Post Malone nach beängstigenden Clips: Wirklich clean & gesund?

Seit ein paar Tagen kursieren Clips von Post Malone im Netz, die einigen Fans Angst um den Rapper und Sänger eingejagt haben. Die Reaktionen auf die Videos beschäftigen sich viel mit Vermutungen über seinen Gesundheitszustand und Drogenkonsum.

Post Malone: Videos beunruhigen seine Fans

Dass Posty sich bei seinen Performances ordentlich reinhaut und auch mit crazy Mimik aufwartet, ist jedem bewusst, der schon einen Gig des 24-Jährigen besucht hat. Bei einem aktuellen Konzert drängte sich aber mehr als zuvor die Frage auf, ob das noch Performance ist oder doch ein Anzeichen dafür, dass er high auf was auch immer über die Bühne stolpert:

Klar, der mehrfach mit Platin prämierte Song "I Fall Apart" lebt auch von seiner Dramatik. Und ja, Posty hat für das eine oder andere Musikvideo auch schon Ausflüge in die Welt der Schauspielerei gewagt. Es gibt allerdings Symptome, die spontan nicht allzu leicht zu imitieren sich. Wacklige Beine, ein leerer Blick oder wirre Gestik zum Beispiel.

Die Sorgen um seine Person hat der Musiker selbst auch wahrgenommen und bei einem Konzert darauf reagiert. Er sagt, ihm ginge es fantastisch und er nehme keine Drogen:

Man möchte ihm gerne glauben. Die durch Drogen verursachten und wohl durch mentale Probleme herbeigeführten Tode junger Talente aus der Rapwelt sind noch frisch: Mac Miller, Juice WRLD, Lil Peep. Wohl keiner von ihnen hätte eine Woche vor seinem Tod auf einer Bühne vor 10.000 Menschen zugegeben, dringend Hilfe zu brauchen. Was nicht heißen soll, dass Post Malone lügt.

Man muss sein Statement aber hinterfragen. Gegenüber GQ sagte er über die drei genannten Fälle, er selbst hätte das sein können. Heißt: Er hat oder hatte zwar auch Probleme mit Drogen, ist sich dessen aber bewusst.

Post Malone angeblich clean & bei bester Gesundheit

Wie auch er selbst, bedankt sich sein Dad bei den Fans für ihre Liebe und ihre aufrichtigen Sorgen. Er führt einen gleichzeitig singenden und Gitarre spielenden Posty als Gegenbeispiel zum Video oben an. Der positive Eindruck muss dabei ebenso kritisch beäugt werden wie ein Zusammenschnitt, der ohne größeren Kontext mehrere beunruhigende Bilder aneinander reiht. Jeder kann 2020 etwas so aussehen lassen, wie er will.

Danach zieht Old Malone zudem ein gutes Fazit aus dem Trubel um seinen Sohn. Unter dem Motto "Think global, act local" empfiehlt er jedem von uns, erst einmal in unserem unmittelbaren Umfeld zu prüfen, ob jemand offenbar Hilfe braucht. Denjenigen könnten wir tatsächlich auch eher helfen als Post Malone, um ehrlich zu sein.

Und auch wenn gerade die jüngsten und wildesten Rapper nach wie vor einen Großteil ihrer Zeit über Drogen referieren, scheinen die tragischen Fälle der letzten Zeit langsam zu einem Umdenken zu führen. Immer mehr Künstler und (ehemalige) Konsumenten sprechen sich gegen Drogen aus und gehen als Vorbild voran.

Also: Seid aufmerksam und hilfsbereit! Infos zu Suchtproblemen, Drogen und Alkohol bekommt man zum Beispiel bei der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung. Anonym und rund um die Uhr kann man sich zudem an die Sucht-und-Drogen-Hotline (01805/313031) wenden.

Zu viele Tote: Immer mehr Rapper sprechen sich gegen Drogen aus

Rap hat ein Drogenproblem. Das ist natürlich nichts Neues, macht sich momentan aber vielleicht besonders bemerkbar. Auf der einen Seite stehen viele begnadete Künstler*innen, die viel zu früh sterben und Texte, in denen der Konsum thematisiert oder glorifiziert wird.

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"Schlimmster Absturz!": Capital Bra reflektiert Tilidin-Sucht

"Schlimmster Absturz!": Capital Bra reflektiert Tilidin-Sucht

Von Till Hesterbrink am 09.09.2020 - 12:39

Vor ein paar Tagen erschien eine "Strg_F"-Doku über die "Rapdroge Tilidin", in welcher der Einfluss von Deutschrap auf den Drogenkonsum jugendlicher Menschen thematisiert wurde. Einer der Hauptangeklagten war Capital Bra, der vor allem durch seinen Song "Tilidin" zu einer Explosion des Marktes beigetragen haben soll. Nun äußerte er sich gegenüber "Strg_F" zum Thema Tilidin.

Capital Bra: "Das erste Mal? Schlimmster Absturz!"

Im Interview beschreibt Capital, wie er zu Tilidin gekommen ist. Seine Bekanntschaft mit dem Schmerzmittel habe er bereits lange vor der Rapkarriere gemacht. Als Jugendlicher habe er nichts als Unsinn im Kopf gehabt und hätte den Tag ohne Geld in den Taschen rumkriegen müssen. Da sei dann einer Gras holen gegangen und der andere habe Tilidin geholt und so hätte man die Tage erträglich gemacht.

"Jeder hat ein bisschen Kleingeld in der Tasche. Du musst den Tag aber irgendwie überbringen. [...] Du gehst nicht Schaukeln mit 15, weißt du, wie ich meine? Dann, einer holt Gras, einer holt Tilidin. Dann chillst du halt den ganzen Tag, weil du den ganzen Tag so ein Kopf hast und dann gehst du nach Hause. Und jeden Tag von vorne."

Als Capi das erste Mal Tilidin probiert habe, war er nach eigenen Angaben zwei Tage nur am Kotzen und am Zittern.

Seinen Tilidin-Konsum als Rapper begründet der Bratan mit dem einhergehenden Stress, der untrennbar mit Ruhm verbunden sei – Volle Taschen, Leute, die ihn beeinflussen wollen und Fans, die keine Grenzen kennen, um ihrem Idol nahe zu sein. Er berichtet, wie Hörer ihm teilweise Tilidin-Flaschen durchs offene Fenster ins Auto geworfen hätten.

Aber auch die Trennungen von seinen Labels Team Kuku und Ersguterjunge stellt Capital als sehr kräftezehrend dar. Das Tilidin habe ihn in dieser Zeit einfach beruhigt. Das sei trotzdem keine Entschuldigung, mittlerweile würde er sehen, wie schlechte der Konsum von Tilidin für ihn sei.

"Tilidin macht ja jedem einen anderen Kopf, [...] Bei mir war es zum Beispiel so, ich konnte vergessen bisschen, so chillen. Anderen Kopf haben so, keine Probleme gerade. Aber halt irgendwann bist du gef*ckt davon. Weil wenn du aufstehst und das nicht hast... Das ist körperlicher Entzug, nicht psychischer."

Tilidin habe laut Capital eine ganz andere Suchtgefahr als andere Drogen. Bei ihm selbst sei es so weit gekommen, dass er wie ein "vercrackter Junkie" gewesen sei.

"Stell dir vor, du gehst in den Urlaub. Du nimmst Kokain mit, du nimmst Gras mit und Tilidin mit. [...] Wenn das Koka alle ist, ist dir egal. Gras, ist egal. Aber wenn du nur noch 'ne halbe Flasche Tilidin hast, fährst du sofort nach Hause."

Capital Bra: "Sieht man, dass ich mich schäme?"

Um vom Tilidin loszukommen, habe Capi mehrer Anläufe gebraucht. Der Entzug würde mit der Zeit immer schwerer werden und erst nach einem Monat Abstinenz könne man sagen, dass man es geschafft hätte. Für den Bra sei die größte Motivation, clean zu werden, der Wunsch gewesen, seine Kinder nüchtern zu erleben.

"Ich wollte meine Kinder auch so vom Kindergarten abholen. Ich wollte nicht mehr irgendwie benebelt sein, oder was auch immer. Da hab ich mir gedacht, okay reicht jetzt. Du musst jetzt klarkommen, musst erwachsen werden. Auch wegen Familie und so. Ich muss ja auch Rapper und Familienpapa sein. Irgendwas dazwischen."

Die "Strg_F"-Reportage hätte ihn sehr bewegt. Sein Gesicht dort zu sehen, wäre schon ein Schock für ihn gewesen. Dem Dealer, der in der Doku behauptet, nach dem Song "Tilidin" hätte es einen rasanten Anstieg in der Nachfrage gegeben, wünscht er die Festnahme. Tilidin sei schließlich eine der schlimmsten Drogen überhaupt und er könne sich nicht vorstellen, wie ein Jugendlicher den körperlichen Entzug bewältigen solle.

Tilidin sei laut Capi aber keine "Rap-Droge". Das Schmerzmittel hätte mit Rap eigentlich nichts zutun, sie hätten lediglich darüber gerappt, weil es Teil ihrer Lebensrealität gewesen sei. Ziel sei es nie gewesen, das Ganze als cool darzustellen. Dass Fans auch Tilidin nehmen würden, um sich ihrem Lieblingskünstler näher zu fühlen, hält er für eine äußerst schlechte Idee. Niemand würde ihm oder Samra so näher kommen.

Für die Zukunft verspricht der Bratan, seinen Tilidin-Konsum nicht mehr in Texten zu verarbeiten. Drogen sollen weniger häufig das Thema seiner Songs sein.

Das ganze Interview könnt ihr hier schauen:

Tilidin x Deutschrap: Reportage spürt der Modedroge nach

Die Droge Tilidin ist in den letzten Jahren aus dem Deutschrap-Kosmos kaum wegzudenken. Von Capital Bra über Samra bis kürzlich Bonez MC (" Tilidin weg") - das verschreibungspflichtige Schmerzmittel ist bei denjenigen vorne dabei, die auch die Charts anführen. Tilidin hat Einzug in den Mainstream gefunden. Das bleibt nicht unbemerkt.


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