Clyde Stubblefield ist tot: Ohne den "Funky Drummer" wäre Hiphop nie dasselbe geworden
Polo G

Clyde Stubblefield ist gestern im Alter von 73 Jahren gestorben. Der Drummer war der Mann hinter dem womöglich meistgesampleten Schlagzeugsolo der Musikgeschichte – für Hiphop ist der rund 20 Sekunden lange Break aus Funky Drummer (1970) jedenfalls von unschätzbarer Bedeutung gewesen.

Als Schlagzeuger war Stubblefield einige Jahre in der Band von James Brown tätig und war in dieser Zeit mit seinem Drummer-Kollegen John Starks für einige der größten Hits des legendären Funk- und Soul-Musikers mitverantwortlich. Dadurch wurde er auch zu einer Inspiration für viele Hiphop-Akteure der ersten Stunde, die noch stark vom Funk und dessen Rhythmen beeinflusst wurden.

Als Sampling eine gängige Praxis in der Musikbranche – insbesondere in der Rap-Welt – wurde, begann die beispiellose Geschichte des Breaks aus Funky Drummer:

Hier nochmal ganz deutlich:

Um es auf Deutschrap-Deutsch zu sagen: Das ist einer dieser Brudis, die nie ihr Hak bekommen haben, obwohl sie es verdient hätten. Ähnlich wie dieser Kerl hier – nur eben noch wichtiger für Hiphop.

Finanziell hat es ihm nichts gebracht, einer der wichtigsten Drummer aller Zeiten gewesen zu sein: "Ich habe nie ein 'Danke' erhalten, ein 'Hallo, wie geht's?' oder irgendetwas von den Rap-Künstlern", sagte er 2009 in einer Doku, die die Technik des Samplings und ihre Folgen für Urheberrechte beleuchtet.

Wenn du dich fragst, ob wir übertreiben: nein! Die folgenden Beispiele zeigen, welche Songs es ohne Funky Drummer heute nicht geben würde...

Laut Whosampled gibt es über 1.300 Songs, in denen Samples aus Funky Drummer auftauchen. Einer der prominentesten Vertreter, die Stubblefields Solo gearbeitet haben, ist Dr. Dre. Und das nicht nur in Let Me Ride (1992), sondern auch schon zuvor:

Die Revolution, die N.W.A in den 80ern mit ihrem Gangsta Rap starteten, kam nicht ohne das Funky Drummer-Sample aus. Klassiker wie Straight Outta Compton und F**k The Police (beide 1986) basieren auf dem Break.

Auch die anderen Rap-Superstars der 80er-Jahre kamen nicht um Funky Drummer herum. Run-D.M.C., die die ersten großen kommerziellen Erfolge (Gold-Album, Platin-Auszeichnung, Multi-Platin) für Rap einfuhren, bedienten sich zum Beispiel für Run's House (1988) an dem Song.

Hier verschwindet der Ausschnitt zwar ein wenig im vom The Bomb Squad produzierten Sample-Wahnsinn, aber auch in Fight The Power (1989) finden sich die (ersten beiden Achtelnoten der) Drums wieder. Der Song wurde nicht weniger als eine Hymne für eine neue, politisierte Generation von Rap-Hörern. Public Enemy haben das Sample auch in einigen anderen Songs benutzt.

Mit Rakim hat ein auch Pionier in Sachen Rap- und Reim-Technik Lyrics of Fury (1988) auf einen Beat gerappt, der den Break beinhaltet. Du siehst, wie populär und wichtig Funky Drummer gerade in der Ära war, als Hiphop richtig groß und immer ausgeklügelter wurde.

Aber nach den 80ern war lange nicht Schluss mit der Popularität von Stubblefields Solo...

Mit LL Cool Js Hit Mama Said Knock You Out (1991) starten wir ins neue Jahrzehnt. Hier war ein gewisser Marley Marl als Produzent am Werk, den wohl auch jüngere Semester wenigstens durch die Zeile aus Biggies Juicy kennen dürften.

Kleiner Blick über den Tellerrand: Auch die Reggae/Dancehall-Ikone Shabba Ranks arbeitete vor einem Vierteljahrhundert (1992) mit den Drums. Seit die Rapper es in den Jahren zuvor populär gemacht hatten, wurde das Sample in dieser Zeit nahezu inflationär benutzt.

Jetzt mehr oder weniger in die Gegenwart. Auch bei Detroit vs. Everybody (2014) hörst du ab 12 Sekunden den Ausschnitt, der über 40 Jahre zuvor entstanden ist.

Für Nicki Minajs Save Me (2010) wurde die Geschwindigkeit des Samples auf Drum'n'Bass-Level gedreht. Schwer zu erkennen, wenn man Whosampled noch nicht entdeckt hat.

Besonders deutlich ist der Ausschnitt bei einem weiteren Song mit Eminems Beteiligung zu erkennen. Als er sich 2011 mit seinem Detroiter Homie Royce Da 5'9'' für ein Bad Meets Evil-Release zusammengetan hatte, kam dabei unter anderem Living Proof heraus.

Du siehst, es ist keine leere Phrase, wenn man Clyde Stubblefield als den "Vater des Hiphop-Beats" bezeichnet. Selten hat ein so offensichtliches Wortspiel so gut gepasst wie hier: Rest in Beats!

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Rest In Beats for real Mr Clyde

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