Wieso es in Zukunft schwieriger sein wird, Gold- und Platinstatus zu erreichen

Nachdem es in den vergangenen Monaten gefühlt Gold- und Platin-Auszeichnungen für deutsche Rapper regnete und Bausa mit "Was du Liebe nennst" sogar Diamantstatus erreichte, dürfte es in Zukunft schwieriger werden, die begehrten Auszeichnungen zu erhalten. Zumindest reagierte der Bundesverband Musikindustrie offenbar auf die Vielzahl der Ehrungen und änderte kürzlich die Richtlinien zur Berechnung von Gold-, Platin- und Diamant-Schallplatten.

Seit dem 6. April 2018 müssen die Künstler doppelt so viele Streams wie zuvor erreichen, um ausgezeichnet zu werden. In den neuen Richtlinien des BVMI heißt es:

"Premium-Streamings über 30 Sekunden werden für den Zeitraum bis zum 5. April 2018 mit einem Faktor von 100:1 und ab dem 6. April 2018 mit einem Faktor von 200:1 bei den Singles berücksichtigt."

Nicht nur für einzelne Singles, auch für Alben wurden die Zahlen angepasst:

"Die so ermittelten Premium-Streamings über 30 Sekunden werden bis zum 5. April 2018 mit einem Faktor von 1000:1 und ab dem 6. April 2018 mit einem Faktor von 2000:1 bei den Alben berücksichtigt."

Das bedeutet also, dass der Wert eines einzelnen Streams kurzerhand halbiert wurde. Auswirkung wird das besonders auf die Künstler haben, die sehr hohe Streaming-Zahlen verzeichnen können – wozu vor allem Rapper gehören. Das hängt unter anderem mit der Zielgruppe zusammen: Über 50 Prozent der Spotify Free-Hörer lagen im Jahr 2015 in der Altersgruppe der 15 bis 24-Jährigen. Das deckt sich genau mit der Altersgruppe der Rap-Hörer.

Mit der neuen Berechnung will der BVMI offenbar einer möglichen Inflation vorbeugen. Allerdings wird man den Eindruck nicht los, dass den Verantwortlichen dabei vor allem Rap und der riesige Erfolg des Genres in den letzten Jahren ein Dorn im Auge ist. Über genau dieses Thema sprachen Toxik, Aria und Anita übrigens auch in der neuen Folge von 7000Grad. Zu welchem Schluss sie gekommen sind, kannst du hier ab Minute 26:20 sehen:

Capital Bra auf #1, Gzuz, Ufo361, Kanye-Wahnsinn, Afrotrap, Echo, Mainstream vs. Rap? - 7000Grad

Toxik und Aria setzten sich einmal mehr zusammen um in unserem neuen Format "7000Grad", moderiert von Anita, über die aktuellsten Themen der Rapwelt zu diskutieren. Darunter die Abschaffung des Echos, die Änderung des Chartsystems, den scheinbar niemals endenden Afrotrap-Hype und Kanye Wests Wahnsinns-Promophase. Wie immer sind sie oft genug unterschiedlicher Meinung.

Die Richtlinien des BVMI findest du hier:

BVMI | Richtlinien

Offizielle GOLD/PLATIN-Verleihungen oder AWARDs mit dem Verleihungsdatum nach dem 01.07.2010 sind durch das fälschungssichere offizielle BVMI-Hologramm zu erkennen. Bei Detailfragen zur Echtheit einer Verleihung können Sie sich an den BVMI wenden. Ältere Verleihungen tragen das Logo des Bundesverbandes Musikindustrie oder seiner Vorläuferorganisationen Bundesverband der Phonographischen Wirtschaft bzw.

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Kommentare

Streaming??? Früher musste man seinen A.... in den Laden bewegen und ne Cd kaufen! Damals musste man auch mindestens 250k verkaufen um überhaupt Gold zu gehen!!! heute streamen die kids alles und jede F............ geht auf einmal Gold!!

Macht Sinn. Das war schon auffällig, wie viele Leute aufienmal Gold gegangen sind.
Gold hat echt an Wert verloren.

Bedeutet aus “Fler wird sehr unwahrscheinlich irgendwann Gold gehen” wird “Fler wird definitiv niemals Gold gehen” haha kleiner spass feier Ihn!

das wahre problem an streaming ist, dass ein stream keine wirklich vergleichbare bemessungsgrundlage ist. bei einem physikalischen verkauf konnte man noch zu sehr hoher wahrscheinlichkeit davon ausgehen, dass die musik auch gefeiert wird. bei einigen der gewerteten streams kann man auch davon ausgehen, dass die klicks nur aufgrund playlists zustandekommen, oder weil der artist gerade sklaverei leugnet oder anderweitig einen skandal stilisiert....

"Allerdings wird man den Eindruck nicht los, dass den Verantwortlichen dabei vor allem Rap und der riesige Erfolg des Genres in den letzten Jahren ein Dorn im Auge ist. "

********!!!!!!!!! Es gibt keine Verschwörung geben Deutschrap. Rap ist absoluter Mainstream, ihr Dödel! Um nicht zu sagen: Popmusik.

Das ist keine Musik

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Kool Savas über Streaming: "Man muss sich diesem Release-Wahnsinn nicht beugen"

Kool Savas über Streaming: "Man muss sich diesem Release-Wahnsinn nicht beugen"

Von Jesse Schumacher am 12.02.2020 - 16:13

Die Streaming-Dienste wie Spotify oder Apple Music sind in der heutigen Zeit gar nicht mehr wegzudenken. Sie beeinflussen nicht nur das Hörerverhalten, sondern prägen auch die Art und Weise wie Musik produziert und vermarktet wird. Nach GfK Entertainment und dem Bundesverband Musikindustrie (BVMI) ist die Anzahl der User auf Spotify im letzten Jahr um 30% gestiegen. Im Jahr 2019 nutzten 271 Millionen Hörer weltweit den Streaming-Dienst.

Kool Savas und Toxik über das Streaming-Zeitalter

Für den #Businessclass-Podcast des jungen Handelsblatt-Portals Orange sprachen die Moderatoren mit Kool Savas und Toxik über die Entwicklungen im Streaming-Zeitalter. Kool Savas sagt, dass ein Unterschied zu früher darin liegt, dass es sich damals schnell gezeigt hat, ob ein Album kommerziell erfolgreich wird oder nicht. Heute sei das Potential eines Songs, auch nach einiger Zeit noch erfolgreich zu werden, viel höher. Einen Grund sieht er beispielsweise darin, dass ein Song zur richtigen Zeit in der richtigen Playlist landen kann. Außerdem sei es für ein jüngeres Publikum durch die Abonnements bei Streaming-Plattformen heutzutage viel günstiger, neue Musik zu hören.

Doch nicht nur der Erfolg der Musik hängt vom Streaming ab. Auch die Musik habe sich verändert. Die Intros seien kürzer und meist beginnen die Songs mit dem Chorus. Kool Savas sagt:

"Das ist einfach nur, weil die Leute sofort erkennen sollen, um welchen Song es geht, damit sie nicht weiter skippen. Das Konsumverhalten hat sich verändert. Es ist so wie wenn du als Kind nachts alleine in einem Süßigkeitenladen eingesperrt bist und überall mal kosten kannst. Da muss irgendwas so krass bei dir hängen bleiben, dass du sagst, ich esse das jetzt noch mal. Im besten Fall läuft es so, man läuft da durch und nimmt sich von allem etwas."

Auch Toxik erkennt diesen Trend. Insbesondere deutscher Rap habe sich extremst verändert. Er sei viel melodischer und die Strophen kürzer geworden. Außerdem sagt er:

"Wenn man 25 Minuten ins Mikrofon schreit und super anspruchsvoll rappt, war das vielleicht früher cool, um Leute zu beeindrucken, aber der Algorithmus dankt es einem heute vielleicht nicht."

Im Vergleich zu früher sei außerdem erkennbar, dass die Frequenz der veröffentlichten Songs heute viel höher sei. Toxik erklärt sich das dadurch, dass bei Spotify auch die Anzahl der monatlichen Hörer*innen extrem wichtig sei. Diese werde hoch gehalten, wenn konsequent viele Tracks veröffentlicht werden. 

Kool Savas sieht diese Tendenz auch, betont aber, dass sich nicht jeder Künstler danach richten sollte. Er sagt dazu:

"Man muss sich diesem Release-Wahnsinn nicht beugen, das wäre totaler Blödsinn. Es gibt Künstler, zu denen passt das nicht. Das ist einfach eine andere Art und Weise, wie man damit umgeht. Aber für neue Künstler, die wirklich von Medien wie Instagram abhängig sind und damit auch intensiv arbeiten, ist das schon wichtig, dass die auch bei diesem Tempo mithalten. Sonst sind die nicht mehr auffällig genug."

Am Ende des Interviews wird deutlich, dass er die Entwicklung der Streaming-Dienste weder komplett positiv noch negativ einschätzt. Es gebe beide Seiten.


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