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Bonez hatte in den letzten Wochen immer wieder seinen Song "1K Shotz" mit dem New Yorker Rapper SosMula angeteast. Jetzt ist der Track online und die deutsch-amerikanische Kombo liefert roughen, aggressiven Sound samt entsprechendem Video auf Worldstarhiphop.

SosMula bildet mit ZillaKami und Produzent Thraxx die Crew City Morgue, die sich im letzten Jahr mit einer EP und dem ersten Album bei einigen Rapfans auf die Karte gebracht haben. Mittlerweile haben sie schon Shows in Europa gespielt und sich als Garanten für einen bösen Abriss einen Namen gemacht.

11.05.2019 - 15:15

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Das Ende der 187-Ära? Wenn Heroin zur Pointe wird

Das Ende der 187-Ära? Wenn Heroin zur Pointe wird

Von Clark Senger am 02.07.2019 - 21:19

Wenn eine Ära endet, dann selten mit einem unüberhörbaren Knall. Es ist ein schleichender Prozess, in dem ein anderer Mensch, eine neuere Idee, eine innovativere Energie die Dominanz des Alten langsam ablöst. Erst merkt man es unterbewusst, aber mit der Zeit gibt es immer wieder Momente, in denen der Eindruck sich verfestigt. Manche Menschen werden noch ihr Leben lang an dem hängenbleiben, was sie für Jahre geprägt und beeinflusst hat. Beispiele gibt es in allen Bereichen unseres Lebens.

Die Ära der 187 Strassenbande geht zu Ende

Man kann Deutschrap in die unterschiedlichsten Zeitrechnungen unterteilen – Künstler, Styles, Sound, Labels. Und obwohl es mit jedem Jahr schwerer wird, der so vielfältigen Szene einen einzigen Stempel aufzudrücken, steht eins fest: Seit 2015 waren Bonez MC, Gzuz, LX, Maxwell, Sa4 und auch Jambeatz die "Helden von Jetzt".

Das asoziale Verhalten und den Drogenkonsum der 187 Strassenbande hat man lange mit einem im Nachhinein sehr unangenehmen Voyeurismus mitgetragen. Die sind halt einfach real, richtig? Die werden schon nicht übertreiben, wenn Hunderttausende Kids zusehen, oder? Zumindest Bonez wird schon wissen, was er und seine Jungs da tun. Oder etwa nicht?

"Hab ich das jetzt echt verstanden? / Ihr seid wirklich alle Fans von Junkies?" (KEZ, "Intro")

KEZ und anderen Rappern ist es längst ein Dorn im Auge, wie offen manch ein Rapper 2019 mit dem Konsum illegaler Drogen umgeht. Ständig bekifft und besoffen zu sein, ist kein guter Plan für's Leben. Aber was will man schon von einem Rapstar erwarten, wenn man ähnliches auch im eigenen Freundeskreis beobachten kann?

Irgendwann gehörte dann Dirty Sprite, also die hauptsächlich aus Amerika bekannte Mischung aus Sprite und Codein, zum Standard-Repertoire von Bonez' Insta-Stories. Mit Musik unterlegt und durch unterschiedliche visuelle Stilmittel wirkte es manchmal wie Werbung für das Opiat, das auch für die Tode von Pimp C und DJ Screw verantwortlich gewesen sein soll. Aria und Toxik äußerten bereits im Frühjahr 2018 ihre Bedenken, was den exzessiven Lifestyle in der Öffentlichkeit angeht (ab 11:18 Minuten).

Lange Zeit wurde es als cool angesehen, wenn Rapper über das Dealen den Weg aus dem Dreck schafften. "Never get high on your own supply", riet Biggie uns in "Ten Crack Commandments". Heute nehmen die Rapper – selbstverständlich nicht nur 187-Mitglieder – selbst mehr Drogen als ihre ehemaligen Kunden und machen daraus Texte. Sind wir wirklich alle Fans von Junkies? 

Bonez mit Spritze in der Insta-Story

Eine neue Eskalationsstufe bekam es gestern, als Bonez mindestens andeutete, sich intravenös Drogen zu verabreichen. Bonez packt eine handelsübliche Tuberkulinspritze aus, die wenig später mit einer rötlichen Flüssigkeit gefüllt ist. Dann sieht es aus, als würde ein anderer Mann sich wie ein routinierter Fixer eine Spritze zwischen die Zehen stechen und abdrücken. Später sieht man eine andere Spritze in Bonez' Oberschenkel stecken. Fans antwortet er auf Nachfrage, es würde sich um Heroin handeln, und teilt den Chatverlauf mit dem Kommentar "Beste Leben" in seiner Story.

Auf Instagram deutet er an, es hätte sich lediglich um Cranberry-Saft gehandelt. Dann hätte er es extra so aussehen lassen, als würde er sich Hero spritzen? Hihihi, was ein Joke! Geil die Kids und die Medien getrollt! Traut man ihm durchaus zu. Vielleicht wollte er einfach einen Skandal provozieren und hatte damit Erfolg – das wäre schon maximal wack. Wenn Heroin eine Pointe ist, wird ein Hype zum Verhängnis.

Update: Inzwischen hat Bonez sich zu der Sache geäußert und klargestellt, dass er sich "keine Spritze geben" könne. Er habe sich in seinem Leben noch nichts gespritzt.

Der gesunde Menschenverstand spricht erstens gegen H und zweitens dagegen, Aufnahmen vom intravenösen Konsum für zwei Millionen Follower in eine Insta-Story zu posten. Man will aber auch nicht Haus und Hof darauf verwetten, dass Bonez sich nicht auf diese Weise einen wie auch immer gearteten Rausch verschaffen würde. Welche Variante in diesem Fall zutrifft, ist zwar nicht für die Gesundheit der Jungs, aber zumindest für die öffentliche Wahrnehmung scheißegal. Der Mann glorifiziert ohne klar erkennbare Ironie Heroin und Tausende sehen ihm dabei zu. Wenn nur ein einziger Zuschauer sich davon inspiriert fühlt, sein Leben durch Heroin wegzuwerfen, geht das nicht spurlos an Bonez' Karmakonto vorbei.

Parallel dazu spricht man in den USA mittlerweile von einer regelrechten Opioid-Epidemie. Von geschätzten 72.000 Toten durch eine Überdosis im Jahr 2017 kamen die meisten durch Opiate ums Leben.

Previously on Bonez' Instagram: Witze über häusliche Gewalt

Es ist nicht allzu lange her, dass Bonez seinen Instagram-Kanal nutzte, um sich über Opfer häuslicher Gewalt lustig zu machen. Erst letzte Woche veröffentlichte der Kollege Skinny bei Rap.de einen starken Meinungsartikel zu diesem Thema. Er fordert die Veranstalter der Hype Awards dazu auf, Bonez vom Voting auszuschließen. Neben anderen Kategorien (mit RAF Camora) ist er ausgerechnet in der Kategorie "Hype Instagram" nominiert. Skinny sieht Fehler bei Organisatoren und Jury.

"Falls euch irgendetwas an Werten wie Integrität oder Anstand liegt, disqualifiziert ihr Bonez MC nachträglich von der Abstimmung. Jetzt sofort. Es liegt in eurer Hand – ihr seid schuld, wenn dieser Mann für seinen Spott gegenüber Frauen, denen Gewalt angetan wird, wirklich einen Preis erhält. Euren Preis."

Laut Vice wird Bonez weiterhin nominiert bleiben, die Fans entscheiden per Voting, wer am Ende gewinnt.

Erfolge en masse, aber die Zeit läuft ab

Natürlich bedeuten Skandale auf Instagram nicht direkt das Ende einer Ära – für manche sind sie eher Öl ins Feuer als eine Decke, die der Flamme die Luft nimmt. Und 187 ist mehr als Insta-Stories von Bonez.

Was haben wir uns alle amüsiert über die direkte, authentische und oft unterhaltsame Art. Catchphrases, knallende Songs, rohe Action in den Videos, kreative Promo-Moves, eskalative Autogrammstunden – es war atemberaubend, wie die Hamburger Crew ihren Hype spätestens seit dem Erscheinen des Samplers Anfang 2015 Monat für Monat steigern konnte.

Was haben wir uns nicht über "Palmen aus Plastik" und frischen Wind in der Szene gefreut. Das Album wird auch in zehn Jahren noch als Meilenstein für deutschen Rap gelten und es wirkt angesichts der beeindruckenden Ausmaße der Tour zum Nachfolger nahezu absurd, das Ende der 187-Ära auszurufen. Doch das Ende einer Ära bedeutet nicht das Ende des Erfolgs.

Gzuz' Solodebüt "Ebbe & Flut", der erste vorläufige Höhepunkt eines Hypes wird im Oktober vier Jahre alt. Viel länger hielt kaum eine Ära im deutschen Rap, der außerdem noch nie so schnelllebig war wie heute. Aggros Zeit als das heißeste Label Deutschlands neigte sich vier Jahre nach "Vom Bordstein bis zur Skyline" (2003) bereits dem Ende zu. Selfmade rückte Ende der 00er-Jahre in das neue Vakuum. Nach "King" (2014) und der absurd opulenten Promophase trat dann auch das Düsseldorfer Label langsam den schleichenden Weg Richtung Irrelevanz an. Hafti muss noch beweisen, dass er dem vermeintlichen Opus Magnum "Russisch Roulette", das vier Jahre nach "Azzlack Stereotyp" (2010) erschien, einen würdigen Nachfolger widmen kann. Seinen Stempel hat er Deutschrap ohnehin schon lange aufgedrückt so wie alle der genannten Rapper und Labels.

187 war lauter und asozialer als Aggro und ist es bis heute – 2014 war das neu und aufregend, ein halbes Jahrzehnt später nicht mehr. Musikalisch anfangs radikal Straße, später dann auch mit den bekannten Genre-Ausflügen, die den weiter ausufernden Hype erst ermöglichten. "Palmen aus Plastik" war in vielerlei Hinsicht innovativ, auch wenn die Vorlage für den größten Hit geradewegs aus Paris' 19. Arrondissement kam.

Aber was kommt danach? Was willst du erreichen, wenn du die Szene bereits geprägt und du jeden positiv, negativ oder auf beide Arten beeindruckt hast? "Wolke 7" fehlten schon die Ideen, obwohl wie auch auf "Palmen aus Plastik 2" stabile bis gute Musik zu hören war. Die zündenden Impulse sind der 187 Strassenbande ausgegangen, wie aktuell auch "Obststand 2" demonstriert. 

Auch das Handling öffentlicher Konflikte wirkt längst nicht mehr so souverän wie 2016, als Bonez abgeklärt auf Flers Provokationen reagierte, anstatt sich in einen Beef ohne Gewinner locken zu lassen. 

Ausblick auf die Zukunft

Nach der großen Aggro-Ära konnte Sido noch erfolgreicher werden, Hafti schaffte erst nach "Russisch Roulette" sein erstes Nummer-1-Album ("Der Holland Job" mit Xatar) und Elvir hat bei seinem neuen Label mit RIN einen neuen Künstler unter Vertrag, der derzeit eine prägende Rolle spielt. Manche der 187-Jungs werden auch weiterhin Hits abliefern, Venues von Graz bis Kiel ausverkaufen und Merch an den Mann bringen. Die Straßenbande hat einen Platz in der deutschen Rapgeschichte sicher.

Die Pole Position müssen sie jedoch räumen. Die Zeiten, in denen man zum Release neuen Materials die F5-Taste auf dem Kanal "CrhymeTV" penetrierte, sind vorbei. Längst drängen andere Rapper an die Front, die teils Aspekte des Erfolgs der 187 Strassenbande in ihrem Schaffen unterbringen. Das beste Beispiel ist Capi, der sich ebenfalls seinen übermäßigen Drogenkonsum – mindestens musikalisch – stolz auf die Fahne schreibt.. Gleichzeitig profitiert er davon, dass man sowohl hart als auch Mainstream erfolgreich sein kann. Auch "Palmen aus Plastik" hat den Weg an diesen Punkt geebnet. Auch die Gzuz-Capi-Kollabo "Paff Paff & weiter" (2016) als Push für den Berliner unmittelbar nach dem Release von "High & Hungrig 2" ist nicht zu unterschätzen.

Obwohl Capital seit einigen Monaten von einem Zenit auf den nächsten zu klettern scheint: Inzwischen machen schon wieder neue Rapper auf Instagram Welle – mit Rap und Gesang statt Drogen. Womöglich beginnt mit Mero und Co gerade eine neue Ära, die Deutschrap wieder einmal auf ein neues Level hievt, wie es schon so oft geschehen ist. Eine endgültige Aussage lässt sich heute nicht darüber treffen. Nach "Obststand" (2015) hätte auch niemand die kommenden Jahre vorhersagen können. Die Übergänge sind fließend in dieser extrem vitalen Szene.

So ging auch die 187-Ära nicht mit einem lauten Knall zu Ende. Es waren Kleinigkeiten, die sich in den letzten Monaten zu einem klaren Bild zusammengefügt haben. Jetzt ist Zeit für die Helden von Morgen.


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