Fatoni feat. Antilopen Gang & Juse Ju - Vorurteile Pt. II [JUICE Premiere]

Eine Videoauskopplung aus Fatonis aktueller EP Die Zeit heilt alle Hypes. Auf dem Track Vorurteile Pt. 2 und in dem unterhaltsamen Video sind die Antilopen Gang und Juse Ju dabei.

Mehr Infos zu der EP findest du in unserer Release Section.

17.06.2014 - 16:48

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Attila Hildmanns Telegram-Gruppe startet "traurigsten Shitstorm aller Zeiten" gegen Fatoni-Video

Attila Hildmanns Telegram-Gruppe startet "traurigsten Shitstorm aller Zeiten" gegen Fatoni-Video

Von HHRedaktion am 30.06.2020 - 13:30

2020 war bisher ein gutes Jahr für Verschwörungserzählungen. Xavier Naidoo hat endültig seine letzten Hüllen fallen lassen. Ex-Starkoch Attila Hildmann schmeißt regelmäßig alle Verschwörungen, die nicht bei drei auf den Bäumen sind, mit einer guten Prise Fantasie und drei Esslöffeln maximaler Verwirrung in den Thermomix, um das Ergebnis seiner Telegram-Gruppe vorzusetzen.

Auch Rapper haben schon länger ein Faible für Fantasien, die komplizierte Sachverhalte mit einem Bösewicht und einem vermeintlich großen Plan plötzlich zugänglich und einfach erscheinen lassen. Sie glauben an die flache Erde, an weltumspannende Medienverschwörungen, an Bill Gates' satanistische Mikrochip-Bestrebungen, an Kinderblut schlürfende Machteliten und daran, dass es vielleicht gar kein Covid-19 gibt.

Deutschrap & die Verschwörungsmythen

Aber es gibt auch die Gegenseite. Viele Rapper appellieren an die Vernunft ihrer Fans, informieren und leisten teilweise mühsame Aufklärungsarbeit. Oder sie machen Songs.

Ein aktuelles Beispiel ist Edgar Wassers Song "Wacht auf!!!!!!!!", in dem er die Pseudoargumente der Verwirrten da draußen ad absurdum führt. Sein Kollabopartner Fatoni ("Nocebo", 2013) hatte bereits auf dem letzten Soloalbum "Andorra" (2019) mit dem Song "Nein nein nein nein nein nein" einen ähnlich guten Beitrag zu dieser Thematik abgeliefert. Dieser rückt nun, über ein Jahr nach der Erstveröffentlichung, wieder ins den Fokus.

Fatonis Song über Verschwörungserzählungen: Storyteller trifft Analyse

Warum jetzt das nachträgliche Video? Fatoni hat in den letzten Monaten – wie wohl die meisten von uns – sehr aufmerksam und vermutlich mit leichtem Entsetzen beobachtet, welche Dynamik Verschwörungsmythen während Corona bekommen haben. Der Song war ohnehin schon fertig und so bedurfte es eigentlich nur der passenden Bebilderung, die dem Kotburschi Kollektiv sehr gut gelungen ist. Darin zu sehen, ohne im Song namentlich genannt zu werden: Attila Hildmann.

"Ich dachte die letzten Jahre immer wieder das Thema Verschwörungsidiologien ist dann auch mal durch, die letzten Monate haben gezeigt dass dem nicht so ist. Im Song 'Nein Nein Nein Nein Nein Nein' habe ich mir die Frage gestellt was bei mir hätte anders laufen müssen, um heute zu glauben dass die Welt von ein paar wenigen Exen aus dem Keller einer Pizzeria gelenkt wird." [sic]

Der Song thematisiert das Verlangen nach einfach Lösungen und Erklärungen, die besonders einleuchtend scheinen, wenn man sich im eigenen Rauchpalast abschottet und "Informationen" dem Weltbild anpasst, anstatt es andersherum zu tun. In einer Mischung aus Storyteller und Analyse blickt Fatoni zurück auf sein 17-jähriges Ich, das mit einem Homie Joint nach Joint killte, um anschließend die Welt in Gut und Böse einzuteilen.

Mit dem zweiten Part geht es dann in die Gegenwart, in der sein alter Homie Jan "nur noch ein Typ, der Scheiße redet im Kifferwahn" für ihn ist. Und im dritten wird dann konkret eingeordnet:

Ich würde ja gerne glauben, die halten mich dumm /

Dass ich zu faul für Bücher bin, ist zwar die Wahrheit, aber nicht gerade der geilere Grund /

Ich würde ja gerne glauben, die schalten mich stumm /

Das ist ein viel geilerer Grund als: "Es interessiert mich halt einfach nicht und darum halt ich den Mund" /

Ich würde lieber glauben, alles wird von denen kontrolliert /

Als zugeben zu müssen, nicht genau zu wissen, wie unser Wirtschaftssystem funktioniert (fuck)

Hildmann-Anhänger startet den traurigsten Shitstorm aller Zeiten

Das Sprichwort, dass getroffene Hunde bellen, bewahrheitet sich nicht nur unter Rappern, sondern offenbar auch in der bunten Welt der Verschwörungsfantasien. "Nein nein nein nein nein nein" ist einem Post von Fatoni zufolge in einer Telegram-Gruppe namens "Freiheits-Chat" von Attila Hildmann gelandet.

Dort ruft ein Mitglied (nicht der vegane Verschwörungsboss himself) offenbar dazu auf, das Musikvideo zu disliken. Die geplante Sabotage des Like-Balkens konnte allerdings keinen durchschlagenden Erfolg erzielen. Aktuell stehen 3660 positive Bewertungen 74 negativen gegenüber. Der "traurigste Shitstorm aller Zeiten" hält @Herr_M auf Twitter fest.

In diesem Fall war der Aufruf also ziemlich egal, aber er zeigt eine beliebte Taktik in einem Internet, das immer mehr in verschiedene Echokammern aufsplittert. Ob es nun Hildmanns Verschwörungschäfchen sind, eine Rapper-Fanarmee oder ganz klassisch rechte Vollidioten: Organisierte Shitstorms sollen gezielt das Meinungsbild im Netz manipulieren.

Das senkt die Hemmschwelle, sich selbst in die Welt der Verschwörungsmythen zu begeben, rechtes Gedankengut sowie rechte Sprache zu akzeptieren oder sich der vermeintlich mehrheitlichen Meinung über einen Rapper oder sonstiges anzuschließen Der gute Rayk Anders und sein Team haben zu diesem Thema eine sehr empfehlenswerte Doku gedreht:

Auf das Thema Verschwörungserzählungen kann man im Prinzip anwenden, was viele spätestens aus der aktuellen Debatte um Rassismus und Polizeigewalt mitgenommen haben sollten: Manchmal reicht es nicht, das Verschwörungsgerede selbst dumm zu finden. Man muss es auch zeigen.

Wenn die andere Seite laut durch Internet stampft, dann darf die schweigende Mehrheit nicht weiter schweigen. Sonst sieht es irgendwann so aus, als wären die Attila Hildmanns, Xavier Naidoos und Leon Lovelocks in der Überzahl.


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