spieler*innen sowie Musiker*innen haben eine enorme Reichweite in den sozialen Medien und die Verbindung zwischen Fußball und Rap oder R&B ist ohnehin sehr eng, wie man immer wieder auf beiden Seiten beobachten kann. Sylvain Gazaignes, General Manager Frankreich von BMG, sagt zu dieser Connection:

"Die kulturelle Verbindung zwischen Hiphop und Fußball ist sehr stark, ganz besonders in einer Stadt wie Marseille mit einer so lebhaften und kreativen Musikszene. Die Partnerschaft mit OM bietet neue Möglichkeiten für etablierte Acts, aufstrebende Talente und Künstler*innenkollektive aus Marseille, Südfrankreich und Afrika."

Neben dem Großraum Paris ist Marseille Frankreichs wichtigster Hotspot für Hiphop. Mit IAM kommt eine der legendärsten französischsprachigen Rapformationen aus der Metropole an der Côte d'Azur. Einige der aktuell erfolgreichsten Acts wie Jul, SCH, Naps oder Alonzo stammen ebenfalls von dort und representen ihre Stadt häufig mit Leidenschaft.

Mitte August erschien der von Jul ins Leben gerufene Marseille-Possetrack "Bande organisée", der mit 36 Millionen Plays auf Spotify und über 80 Millionen Views bei YouTube schon jetzt einer der größten französischen Songs des Jahres ist. Jul, SCH, Naps, Kofs, Elams, Solda, Houari sowie Soso Maness tragen im Video das klassische Hellblau, das Verein und Stadt im jeweiligen Wappen zeigen. Dabei performt die "organisierte Bande" auf Bolzplätzen sowie im Stade Vélodrome, der Heimat von Olympique Marseille:

Was die Partnerschaft bedeutet

Der Deal macht BMG zum Exklusivpartner für musikalische Projekte und Aktivitäten von Olympique, wie die Musikwoche berichtet. Der Vereinspräsident Jacques-Henri Eyraud beschwört den Spirit der Stadt:

"Olympique de Marseille ist in erster Linie ein Fußballclub, aber seine Wirkung geht weit über die Spielfelder hinaus, insbesondere bei den jungen Menschen in Marseille. L'OM ist ein starker Hebel, um das große künstlerische Potenzial der Bevölkerung freizusetzen. Marseille ist seit der Gruppe IAM eine Wiege des französischen Rap und HipHop, und die Verbindungen zwischen OM und den lokalen Künstler*innen sind seit Jahren stark. Die Gründung von OM Records stärkt diese Verbindung und symbolisiert den Wunsch des Clubs, die einzigartige Energie, die von Marseille und seinen Leuten ausgeht, in der ganzen Welt voranzubringen."

Konkret dürfte das bedeuten, dass der Verein mit seinem Einfluss und seinen Möglichkeiten so gut wie möglich Künstler*innen des Labels unterstützt. OM bekennt sich mit dem Move ganz eindeutig zur Kraft, der Attitude und der Ästhetik des einflussreichsten Genres der Gegenwart.

Haaland, Alaba & Co: 7 Fußball-Stars, die rappen

Der weltweite Fußball-Zirkus sollte sich eigentlich in der verdienten Sommerpause befinden. Doch Corona macht es möglich: Der Ball rollt die nächsten Wochen in nahezu leeren Stadien. Champions League und Europa League müssen noch zu Ende gespielt werden. Sobald es die Zeit erlaubt, gehen manche Ballkünstler aus den Elite-Ligen auch ganz anderen Hobbys nach.

Wenn der Plan aufgeht, dürften die Musiker*innen im Gegenzug dabei helfen, die Marke Olympique Marseille nicht nur in Frankreich, sondern auch in Belgien, dem aussichtsreichen Wachstumsmarkt in Westafrika und über die Grenzen der französischsprachigen Welt hinaus zu stärken. Hinter den schönen Worten der Verantwortlichen über das "künstlerische Potenzial der Bevölkerung" oder die "einzigartige Energie" der Stadt steckt natürlich auch der Wunsch nach finanziellen Vorteilen für alle Beteiligten.

Ein Move mit Signalwirkung?

Die unweigerlichen Verbindungen und Sympathien aus den Welten der Musik und des Sports zusammenzubringen, ist natürlich nichts gänzlich Neues. Wenn MoTrip für den FC Bayern rappt, der FIFA-Soundtrack mal wieder vor Hiphop nur so strotzt oder Spieler wie Haaland, Alaba und Sergio Ramos sich als Rapper versuchen, erscheint eine Labelgründung unter dem Dach eines Fußballvereins nicht abwegig, sondern fast schon logisch.

Andere Vereine aus Frankreich, Deutschland, England, Spanien und womöglich auch den USA werden genau verfolgen, ob und wie OM Records sich etabliert und auszahlt. Man kann sich vorstellen, wie Vereine aus Hamburg, Berlin, London, Madrid, Barcelona oder auch kleineren Städten, die bereit für die Nische sind, profitieren könnten.

Dass Fußball und Rap nicht nur wirtschaftlich ein passendes Paar abgeben, sondern auch in der Mentalität der Protagonisten viele Überschneidungspunkte bieten, haben wir beispielweise in diesem Artikel gezeigt:

Was Rapper an Fußballern fasziniert - und umgekehrt

Rap und Fußball - da wächst etwas zusammen. Vor allem Straßenrapper supporten Spieler und Clubs. Sie tragen Trikots, nutzen die Namen berühmter Spieler als Tracktitel und widmen sich auch sonst gerne textlich dem Volkssport Nummer eins. Auf der Seite der Sportler läuft es fast spiegelverkehrt.


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