Deutschrap-Classics: Wie Savas zum "King of Rap" wurde

Was braucht es für einen echten Klassiker? Beat, Flow und Lyrics müssen stimmen und gelungenes Gesamtbild ergeben. Das reicht aber nicht. Ein Song kommt in den seltensten fällen raus und ist ein Instant Classic. Es kommt darauf an, dass er die Zeit überdauert – auf welche Weise auch immer.

Es gibt mittlerweile zig deutsche Rapsongs, die ohne großen Gegenwind als Klassiker oder Meilenstein bezeichnet werden können. Ich möchte mir einen der vielleicht größten mal etwas genauer ansehen: Plattenpapzt ft. Kool Savas - King of Rap. Zuerst ein Throwback ins Jahr 2000...

...dieser Savas Yurderi hat sich mittlerweile als Mitglied von Westberlin Maskulin und M.O.R. im Untergrund einen Namen gemacht. Das Bild von Hiphop wird vom amerikanischen Gangsta- und Straßenrap dominiert. In Deutschland sollen Fettes Brot und Die Fantastischen Vier bald ordentlich Gegenwind bekommen. Deutscher Rap wird härter und braucht ein neues Gesicht. Savas erkennt die Gunst der Stunde und erklärt selbst zum King of Rap – ein Titel, mit dem man ihn auch 14 Jahre später noch in Verbindung bringt, obwohl es über die Jahre immer neue Rapperchens gab, die ihn gerne für sich beanspruchen würden.

Klar, Roe Beardie hat ein zeitloses Instrumental gebastelt – raw und ohne unnötigen Schnickschnack. Klar, Savas hat die neuen Flows parat und bringt Battlerap an den Start. Er ist dope, der Rest ist weak. Einfach der richtige Song zur richtigen Zeit mit dem richtigen Vibe. Vielleicht hat das für den Klassiker-Status gereicht. Was aber auch verdammt wichtig ist, ist der Respekt der Szene. Die Tatsache, dass andere Rapper mit ihren Texten ausdrücken: Jap, du bist dieser dope MC und ein Vorbild für mich.

In der Literatur- und Sprachwissenschaft spricht man von intertextuellen Referenzen, also Bezugnahmen in einem Text auf einen bestimmten Vorgänger (Prätext). Manchmal wird der Prätext ins Lächerliche gezogen, manchmal geht es einfach um die Referenz an sich und besonders häufig drücken Rapper dadurch Respekt für ihre Kollegen aus oder positionieren sich durch diese Props innerhalb der Szene.

Auf Seite 2 nehmen wir einige Referenzen auf King of Rap unter die Lupe...

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Kommentare

Sehr interessant!!!

Also ich wäre stark für ein so eine Background-Story zum Song 'Rap braucht Abitur' von F.R.

Wer isn Savas?

Tzer, als Justin Bieber-Fan kann man Savas natürlich nicht kennen. Hier geht es um Rap und davon hast du ja, wie du mit der Frage selber zugegeben hast, keinerlei Ahnung.

Facepalm

Clark -
"King Of Rap" wurde, wie auch der Rest des "Full House"-Albums, nicht von Plattenpapzt, sondern Roe Beardie produziert!

stabil brudi aber so background story zu F.R. rap braucht abitur wär echt nice

Er ist nicht king dieser mucke!
Er ist diese mucke❤️✌️

Ja komm kriech noch weiter in sein Arsch du wirst trotzdem kein Plattenvertrag bekommen Mois

Auf jeden Fall ein Interessanter Beitrag.
Ich persönlich würd das feiern, wenn mehr in der Richtung kommt.
Nice wäre auch das gleiche mit ein paar Amirap Größen und generell mehr Beiträge die sich mit
der Geschichte befassen.

Geil solche Analysen, mehr davon!!

Mehr davon! Ließt sich gut und ist interessant!

Deine Meinung dazu?

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"Hiphop-Messias" Maxim führt durch zwei Jahrzehnte Berliner Geschichte

"Hiphop-Messias" Maxim führt durch zwei Jahrzehnte Berliner Geschichte

Von Till Hesterbrink am 18.10.2020 - 13:37

Der YouTube-Kanal History of Berlin macht seinem Namen alle Ehre und hat ein Interview mit Maxim aus dem Jahre 2001 veröffentlicht. Attila Murat Aydın, wie Maxim mit bürgerlichem Namen hieß, war einer der Hiphop-Pioniere der Hauptstadt. Er gründete zahlreiche Breaker-, Sprayer- und MC-Crews und war einer der ersten, die Hiphop in Deutschland nach amerikanischem Vorbild verstanden hatten.

Maxim nimmt HoB mit auf eine Zeitreise

In dem Interview erzählt Maxim von seinen Anfängen und wie er zum Breaken und Beatboxen gekommen ist und wie sich die Hiphop-Szene in Berlin mit den Jahren veränderte. Die Faszination begann für Aydın mit 12 Jahren, als ein bodenturnender Cousin aus Manchester ihn besuchte und ihm die ersten Moves zeigte. Nachdem er dann den Film "Wildstyle" gesehen hatte, war er endgültig begeistert. Neben dem Breaken entdeckte Maxim schnell auch das Beatboxen und Malen für sich und begann, sich einen Namen in Berlin zu machen.

Mit den Jahren galt Maxim als einer der Ersten, der den West-Berlin-Hiphop-Style etabliert hat und wurde so zu einer der bekanntesten Figuren in der Hauptstadt. Er war zwar Breaker, Sprayer, Beatboxer und Rapper, doch sein größtes Talent scheint das connecten von Leuten gewesen zu sein. So schreibt History of Berlin über ihn:

"Das wahre Talent von Maxim, war allerdings das vernetzen und verknüpfen von Leuten aus der Hip Hop Szene, denn er kannte wirklich jeden aktiven Tänzer und jeden relevanten Berliner Sprüher persönlich."

Aydın gründete Ende der 80er Jahre die legendäre Berliner Crew 36 Boys, welcher unter anderem auch der heutige Starkoch Tim Raue angehörte. Wie vieles, was Maxim machte, gelten die 36 Boys mittlerweile als Vorreiter für Crews und Gangs der nachfolgenden Generationen.

Auch die Glorious Five Artists wurden von Maxim gegründet, welche von der Backspin als eine der besten Writer Crews Europas bezeichnet wurde. Der Tagesspiegel nannte die GFA mal "die bekannteste deutsche Writer Verbindung".

Maxim: Viel zu früh gestorben

Wohl am Tag dieser Videoaufnahmen, seinem 33. Geburtstag, starb Maxim, als er einen Streit zwischen seiner Ehefrau und einem Rentner klären wollte. Der 76-Jährige zog jedoch ein Messer und erstach Aydın. Maxim hatte sich zeit seines Lebens gegen Gewalt eingesetzt und war ein berühmter Streitschlichter.

Auf der Aggro Ansage Nr.4 widmeten Fler, Sido und B-Tight der Straßen-Legende mit "Maxim ist King" einen ganzen Song.

"Der erste Beatboxer, erste Writer, erste B-Boy, er war die erste Eins" (Fler auf "Maxim ist King")

Des Weiteren wurde der "Maxim Memorial Day" ins Leben gerufen, bei welchem viele Berliner Künstler dem Verstorbenen ihren Respekt zollten. Außerdem erschien der "Maxim Memorial Sampler", auf dem unter anderem Kool Savas, Eko Fresh, Fler, Sido, Taktloss und B-Tight vertreten waren.

Bis heute findet Maxim immer wieder Erwähnungen in deutschen Raptexten:

"Wenn ich sterbe, ist das hier mein Vermächtnis (meine Legacy)/
Hoff', ich bleibe der Straße im Gedächtnis (so wie Maxim)" (Fler auf "Vermächtnis")


Maxim (Zeitreise 1982-2001) Hip Hop Legende, Graffiti, Break Dance, Beatbox - HISTORY OF BERLIN

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