Rap kann die Welt retten, braucht dafür aber neue Statussymbole

Zuerst die gute Nachricht: Rapper könnten die Welt retten, wenn sie wollen. Zumindest hätten sie die Fähigkeiten, die Mittel und die Reichweite, um tatsächlich etwas zu verbessern. Die schlechte Nachricht: Sie müssen das nicht nur wirklich wollen, sondern auch ein paar Dinge ändern. Wir brauchen neue Statussymbole, und zwar generell. Klima und Umwelt lassen sich nicht überzeugend schützen, während wir aus einem edlen Privatjet Werbung für die neueste SUV-Klasse machen.

Menschen sterben: Wer rettet sie, wenn nicht wir?

Fridays for Future, Greenpeace, Extinction Rebellion und Sea-Watch oder die Seebrücke machen es vor. Wir müssen etwas tun, wenn wir nicht wollen, dass Menschen auf der ganzen Welt an den Folgen des Klimawandels sterben oder vor ihnen fliehen müssen. Darauf läuft es hinaus und es kann nicht oft genug betont werden: Es geht um Menschen. Diese Menschen ertrinken massenhaft im Mittelmeer, verhungern wegen Dürren oder sterben aufgrund von Stürmen und anderen Katastrophen, an denen der menschengemachte Klimawandel die Schuld trägt.

Wir können etwas tun. Jede und jeder Einzelne. Wir müssen nicht tatenlos dabei zusehen, wie Menschen in niedrig gelegenen Gegenden absaufen, weil der Meeresspiegel steigt. Wir sind nicht zur Untätigkeit verdammt, wenn die Auto-Industrie uns alle betrügt, um die Luft noch mehr zu verpesten. Wir können etwas dagegen unternehmen, wenn die Regierung ein lächerliches Klimapaket verabschiedet, das im krassen Widerspruch zu sämtlichen Empfehlungen der Wissenschaft steht. Das Einzige, was wir brauchen, ist der Glaube an die eigene Wirkmächtigkeit.

Streetart For Future: 12 Künstler, die Klimaleugnern Kontra geben

Es ist Druck auf dem Kessel. Artensterben, Hitzerekorde, Umweltverschmutzung: Der Mensch führt die Erde direkt in eine ziemlich ungewisse Zukunft. Spätestens seit Greta Thunberg und Fridays For Future ist auch im letzten Winkel angekommen, dass der Umgang mit der Natur auf Widerstand trifft. Nur dubiose Charaktere leugnen, dass wir bereits an den Folgen eines hausgemachten Klimawandels leiden.

Was hat das mit Hiphop zu tun?

Alles. Die meisten Menschen tun nichts, weil sie glauben, dass es sowieso nichts bringt. Was natürlich Bullshit ist und schlicht nicht stimmt. Gleichzeitig werden wir sauer, weil die Anderen auch nichts tun. Der Trick liegt darin, dass wir an uns selbst glauben können. Wenn das alle tun, sind wir nicht mehr aufzuhalten. Dabei können vor allem Leute helfen, die zeigen, wie viel es bringen kann, sich durch nichts und niemanden von einem Vorhaben abbringen zu lassen.

Spezialgebiet von Rap: Es gibt unfassbar viele Rap-Songs, die davon handeln, wie der jeweilige Rapper oder die Rapperin es dorthin geschafft hat, wo sie jetzt steht. Kopf hoch, grade machen, stabil bleiben, rein in die Masse und so weiter. Es geht um Willensstärke, Durchhaltevermögen und Loyalität – quasi Kerndisziplinen vieler moderner Rap-Persönlichkeiten. Diese Power zur Selbstoptimierung, die Zielstrebigkeit und der absolute Wille zum Erfolg lassen sich perfekt auch anderweitig channeln.

Kunst hat Macht! Um auch mal richtig pathetisch zu werden: Künstler haben vielleicht sogar die besten Aussichten darauf, Veränderungen anzustoßen. Dabei spielt es eigentlich keine Rolle, ob es sich um Musik, Bücher, Filme, Theaterstücke oder Installationen handelt. In der Macht der Fiktion schlummert ungeahnte Kraft. Wir könnten sie entfesseln. Fantasie und Fiktion sind die besten Mittel, um Engstirnigkeit und Fantasielosigkeit im Umgang mit Klima- und Umweltschutz, Seenotrettung, schwindender Menschlichkeit oder dem politischen Arm des Rechtsterrorismus' zu begegnen.

Banksy eröffnet eigenen Online-Shop Gross Domestic Product™

Der Streeart-Künstler Banksy hat heute auf Instagram den Launch seines eigenen Online-Shops angekündigt. Der Name Gross Domestic Product™ bedeutet auf Englisch Bruttoinlandsprodukt, kann aber auch als "widerliches inländisches Produkt" übersetzt werden. Banksy schreibt über den Shop, er verkaufe "Kunst, Haushaltswaren und Enttäuschung".

FCKSUV: Wir brauchen neue Statussymbole

Nicht nur im Rap: Des Deutschen liebstes Spielzeug ist sein Auto. Da sind Rapper aller Couleur eigentlich zutiefst spießig. Aber sie müssen sich über kurz oder lang sowieso von den herkömmlichen Verbrennungsmotor-Dinosauriern verabschieden. Die sind nicht nur vom Aussterben bedroht. Es handelt sich um eine bereits aussterbende Spezies.

Nicht nur deshalb, weil nach und nach endlich immer mehr Elektro- oder Wasserstoff-Autos auf den Markt kommen, nein – fossile Brennstoffe sind endlich. Sie gehen uns irgendwann aus. Die Menschheit sollte sich vielleicht langsam entsprechend darauf vorbereiten. Rap könnte auch hier eine avantgardistische Vorreiterrolle einnehmen. Wie es zu einer fortschrittlichen Kulturströmung eigentlich passen würde.

Es ergibt in Zeiten des Internets sowieso nur wenig Sinn, mit einem eigenen Privatjet durch die Gegend zu fliegen. Aber wer wirklich reich ist, müsste es sich doch eigentlich auch leisten können, sich die Zeit zu nehmen. Mit der eigenen Yacht zu fahren, die mit dem nötigen Kleingeld CO2-neutral umgerüstet wurde. Es heißt doch, mit genug Geld würden sich alle Probleme lösen lassen. Dann funktioniert das bestimmt auch im Hinblick auf Umweltschutz und klimaneutrale Fortbewegungsmittel.

Was in der Konsequenz auch wieder zu neuen Statussymbolen führen könnte: Wer gibt am meisten Geld für nachhaltige Fashion aus? Wer investiert am meisten in fair produzierten Schmuck? Wer kauft sich in Zukunft das teuerste E-Flugzeug? Wer kann es sich leisten, seinen Angestellten die teuersten Löhne zu zahlen? Wer hat die größte Flotte zur privaten Seenotrettung und so weiter...?

Wir brauchen dafür also nicht mal Rapper, die mit erhobenem Zeigefinger dozieren, wieso Fliegen unfassbar unverantwortlich ist, genau wie das Fahren eines SUVs. Wahrscheinlich wären das auch einfach keine coolen Songs. Es würde aber vielleicht schon reichen, wenn Zeit, Geld und Energie in sinnvollere Dinge investiert werden. Wenn etwas anderes vorgelebt wird, als es alle Anderen tun.

Wo sind die selbsternannten Trendsetter, wo die Vorreiter, die allen meilenweit voraus sind? Anscheinend denken die Allerwenigsten wirklich über die Zukunft nach.

Festivals sagen Müllbergen den Kampf an, aber das reicht nicht

Die Festival-Saison 2019 nähert sich ihrem Ende. Was am Schluss davon bleibt, ist neben einem Kater meist vor allem der Müll. Das Schlachtfeld, das viele Fans auf den Zeltplätzen großer Festivals hinterlassen, kann nur als Armutszeugnis interpretiert werden. Die Bilder der Müllberge sind beschämend und sprechen Bände. Hier muss sich etwas ändern.

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Kommentare

Wichtiger Beitrag, David! Solange die insbesondere kommerziell erfolgreichen Rapper sich selbst über Marken und Lifestyle definieren, der die Menschheit ins Verderben bringt, mache ich mir wenig Hoffnung. Solange eben diese Rapper noch mit sich, ihrem Ego und ihrem Minderwertigkeitskomplex zu tun haben, ist es für eine Vorbildfunktion noch ein sehr langer Weg... Rapper, denen ich diese Vorbildfunktion zuschreiben würde, sind von Hause aus weniger im promo- und socialbusiness und haben so wiederum geringere Reichweite, weil sie diesen kommerziellen Weg eher ablehnen.
Rap im mainstream ist populär und populär ist ein nicht nachhaltiges Handeln. Ein Beigeschmack der "erfolgreichen" Entwicklung, die Rap in den letzten Jahren machte. Trotzdem wäre es wichtig, wenn Rapper wieder mehr zu ihren Wurzeln zurückkehren würden und ein Sprachrohr der Kritik wären. Eine notwendige Kapitalismuskritik, zumindest Konsumkritik, ist bei dem gegenwärtigen Werteverständnis schwer vorstellbar. Die Rapper, die hier bereits wertvolle Texte bringen, haben meist eine Zielgruppe, die sich eh über solche Themen Gedanken machen... Grüße

Wenn ein Rapper mit seiner Musik die Welt Retten kann ist es GReeeN. Er ist der perfekte Musiker wenn es um die Erde geht.

"Wahrscheinlich wären das auch einfach keine coolen Songs." Kommt drauf an, gönn Dir mal https://www.instagram.com/p/B2oXXrHIoAt/?utm_source=ig_web_copy_link

Warum ist nicht jeden Tag ein Sonntag? ________________________________ https://www.youtube.com/watch?v=T_AO0GMZzb8

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Tua & Chimperator setzen drastisches Zeichen für Seenotrettung
Tua

Tua & Chimperator setzen drastisches Zeichen für Seenotrettung

Von David Molke am 18.11.2019 - 17:14

Tua veröffentlicht mit "Wenn ich gehen muss" nicht einfach nur ein Musikvideo. Es ist viel mehr als das: Ein Weckruf, eine Kampagne zur Unterstützung der Seenotrettung und letztlich ein Spendenaufruf. Die Aktion ist bemerkenswert, das Video aber kaum auszuhalten. Das liegt natürlich in der Natur der Sache und muss wohl auch einfach so sein. Tua und Chimperator wollen die kompletten Streaming- und Download-Einnahmen spenden. Wir sind berührt, beeindruckt und finden, dass das Ganze noch viel mehr Unterstützung verdient hat.

Tua & Chimperator erinnern uns an unangenehme Wahrheiten

Wer dachte, "Wenn ich gehen muss" sei einfach nur ein nettes Musikvideo zum bekannten Tua-Song, dürfte beim Anschauen eine große Überraschung erleben. Im Video sehen wir Tua zuerst aus nächster Nähe, immer wieder unterbrochen von Schreien. Letztlich wird klar, dass er auf einem untergehenden Schlauchboot sitzt. Um ihn herum ertrinken Menschen.

Tua hat im "Wenn ich gehen muss"-Video das Glück, in dieser ausweglosen Situation aus den Fluten gerettet zu werden. Freiwillige Helfer der zivilen Seenotrettungs-Organisation Sea-Eye ziehen den leblosen Körper aus dem Wasser Hier blenden die Macher einen Schriftzug ein:

"Kein Musikvideo. Sondern tödliche Realität."

Im weiteren Verlauf des Videos sehen wir einige offenbar echte Aufnahmen von Schlauchbooten auf dem Mittelmeer. Bilder, die Geflüchtete zeigen, die dank Organisationen wie Sea-Eye überleben können. Viele müssen sterben, weil sie eben nicht rechtzeitig gerettet werden können. Was unter anderem daran liegt, dass es keine staatliche, sondern nur noch zivile Seenotrettung gibt, die auf Spenden angewiesen ist.

"Ohne deine Spende können wir nicht ausfahren."

Hier findest du alle Infos zu Sea-Eye und der Aktion mit Tua:

Tua - Sea-Eye

Gemeinsam mit Sea-Eye veröffentlicht der Rapper Tua sein neues Musikvideo zu „Wenn ich gehen muss". Das Video wurde zusammen mit der Crew unseres Schiffs ALAN KURDI gedreht. Tua möchte damit ein Zeichen für die zivile Seenotrettung setzen und zu Spenden aufrufen: „Dass Menschen auf der Flucht im Mittelmeer sterben und Europa sich seit vier Jahren auf zivile Organisationen wie Sea-Eye verlässt, macht mich wütend.

Die Message ist klar: Tuas "Wenn ich gehen muss" als Spendenaufruf

Über 19.000 Geflüchtete sind seit 2014 im Mittelmeer ertrunken. 2018 sind im Schnitt jeden Tag sechs Menschen bei dem Versuch gestorben, das Mittelmeer zu überqueren. Die Dunkelziffer dürfte noch sehr viel höher liegen, es handelt sich hierbei um extrem konservative Schätzungen. Fest steht: Ohne die zivilen Seenotrettungs-Organisationen wie die Seebrücke, Sea-Watch oder Sea-Eye wären es noch sehr viel mehr.

In einem Statement auf der Chimperator-Seite heißt es dazu:

"Das ist völliger Wahnsinn. Und wenn man dagegen nichts sagt und nichts unternimmt, dann ist man unserer Meinung nach ein bisschen Mitschuld daran, dass unschuldige Menschen sterben."

"Das ist sehr verkürzt und runtergebrochen, ja. Aber am Ende ist es das. Wir lassen Menschen sterben, die auf der Suche nach einem sicheren und besseren Leben sind. Weil wir Angst haben, jemand könnte uns etwas wegnehmen. Das ist grausam und verabscheuungswürdig und wir wollen das nicht unterstützen."

Stattdessen wollen Chimperator und Tua die Arbeit des Vereins Sea-Eye unterstützen. Sie spenden nicht nur die Streaming- sowie Download-Einnahmen, sondern auch "alle Spendeneinnahmen, welche im Rahmen der anstehenden Tua-Tour gesammelt werden und der Gewinn der Jubiläumsveranstaltung zu unserem 20-jährigen Bestehen". Abschließend gibt es noch dieses Statement auf der Seite dazu:

"Um auslaufen zu können, benötigt die „Alan Kurdi“ pro Mission 60.000,-€. Für rund 14,-€ kann sie eine Seemeile fahren. Eine Rettungsweste kann für 25,-€ erworben werden. Für 106,-€ kann die „Alan Kurdi" eine ganze Stunde zur Seenotrettung auf dem Mittelmeer eingesetzt werden. Wenn du kannst, spende auch du etwas. Wenn nicht, schick das Video bitte weiter und sprich darüber. Danke!"

Dem können wir uns nur anschließen.

Zum Thema zivile Seenotrettung gibt es auch noch diesen extrem sehenswerten, erschütternden und aufrüttelnden Dokumentarfilm. Hier könnt ihr euch "SeaWatch3" in der NDR-Mediathek anschauen:

SeaWatch3

"Du Komplizin von Menschenhändlern! Schäm dich!" schreien ihr Menschen am Pier entgegen. Als Carola Rackete im Hafen von Lampedusa unter Buhrufen und Jubel abgeführt wird, richten sich alle Kameras auf sie. Die deutsche Kapitänin hat die "Sea-Watch 3" mit Geflüchteten an Bord ohne Erlaubnis in den italienischen Hafen gesteuert und wird vorläufig festgenommen.

Noch mehr findest du hier:


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