rip ufo361 3.11

Ufo361 setzt seine Ansagen aus den letzten Monaten in die Tat um: Zum Abschluss seiner "Stay High Tour" in der Berliner Columbiahalle hat er jetzt einen Clip veröffentlicht, der mit Fanzitaten und Videos des kleinen Ufuk Bayraktars – so sein bürgerlicher Name – eine melancholische Stimmung zum (vorläufigen?) Abschied von der Szene transportieren soll. Ufuk inszeniert den Tod seiner Kunstfigur wie eine echte Trauerfeier. Wie ernst kann er das alles meinen?

Auf den ersten Blick ...

Auf den ersten Blick scheint Ufo überzeugt davon zu sein, Abstand zu nehmen. Oft betonte er auf Instagram, dass er bei dem wachsenden Erfolg mehr und mehr seine Gesundheit und seine Familie vernachlässigt hat. Schon vor Tourbeginn schrieb er:

"Also nehme ich mir jetzt die Zeit dafür[,] so gut wie ich kann!!!! Und genau das bringt mich um!!!"

Das scheint nur allzu nachvollziehbar, wenn man sich Ufos rasanten Aufstieg vom Untergrund-Rapper zum Star ansieht, der Hallen von München bis Hamburg füllt und ein Nummer-1-Album auf dem Konto hat. In seiner oft gut gefüllten Insta-Story konnte man außerdem den dekadenten Lebensstil verfolgen, der den Musiker an einem Tag nach Paris, am nächsten nach Tokio und von Designergeschäft zu Designergeschäft jagen ließ.

Niemand will hier den Hobby-Psychologen raushängen lassen, aber: Womöglich sind all diese Klamotten und der Schmuck auch nur der Versuch in einem neuen Lebensabschnitt, etwas zu ersetzen, das man nicht mit Gegenständen ersetzen kann. Dementsprechend freute Ufo sich in seinem ausgiebigen Statement zwar über die schönen Dinge, aber schrieb auch, dass er eigentlich nur "Liebe" und "Zufriedenheit" wollte. Der Stress, den das Star-Dasein mitbringt, fordert seinen Tribut.

Hinzu kam der offenkundige Frust über das Feedback von einigen Seiten. Ufo erklärte, das Gefühl zu haben, dass man in Deutschland kein Künstler sein dürfe. Für einen überzeugten Künstler sollte das kein Hauptargument sein, aber wenn du ohnehin ein Kapitel beenden willst, kann diese Wahrnehmung ausschlaggebend werden.

RIP Ufo361.. Stay High bis zum Tod!! Liebe an alle Fans!! Danke euch für alles!!! #ufo361

211.9k Likes, 19.1k Comments - K A I S E R (@ufo361) on Instagram: "RIP Ufo361.. Stay High bis zum Tod!! Liebe an alle Fans!! Danke euch für alles!!! #ufo361"

Auf den zweiten Blick ...

Nicht ohne Grund mischen sich Verständnis und Mitgefühl mit Zweifeln der Fans und Hater in den Kommentarspalten. Wir sind es nicht unbedingt von deutschsprachigen Rappern gewohnt, dass sie ihr "Karriereende" wirklich durchziehen. Selbst auf augenscheinlich ernste Entscheidungen folgte in den meisten Fällen früher oder später ein Comeback.

Nun steht Ufo361 an einem derart erfolgreichen Punkt in seiner Karriere, dass es vielen schwerfällt, ihm einen Abschied ohne Rückkehr abzukaufen. Die nackten Zahlen zum Kalenderjahr 2018 sprechen eine deutliche Sprache:

  • 1,2 Millionen: Followerzahl auf der wichtigsten Social-Media-Plattform Instagram mehr als verdoppelt (seit Mitte Dezember 2017)
  • 1,4 Millionen: Monatliche Hörer bei Spotify über zwei Monate nach dem letzten Release "VVS"
  • 81 Millionen: Aufrufe allein auf neuen Uploads bei YouTube in diesem Kalenderjahr

Zumindest aus wirtschaftlicher Sicht gibt es keinen Anlass für ein Karriereende, aber das hat Ufo auch nie behauptet. Er zählt aber nicht nur zu den erfolgreichsten, sondern auch zu den fleißigsten Rappern der letzten Jahre. Kann man sich wirklich vorstellen, dass der Berliner seinen Output nach zwei Studioalben mit jeweils einer EP, drei Mixtapes und etlichen Features – alles seit Anfang 2016 – auf Null drücken kann? Ohne dass es ihm fehlen würde? Er hat schließlich nicht aus Profitgründen, sondern aus Leidenschaft mit der Musik angefangen.

Ausblick: Rückkehr als Kaiser?

Wer aktuell "Promomove" durchs Internet brüllt, liegt meiner Meinung nach eher falsch als richtig. Ich glaube Ufo wirklich, dass er Zeit für sich und seine Familie braucht und nehmen will. Wir haben genug Stars aus der Musikwelt am Fame zerbrechen sehen, um den Druck zu verstehen, ohne ihn selbst erfahren zu haben. Es wäre ein vorausschauender und kluger Schritt, irgendwann die Reißleine zu ziehen.

Allerdings hat Ufo – korrigiert mich, wenn ich falsch liege – niemals sein Comeback ausgeschlossen. Ihm liegt zu viel an der Musik, es ist viel zu profitabel und der Tod von Ufo361 wird so wirksam inszeniert, dass eigentlich alle Zeichen auf Rückkehr stehen: Der Künstlername Kaiser geistert ja bereits seit einiger Zeit durch die Gegend.

Für mich verspricht dieses Ende daher auch einen neuen Anfang. Ob wir diesen 2019, 2020 oder 2030 erleben, steht in den Sternen.

07.11.2018 - 12:28

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Kommentare

Nicht zu vergessen ist dabei ja auch, was in dem Artikel nicht auftaucht, ist dass Ufo361 Stand jetzt ja auch noch für das Hurricane und Southside 2019 als Act gebucht

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Apache 207, Fler, Bass Sultan Hengzt, Shindy, Ufo361 & mehr im Deutschrap-Update

Apache 207, Fler, Bass Sultan Hengzt, Shindy, Ufo361 & mehr im Deutschrap-Update

Von Till Hesterbrink am 03.09.2021 - 12:03

Was ein Release-Friday! Heute kann man sich vor großen Veröffentlichungen kaum noch retten. Damit ihr den Überblick nicht verliert, haben wir wie immer die neuen Songs der Woche in unserer "Groove Attack by Hiphop.de"-Playlist gesammelt. Unser Cover ziert diese Woche ART mit seinem Track "Belgisches Viertel".

Neue Songs: Apache 207, Fler & Shindy

Apache 207 (jetzt auf Apple Music streamen) meldet sich mit einem Knall zurück. Der Ludwigshafener droppt gleich drei Songs als Bundle unter dem Namen "2sad2disco Kapitel I". Zuvor hatte er angekündigt, sein nächstes Album in mehreren Teilen hintereinander zu veröffentlichen. Jetzt ist der erste Teil draußen und zeigt bereits in welche Richtung das Ding wohl gehen wird.

Fler und Bass Sultan Hengzt releasen ihre Single zu ihrem anstehenden gemeinsamen Album "CCN". Auf "Underclass" repräsentieren die beiden ihren Background und machen deutlich, dass sie nicht aus den Szeneviertel der Hauptstadt kommen. Der düstere Vibe und die Simes-Produktion sorgen für ein abnormales Brett, das definitiv Lust auf das Album macht.

Auch Shindy hat seinen neuen Song veröffentlicht. Nachdem "Im Schatten der Feigenbäume" aufgrund einer Disney-Klage gelöscht werden musste, gibt es für die Fans jetzt Nachschub in Form von "Mandarinen". Wieder ohne Musikvideo, dafür mit OZ-Produktion von einer anderen Welt.

Neue Tracks Ufo361, Massiv & Manuellsen

Ufo361 hat sein neues Album "Destroy All Copies" gedroppt. Nach "Stay High" ist dies schon die zweite Album-Veröffentlichung des unermüdlichen Berliners in diesem Jahr. In unsere Playlist hat er es mit dem Song "Engel" geschafft.

Massiv und Manuellsen machen weiter gespannt auf ihr nächsten Freitag erscheinendes Kollaboalbum "Ghetto". Diese Woche gibt es für die Fans noch mal eine miese Bombe mit "Kulu Kizeb". Wie bereits bei den vorherigen Singles, macht vor allem die Mischung der beiden Stimmen den entscheidenden Unterschied.

Außerdem sind diese Woche neu in der "Groove Attack by Hiphop.de"-Playlist: Alligatoah, Ra'is, Celo & Abdi, fiio, Shogoo, Rooky030, WHO und viele mehr.

Hier kannst du die Playlist abonnieren!


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