3 Level Deutschrap: Wie Marteria vor "Roswell" endgültig ans Ziel gelangt ist

Es gibt diese eine Generation an Deutschrappern, die man gemeinhin als "Veterane" oder "Urgesteine" bezeichnet. Samy, Sido, Savas, Azad, Bushido, Curse – um einige zu nennen. Viele von ihnen sind schon seit dem letzten Jahrtausend dabei. Doch was ist eigentlich mit der Welle an MCs, die seit Mitte 2000 das Game auf den Kopf gestellt haben?

Dieser Tage feiert einer dieser Revoluzzer Jubiläum: Der gute Marteria, anderweitig und in grüner Ausführung auch als Marsimoto bekannt, bringt im Mai sein neues Werk Roswell auf den Markt. Elf Jahre zuvor, 2006, feiert er sein erstes Release. Zeit, auf über ein Jahrzehnt Marteria zurückzublicken. Wie hat der Rostocker seinen Einstieg in das damals sehr straßenlastige Rap-Business geschafft und warum ist er so erfolgreich? Die drei Schritte zum grünen Erfolg:

1. Innovation

Wie willst du erfolgreich werden, wenn du dich anhörst wie jeder andere Rapper auf dem Markt? Zwischen 2004 und 2008 holte Bushido siebenmal, Sido mit Aggro Berlin fünfmal Gold, Kool Savas und Azad sorgten mit One außerdem für ein weiteres Highlight. Straßenrap war am Drücker und viel Platz für experimentellen, musikalischen Rap schien es nicht zu geben. Was macht man also als aufstrebender Künstler? 

Genau, Marteria tat genau das, was niemand zu dieser Zeit tat. Auf seiner ersten Veröffentlichung, Halloziehnation im Jahr 2006, zimmerten Marteria und sein Hausproduzent Dead Rabbit nicht nur außergewöhnlicherweise 30 kurze Songs zusammen, der Rostocker schlüpfte auch direkt über Albenlänge in sein Alter Ego Marsimoto , um Green Berlin den richtigen Touch zu verpassen. "Schräg-verstolperte Songskizzen aus Sicht einer kiffenden Alien-Comicfigur mit Heliumstimme erzählt, inspiriert vom kalifornischen Beat-Guru Madlib aka Quasimoto" gab es zunächst zu hören. Klingt nicht gerade nach einem Erfolgsrezept, klingt nicht einmal unbedingt exzellent, doch so eine Platte auf den Markt zu bringen, muss man auch erstmal schaffen. Endlich mal ein frischer Wind. In der Fachpresse kam es gut an ...

2. Mut

... unter anderem auch, weil Marteria einfach mutig genug war, sein Ding kompromisslos durchzuziehen. Die erste Soloplatte weniger persönlich, fast filmisch zu konstruieren: braucht Eier. Tatsächlich sind die Mehrheit seiner Veröffentlichung Marsi-Platten. 2007 kam mit Base Ventura dann der erste Marteria-Geschmack, ein Jahr später unterschrieb er bei Four Music und die Reise ins große Ungewisse nahm endlich ihren Lauf. Mit Zu zweit allein präsentierte er allerdings erstmal wieder Marsimoto.

Durch die Karriere hinweg – gerade in den letzten Jahren – machen seine reinen Marteria-Platten (Zum Glück in die Zukunft und der zweite Teil) einen erfolgreicheren Eindruck als seine Ausflüge auf den Mars (Zahlen lügen nicht). Trotzdem bleibt Marteria dickköpfig und stur – könnte man sagen. Oder einfach nur: mutig. Er bleibt Künstler und macht, wonach ihm steht. Er folgt keinem Rezept, nur weil gewisse Alben Platin gehen. Marteria- und Marsimoto-Projekte sind musikalisch, nicht wirtschaftlich motiviert.

3. Ausdauer

Apropos Zum Glück in die Zukunft: Diese Platte steht für Marterias endgültigen Durchbruch. Mit Endboss und Verstrahlt band er sich zwei Hits vorne an den Kühlergrill und raste durch das Deutschrap-Geschehen. Letzteres hielt sich zehn Wochen in den Singlecharts. Das Album konnte sich über 100.000-mal verkaufen. Doch bis zum ganz großen Erfolg musste Marten Laciny, sein bürgerlicher Name, lange ausharren. Seit 2006 vergingen vier Jahre bis er endlich richtig wahrgenommen wurde. Drei Alben lang sprang er von Level zu Level zu Level bis es Gold regnete.

Es folgte (mutigerweise, siehe Punkt 2) das Marsi-Album Grüner Samt, daraufhin die Lila Wolken EP inklusive Nummer-1-Single (hat bisher kaum ein anderer Rapper geschafft) und der zweite Teil zu Zum Glück in die Zukunft. Dieses Mal brachen alle Dämme, Marteria ist längst Superstar, füllt Arenen, geht Platin und hält sein Album fast 40 Wochen in den Charts. Mit Kids, OMG!, Welt der Wunder und Bengalische Tiger koppelt er vier Singles aus, die Fans und Kritiker über die Rapszene hinaus beeindrucken.

Stand 2017 hat Marteria nach Ring der Nebelungen nun vier Marsimoto-Projekte und drei eigene Soloalben im Rücken – das vierte erscheint im Mai unter dem Namen Roswell. Nach einem ganzen Jahrzehnt harter Arbeit ist Marteria möglicherweise immernoch nicht an seinem Zenit angekommen. Der ehemalige deutsche U17-Nationalspieler wurde zum Hugo Boss-Model und ist nun Rap- und Popstar mit allen Preisen und Meilensteinen, die dazugehören. Vergangenes Jahr wurde sogar Alicia Keys auf seine Texte aufmerksam.

Was die Zukunft bringt, kann Marten nur selbst wissen. Fakt ist: Roswell wird authentisch, es wird gut. Darauf kann man sich bei Marteria immer einigen.

Zur optimalen Einstimmung kannst du dir in der Marteria-Playlist auf Spotify nochmal die besten Songs vom Rostocker reinziehen.

Marteria | Alle Tracks, a playlist by Marteria on Spotify

Alle Songs von Marteria - von "Aliens", "Sekundenschlaf", "Endboss" über "Lila Wolken", "Marteria Girl" bis "OMG!" und "Welt der Wunder". Das neue Album "Roswell" erscheint am 26.05.2017 Peng Peng Peng.

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