Spekulationen nach Album-Leak: Outet Tyler, The Creator sich auf "Scum F**k Flower Boy"?

Der Blumenjunge Tyler, The Creator meldete sich Ende Juni mit einem Knall zurück, bevor das neue Album Scum F**k Flower Boy vor wenigen Tagen geleakt wurde. Mittlerweile sieht es so aus, als hätte das Team des Odd Future-Leaders die Situation wieder im Griff, aber eine Frage wird bereits heiß diskutiert: Outet Tyler sich auf Flower Boy als bi?

Einige Lines auf der Platte entzünden Diskussionen unter den Fans auf Twitter und in Foren. Besonders deutlich wird Tyler in einer Zeile im Song I Ain't Got Time. Er rappt, er würde schon seit 2004 (weiße) Jungs küssen:

"Next line, I'll have em' like woah / I've been kissing white boys since 2004"

Im Song Garden Shed scheint er außerdem die Probleme zu thematisieren, die ein vermeintliches Coming-Out mit sich bringt. Die titelgebende Gartenhütte dient als Rückzugsort, an dem Tyler (oder das lyrische ich?!) die Gefühle "bewacht", die seine Gedanken belasten. All seine Freunde hätten die Zeichen nicht erkannt, er selbst habe seit der Jugend gedacht, es handele sich nur um eine Phase – "but it's still goin' on":

"That is where I was hidin' / That is what love I was I in / Ain't no reason to pretend / Garden shed, garden shed, garden shed / Garden shed for the garçons / Them feelings I was guardin' / Heavy on my mind / All my friends lost / They couldn't read the signs / I didn't wanna talk and tell 'em my location / And they ain't wanna walk / Truth is, since a youth kid, thought it was a phase / Thought it'd be like the Frank; p**f, gone / But it's still goin' on" – Via Genius

Die Gartenhütte könnte aus einer wahren Begebenheit stammen oder eine Metapher fürs Coming-Out sein. Man spricht in diesem Kontext im Englischen auch davon, "aus dem Kämmerchen zu kommen" ("to come out of the closet"). Unklar bleibt, ob das einfach eine fiktive Geschichte oder Realtalk ist, um im Fachjargon zu bleiben. Tyler liebt es bekanntermaßen alles und jeden zu trollen, der sich trollen lässt. Allerdings könnte ihm genau diese Eigenschaft Steine in den Weg legen. Ein zwei Jahre alter Tweet ist plötzlich wieder von Interesse:

Tyler, The Creator on Twitter

I TRIED TO COME OUT THE DAMN CLOSET LIKE FOUR DAYS AGO AND NO ONE CARED HAHAHHAHAHA

Maryama on Twitter

@ImAlexReads @tylerthecreator he's been sayin it for the longest, no one really took him seriously

July 16th on Twitter

@tylerthecreator Tyler : "I'm gay.." Us: https://t.co/roJSaYFKs8

Toby Trees on Twitter

If Tyler, The Creator has come out as gay/bi then that is beautiful man. Do your thing. Fair play.

Im Song November deutet Tyler an, seine langjährigen Homies würden sich aufgrund von Track 7 distanzieren. Track 7 ist die oben thematisierte Nummer Garden Shed:

"All my day ones turn to three, fours cause of track seven"

Ist das jetzt der Über-Troll-Move, ein Outing oder einfach nur Kunst? Letzteres könnte insofern funktionieren, als dass es keine Rolle spielt, ob Tyler nun hetero, homo, bi oder sonst etwas ist. Er könnte es sein. So what? So oder so sind die Textstellen mindestens (!) eine weitere Solidarisierung mit der LGBT-Community, nachdem der Rapper seinen Homie Frank Ocean nach dessen Coming-Out supportete und 2015 ein Gay-Pride-Shirt entwarf.

"If you want to f**k dudes or whatever, why does that matter? Like, why do we care? That’s so f**king crazy, right?" – Tyler, The Creator (2014)

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Keinen Respekt vor Hiphop? Diddy setzt den Grammys ein Ultimatum

Keinen Respekt vor Hiphop? Diddy setzt den Grammys ein Ultimatum

Von Michael Rubach am 27.01.2020 - 21:32

Diddy hat im Rahmen der Grammy-Verleihung eine bemerkenswerte Ansage gemacht. Bei einer Pre-Party spricht er von systematischer Diskriminierung in der Musikindustrie, die er so nicht länger hinnehmen könne. Er setzt den Verantwortlichen der Grammys daraufhin eine Frist, um etwas an den von ihm ausgemachten Missständen zu beheben: 365 Tage gewährt Diddy Aufschub.

Diddy wettert gegen die Industrie

Diddy, der kurioserweise kurz vor seinem längeren Statement selbst einen Grammy erhalten hat, wirbt vor versammelter Saal-Prominenz für einen Wandel. Bis 2021 soll der Preis diverser, transparenter und nicht zuletzt fairer gestaltet werden.

"Die Künstler müssen wieder Kontrolle erlangen, wir brauchen Transparenz, wir brauchen Diversität."

Wie so oft sitzen bei dem Musikpreis alte weiße Männer im Zentrum der Macht. Ihre Entscheidungen förderten in den letzten zehn Jahren genau einen dunkelhäutigen Sieger hervor, der in der prominentesten Kategorie bedacht wurde. Bruno Mars gewann 2018 mit "24K Magic" die Trophäe für das Album des Jahres. Ansonsten fristen schwarze Artists zumeist ein randständiges Dasein in allerlei Nischenkategorien.

Weiße Männer bestimmen größtenteils darüber, welche hellhäutigen Artists den wohl bedeutsamsten Preis der Industrie mit nach Hause nehmen dürfen. Die kurzzeitig installierte Chefin Deborah Dugan, die dem Vernehmen nach einen Wandel in der Akademie in Gang setzen wollte, ist vor den diesjährigen Awards suspendiert worden. Sie hatte unter anderem Vorwürfe der sexuellen Belästigung erhoben. Eine weibliche Führungsfigur war also nur von kurzer Dauer.

Diddy wünscht sich, dass die Künstler wieder die Kontrolle erlangen und sich nicht länger den Strukturen ergeben. Strukturen, die bewusst gegen schwarze Artists arbeiten würden.

Diddy wirft den Grammys vor, keinen Respekt vor Hiphop zu haben

Obwohl Rap und RnB weltweit auf dem Siegeszug sind und kein Musikstil in den USA eine größere Zuhörerschaft erschließt, gehen die entsprechenden Künstler und Künstlerinnen in den Königskategorien der Grammys meist leer aus. Jedes Jahr werde die schwarze Community regelrecht "getötet", sagt Diddy. Hiphop und schwarzer Musik bekomme nicht den gebührenden Stellenwert eingeräumt. Deckungsgleich sei dies auch in der Filmindustrie und beim Sport festzustellen.

"Um ehrlich zu sein: Hiphop wurde noch nie von Grammys respektiert. Schwarze Musik wurde noch nie von den Grammys respektiert."

Das soll nun ein Ende haben. "Ihr habt 365 Tage, um den Kram zu regeln", mahnt der Multi-Millionär an. Zum Finale seiner Reformrede zählt er diverse schwarze Künstler auf, denen er seinen Grammy widmet. Darunter: Prince, Michael Jackson, Beyoncé, Missy Elliott, Snoop Dogg, Kanye West und Nas.

Diddy steht mit seiner Haltung nicht alleine dar. Tyler, The Creator konnte sich einerseits über die Auszeichnung für sein Album "IGOR" freuen. Andererseits kritisierte er, dass man sein Werk nicht in einer der populären Kategorien nominiert hat. Auch für ihn fühlt es sich offensichtlich so an, als dürfe er nicht im Konzert der Großen mitspielen.

Grammys 2020: Rassismusvorwürfe, Tribut für Nipsey Hussle & Gedenken an Kobe Bryant

Von Michael Rubach am 20.01.2020 - 17:18 Eminem hat sich auf seinem neuen Album " Music To Be Murdered By" zum Totengräber erklärt. In dieser Funktion ruft er zur Beerdigung - und packt dafür auch ein paar Disses aus. Em dreht dabei nicht im " Kamikaze"-Modus durch, aber weiß den einen oder anderen Langzeitkontrahenten lyrisch abzustrafen.


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