Wieso Helene Fischers "Echo"-Kritik wertlos ist

Die 17-fache Echo-Gewinnerin Helene Fischer hat auf Facebook ein Statement veröffentlicht. Darin äußert sie sich zur Debatte um den Echo-Gewinn von Kollegah und Farid Bang, nennt den Auftritt der beiden "beschämend" und "unangemessen" und ruft ihre Fans dazu auf, die "Stimme zu erheben". Eine Stellungnahme, die unterm Strich wertlos ist.

Zunächst mal hat Helene Fischer natürlich Recht, wenn sie sagt, dass "Werte wie Menschlichkeit, Toleranz, Respekt und Gewaltfreiheit" an oberster Stelle stehen, dass die Hautfarbe egal sein muss und dass der "respektvolle Umgang mit Menschen" für ein friedliches Miteinander unerlässlich ist. Das mag alles etwas blumig formuliert sein, bis hierhin will man der Schlagersängerin aber gerne zustimmen. In ihrem Statement äußert sie schließlich:

"Ich möchte euch sagen, wie unangemessen und beschämend ich es fand, die beiden bei der Preisverleihung auf der Bühne in dieser Art 'performen' zu sehen. Den ECHO zu gewinnen ist vielleicht das eine, die beiden dort auch noch auftreten und ihre Show machen zu lassen, fand ich persönlich bedrückend. Schade, dass durch diese Provokation so viel Promotion entsteht – auch jetzt wieder, wenn ich diese Zeilen schreibe. Nicht nur, dass man ihren gewaltverherrlichenden, antisemitischen, homophoben und frauenverachtenden Texten ein Podium geboten hat … auch die Bedeutung des ECHO ist somit komplett in den Hintergrund geraten und von den Negativ-Berichten überlagert worden. Ich hoffe sehr, dass alle Verantwortlichen die Umsetzung des ECHO überdenken, denn für mich wurde in diesem Jahr eine ethische Grenze klar überschritten. Trotzdem ist dieser Musikpreis (vielleicht auch: war) ein Publikumspreis, auf den man über die vielen Jahre auch stolz sein konnte."

Es steht außer Frage, dass man über kritische Textzeilen sprechen muss, sie natürlich auch anprangern darf und sollte. Was Helene Fischer hier aber eigentlich sagt, ist: Man hätte Kollegah und Farid Bang vom Echo ausschließen sollen, weil sie hier nicht hingehören. Dabei spricht Helene Fischer stellvertretend für eine Musikindustrie, deren extrem unpolitisches Aushängeschild sie selbst ist.

Sie gesteht das in ihrem Statement sogar ein: "Es ist eigentlich nicht meine Art mich auf diese Weise öffentlich zu äußern" und "meine Sprache war immer die Sprache der Musik". Nur, dass ihre Musik leider so aussagekräftig ist wie ein Stein. In der Vergangenheit hatten immer wieder Künstler, unter anderem Campino und Udo Lindenberg, von der Sängerin gefordert, sich politisch gegen rechtes Gedankengut zu positionieren.

Die Stellungnahme der Echo-Rekordhalterin kommt nun eine ganze Woche nach dem Auftritt des "JBG"-Teams, nachdem sich bereits diverse Künstler geäußert und zum Teil ihre Preise zurückgegeben haben. Der öffentliche Druck, der auf ihr lastete, hat die Sängerin nun offenbar dazu bewegt, in den allgemeinen Kanon einzustimmen. Einen Anstoß gab sie dabei aber nicht.

Helene Fischer war auf den "Publikumspreis" Echo viele Jahre stolz – weil sie fast 3 Millionen Einheiten von ihrem Album "Farbenspiel" verkauft hat und dafür ausgezeichnet wurde. Die Bedeutung des Echos gerate aber "komplett in den Hintergrund", wenn zwei kontroverse Rapper mit einem Preis ausgezeichnet werden, die in ihrem Genre eben am meisten Einheiten verkauft haben. Das riecht leider nach Doppelmoral.

Dass die Sängerin, die 2014 übrigens selbst die Echo-Verleihung moderierte, am Ende ihres Statements dann "all den Anhängern dieser Musik [...] Licht und Liebe" schickt, verdeutlicht ein weiteres Mal, warum ihre Aussagen wertlos bleiben, verpuffen. Sie schaffen keinen Dialog, sondern stempeln Rapper und Rap-Hörer gleichermaßen als unreflektiert und voll von Hass und Gewalt ab.

Helene Fischer

Ihr Lieben, ich möchte mich heute mit diesem Post an euch wenden und zum ersten Mal die sozialen Medien dafür nutzen, um mein angebliches "Schweigen zu brechen" und um ein paar Dinge ein für alle...

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Kommentare

Es hat nunmal mit hiphop zu tun und du bist hier auf hiphop.de ... denk mal drüber nach
Besser sowas wie diese sneaker posts

"Was hat es für 'nen Sinn, wenn man im Bürgerkriegs-Gefecht
Für irgendwelche Führer die eigenen Brüder niederstreckt?
Wir sind Brüder, wir sind Schwestern, Nachkommen von Adam
Ganz egal, ob wir nun "Jahwe", "Gott" oder "Allah" sagen
Gewalt erzeugt Gewalt, ich schreib es auf
Und ramme die Spitze meines Stifts in das allsehende Auge
"

Zeile von kollegah aus dem track nwo, kollegah ist ja so antisemitisch....wundert mich eigentlich das diese Zeile noch niemand aufgegriffen hat.

wie schlecht hier immer auf "die armen rapperchen" und "wieder keiner versteht rap" und "wir werden in eine ecke geschoben" gemacht wird. richtig peinlich. noch peinlicher als die perfomance von kolleger und hagrid beim echo. so deplatziert vor diesem publikum sowas aufzuführen. war ihnen hoffentlich auch richtig peinlich.

Naja, ich finde Sneaker haben noch mehr mit Hip Hop zu tun als EGAL WELCHE Aussage von Helene Fischer... Da sitzt halt irgendein Manager und sagt ihr: "Äußer dich mal besser dazu." Glaubt hier irgendwer, dass die jetzt zu Hause sitzt und sich eine Minute damit beschäftigt? Von daher, einfach ignorieren das ganze Kasperletheater..

"Nur, dass ihre Musik leider so aussagekräftig ist wie ein Stein."

"Gute Arsch diese" hat natürlich deutlich mehr Tiefgang. Ihr seid so lächerlich, wirklich...

Zu "der Mainstream versteht Battle Rap einfach nicht"... Drop doch mal in einer Cypher mit ein paar Känäx 'ne Zeile über den Propheten. Was meinst du wie schnell die Battle Rap nicht mehr verstehen.

Diese Heuchelei ist einfach nur noch ekelhaft und man kotzt im Strahl.

kollegah, farid, bitte verklagt doch endlich jemanden..jedes gericht in de wird zu dem schluss kommen das die lines nicht antisemi sind...waere das nicht uebertrieben geil wenn die fischer schadensersatz an die beiden zahlen muesste?..

geil wäre es wenn du in deiner kindeheit statt dummheit intelligenz mit schaufeln gefressen hättest

Ich wollte mich auch mal zu dieser Debatte zu Wort melden, was ich hiermit getan habe.

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Von Angst geprägt: Laas resümiert EGJ-Zeit

Von Angst geprägt: Laas resümiert EGJ-Zeit

Von Till Hesterbrink am 19.10.2021 - 12:41

In einer äußerst ausführlichen Instagram-Story fasst Laas seine Zeit bei EGJ zusammen. Eine Zeit, die laut eigener Aussagen vor allem von Angst geprägt gewesen sei. Die Angst, das neue Camp zu enttäuschen. Auch an seine beiden ehemaligen Beef-Kontrahenten Kollegah und Farid Bang richtet er Grüße aus.

Laas bei EGJ: "Thema Angst"

Bewegt durch Ali Bumayes Aussagen im neusten TV Straßensound-Interview über die EGJ-Zeit fühlt sich auch Laas bewegt ein paar Worte zu seinem Signing bei dem Berliner Label loszuwerden. So habe sein Umfeld ihm geraten, sich nach den schlechten Verkaufszahlen seines Albums "Daemon" wieder einen "normalen Job" zu suchen. Zu diesem Zeitpunkt habe Laas (jetzt auf Apple Music streamen) bei Freunden auf dem Sofa geschlafen und wäre broke gewesen.

Dann habe er von Freunden aus der Szene die Anfrage bekommen, ob er nicht am Ali Bumaye-Album mitarbeiten wolle. Daraufhin sei er schnell ein fester Teil des Labels geworden und Arafat habe ihn gefragt, ob er nicht bei EGJ unterschreiben wolle. Er habe sich in der Hiphop-Welt nie willkommen geheißen gefühlt, aber dort wurde er ohne Vorurteile so aufgenommen, wie er war. Zum ersten Mal habe er sich dazugehörig gefühlt.

"Nun war ich nach 15 Jahren Struggle endlich mal irgnedwo angekommen, wo es plötzlich wieder Sinn machte, an meine Musik zu glauben."

Zwar habe er dadurch seine Geldprobleme hinter sich lassen könne, allerdings hätten sich neue, zuvor nicht erahnbare Probleme aufgetan. Besonders mit Selbstzweifeln habe er zu Kämpfen gehabt. Zum ersten Mal hätten seine Moves auch direkte Auswirkungen auf das hinter ihm stehende Team gehabt. Und dieses habe er nicht direkt wieder verlieren wollen. Diese Angst, keine Fehler machen zu wollen, habe ihn "versteinert".

Bushido startet Beef mit Koolegah & Farid Bang wegen Laas

Als Farid ihn dann auf einem Song disste, habe Arafat bei diesem angerufen und das Ganze aus der Welt geschafft. Allerdings habe Bushido dann mit seiner Aussage im Promovideo zu Black Friday, dass Laas jetzt bei ihm seie und ihn niemand mehr dissen könne, ein größeres Thema daraus gemacht. Ähnliches hatte auch Ali im Interview erklärt, dass dieser eine Satz für den Beef mit Kollegah und Farid gesorgt habe.

Laas habe sich erst über die Rückendeckung gefreut, verstehe heute aber, dass es vor allem auch um eine Machtdemonstration ging. Aus der Angst, sein Camp zu enttäuschen, habe Laas auch wieder angefangen, gegen Kollegah zu feuern. Aus heutiger Sicht sei er allerdings sehr unzufrieden mit diesen Lines.

"Ich stand genau in der Mitte zwischen zwei Parteien, deren Egos sehr wahrscheinlich die Größten dieser Szene sind. Farid und Kollegah sind, wenn es um dieses Thema Beef geht, die absoluten Endgegner, Bushido und Arafat zum damaligen Zeitpunkt genauso."

Am Ende des Tages habe er nur versucht, so unbeschadet wie möglich aus dieser Situation wieder herauszukommen.

Doch habe ihn das ganze auch gelehrt, dass Angst ihm eigentlich nichts anhaben kann. Er sei schon am Boden gewesen und habe jedes "worst case Szenario" miterlebt und sei trotzdem mit erhobenem Haupte rausgekommen. Zum Schluss bedankt er sich sowohl bei Kollegah und Farid Bang als auch bei Bushdio und Arafat für diese Zeit, die in stärker gemacht habe. Ali Bumaye antwortete Laas nach seinem Statement, dass er "nur Liebe" für ihn habe.

Aber auch aktuell gibt es immer wieder Dinge, mit denen Laas zu kämpfen hat:

Nach Shirin David-Album: Laas wollte seine Karriere beenden

Nach der gemeinsamen Fertigstellung des zweiten Albums von Shirin David, meldet sich Laas in seiner Instagram-Story zu Wort und zeigt sich enorm selbstkritisch: Bis heute sei er auf nichts, was er erreicht habe, stolz. Nach der Zusammenarbeit mit Shirin David an den Texten von "B*tches brauchen Rap" sei er zum wiederholten Mal kurz davor gewesen, seine Karriere zu beenden.


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