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Die Geschichte des Labels Bad Boy Records begann vor 20 Jahren mit dem Release des Albums Ready To Die von Raplegende The Notorious B.I.G. Am 13. September 1994 erblickte das Werk, das von Sean Combs aka Puff Daddy produziert wurde, das Licht der Welt. Die Entstehung war alles andere als unkompliziert aber der Beginn einer Ära.

Eigentlich sollte Ready To Die über Uptown Records erscheinen, wo Puffy zu der Zeit als A&R arbeitete. Nur: Puffy wurde gekündigt. Die Karriere des damals 21-jährigen Biggie hing ebenfalls in den Seilen. Es war nicht klar, wie es mit seinem unfertigen Projekt weitergehen würde. Der Legende nach, dealte er, um sich über Wasser zu halten. 1994 ging er wieder ins Studio, um weitere Songs aufzunehmen. Auch Puffy gab nicht auf, statt ein neues Label zu suchen, gründete er Bad Boy Records. Gemeinsam machten sie Ready To Die zu dem, was es heute ist: mehrfach Platin und eines der besten Rap-Alben aller Zeiten.

Doch das war erst der Beginn von Bad Boy Records. Schon eine Woche nach Ready To Die erschien Craig Macks Project: Funk Da World, mit dem Hit Flava In Ya Ear und erreichte Gold. Während Biggie Topstar des Labels war, erreichte die frisch gesignte Faith Evans mit ihrem Album Faith 1995 den Platinstatus. Der roughe Sound wurde abgelegt, es folgten weitere Signings, für die es in den Jahren darauf ebenfalls Edelmetall regnen sollte: 112, Total, Black Rob und Carl Thomas. Russell Simmons, einer der Gründer von Def Jam Records, empfand diese Zeit wohl ähnlich. Er sagte, alles, was Puff Daddy angefasst habe, war gold. Er habe einen Hit nach dem anderen produziert. In einem Interview sagte Diddy einmal, er erinnere sich daran, eines Tages aufgewacht zu sein und sechs Singles in den Top 10 der Charts gehabt zu haben. Als Produzent habe er die Charts quasi übernommen. Jeder habe ein Stück vom Bad Boy-Sound haben wollen.

"I remember waking up one day and I had six of the Top 10 records. As a producer, I had taken over the charts. Everybody wanted a piece of that Bad Boy sound."

Doch der große Erfolg des Labels brachte den Akteuren nicht nur Freunde ein. Suge Knight, mit seinem an der Westküste angesiedelten Label Death Row Records, und Tupac Shakur waren die erfolgreichsten im kommerziellen Hiphop-Business. Mit Puffy und Bad Boy wurde nun aber auch die Ostküste wieder zum Leben erweckt und es begannen Rivalitäten, die bis heute polizeilich ungeklärt sind. 

Tupac warf Puffy und seinen Leuten vor, für Schießereien verantwortlich zu sein, die sowohl ihm selbst, als auch Freunden von seinem Labelchef Suge Knight galten. Auch die Polizei brachte die Entourage um Diddy laut eines Artikels aus dem Jahre 1997 der New York Times mit Gang-Machenschaften in Verbindung. Combs selbst äußerte sich der Zeitung gegenüber damals folgendermaßen: Er sei der Präsident eines führenden Labels und 20 Stunden am Tag im Studio. Sofern er nicht schlafwandle, wisse er nicht, wann er die Zeit dazu haben solle, dieses "Gang-Zeug" zu machen. Die Zeitungen würden ein Bild von ihm erschaffen, als sei er auf dem Level eines Mafiabosses. Die Leute würden denken, er könne die Kraft, Herzlosigkeit oder Kälte besitzen, jemandem das Leben zu nehmen. Er habe in den letzten Jahren nicht mal jemandem ins Gesicht geschlagen.

"YOU CAN'T KEEP THINKING that people are going to believe all that... I'm the president of the leading custom label at this time. I'm in the studio 20 hours a day. Unless I'm sleepwalking, I don't know how I have the time to be running around doing that gangster stuff. The newspapers paint a picture of me like I'm on the level of John Gotti, but on a black tip. People think that I can possess that power or possess that emotion and heartlessness and coldness to take somebody's life. I never punched. No, not never. But I haven't punched anybody in the face in the last couple years, let alone all this stuff.''

Zum Zeitpunkt des Statements waren beide großen East- und Westcoast Rivalen, Notorious B.I.G. und Tupac Shakur, bereits tot. Mittlerweile gibt es tausende Theorien, was genau passiert ist, wer wen erschossen hat und sogar Verschwörungstheorien, die Beweisen sollen, dass beide eigentlich noch leben- und sich vor der Öffentlichkeit nur verstecken würden. Was genau geschah, wird wohl für immer ungeklärt bleiben. Der Rapwelt wurde vor Augen geführt, was geschehen kann, wenn aus Battle Beef wird. 

Die düsteren Momente stoppten Diddy und sein Label nicht. Er brachte sein erstes Soloalbum und das posthume Werk Life After Death von Biggie heraus. Getragen von der Trauer um den Rapstar, hagelte es wieder Nummer-Eins-Platzierungen. Die Zeit, die Bad Boy zur Legende machte, war vorbei. Das Konzept, "Rap plus RnB" war noch für viele erfolgreiche Jahre gut.

Cassie, Dream, Carl Thomas, Total, New Edition und Mario Winans ersangen Edelmetall. 2002 übernahm Puffy die Talentsuche für die MTV-Show Making The Band 2 und konnte mit der dabei gefundenen Gruppe Da Band ein weiteres Gold-Album hinzufügen. Der Erfolg der Staffel schrie nach einer Fortsetzung und so stellte man 2006 bei Making The Band 3 die Girlgroup Danity Kane zusammen.

Während das RnB-Geschäft lief, ließ sich aber kein weiterer Rap-Überstar etablieren. The Lox und Mase sollten einen Teil der Lücke schließen, die Biggie hinterlassen hatte. Black Rob, Gorilla Zoe, G.Dep und Yung Joc scheiterten trotz einiger Erfolge an diesem Anspruch.  Mase entschloss sich, Prediger zu werden und wurde durch Loon ersetzt. The Lox gingen im Streit. 8Ball & MJG waren schon Legenden im Süden, bevor sie signten, den großen Mainstream-Durchbruch schafften sie nicht. Da Bad Boy nie ein Label für den Underground war, gingen sie nach zwei Alben. 

Und dann war da noch Shyne. Produzent Clark Kent entdeckte ihn 1998, als der Mann mit der rauen Stimme in einem Friseurladen freestylte. Er brachte ihn zu Bad Boy, wo er angeblich für die Vertragsunterschrift Beträge in Millionenhöhe, drei Autos seiner Wahl und zwei Häuser erhielt. Doch ein Jahr darauf gerieten Shyne und sein Chef, der mittlerweile Diddy hieß, in eine Schießerei in einem Nachtclub. Eine Frau und zwei Männer wurden verletzt. Da Diddy seine damalige Freundin Jennifer Lopez dabei hatte, stand die Presse Kopf. Der frisch gesignte Shyne, dessen Debutalbum noch nicht einmal veröffentlicht war, wurde wegen versuchten Mordes angeklagt und zu zehn Jahren Gefängnis verurteilt. Im September 2000 konnte er mit Hilfe der Bad Boy-Produzenten The Hitmen schließlich aus dem Knast heraus sein Debut veröffentlichen und Platin erreichen. Einige Zeit später wechselte er zu Def Jam. 2009 wurde er aus der Haft entlassen und nach Belize abgeschoben.

Das letzte Edelmetall mit einem Rapalbum ist mittlerweile lange her: Bezeichnender Weise The Notorious B.I.G - Greatest Hits im Jahr 2007. Mit French Montana und Machine Gun Kelly gibt es zwei neue Rapper mit Potential. French Montana punktet aber fast ausschließlich mit Mixtapes und Gastbeiträgen und für Machine Gun Kelly besteht durchaus Gefahr, als ewiges Supertalent zu enden.

Bad Boy Records ist eins der größten Hiphop-Labels der Geschichte, mit einer mittlerweile 20-jährigen Tradition. Das schaffen die Wenigsten. Der große Star verstarb schon drei Jahre nach dem Beginn des Labels. Doch Puffy machte seinen verstorbenen Freund posthum zur Legende und sich selbst zum nächsten großen Star. Platin ist vielleicht keine Selbstverständlichkeit mehr, aber ein Ende ist nicht in Sicht. Puffy würde wohl sagen:

We ain't goin nowhere - We can't be stopped now, 'cause it's Bad Boy for life!

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MGK vs. Eminem: Das Urteil der Fans zu Disstracks & Sieger (Umfrage-Ergebnis)

MGK vs. Eminem: Das Urteil der Fans zu Disstracks & Sieger (Umfrage-Ergebnis)

Von Clark Senger am 20.09.2018 - 13:20

Wir haben in unserer Umfrage mehr als 11.000 Stimmen zum Beef von Machine Gun Kelly und Eminem in fünf Kategorien gesammelt. Wenig überraschend geht ein Großteil der Votes an Eminem – egal ob es sich um Beat, Punches, Musik oder den Gesamtsieg handelt. Nur in einer Kategorie hat MGK die Nase deutlich vorne.

Wer profitiert mehr vom Beef?

80,6 % - Machine Gun Kelly

19,4 % - Eminem

Die Überraschung in dieser Kategorie ist nicht allzu groß. Wenn Eminem – nach wie vor einer der größten Rapper der Welt – dir einen kompletten Song widmet, lernen dich plötzlich zigtausend neue Leute kennen. Selbst wenn die meisten davon MGKs Musik keine echte Chance geben dürften, bekommt sein neuer Output definitiv mehr Aufmerksamkeit als ohne den Beef. Was für ein Zufall, dass der Rapper aus Cleveland morgen eine neue EP am Start hat.

Dass auch Em von der ganzen Geschichte profitiert, steht außer Frage. Für ihn war dabei aber deutlich weniger zu holen. Sicher hat die mediale Präsenz des Konflikts auch auf seine "Kamikaze"-Verkaufszahlen einen positiven Effekt. Außerdem kann er sich nach Jahren mal wieder als der Battlerapper inszenieren, als der er schon vor über einem Jahrzehnt gefeiert wurde. Gerade nachdem vielen bei "Revival" (2017) der Biss und der Hunger gefehlt haben, ist so ein Disstrack ein gutes Mittel, um gegenzusteuern – passt außerdem zum "Kamikaze"-Mindstate.

Wer hat den besseren Beat gepickt?

66,8 % - Eminem (IllaDaProducer)

33,2 % - Machine Gun Kelly (Ronny J)

Bevor wir zu den im Beef entscheidenden Kategorien kommen, geht es jetzt erstmal kurz um die Musik. Wenn man Eminems Stan-Bonus berücksichtigt, ist das Ergebnis bei der Beatwahl schon fast ordentlich für MGK und Ronny J ausgefallen. Dennoch holt das Instrumental des noch relativ unbekannten IllaDaProducer doppelt so viele Stimmen. Für ihn dürfte 2018 ohnehin zur Erfolgsgeschichte werden, nachdem er schon an vier Songs auf "Kamikaze" beteiligt gewesen ist (darunter der größte Hit der Platte "Lucky You" mit Joyner Lucas).

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Welcher Track ist aus musikalischer Sicht gelungener?

73,9 % - Eminem

26,1 % - Machine Gun Kelly

Ja, die Musik ist sekundär bei Disstracks. Dieser Punkt könnte allerdings für MGK in Zukunft schwerer wiegen. Wenn der Beef bald vorbei ist (man bekommt aktuell nicht das Gefühl, dass die Sache noch wirklich hässlich wird) und irgendwann nur noch vereinzelte Hater ihren Weg auf Kellys Social-Media-Kanäle finden, bleiben vom Konflikt zwei Songs übrig. Mit der Zeit werden immer mehr unvoreingenommen zuhören und vielleicht bleibt mancher dann doch auf seinem Spotify-Profil hängen.

Für Eminem steht dafür ein neuer Song auf der Habenseite, den die Fans offenbar auch abgesehen von textlicher und technischer Finesse feiern können. Der moderne Beat passt ihm besser, als er es sich vielleicht letztes Jahr eingestanden hätte. Und die Shady-Aggression in der Stimme hatten einige schon viel zu lange vermisst. Auch hier: Für unsere User ganz klarer Sieg für Mr. Mathers.

Wessen Punches treffen härter?

89,3 % - Eminem

10,7 % - Machine Gun Kelly

Die wichtigste Kategorie geht für die Teilnehmer der Umfrage mit massivem Abstand an Em. Wie er das geschafft hat, obwohl er auf einige der vermeintlich treffenderen Punches von MGK nicht eingeht, haben wir gestern genauer unter die Lupe genommen. Er hat sich gezielt einige der oberflächlichen Lines von MGK herausgepickt und gekonnt ins Lächerliche gezogen oder gekontert.

Auf die Vorwürfe, Eminem habe hinter den Kulissen versucht, MGK von Diddy und Jimmy Iovine ins Abseits stellen zu lassen, antwortet er mit einer halben Zeile, ohne wirklich auf den Inhalt einzugehen. Dass der "big bad bully" des Rap Games nicht auf einen Witz klarkommen würde, war in diesem Zusammenhang eine treffende Line von Kelly. Ems Antwort gab es nur im Interview mit Sway Calloway: Darin sagt er, die Story sei frei erfunden.

Für die Befragten besteht jedenfalls kein Zweifel daran, dass Eminem seinen Gegner hier zerstört hat. Die Frage, wie viele Prozente auf den "Rap God"-Bonus zurückzuführen sind, wirft die letzte Kategorie auf.

Ordne den Sieger auf einer Skala von 0-10 ein!

  • 50,6 % - 0 (MGK wurde komplett zerstört)
  • 8,8 % - 1
  • 12,6 % - 2
  • 8,5 % - 3
  • 4,1 % - 4
  • 3,5 % - 5 (Unentschieden)
  • 2,5 % - 6
  • 3,2 % - 7
  • 2,4 % - 8
  • 0,8 % - 9
  • 3,0% - 10 (Eminem wurde komplett zerstört)

Ganz eindeutige Sache. 84,6 % sehen Eminem – mal knapper, aber häufig deutlicher – als Sieger des Beefs. Das war zu erwarten, ist in seiner Deutlichkeit aber schon irritierend. Über die Hälfte (!) aller Antworten hält ihn nicht nur für den Gewinner, sondern findet "Killshot" kommt einer absoluten Zerstörung gleich.

Gut möglich, dass wir nicht mit dem gleichen Maß messen, aber die Extrema der Skala waren jeweils für eine Beerdigung à la "Das Urteil" gedacht. Davon kann man nun wirklich auf keiner der beiden Seiten sprechen. Der Beef wurde kaum persönlich oder allzu schmerzhaft für eine Partei.

Mittlerweile machen die ersten Verschwörungstheorien die Runde, der ganze Beef sei nur inszeniert gewesen, um die Verkaufszahlen der Rapper zu pushen.Beide stehen bei Interscope unter Vertrag. Außerdem hat Ronny J sowohl beim Auslöser "Not Alike" als auch bei "Rap Devil" Produzenten- und Songwriter-Credits. Zwei Indizien, die Sinn ergeben, aber nicht für Klarheit sorgen werden. Am Ende sieht es jedoch so aus, als hätten alle Seiten von MGK vs. Eminem profitiert: Rapper, Labels und die Fans. 


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