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In wenigen Wochen ist es also so weit. Ein zweiter Teil zum legendären Rap-Meilenstein The Marshall Mathers LP erscheint – wer hätte das noch vor einem Jahr gedacht? Doch was erwartet uns eigentlich? Wird das Album an seinen Vorgänger anknüpfen oder entpuppt sich der Vorwurf der kalkulierten Promo-Maschinerie tatsächlich als wahr?

Nach den ersten drei veröffentlichten Auszügen des Albums lässt sich natürlich noch kein verwertbarer Eindruck vermitteln – vielmehr ist dies also als eine gewagte Prognose und keine Review zu verstehen.

Zu Beginn stellt sich die grundlegende Frage, die das Schicksal des MMLP-Nachfolgers wohl auf lange Sicht bestimmt: Mit welcher Erwartungshaltung darf man an das Album herantreten? Eminem selber macht es uns hier schon enorm schwer – denn wenn ein wieder-erblondeter Eminem die Fortsetzung seines zweifelsohne besten Werkes ankündigt, kann man auch nicht zu viel erwarten. Die Messlatte liegt hoch, sehr hoch.

Ohne diesen promotechnisch garantiert nicht unklugen Schachzug hätte ein Großteil des Rapuniversums eine Albumankündigung Eminems schnell als Recovery 2.0 abgetan. Zu offensichtlich ist das abfallende Niveau, wenn man sich seine Diskographie zur näheren Betrachtung heranzieht. Nachdem Em zu Beginn der 2000er weltweit den begehrten ersten Platz auf der All-Time Bestenliste der Rapper ergattern konnte, fiel sowohl rap- als auch soundtechnisch die Qualität seines Outputs drastisch. Auf seinem letzten Album Recovery, das bereits drei Jahre in der Vergangenheit liegt, gab er es sogar selbst zu: "The last two albums didn't count. Encore, I was on drugs. Relapse, I was flushing them out."

Doch auch Recovery war für viele Fans mehr Leid als Freud. Wer sich die Platte als großes Comeback des erfrischten Eminem vorstellte, wurde enttäuscht. Auch wenn – oder vielleicht gerade weil – es zur erfolgreichsten Single seiner Karriere wurde, ist Pop-Rap à la Love The Way You Lie vielen die-hard-Fans des weißen Krawallmachers zu weich.

Eine Befürchtung, die ihren Schatten auch auf The Marshall Mathers LP 2 wirft. Mit Blick auf die Tracklist wird einem auch klar, weshalb. Einziges Rapfeature wird Kendrick Lamar sein, der sich selbst vor einigen Monaten ganz bodenständig zu den besten Rappern der Welt zählte – und sich in dieser Disziplin unter anderem mit Eminem verglich. Doch wo ist Fifty, der ewig treue Shady/Aftermath-Soldat? Wo ist Snoop Dogg – oder Xzibit? Wohl oder übel stellt sich die Frage, ob solche Künstler noch in Eminems musikalischem und geschäftlichem Universum existieren oder er bereits über ihnen steht? Stattdessen fiel die Wahl erneut auf Rihanna und die hauseigene und vielfach kritisierte Sängerin Skylar Grey.

Zumindest Dr. Dre hat es offenbar noch geschafft. Als "ausführender Produzent" dürfen wir allerdings bis zum endgültigen Albumrelease ins Schwarze raten, ob er tatsächlich musikalisch die Finger im Spiel hatte. Die ersten drei Singleauskopplungen deuten nicht darauf hin.

Fangen wir chronologisch an, schlägt uns ein halb-aggressives, halb-nerviges Berzerk entgegen. Im lustig bunten Video zur bereits platinprämierten Single zeigt sich aller Überzeugung auch der Hiphop-Überguru und Produzent dieses Chaos-Tracks, Rick Rubin. Passt. 99 Problems und Walk This Way waren mindestens genauso rockig. Was an Berzerk allerdings fehlt, ist  eine Struktur oder zumindest ein roter Faden. Bekannten Texturen und üblichen Methoden zu trotzen, scheint im Zeitalter von Yeezus gängige Praxis geworden zu sein, das hier ist allerdings eine Ecke zu viel. Das Endprodukt hört sich leider absolut nicht nach Dre oder Rubin an. Auch textlich lässt Berzerk zu wünschen übrig – wenn Eminem seinen Dialekt-Rap auspackt, kann es leider nicht gut enden. Was hieran qualifiziert den Track überhaupt als erste Single? Den überwältigenden Erfolg verdankt der Track ganz klar dem Ohrwurmcharakter der hook-ähnlichen Strophen und dem zugegeben extrem starken Refrain.

Aber auch Survival schafft es nicht, die Begeisterung auf ein eigentlich Eminem-angemessenes Niveau zu heben. Erstmals bekam man dieses Stück als Hintergrundmusik eines Ballerspiel-Trailers auf die Ohren – da hätte er auch bleiben sollen. Der poppig-rockige Beat erinnert an die Pink-Kollabo auf dem letzten Album. Liz Rodriguez wird hier nichtmal als Featuregast aufgeführt – angesichts der Austauschbarkeit der Hook auch keine Überraschung. Da macht es keinen großen Unterschied, ob sie von Eminem selbst, Skylar Grey oder Liz Rodriguez kommt. Das ist es sicher nicht, was eine Marshall Mathers LP vermuten lässt.

Diese Woche war es dann so weit. Mehr oder weniger. Rap God nennt sich das Ganze und ließ Twitter mal wieder heißlaufen. Knapp sechs Minuten lang zwingt Eminem auch den erfahrensten Zuhörer dazu, einen Blick ins Wörterbuch werfen zu müssen. Mitlesen der Lyrics wird bei den Doubletime-Passagen zur Herausforderung. Raptechnisch eine Vorführung, ein Meisterstück, und selbst für Eminem in dieser Qualität und Länge ein absolutes Novum. Hut ab. Rappen kann der Mann also noch wie eh und je. Wieso tut er es dann nicht? Und wieso pickt er auch dieses Mal einen eintönigen und alles andere als speziellen Beat?

Mit Dre und Rubin sollte man meinen, habe Eminem das wohl kompetenteste Team zur Verfügung, das die Rapszene zu bieten hat. Warum spiegelt es sich nicht im Sound wieder? Die Beats orientieren sich weder an das Album, dessen Nachfolger diese Platte sein soll, noch an aktuellen Trends wie Trap und EDM. Es ist weder Fisch, noch Fleisch, und schon gar nicht zerfleischtes und blutiges Menschenfleisch, das man von einer Marshall Mathers LP erwarten dürfte.

Ob das Album überhaupt die Pflicht hat, so zu klingen wie sein Vorgänger? Meines Erachtens schon. Eminem hat diesen Titel 13 Jahre nach dem Release ganz bewusst gewählt um genau diese Diskussionen ins Rollen zu bringen – und hat es selbstverständlich geschafft.

Am 5. November wird sich zeigen, wo Em mit diesem Album hinwill – in die Rekordbücher oder zurück in die Herzen der Hardcore-Fans? Dann wird sich auch das Geheimnis lüften, was genau außer dem Cover an die erste Marshall Mathers LP anknüpft und ob Eminem sich überhaupt noch im Kern der Raplandschaft einordnen lässt, so klischeehaft wie es klingt. Hoffnung kann man sich immernoch machen. Denn erstens kommt alles immer anders. Und zweitens, als man denkt.

Aria Nejati

Autoreninfo

Aria Nejati ist seit 2013 Teil des Hiphop.de-Teams. Neben seinen Artikeln und Reviews interviewte er schon US-Rapstars von 50 Cent über Ryan Leslie bis hin zu ScHoolboy Q.

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Kommentare

Die Prognose spiegelt glaub ich die Meinungen einiger Rapfans wieder, aber ich denk nicht das Em zurück findet.

Ich versteh das Cover gar nicht also klar es ist so im stil der ersten mmlp aber wofür steht die zahl auf der tür?

Also:
1. in meinen Augen ist MMLP nicht sein bestes Album, sowohl The Eminem Show und auch Encore haben mir besser gefallen.
2. Eminem scheint so wie auch unsere Rapper in Deutschland sich über die Jahre verändert zu haben, das müssen wir halt akzeptieren und wem das nicht passt der Muss halt die alten Sachen hören.
3. zu den feats. Das fifty nicht dabei ist, ist ein Skandal! Aber xzibit brauche ich nicht auf einem Eminem Album und snoop mochte ich als dogg schon nicht besonders und als Lion noch viel weniger.
4. Hop Hop Medien machen die eh schon skeptische Stimmung nicht besser indem sie Berichte schreiben in denen sie indirekt schon Kritik üben bevor das Album überhaupt auf dem Markt ist.

Ich hoffe das es mehr Tracks in Richtung Rap god geben wird, aber auch wider thementracks als toysoldier oder when i'm gone.

Bis auf die Tatsache das ich Recovery im großen und ganzen sehr gut fand stimme ich dem Autor im Bezug auf die bisher veröffentlichten Lieder und dem fehlenden Potential zu. Ich denke mit 3 so brillanten Musikgenies wie em, dre und Ruben könnte man mehr draus machen. Naja lass mich überraschen und hoffe ich werde nicht enttäuscht.

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Der Beef mit Eminem war ein großer Fehler, sagt Evidence

Der Beef mit Eminem war ein großer Fehler, sagt Evidence

Von David Molke am 13.08.2019 - 17:45

Falls du nicht wusstest, weißt du jetzt: Eminem und Evidence hatten mal Beef. Klingt komisch, ist aber so. Die beiden Rapper haben sich gegenseitig sogar mit waschechten Disstracks gedisst. Evidence von den Dilated Peoples erinnert sich jetzt in einem Interview mit Talib Kweli an den Beef mit Eminem und erklärt, wie es dazu gekommen ist.

Everlast ist offenbar Schuld am Beef zwischen Eminem & Evidence

Wie ist der Beef entstanden? Wie Evidence im Gespräch mit Talib Kweli erklärt, war das Ganze fast schon ein Missverständnis, "ein großer Fehler". Everlast habe Eminem ohne Vorwarnung auf dem Remix zum Dilated Peoples-Track "Ear Drums Pop" gedisst.

Den meisten Anwesenden (Defari, Phil Da Agony und Planet Asia) sei zum Zeitpunkt der Aufnahme nicht einmal klar gewesen, was da eigentlich gerade passiert sei. Evidence habe erst im Nachhinein realisiert, dass Everlast auf dem Track gegen Slim Shady gefeuert hatte und auch noch seine Tochter Hailie erwähnt.

Eminem wehrt sich mit D12-Disstrack gegen Everlast & Dilated Peoples

Eminem ließ den Diss nicht auf sich sitzen: Im Gegenteil, er hat direkt einen ganzen Disstrack gegen Everlast gedroppt. Darin geht es auch gegen Dilated Peoples und vor allem auch gegen Evidence. Das erklärt sich der Rapper dadurch, dass er vorher mit Eminem und Madchild gechillt habe.

Offenbar habe Eminem es ihm übel genommen, dass er den Diss von Everlast nicht verhindert habe. Zumindest vermutet das das Dilated Peoples-Mitglied und erklärt, es sei höchst unangenehm gewesen, von Eminem gedisst zu werden. Vor allem zu diesem Zeitpunkt, als Eminem quasi auf dem Höhepunkt seiner Karriere und Bekanntheit war.

"Getting dissed by Eminem in the prime of his career – it was not cool."

Evidence reagiert mit eigenem Eminem-Diss "Search for Bobby Fisher"

Evidence sei sogar in einem Coffee Shop von der Angestellten auf seinen Beef mit Eminem angesprochen worden. Als die fragte, was er jetzt tun werde, ging er ins Studio und nahm einen eigenen Disstrack gegen Eminem auf.

Der Song sei sogar recht gut für die damaligen Verhältnisse gewesen. Unter anderem, weil Evidence jemanden in Detroit kannte, die einige Details über Eminem ausplauderte. Für seinen Disstrack gegen Eminem habe er dann zumindest Respekt bekommen.

Die Antwort von Eminem darauf sei schlechter gewesen, sagt Evidence:

"I thought I did good. I said some good shit. I just had some more info because he famous and I knew some girl in Detroit who knew things and she snitched on a bunch of little things, and he hit me back with another diss and it wasn't that good."

Ende gut, alles gut? Der Beef hätte anscheinend nicht besser laufen können

Der nächste Disstrack von Eminem sei in erster Linie nur gegen Everlast gerichtet gewesen. Der Streit wurde laut Evidence dann mit Hilfe von Proof (RIP) und Bizarre beigelegt. Im Endeffekt hätte es kaum besser laufen können für das Dilated Peoples-Mitglied.

Er sei nicht davor zurückgeschreckt, Eminem zu dissen. Dafür habe er Respekt gezollt bekommen und ansonsten sei nichts Schlimmes passiert.

"That thing couldn't have worked out any f*cking better. Nothing really happened. I got to get respect for not backing down from somebody who was Godzilla and that was f*cking it."

Das bisher letzte Album der Dilated Peoples "Directors of Photography" hat gestern seinen fünften Geburtstag gefeiert. In unserem Interview mit Evidence hat er allerdings keine allzu großen Hoffnungen auf ein neues Werk der Gruppe gemacht:

"Niemand sagt mir, was ich zu tun habe": Evidence über persönliche Krisen, Vaterschaft & "Weather Or Not" (Interview)

Evidence besitzt die Fähigkeit, mit seinen Texten Menschen zu berühren, ohne uncool zu sein. Er rappt vielleicht nicht besonders schnell oder mit besonders komplexen Reimen, aber dafür aus Überzeugung und tiefstem Herzen. Offenheit, Intelligenz und ein unheimlich exaktes Sprachgefühl sprühen aus jeder Zeile. Dabei scheut das Dilated Peoples-Mitglied auch nicht vor düsteren Themen zurück.


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