Neue Regeln für Gold & Charts? Wie die Industrie gegen Deutschrap arbeitet

Seit Anfang April gibt es neue Regelungen für die Streaming-Wertigkeit, beispielsweise bei der Vergabe von Gold- und Platinplatten. Man wird das Gefühl nicht los, der durch Streaming bewirkte unglaubliche Erfolg von Deutschrap sei der Industrie ein ****es Dorn im Auge gewesen. Einfach die Regeln ändern, weil der Sieger einem nicht gefällt? Das kennt man auch vom Echo. Wo liegt das Problem?

06.05.2018 - 17:56

Groove Attack powered by Hiphop.de

Groove Attack powered by Hiphop.de

Deine Deutschrap-Playlist powered by Hiphop.de, immer mit den aktuellsten Tracks der deutschen Hip-Hop Szene! Cover: ERRDEKA

Groove Attack ist Streaming Partner von Hiphop.de

Kommentare

Die „böse“ Musikindustrie arbeitet nicht gegen Deutschrap. Sie versucht die schon inflationäre und vollkommen unverhältnismäßige Vergabe von Gold und Platinauszeichnungen einzudämmen. Aber hier wird wieder in die Opferrolle geschlüpft seitens der Deutschrapgemeinde, denn alle arbeiten ja gegen Deutschrap.

Ich finde das auch gut diese ganzen gold und jetzt auch platin rapper die wegen streams und nicht tatsächlich verkauften cd's/singles haben die auszeichnung nicht verdient.
Ein sido oder bushido album damals war noch echtes gold nicht wie heute 1000 platten verkauft rest klicks bei spotyfi.
In zeiten von streams braucht es neue masstäbe wi3 z.b gold/verkauft und gold/gestreamt klar und deutlich voneinander zu trennen.
Da wären dan die halben rapper nicht mehr da wen die nicht mehr überall eingladen werden nur weil die auf einem youtube video viele klicks haben sondern weil sie gute musik machen.
My 2 cents

selbstgerichtete "Analyse", die 1 humbug ist und 2 leider verkennt dass IHR Teil der Industrie seid.

Ja Richtig. Die arbeiten gegen Deutschrap. Weil die Regeln nur für Deutschrap gelten. Hört mal auf die Opfer Rolle zu spielen. Diese ganze Streaming ***** ist er voll müll. Leute kriegen in Ami Land Gold für ein Album ohne ein Album verkauft zu haben. Du kannst keine Plattenverkäufe angerechnet bekommen wenn du keine Platten verkaufst. Dann sterben halt die Gold Platten aus wie CDs. SO einfach

Wieso ein Dorn im Auge -Why Deutschland ist so strange .

"Einfach die Regeln ändern, weil der Sieger einem nicht gefällt? Das kennt man auch vom Echo. Wo liegt das Problem?"

Für den Autor scheint also die Banalisierung von diskriminierenden Texten, die den Holocaust durch einen unnötigen Vergleich verharmlosen, als unnötig und schlichtweg ungerecht? Wieso werden Befindlichkeiten (Wir Hip-Hopper gegen die verdrehende Welt da draußen) beim Leser provoziert und dabei in Kauf genommen, dass eine wichtige Auseinandersetzung mit der Bedeutungsebene von Raptexten ignoriert wird? Auch unter Raphörern gibt es durchaus Leute, die einen differenzierenden Diskurs suchen und kein Interesse an Plattitüten haben! Und nun also die Zuspitzung, indem zwei verschiedene Themen miteinander verknüpft werden. Die Welt ist nicht so einfach zu erklären ;-)

Deine Meinung dazu?

Weiter ...

Kool Savas über Streaming: "Man muss sich diesem Release-Wahnsinn nicht beugen"

Kool Savas über Streaming: "Man muss sich diesem Release-Wahnsinn nicht beugen"

Von Jesse Schumacher am 12.02.2020 - 16:13

Die Streaming-Dienste wie Spotify oder Apple Music sind in der heutigen Zeit gar nicht mehr wegzudenken. Sie beeinflussen nicht nur das Hörerverhalten, sondern prägen auch die Art und Weise wie Musik produziert und vermarktet wird. Nach GfK Entertainment und dem Bundesverband Musikindustrie (BVMI) ist die Anzahl der User auf Spotify im letzten Jahr um 30% gestiegen. Im Jahr 2019 nutzten 271 Millionen Hörer weltweit den Streaming-Dienst.

Kool Savas und Toxik über das Streaming-Zeitalter

Für den #Businessclass-Podcast des jungen Handelsblatt-Portals Orange sprachen die Moderatoren mit Kool Savas und Toxik über die Entwicklungen im Streaming-Zeitalter. Kool Savas sagt, dass ein Unterschied zu früher darin liegt, dass es sich damals schnell gezeigt hat, ob ein Album kommerziell erfolgreich wird oder nicht. Heute sei das Potential eines Songs, auch nach einiger Zeit noch erfolgreich zu werden, viel höher. Einen Grund sieht er beispielsweise darin, dass ein Song zur richtigen Zeit in der richtigen Playlist landen kann. Außerdem sei es für ein jüngeres Publikum durch die Abonnements bei Streaming-Plattformen heutzutage viel günstiger, neue Musik zu hören.

Doch nicht nur der Erfolg der Musik hängt vom Streaming ab. Auch die Musik habe sich verändert. Die Intros seien kürzer und meist beginnen die Songs mit dem Chorus. Kool Savas sagt:

"Das ist einfach nur, weil die Leute sofort erkennen sollen, um welchen Song es geht, damit sie nicht weiter skippen. Das Konsumverhalten hat sich verändert. Es ist so wie wenn du als Kind nachts alleine in einem Süßigkeitenladen eingesperrt bist und überall mal kosten kannst. Da muss irgendwas so krass bei dir hängen bleiben, dass du sagst, ich esse das jetzt noch mal. Im besten Fall läuft es so, man läuft da durch und nimmt sich von allem etwas."

Auch Toxik erkennt diesen Trend. Insbesondere deutscher Rap habe sich extremst verändert. Er sei viel melodischer und die Strophen kürzer geworden. Außerdem sagt er:

"Wenn man 25 Minuten ins Mikrofon schreit und super anspruchsvoll rappt, war das vielleicht früher cool, um Leute zu beeindrucken, aber der Algorithmus dankt es einem heute vielleicht nicht."

Im Vergleich zu früher sei außerdem erkennbar, dass die Frequenz der veröffentlichten Songs heute viel höher sei. Toxik erklärt sich das dadurch, dass bei Spotify auch die Anzahl der monatlichen Hörer*innen extrem wichtig sei. Diese werde hoch gehalten, wenn konsequent viele Tracks veröffentlicht werden. 

Kool Savas sieht diese Tendenz auch, betont aber, dass sich nicht jeder Künstler danach richten sollte. Er sagt dazu:

"Man muss sich diesem Release-Wahnsinn nicht beugen, das wäre totaler Blödsinn. Es gibt Künstler, zu denen passt das nicht. Das ist einfach eine andere Art und Weise, wie man damit umgeht. Aber für neue Künstler, die wirklich von Medien wie Instagram abhängig sind und damit auch intensiv arbeiten, ist das schon wichtig, dass die auch bei diesem Tempo mithalten. Sonst sind die nicht mehr auffällig genug."

Am Ende des Interviews wird deutlich, dass er die Entwicklung der Streaming-Dienste weder komplett positiv noch negativ einschätzt. Es gebe beide Seiten.


Sag uns deine Meinung zu diesem Artikel! (0 Kommentare)