Frauenarzt - Der Untergrundkönig

Der Untergrundkönig

Artist

Release Titel

Label

Veröffentlichungsdatum

1 Dez 2005

Pressetext / Beschreibung

Egal ob Hass- oder Kultobjekt, zu dem Rapper mit dem eigenwilligen Namen hat jeder seine Meinung. Jeder kennt ihn. Jeder hat schonmal ein Lied von ihm gehört. Wer ohne Majorvertrieb oder wirkliches Label mehrere tausend Einheiten verkauft, dem muss man dafür einfach seinen Respekt aussprechen - auch wenn man die Musik desjenigen vielleicht nicht mag. Denn eines muss man Frauenarzt lassen: er macht sein Geschäft. Sind Rapper wie er schuld am Verfall der Jugend? Ist Berlinrap der Sündenfall des einundzwanzigsten Jahrhundert? Ist diese Diskussion nicht schon abgegriffen? Eben. Hier geht's um Musik und nicht den (gesamtgesellschaftlichen) Werteverfall. Und eben jene ist im Falle von "Der Untergrundkönig" wirklich ziemlich hörenswert, da das Album in die Richtung geht, welche die Single "T-Shirt und Jeans" anzeigte. Arzts Synthiebeats mit den Mörderbässen erschaffen eine bedrohlich düstere Atmosphäre, die jedoch nie lethargisch wird, sondern mitunter zum Tanzen animiert. Davon abgesehen, gibt es hier zum Beispiel auch Ausnahmen, wie das gesamplete "In den Mob", welches durch Smokys ewig wiederkehrendes "Brennt den Club ab, Atzen, in Berlin und überall" zu einem Kopfnickgaranten macht. Auch Electro Slow Jams (um mal einen Neologismus aus zu packen) wie zum Beispiel "Ghetto Fotze" gehen einach rein und sind entspannt zu hören. Inhaltlich könnte man es als explizierte Version von 2Pacs "Wonda why they call u bytch" bezeichnen. Vielen wird die lyrische Umsetzung und der Gedanke des Liedes zu vulgär sein, doch musikalisch ist das einwandfrei.

Generell ist es bei "Der Untergrundkönig" jedoch so, dass hier mehr geboten wird als Sexreime und die oft zitierte "Frauenfeindlichkeit". Nicht jedem wird gefallen, was Frauenarzt hier fabriziert. Die Texte sind einfach nichts für "schwächere Gemüter", da man das Blatt nicht vor den Mund nimmt und einigen dürften die Synthesizerbeats auch zu eintönig sein, doch wer sich einem Track wie "Der Hass" wirklich verschliessen kann, der muss schwere Probleme mit seinen Gehörgängen haben. Der beste Track der CD thematisiert die Antipathien, welche dem Berliner entgegenschlagen - aus den Medien, aus der Hörerschaft, aus der Szene. Vor allem die treibende Hook, mit den energischen Raps und die Wahrheiten, welche hier verbreitet werden, wissen zu überzeugen. Überhaupt ist es die Ehrlichkeit dieses Albums, welche besticht. Arzt betont deutlich, dass er kein Gangster- oder Strassenrapper ist und trotzdem weiss wie es auf eben diesen "Strassen" aussieht. Angesichts dessen ist es schade, dass zum Beispiel Boss Aro auf "Echte Atzen" den Gesamteindruck schmälert und Smoky auf "Spiel mit mir" (welches vor allem durch die Frauenstimme in der Hook penetrant das Ohr verwöhnt) einen seiner schlechteren Parts abliefert.

Nichts desto trotz ist "Der Untergrundkönig" das perfekte Album für diejenigen, welche keine Probleme mit derber Sprache und härteren Ansagen haben. Dem Mainstream wird das ganze sicherlich um einiges zu hart sein. Dennoch sollten Lieder wie "Alles ist cool", "T-Shirt und Jeans", "Der Hass" oder "In den Mob" unbedingt probegehört werdden - man könnte auf ein paar Perlen stossen, welche man sonst verpasst hätte.

Bewertung:
3,5 von 6

Fazit:
Mit diesem Album hat mich Frauenarzt überzeugt. Was er mit "Berlin bleibt Untergrund" angedeutet hat, führt er hier konsequent fort. Tracks wie "Der Hass" oder "Alles ist cool" sollten auch dem letzten beweisen, dass man vom Arzt mehr bekommt als "nur" Sexreime. Zwar ist dieses Album kein Pfuhl der Tiefsinnigkeit aber mal ehrlich: Wer erwartet das von Frauenarzt?! Das ist Crunk. Guter Crunk.

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"Prinz P*ssy": MC Bogy, Basstard & Mach One bezichtigen Prinz Pi der Lüge

"Prinz P*ssy": MC Bogy, Basstard & Mach One bezichtigen Prinz Pi der Lüge

Von Michael Rubach am 24.04.2019 - 16:55

Einige Urgesteine der Berliner Rapszene wie MC Bogy, Mach One und Basstard sind nicht gut auf Prinz Pi zu sprechen. Sie fühlen sich von Pi im Buch "Könnt ihr uns hören?" falsch dargestellt. Die Journalisten Jan Wehn und Davide Bortot haben es sich in dem Werk zur Aufgabe gemacht, die gesamte Deutschrap-Historie aufzubereiten. Dort zu finden sind auch Einblicke von Prinz Pi, die nun für erhebliche Widerworte sorgen.

MC Bogy mit Statement auf Instagram

Das Label Bassboxxx und die Crew Berlin Crime sind wichtige Bestandteile der deutschen Hiphop-Historie. Als der Untergrund noch wirklich tiefer Untergrund war, standen MC Bogy, Frauenarzt, Manny Marc, Mach One, MC Basstard und viele mehr für rohen Berliner Rap. Prinz Pi ist ebenfalls tief in der Berliner Szene verwurzelt und hatte einen persönlichen (eigentlich auch guten) Draht zu Bassboxxx und Berlin Crime. Bogy bezichtigt Prinz Pi nun der Lüge, da dieser in "Könnt ihr uns hören?" Ereignisse schildert, die so nicht stattgefunden haben sollen.

MC Bogy mit Nachricht an Prinz Pi
Foto:

Screenshot: instagram.com/mcbogy46

MC Bogy wirft Prinz Pi vor, sich Geschichten auszudenken, da er keine "interessante Vergangenheit" habe. So stellt Bogy komplett in Frage, was Prinz Pi in dem Buch zu Protokoll gegeben hat. Pi erzählt dort zum Beispiel von Straßenschlachten in Berlin-Mitte:

"Ich erinnere mich an zwei Schlachten in Berlin-Mitte, bei denen wir uns richtig krass mit denen geprügelt haben. Ich weiß noch, wie ich Pflastersteine auf Bogy geschmissen und er irgendetwas auf mich geschossen hat."

Dass nicht nur Bogy überhaupt nichts von Pis Anekdoten hält, zeigt zudem ein Track von Basstard.

Basstard veröffentlicht "Keine Liebe" & nennt Prinz Pi einen "Heuchler"

Noch weiter als Bogy holt Basstard aus. Er hat den Track "Keine Liebe" releast, der mit dem Titel auf Prinz Pis Label und einen seiner bekanntesten Tracks anspielt. Darin lässt er die Zeit mit Pi Revue passieren und erklärt, dass er sich verraten und gekränkt fühlt.

BASSTARD - KEINE LIEBE (Prod. Mike Martn & MachOne)

Erstmal, das ist kein Disstrack. Ich mache keine Disstracks mehr. Das ist ein Lied über Freundschaft und Enttäuschung. Ich habe wirklich viel von Pi gehalten. Ich dachte wirklich, er wäre sowas wie ein Bruder, auch wenn wir aus 2 grundverschiedenen Welten stammen.

Zu seinem Track liefert er einordnendes Statement. Er möchte Prinz Pi nicht dissen, sondern habe nach einem Weg gesucht, seiner menschlichen Enttäuschung Ausdruck zu verleihen.

"Erstmal, das ist kein Disstrack. Ich mache keine Disstracks mehr. Das ist ein Lied über Freundschaft und Enttäuschung. Ich habe wirklich viel von Pi gehalten. Ich dachte wirklich, er wäre sowas wie ein Bruder, auch wenn wir aus 2 grundverschiedenen Welten stammen. Ich war schon immer ein Verlierer, ein Junge aus dem Wedding, der niemals damit hausieren gehen würde, dass er aus dem Ghetto kommt, weil er sich dafür schämt ein Außenseiter zu sein. Und Friedrich war schon immer ein Prinz auch wenn er selbst vielleicht anders darüber denken mag. Wirkliche existenzielle Ängste hatte er jedenfalls noch nie, trotzdem hatte ich das Gefühl, daß wir auf einer Welle reiten, dass er meine Musik wirklich versteht und dass ich mich auch gut in seine Welt hineinversetzen kann. Einen Scheißdreck kann ich, meine Menschenkenntnis ist immer noch für’n Arsch und Pi ist leider ein Heuchler. Über 10 Jahre lang schmückte er sich mit uns, wie mit Accessoires, bis wir uninteressant wurden und dann zeigt er uns, in diesem Buch, was er wirklich über uns denkt. Wir sind aber keine Accessoires, sondern Menschen! Und zwar echte Menschen mit echten Problemen! Ich wusste nicht wirklich, ob ich das überhaupt veröffentlichen will. Der Song hat mir geholfen, damit fertig zu werden, instrumentalisiert worden zu sein und er hat Bogy geholfen, nicht Friedrichs Kopf abzureißen. Insgeheim, hatte ich gehofft, dass du dich entschuldigst und dass ich ihn nicht veröffentlichen muss. Scha(n)de!"

Mach One schmeißt mit Käse auf Prinz Pi

Mach One ist im Outro des Tracks von Basstard zu hören. Dort erhebt er weitere Vorwürfe, die auch über Rap hinaus gehen. Was Mach One von Prinz Pis Auftritt in dem "Könnt ihr uns hören?" hält, machte er schon vor Wochen in einem Video deutlich. Er schmiss mit Käse auf ein Bild von Pi und wollte wohl so ausdrücken, dass er dessen Darstellung der Westberliner Rapgeschichte als vollkommen unglaubwürdig einstuft.

Mach one

Jan Wehn.... haste echt nich gepeilt, dass Friedrich dir da erfundenen Scheiss auftischt?! Top Schreiberling. Minusmenschen....


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