ScHoolboy Q - Oxymoron (Review)

Da ist es also endlich – ScHoolboy Qs erstes Major-Label-Album. Doch worauf freut man sich hier genau? Auf Qs Major-Debüt oder doch nur auf das zweite Album aus Kendrick Lamars TDE-Umfeld? Dass Oxymoron seinen Hype rechtfertigen kann, liegt nämlich zum Großteil daran, dass es thematisch nicht in Kendricks Kerbe schlägt.

Eins vorweg: Wer Oxymoron anwirft, darf keine lyrischen und verständnisvollen Meisterleistungen über die Missstände aus der Stadt der Engel erwarten. Es ist das exakte Gegenprogramm. Man kann es sich fast so vorstellen: Die Leute, über die Kendrick nachdenklich auf seinem Album erzählt hat – genau so einer ist ScHoolboy Q. Und er ist stolz drauf. Kein Wunder also, dass er uns mit einem lauten "Gangsta, Gangsta, Gangsta!" auf seinem Album begrüßt. Knallt.

Musikalisch ist es sicher mit good kid, m.A.A.d city zu vergleichen, Oxymoron fällt allerdings eine Stufe härter aus und gehorcht den strukturellen Regeln eines Songs noch weniger. Ein großer Pluspunkt, mit dem sowohl Q als auch Kendrick glänzen, ist die Phonetik. Je nach Situation und Thematik steigt die Stimme fast unerkennbar und klar nach oben, fällt allerdings wieder in rauhe Tiefen, wenn es nötig ist. Manchmal fragt man sich, ob es tatsächlich ScHoolboy Q ist, der rappt.

Eine Glanzleistung in dieser Disziplin bietet der siebenminütige Titeltrack Prescription/Oxymoron, auf dem sowohl Produzent als auch Rapper enorm experimentell daherkommen. Kaum zu glauben, dass man im Jahre 2014 so einen Track auf einem so straighten Gangster-Rap-Album findet. Dass ScHoolboy sich nicht verstellen muss und trotzdem auf ungewöhnlichen Beats rappen kann, ist ihm hoch anzurechnen. Manchmal schreit er die Hooks, manchmal singt er sie – oder versucht es. An manchen Stellen hört man über dem Refrain noch mehrere Addlips. Völliges Chaos, passt trotzdem. Von einer musikalischen Ästhetik lässt sich der in Deutschland geborene Q nicht unterkriegen.

Im Interview mit uns erzählte ScHoolboy Q, er habe die Produktion größtenteils in die Hände seiner gewöhnlichen Produzenten gelegt, was sich als völlig richtige Entscheidung herausstellt. Ein Pharrell Williams und Mike WiLL Made It dürfen heutzutage offenbar trotzdem nicht auf einem Release fehlen. Aber siehe da, sie passen beide nicht rein. Pharrells up-tempo-Beat trifft den Tenor des Albums überhaupt nicht. An Mike WiLL liegt es ehrlich gesagt nicht, sondern eher daran, dass er auch direkt 2 Chainz mit auf den Track nimmt, der absolut fehlplatziert auf Oxymoron wirkt. Die beiden wohl schwächsten Songs des Albums sind auf der Tracklist sehr weit vorne anzutreffen und nehmen dem Album daher leider früh den Wind aus den Segeln. Das hätte nicht sein müssen.

Oxymoron packt allerdings locker die Kurve. Erst gibt‘s den Titeltrack, dann bastelt Tyler The Creator einen Beat, der wie maßgeschneidert aufs Album passt. Eine Kombination, auf die man eigentlich auch schon vorher hätte kommen können.

Nachdem Raekwon dann mit seiner fehlerfreien Strophe die Weed-Pause auf Oxymoron genießt, stellt Q seine drei Chart-Anwärter vor: Break THe Bank und Man Of THe Year zeigen erneut, dass Q auch runde Songs fürs Ohr schreiben kann. Mit Hell Of A NigHt übertreibt er es dann ein wenig, mag manch einer sagen. Der Song klingt im Gesamtbild des Albums sehr poppig, unterbricht aber keinesfalls den roten Faden wie es anfangs der 2 Chainz-Track getan hat. Hell Of A NigHt erinnert sogar ein wenig an Kendricks Mega-Hit Swimming Pools. Lustig: Exzessiver Alkoholkonsum wurde dort kritisch beäugt – hier wird gefeiert ohne Rücksicht auf Verluste.

Fazit:

Fährt man nachts im Auto mit Oxymoron durch die Straßen, hört man alles, was man nicht sehen will. Dunkle Gassen, Drogensucht, Baseballschläger – auf 15 Tracks schmettert ScHoolboy Q einem fast gänzlich kompromisslos die Härte ins Gesicht. Einige Ausrutscher gibt es allerdings doch. Statt 2 Chainz hätte vielleicht doch lieber 50 Cent aufs Album gemusst. Das Intro klingt fast schon so, als könne es auch ein Fifty-Release eröffnen. Und Pharrell Williams muss vielleicht doch nicht auf jedes Album, was den Musikmarkt betritt.

Den Vergleich mit Kendrick Lamars good kid, m.A.A.d city wird Oxymoron trotz sehr offensichtlich unterschiedlicher Absichten nicht entgehen können. Dafür hat er es auch zu sehr provoziert. Was Kendrick Lamars Major-Debüt über Nacht zum sofortigen Klassiker etablierte, war die unfassbare lyrische Macht des jungen Herren, die Gedanken eines jeden normalen Bürgers auf die Straßen Comptons zu katapultieren.

ScHoolboy Q gelingt das nicht, er versucht es auch nicht. Stattdessen schreit er einem ins Gesicht, wie hart das Leben sein kann. Er ist eben nicht der gute Junge aus der verrückten Stadt. Sondern einer der Jungs, die die Stadt so verrückt machen. Mad kid, mad city.

Bewertung: 7,5/10

Aria Nejati

Autoreninfo

Aria Nejati ist seit 2013 Teil des Hiphop.de-Teams. Neben seinen Artikeln und Reviews interviewte er schon US-Rapstars von 50 Cent über Ryan Leslie bis hin zu ScHoolboy Q.