Christian Scott - Anthem

Anthem

Release Titel

Veröffentlichungsdatum

6 Sep 2007

Pressetext / Beschreibung

Selten gab es an ein Album derart hohe Erwartungen und Vorschusslorbeeren wie für Christian Scotts zweites Soloalbum. Nach dem hoch gelobten Debüt Rewind That (Concord Records/Universal, 2006) des 22jährigen, aus New Orleans stammenden Trompeters, lag die Messlatte also hoch. Um es vorwegzunehmen: Scott schafft es, dem slicken Debüt noch einen drauf zu setzen.

Denn das eigentlich interessante an Anthem ist, dass es sich vordergründig natürlich um ein Jazzalbum handelt, was zunächst mal durch den Opener Liberty Against Fear unterstrichen wird. Doch dann gleiten die elf Tracks mehr und mehr in verrauchte, düstere, verschachtelte, ja deepe Musiksphären ab, die immer wieder an die dunkleren Beats und Tracks von Gang Starr erinnern, an einen RZA-Soundtrack, an mitternächtliche Hip Hop-Beats aus den Hinterhöfen der Bronx. Track Nummer vier, Re: (alleine der Titel spricht Bände) ist wie ein Soundtrack zu einem desillusionierten Film-Abgesang auf ein Gangsterleben. Gespielt werden müsste die Hauptrolle dann sicher von Forest Whitaker, vor 30 Jahren wahrscheinlich von Richard Roundtree oder Isaac Hayes. Cease Fire wirkt sogar richtig verstörend während der siebte Track sich wieder etwas näher in Jazzgefilde bewegt.

Überhaupt beschließt das Album einen sehr schönen Bogen vom Jazz am Anfang des Sets, durch einen sehr, sehr tiefen und dunklen, zeitweise fast mystischen Graben aus Hip Hop-Gefühl zur Mitte des Albums zurück zum Jazz in den letzten paar Stücken. Als waschechter Sohn New Orleans’ lässt es sich Scott natürlich nicht nehmen, einen Song über Hurrikan Katrina zum Besten zu geben. Es stimmt dabei versöhnlich, dass Katrina’s Eyes zwar traurig, doch irgendwie auch verhalten positiv klingt.

Bewertung:    
4,5 von 6
    
Fazit:
Über Christian Scotts zweitem Album schwebt eine schwere Coolness, die wir aus Sechziger- und Siebziger Jahre-Filmen von Sam Peckinpah und/oder mit Steve McQueen kennen, veredelt durch einen tiefen Griff ins trüb-dunkle Hip Hop-Underground-Gefühl. Schwüle, dunkle Kost, perfekt für den nächtlichen Cruise im ’71er Lincoln Continental oder im ’74er Ford Granada durch eine heruntergekommene Industriemetropole eurer Wahl!

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