Review: Cro – Raop
Dreiecke, Aztec-Muster, Skinnyjeans und die allseits bekannte Pandamaske – Cro steht für gute Laune und Ohrwurm-Songs. Seine Musik? Von vielen gehasst, von noch mehr Leuten geliebt. Seit Easy steht die Welt des Stuttgarter Chimperator -Künstlers Kopf. Er hat es geschafft, mit einem Freetrack (!), der nachträglich als Single verkauft wurde, Gold zu gehen. Einfach so, als wär's nichts. Über 200.000 verkaufte Platten und noch kein Ende in Sicht. Natürlich kann es einem auf die Eier gehen, wenn alle nur noch über Cro reden. Wenn jede Frau, die man trifft, Easy pfeift und die eigene Tante von diesem netten Rapper erzählt, der an der Szene vorbei den Mainstream erobert. Was ich über die Hipsterkultur – mit einem riesigen Augenzwinkern – denke, habe ich an anderer Stelle im Magazin ja schon erwähnt. Aber jetzt beschäftigen wir uns mal nur mit der Musik, dem Debütalbum Raop . Ohne das ganze Drumherum, ohne Image, Hype und Effekte. Warum hat er solchen Erfolg? In erster Linie liegt es daran, dass er mit seiner Marketingstrategie den Zeitgeist an den Eiern packt und einfach das bringt, was alle hören wollen. Seine Beats sind locker, seine Texte eingängig und haben Ohrwurmfaktor des Grauens. Die Maske, die ihn so mysteriös und unnahbar macht. Und: Er hat das Styling eines Superstars. Die Erwartungen an sein Debütalbum Raop lasten Tonnen auf seinen schmalen Schultern, doch kann Cro die Herausforderung stemmen? Ich habe mir das Album im Vorfeld des Releasetermins angehört und kann sagen... Ja! " Was für Rap? Das ist Kunst. " – Cro im Intro Es gibt keine Überraschungen, Cro bleibt seiner Linie treu und veröffentlicht ein Album mit eingängigen Beats, gesungenen Hooks und leichtfüßigen Flows. Seine Themenauswahl bleibt überschaubar, zumeist geht es um Frauen und die lockere, jugendliche Einstellung zum Leben, denn: you only live once. So auch auf Jeder Tag , der perfekte Soundtrack zum Sommer. Cro s gesungene Hook, der minimalistische Beat mit den weiten Synthieflächen im Verse und der Melodie in der Hook, all das gleicht einer Gehirnwäsche: Musik an, Alttagsstress aus. Entspannung pur. Dass Cro sein Handwerk durchaus versteht und rappen kann, zeigt er im Intro , wenn er auf einem poppigen Beat doubletime rappt und seinen Kritikern mal locker von Wolke 7 auf den Kopf spuckt. Im übertragenen Sinne natürlich, er würde sich beim Versuch ja nur selbst in die Maske spucken. Wer ist der Coolste im Game? Darauf gibt Cro die Antwort auf King Of Raop , der als genre-tyischer Representer fungiert. Sein gesungener Rapflow und vor allem die Hook animieren zum Mitsingen, live dürfte das Lied jede Halle in einen Hexenkessel verwandeln. " Ich schüttel' alle meine Texte, jeden meiner Sätze locker aus dem Handgelenk. Keiner von euch kann sich vorstellen, was wohl wär', hätt' er sich angestrengt " – Cro im Intro Typisch für Cro sind auch seine Uptempo-Nummern und so hat er mit den Tracks Wie ich bin , Einmal um die Welt und Wir waren hier gleich drei schnelle Beats gepickt. Charakteristisch für diese Tracks sind die starken Popeinflüsse, Live-Drums und Gitarren. Die Drumpattern sind locker gesetzt, leben von starken Percussionelementen und knallenden Snares, die gut nach vorne treiben. Vor allem auf Wir waren hier sind offene HiHats, eine mit einer Tamburin unterlegten Snare und der E-Gitarrenriff verantwortlich für den geschmeidigen Sound. Inhaltlich gibt es auch hier keine tiefgründigen Themen, Cro verpackt seine Lyrics sehr wortgewandt und ist bedacht darauf, ein positives Gefühl beim Hörer zu wecken. Tiefgründige Themen und Auseinandersetzungen mit essentiellen Weltinhalten sucht man vergeblich. Auf Wie ich bin rappt Cro von sich als Künstler und greift dabei tief in die Klischeekiste. Auch die Orgelsounds und die Synthies im 80er-Jahre-Stil bieten ihm einen musikalisch äußerst ansprechenden Klangteppich. Einmal um die Welt befasst sich mit seinem Lieblingsthema – dem weiblichen Geschlecht – und so verspricht er seiner Traumfrau eine Spontanreise durch die Welt. " Manchmal denk' ich, wie's wohl wär', wenn ich nicht wär', wer ich bin " – Cro auf Wie ich bin Thema Frauen: Auch mit Du und Ein Teil finden sich Tracks auf Raop , die vom stärkeren Geschlecht handeln. Während Du musikalisch eine Hommage an den 80er-Jahre-Popsound mit seinen hallenden Claps, den funky Basslines und den Retro-Synthies darstellt, auf dem Cro einer Unbekannten seine Liebe gesteht, ist Ein Teil mit seinen Boombap-Einflüssen und den weiten Synthieflächen melancholisch und sehr laid back gehalten. So stellt der Track soundtechnisch eine Ausnahme auf dem Album dar, was allerdings auch zum Inhalt passt, denn der befasst sich mit Cro s Ex-Freundin, die trotz Trennung immer ein Teil von ihm bleiben wird. Seine Parts sind hier übrigens komplett gesungen, was gut zur nachdenklichen Stimmung passt. " Ich zerbrech' mir den Kopf, denn was bringt mir das Geld, wenn ich dich nicht seh? " Cro auf Du Über Easy brauche ich keine Worte verlieren, den Track dürfte mittlerweile jeder und seine Mutter kennen. Interessanter ist Geile Welt . Gerade der Wechsel im Beat zwischen dem Halftimetempo mit seinem E-Gitarrenriff im Verse und den Uptempoelementen in der Hook machen diesen Track aus. In typischer Kaas -Manier wird die wunderschöne Welt besungen, es dreht sich um Alkohol, Feiern und leichten Drogenkonsum. Auch Genauso zeigt Cro von seiner sympathischen Seite, denn hier erklärt er, dass er so ist wie du und keinen Ruhm braucht. Der Beat knallt derbe, ein Boombap-Konstrukt mit peitschender Snare, offenen HiHats und pfeifenden Orgelklängen. Kann einiges. Auch Meine Zeit klingt ähnlich, nur statt Orgel dröhnt hier ein Klaviersample aus den Boxen. Cro rappt locker und mit Wortwitz, bleibt fokussiert und überzeugt sogar mit One-Word-Punchlines. Und: Seine Helden waren Max Herre , Samy Deluxe und Jan Delay . Enough said. Und Witze über Dicke ziehen immer. " Deine Olle ist schwer... in Ordnung, denn man kann sie rollen wie das R " – Cro auf Meine Zeit

Fazit:

Zusammenfassend kann man sagen, dass Cro ein sehr positives Album produziert hat, auf dem quasi jedes Lied hittauglich ist. Ich hätte nicht gedacht, dass er es schafft, den hohen Qualitätsansprüchen gerecht zu werden, doch dieses Album wird durch die Decke gehen. Als Soundtrack zum Sommer ist der Zeitpunkt des Releases perfekt gewählt und seine lockere Art zu rappen, die gesungenen Hooks und die Beatauswahl versprechen ein sehr erfolgreiches Jahr für den Chimperator -Künstler. Klar, in Cros positiver Welt gibt es keine Krisen – außer mal gelegentliche Trennungsschmerzen, hervorgerufen durch die Ex. Tiefgründige Themen fehlen daher komplett, auch Storyteller im eigentlichen Sinne gibt es nicht. Aber ganz ehrlich: Das machen ja auch schon genug andere. Interessant ist, dass sich auf Raop keine Features finden lassen, aber wozu auch? Diejenigen, die Cro bisher schon nicht gemocht haben, werden sich mit Raop wohl kaum vom Gegenteil überzeugen lassen, alle anderen werden es lieben. Selten gab es so einen Hype um einen Künstler, allerdings muss ich komplett neidfrei zugeben, dass Cro diesem Hype gerecht wird.

Bewertung

7 von 10
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