SSIO-Comeback: Wie "Messios" Deutschrap erlösen kann

SSIO kehrt zurück. Seit Jahren hoffen die Fans auf ein neues Album des Bobinner Rappers, bald nimmt das Warten endlich ein Ende. Es wurde immer wieder verschoben, jetzt steht fest: Die neue SSIO-Platte "Messios" kommt. Aber in drei Jahren hat sich viel verändert und SSIO verspricht nicht weniger als die Erlösung. Da drängt sich die Frage auf: Wie muss SSIOS "Messios" werden, um Deutschrap zu erlösen?

Die Erwartungen an SSIOS "Messios" könnten kaum höher sein

"BB.U.M.SS.N." war 2013 Album des Jahres bei den Hiphop.de Awards. "0,9" hat sich 2016 die Nummer eins der Albumcharts geholt. Dementsprechend lastet auf SSIOS breiten Schultern ein gewisser Erfolgsdruck. Der dürfte auch nicht gerade weniger geworden sein, je öfter er das Album verschoben hat.

Dass sich SSIO jetzt auch noch selbst als Erlöser inszeniert, setzt dem Ganzen natürlich die Krone auf. Der Alles oder Nix-Rapper spielt nicht einfach nur mit den Erwartungen seiner Fans, er gießt auch noch eimerweise Öl ins Feuer. Das birgt natürlich die Gefahr einer Enttäuschung. 

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Wie wird das neue SSIO-Album: Altbewährt oder experimentell?

Das verspricht SSIO: Der Messios will laut eigener Aussage nicht Weniger, als "dem Einheitsbrei ein Ende setzen". In seinem Statement zu den Blasphemie-Vorwürfen erklärt er außerdem, "eine Alternative zum aktuellen Deutschrap-Geschehen zu bieten. Ich erlöse euch von diesem Einheitsbrei."

Damit bezieht er sich anscheinend auf aktuelle Trends und Hypes, die allwöchentlich den nächsten Hit in die Playlists spülen. Was genau SSIO dem entgegensetzen will, bleibt allerdings unklar. Im Grunde genommen gibt es die folgenden zwei Varianten, die wahrscheinlich wirken.

Entweder liefert SSIO Albewährtes: Quasi Hausmannskost in Form von Rap auf Boombap-Beats. In etwa also das, was wir bisher von ihm kennen. Das wäre zumindest definitiv etwas anderes, als das, was aktuell gerade gehypt wird.

Oder SSIO wagt Experimente. Ähnlich wie es zum Beispiel Azad auf "NXTLVL" getan hat, könnte auch SSIO neue Wege gehen. Die Vorstellung wirkt zunächst äußerst ungewöhnlich: SSIO mit viel Autotune, viel mehr Melodien und Gesang, auf richtig modernen Beats? Klingt komisch, ist aber nicht unmöglich.

Beides birgt Gefahren: SSIO kann entweder stagnieren, keine neuen Fans hinzugewinnen und im schlimmsten Fall langweilig bis irrelevant werden, wenn er sich immer nur wiederholt. Anders herum kann SSIO seine treuen Fans aber auch aufs Heftigste vor den Kopf stoßen, enttäuschen und letzten Endes vielleicht sogar verlieren, wenn er Experimente wagt.

SSIO reagiert auf Vorwürfe zum "Messios"-Cover

Einigen Menschen scheinen Cover und Titel eine kleine Dornenkrone im Auge zu sein: Es gibt offenbar jede Menge "rassistische Kommentare und Beleidigungen" rund um das "Messios"-Cover und SSIO wird Blasphemie vorgeworfen.

Wie kann SSIO neben (Sero el) Mero, Capital Bra & Co. bestehen?

Will/muss er das überhaupt? Möglicherweise liegt es SSIO fern, irgendetwas zu ändern. Frei nach dem Motto "never change a running system" könnte er sich auch einfach auf Altbewährtes und seine Fanbase verlassen. Vielleicht war der AON-Rapper dafür aber auch einfach zu lange weg.

SSIOs letztes Album kam sogar noch vor dem ersten "Palmen aus Plastik". Aber das Game hat sich in 3 Jahren unfassbar stark verändert und alles wird immer schnelllebiger. Heute sind Singles viel wichtiger als alles andere, aber SSIO ist eigentlich klassischer Albumkünstler. Die Frage ist, ob SSIO und sein Sound so zeitlos sind, dass das alles so noch Sinn ergibt. Vielleicht kann er ja wirklich eine Art Ausgleich beitragen.

SSIO im Streaming-Zeitalter: Ob er wohl klassische Hits plant? Es sieht aktuell eigentlich nicht danach aus, als würde SSIO in Zukunft alle paar Wochen einen Single-Hit auf Spotify rausballern. Wäre er der Typ dafür, hätte er das in den letzten Jahren zumindest ab und zu schon mal machen können, hat er aber nicht.

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SSIO könnte einfach beide Welten kombinieren

Das Beste beider Welten: SSIO steht vor dem Problem, das viele Künstler haben. Im Idealfall gelingt SSIO der Spagat zwischen Alt und Neu, zwischen Weiterentwicklung und dem Anspruch, sich trotzdem treu bleiben. Das könnte er schaffen, indem er sich einfach noch mehr auf seine Wurzeln besinnt und das Ganze mit modernem Sound kombiniert. Das würde zumindest ich mir wünschen.

Wenn ich Modernisierung schreibe, meine ich natürlich keine "billigen, verf*ckten Glockenbeats" – und auch keine Dubstep-Anleihen wie "Illegal, Legal, egal". Wenn schon Beat-Experimente, dann lieber in der Richtung solcher Bazzazzian-Granaten wie bei "Chronik III".

G-Funk des Grauens: SSIO könnte einfach sein persönliches "Doggystyle"-Album veröffentlichen. Mit viel Melodie, noch viel mehr Gesangs-Hooks, Autotune und natürlich jeder Menge Rap. Ungefähr eine Mischung aus 2Pacs und Dr. Dres "California Love" und Xatars "Mein Mantel". Oder eben etwas, das so klingt wie Snoop Doggs legendäre Westcoast-Blaupause in Albumform namens "Doggystyle".

Das wäre eigentlich gar kein allzu großer Spagat, sondern eher eine konsequente Weiterentwicklung. Gepaart mit einer vorsichtigen Modernisierung könnte dabei etwas wirklich Großartiges herauskommen. SSIO müsste sich vor allem trauen, in seinen Hooks den RnB bis zum Anschlag aufzudrehen. Dass so etwas nicht mit Oldschool-Sound-Ästhetik kollodiert, dürfte jedem klar sein, der jemals Westcoast-G-Funk gehört hat.

Es gibt natürlich schon SSIO-Songs, die in diese Richtung gehen. Aber denen fehlt oft das gewisse Etwas und sie zählen zu den schwächsten seiner Nummern, das geht noch konsequenter. Mit richtig guten RnB-Sängern und Sängerinnen sowie dem Willen, das Ganze auf die nächste Stufe zu heben, könnte SSIO mit "Messios" ein unglaubliches Sommer- & Westcoast-Album fabrizieren.

Ssio - Messios

SSIO droppt sein lang erwartetes Album "Messios" am 11. Oktober 2019...

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Fest steht: SSIO hat dank AON eigentlich genug Starpower im Rücken. "Messios" bietet die perfekte Gelegenheit, das Label vereint zu präsentieren. Mit Xatar, Schwesta Ewa, Samy, Eno, Mero und Sero el Mero könnten da einige wirklich interessante Songs entstehen.

Ob Samy sämtliche RnB-Hooks stemmen kann, bleibt abzuwarten. Aber das muss er ja auch gar nicht unbedingt. Es gibt mit Menschen wie Mashanda, Rola, Moe Phoenix, Remoe oder Niqo Nuevo (und vielen anderen) auch außerhalb von AON genug Talente, die RnB verstanden haben und das SSIO-Album veredeln könnten.

Schwesta Ewa bringt ein Buch auf den Markt

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Last, but not least: Humor gerne, aber bitte ohne Sexismus

Wir schreiben das Jahr 2019. Eigentlich sollte mittlerweile wiklich überall angekommen sein, dass Sexismus nicht witzig ist. So sehr ich hier auch den Sound von "Doggystyle" über den Klee lobe: Inhaltlich darf sich SSIO gern an anderen orientieren.

Es sollte kein Problem sein. SSIO beweist immer wieder genug Intelligenz und Fähigkeit zur Selbstreflexion, sonst könnte er sich wohl kaum so vorzüglich über sich selbst lustig machen. Aber Selbstironie schützt auch nur bis zu einem gewissen Grad vor Kritik. Mit Sicherheit ist nicht alles als bloßer Sexismus abzutun, was SSIO so rappt, obwohl viel in diese Richtung geht.

Eine Bitte: Auch wenn ich mir nicht vorstellen kann, dass SSIO auf sein "Nuttööö"-Adlib verzichtet, wünsche ich mir für "Messios" zumindest deutlich weniger sexistische Scherze. Das Mindeste wäre, dass darauf keine Frauen mehr "kaputt geb*mst" werden. SSIOs Instagram-Beiträge lassen dahingehend zwar nicht gerade das Beste erahnen, aber die Hoffnung stirbt bekanntlich zuletzt.

SSIO kündigt neues Album "Messios" an

Mehrmals musste SSIO in den vergangenen Monaten sein neues Album sowie die dazugehörige Tour verschieben. Doch jetzt hat das Warten ein Ende: Der Bonner hat bei Instagram den Nachfolger zu "0,9" angekündigt.

Ssio

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Xatar erzählt, warum SSIO in den Knast musste

Xatar erzählt, warum SSIO in den Knast musste

Von Michael Rubach am 19.03.2020 - 16:19

Die Story um Xatars legendären Goldraub ist auch 2020 noch lange nicht auserzählt. Im Zuge des neuen "Quarantäne"-Podcasts mit AON-Kollege SSIO packt Xatar eine Anekdote aus, die bisher wohl nie den privaten Rahmen verlassen hat.

SSIO musste nach Xatars Goldraub ins Gefängnis

Das AON-Oberhaupt erzählt bestens gelaunt eine kleine Geschichte: So hätten "Hardcore-Bullen" damals jeden festgenommen, der zur Zeit des Goldraubs auch nur entfernt mit ihm in Kontakt gestanden habe. Dabei sei auch SSIOs Wohnung gestürmt worden. Dort sei die Polizei dann auf zwei Jungs getroffen, die mit "Playstation-Controller in der Hand eingepennt" nichtsahnend in ihren vier Wänden saßen.

Bei der Aktion habe die Polizei einen "Zufallsfund" gemacht. Das konnte Xatar wohl anschließend den Polizeiakten entnehmen. Um was es sich beim ehrbaren BWL-Studenten SSIO für einen Zufallsfund gehandelt haben dürfte, lassen wir an dieser Stelle mal offen. Er musste auf jeden Fall für eine unbestimmte Zeit in der JVA Köln-Ossendorf einsitzen. Dieser Fakt amüsiert Xatar auch heute immer noch prächtig:

"SSIO war original im Knast und keiner weiß das."

SSIO fürchtet nach Xatars Ausführungen mit hörbarer Ironie um seine Sponsoring-Verträge und kündigt an, juristisch dagegen vorgehen zu wollen, wenn von der Story etwas in seinem Wikipedia-Eintrag landet.

Die Ereignisse liegen angeblich circa 10 Jahre zurück. Nach seiner Entlassung sei SSIO den Weg nach Hause komplett zu Fuß gegangen. Immerhin 70 Minuten, die ihm als "entspannter Spaziergang" im Gedächtnis geblieben sind. Lange habe er zudem noch von dem nächtlichen Polizeibesuch geträumt. Die ganze Story im besagten Podcast beginnt nach ungefähr 20 Minuten:

Auch wenn Xatars Raubzug nun um ein weiteres Kapitel reicher ist – vom erbeuteten Gold fehlt weiterhin jede Spur. Mehr über die Geschichte von Xatar kannst du hier in einem Portrait nachlesen:

Flüchtlingskind, Goldräuber und Labelboss: Xatar im Portrait

Als Giwar Hajabi am 24. Dezember 1981 im Iran geboren wurde, deutete wenig daraufhin, dass er knapp 37 Jahre später einen Erfahrungsschatz gesammelt haben sollte, der Stoff für mindestens zwei Hollywood-Streifen bietet. Heute veröffentlicht er seine Platte "Alles oder Nix 2" und ist den meisten als Xatar bekannt.


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