"Hol' dir deinen Fame!" – Das ist ein Motto von Rap Am Mittwoch. Für die wenigsten teilnehmenden MCs klappt es jedoch wirklich gut, außerhalb der Battle-Liga tatsächlich ihren Fame zu holen. Capital Bra gehört neben dem bei Selfmade gesignten Karate Andi und Takt32, der inzwischen Laas Unltd. als Kool Savas' Backup beerbt, zu denen, die die Bühne erfolgreich als Startpunkt für ihre Karriere nutzen konnten.

Keine drei Jahre nach seinem ersten Mal bei Rap Am Mittwoch im Dezember 2014 erscheint diese Woche Capis drittes Studioalbum Bly*t. Wir haben einen Blick zurück auf den Weg geworfen, den er von seinen Anfängen bis hin zu Songs mit über 15 Millionen Views gegangen ist, und haben dabei vier grobe Phasen erkannt.

1. Rap Am Mittwoch

"Ich komm' an Bra, guck wie ich die Rapper hau' / meine Eier dicker als die T**ten deiner Frau" – Direkt im ersten Battle konnte Capi mit seinem Akzent, der kraftvollen Delivery und dem typischen "Brrra" gegen einen schwachen Raptah ohne Punches eine Duftmarke setzen und das erste Match gleich für sich entscheiden. Im Halbfinale gegen Mighty P. stolperte er zwar noch über seine Vorliebe für Weed und mangelnde Vorbereitung, aber die Community war direkt heiß auf mehr von diesem authentischen Kerl aus Ostberlin:

Man merkte jedoch schon damals: Texte liegen ihm eher als spontane Freestyles. Viele generic Bars hätten genauso gut für jeden anderen Gegner funktioniert, also konzentrierte Capi sich in den späteren Battles darauf, genügend Punchline-Material mitzubringen. Zwei Monate und ein paar verlorene Battles später würde der Plan aufgehen ...

Über Amek und Gammar führte der Weg im Februar 2015 ins Finale gegen Master Marv. Bis heute ist das Match das meistgeklickte Video auf dem Rap Am Mittwoch-Kanal. Mit jeder Menge "Kuku", "Brra" und Punchlines wurde das Ding am Ende eine klare Angelegenheit und Capital – damals noch ohne Bra im Namen – holte seinen ersten und einzigen Titel in der Battle-Liga.

Das Finale war gleichzeitig Capis letztes Battle beim RAM und er trat ab diesem Zeitpunkt nur noch in der Cypher auf. Er konzentrierte sich jetzt aufs Schreiben von Texten und die Zukunft sollte zeigen, dass das der richtige Plan war. Er hat Rap Am Mittwoch als das Sprungbrett genutzt, das es für talentierte MCs sein kann, wenn sie sich richtig präsentieren.

Das erste Musikvideo ließ nur einen weiteren Monat auf sich warten ...

2. Von den ersten Musikvideos zum Debütalbum

Na klar. Wie sonst hätte der erste richtige Song auch heißen sollen?! Bevor aus dem ungooglebaren Künstlernamen Capital der SEO-freundlichere Capital Bra wurde, vergingen zwar noch einige Monate aber sein verbales Markenzeichen begleitete Capi die ganze Zeit über.

Musikalisch hatte er im März 2015 mit dem Instrumental von DJ Pete bei Bra noch nicht ganz seinen Sound gefunden, aber das sollte sich schnell ändern. Noch im selben Jahr stellte Capital sein Debütalbum Kuku Bra auf die Beine und vergrößerte mit Auftritten in der RAM-Cypher und der ersten Album-Auskopplung Alles kaputt über Aggro.tv seine Fanbase:

Noch bevor Ufo361 im September 2015 Deutschraps vielleicht ersten Trap-Hit lieferte, hatte Capi hier auf den Sound gesetzt, der sich unaufhaltsam seinen Weg in deutsche Gefilde bahnte. Kein Wunder, dass die beiden Berliner sich später gut verstehen sollten.

Auf dem Debütalbum Kuku Bra, das im Februar 2016 noch ohne größeres Label im Rücken veröffentlicht wurde, gab es schon prominenten Support von Massiv und Olexesh. Die Szene war aufmerksam auf den Berliner Newcomer geworden. Wie wir heute wissen, war das grade mal der Anfang.

Die erste LP wurde von einer weiteren Single namens Du siehst begleitet und konnte independent Platz 32 in den Charts holen. In den Hiphop-Charts war sogar Platz 4 drin. Wer innerhalb eines Jahres den Schritt von Rap Am Mittwoch zu einem eigenen Album in den Top 100 schafft, weckt natürlich die Begehrlichkeiten von Labels, die ständig auf der Suche nach den heißesten Talenten sind.

Der nächste Schritt hat Capital dann endgültig den Durchbruch gebracht ...

3. Label-Deal, Kollabos & der Erfolg

2016 war das Jahr, in dem Capital aufgebaut wurde. In der Zeit nach dem Debütalbum entwickelte sich der Kontakt zum Label AUF!KEINEN!FALL!, über das auch die extrem gehypte 187 Strassenbande releaste. Offenbar passte es direkt zwischen den künftigen Label-Kollegen und das Ergebnis konnte man im Juni sehen und hören.

"Als kleines Dankeschön" für Platz 1 mit High & Hungrig 2 gab es auf dem Kanal der 187ers den neuen Song Paff paff & weiter. Für Capital der perfekte Song zur perfekten Zeit – man hätte sich 2016 schlichtweg kein besseres Feature wünschen können als Gzuz. Der Song verschaffte Capi erstmals richtig große Aufmerksamkeit auf der Deutschrap-Bühne und brachte viele neue Fans, die den authentischen Rap von der Straße auch schon bei den 187-Jungs feierten.

Rund zwei Wochen nach der Veröffentlichung wurde dann offiziell die Unterschrift bei AKF bekanntgegeben. Mit stolzen 18 Millionen Views ist Paff paff & weiter (noch) der erfolgreichste Song von Capi auf YouTube. Ganz so einfach wird es natürlich nicht gewesen sein, aber ab hier sieht die Karriere aus wie ein Selbstläufer.

Auch Ufos wachsender Hype spielte dem Brrrrrra wenig später in die Karten. Auf Ich bin 2 Berliner landete die erste Kollabo Kein Erbarmen der beiden Berliner, im Dezember ließ Capital dann mit Ala Ba Ba den zweiten gemeinsamen Track von der Leine:

Böse Bässe, schrille Synthies, aggressiver Flow. Die zweite Auskopplung aus dem AKF-Debüt Makarov Komplex lieferte genau das, was die Fans von Capi hören wollten und funktionierte ideal als Teaser für das Album. Seitdem laufen auch die Solo-Songs extrem gut. Die folgende Single Es geht ums Geschäft aus dem Januar zählte noch bis in den Juni zu den erfolgreichsten Deutschrap-Videos des Jahres.

Makarov Komplex wurde dann am 3. Februar veröffentlicht. Mit Platz 2 in den Charts zementierte der Berliner den Status, den er sich in den Monaten zuvor erarbeitet hatte. Er musste sich nur dem neuen Album der Broilers geschlagen geben und konnte sogar den guten alten B-Tight auf Platz 3 verweisen. Zwei Jahre und zwei Monate nach dem ersten Battle gegen Raptah hat Capital endgültig Kapital geschlagen. (Sorry, musste sein.)

4. Neues Album, neue Lockerheit

Wie heißt es so schön: Reisende soll man nicht aufhalten. Nachdem Makarov Komplex größtenteils den Film durchgezogen hat, den Capi schon bei seinem Debüt gefahren ist, wird die neue Platte Bly*t offensichtlich vielfältiger. Klar, Nur noch Gucci ist durch die Geschwindigkeit und das markante Sample Capital-Sound wie aus dem Bilderbuch und bei Kuku SLS sieht das ähnlich aus. Trotzdem: Das Ganze entwickelt sich.

Auch wenn die neuen Songs textlich und inhaltlich keine 180°-Drehung offenbaren, bekommt man das Gefühl, der Erfolg bringt eine gewisse Lockerheit mit sich. Nicht mehr von der Frage getrieben, wie man sich durch die nächsten Monate hustlen wird, hat Capital den Kopf freier als vorher. Wie der Kerl in den Videos zu Nur noch Gucci und Kuku SLS durch die Gegend titscht und sich und seinen Lifestyle zelebriert, lässt eigentlich kaum andere Schlüsse zu:

Wenn man sich den steilen Weg nach oben ansieht, dann scheint die Entwicklung einfach logisch zu sein. Und diese neue Lockerheit steht Capis Stärken beim Rappen auch nicht im Weg. Ganz im Gegenteil – man kann immer besser zu dem Sound abgehen. Ich bin selbst gespannt, ob ich diese Vermutung nach dem Release auch noch vertreten werde.

Es wird sicher auch an den Entwicklungen der letzten Monate liegen, dass ein locker-sommerlicher Sound wie bei Olé Olé auf Bly*t landet, aber auf Makarov Komplex wäre ein solche Nummer noch nahezu undenkbar gewesen. Aber die Fans gehen Capitals Entwicklung offenbar gerne mit, wie Streaming-Zahlen und der Like-Balken bei YouTube zeigen.

Capital macht viel richtig, kann man vor dem Release der dritten Studioalbums feststellen. Er öffnet sich für neue Einflüsse, ohne seinen Style großartig umzukrempeln. Das ist eine gute Grundlage, um mittelfristig weiterhin eine Rolle im Game zu spielen und sich auf Dauer zu etablieren.

Mit Leuten wie Sido, Gzuz, Olexesh oder RAF Camora auf dem Album ist auch relativ deutlich, wo der Berliner aktuell steht. Blickt man zusätzlich auf die aktuellen Zahlen, sieht es ohnehin nicht so aus, als würde es in allzu naher Zukunft wieder bergab gehen. Korrekt für Capi: Mit dem selbst auferlegten Nur noch Gucci-Dresscode sollte es erstmal keine Probleme geben ...

27.09.2017 - 16:05

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Gringo ft. Capital Bra – Bam Bam [Video]

Gringo ft. Capital Bra – Bam Bam [Video]

Von Michael Rubach am 29.05.2020 - 01:07

Gringo und Capital Bra haben zu zweit offenbar schon jede Menge Spaß gehabt. Darauf deuten die Aufnahmen des Videos zu ihrer gemeinsamen Single "Bam Bam" hin. Der Bratan übernimmt bei der Kollabo die Hook und steuert zudem einen Part bei. Gringo stellt fest, dass er ein "Ladykiller" ist. Dazu reguliert er den Song in gewohnter Weise mit Wortfolgen statt mit ganzen Sätzen. Den Beat haben Goldfinger, Palazzo, M6 und DR produziert.


GRiNGO x CAPITAL BRA - BAM BAM (PROD.GOLDFINGER,PALAZZO,M6,DR)

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