Rap Français 2017: Die größten Alben des Jahres (und 3 gute Tipps)

2017 war für französischsprachigen Rap ein extrem starkes Jahr. Viele Stars konnten mit ihren Releases überzeugen und unzählige Newcomer machten sich einen Namen in der Szene, wodurch sie nun die perfekte Basis haben, um dieses Jahr so richtig durchzustarten. Falls du völlig neu im Rap Game Frankreichs bist und direkt mit der Crème de la Crème einsteigen willst, haben wir hier fünf der wichtigsten Alben vergangenen Jahres für dich unter die Lupe genommen. Am Ende widmen wir uns noch drei Platten, die nicht von den ganz Großen kommen und unserer Meinung nach mehr Aufmerksamkeit verdienen. Amusez-vous bien!

Damso - Ipséité

Wenn ein Album in dieser Liste unter keinen Umständen fehlen darf, dann ist es Damsos “Ipséité”. Karten auf den Tisch: Platin? Check! Streaming-Rekorde auf Spotify? Check! Sechs Wochen auf der Eins der französischen Albumcharts? Check!

“Ipséité” kommt mit eingängigen Ohrwurm-Hooks à la “Macarena”, aber auch harten Lyrics wie auf “Je Respecte R”, wo die fiktive Zielscheibe nicht nur von Damso selbst, sondern auch von seiner Großmutter gebattlet wird. Der Belgier hat sich spätestens mit diesem Album in die Herzen der Szene gerappt und geträllert und ein (voraussichtlich) zeitloses Meisterwerk auf die Beine gestellt, auf welchem er seinen ganz persönlichen Style perfektioniert hat.

Damso und sein Team picken aktuelle Elemente wie die omnipräsenten 808-Bässe oder Hi-Hat-Gewitter und ergänzen diese vermehrt mit akustischen und natürlichen Klängen. So gelingt es dem Sound, modern zu klingen, sich aber trotzdem vom Mainstream abzuheben. Das ist meistens sehr smooth, melodisch und kontrolliert. Aber man spürt immer die unterschwellige Gewalt, die irgendwo tief unten in Damso schlummert.

Bereits im Juni, als der Damso-Hype rund um “Ipséité” auf seinem Höhepunkt war, haben wir die bisherige Karriere des belgischen Riesen genauer beleuchtet (hier erfährst du mehr). Und dieser Hype darf gerne bald wieder überkochen, wenn es nach den Fans geht: Nachdem Damso in kürzerer Vergangenheit Features auf diversen erfolgreichen Alben (u.a. von Kalash, Booba und Lacrim) platzierte, warten wir gespannt auf den Nachfolger von “Ipséité”.

Sofiane - Bandit Saleté

Sofiane droppte zu einem früheren Zeitpunkt letzten Jahres bereits das starke Album “JesuispasséchezSo”, welches ohne Weiteres auch in dieser Liste aufgeführt werden könnte. Die Aufmerksamkeit der Szene hatte der 31-Jährige mit algerischen Wurzeln ohnehin schon auf seiner Seite. Spätestens mit der Videosingle “Toka” gab es für seine Anhänger kein Halten mehr:

Für den Videodreh blockierte Fianso zusammen mit seinen bösen Jungs kurzerhand eine französische Autobahn. Nach dieser Aktion, die einen Großeinsatz der Polizei mit sich zog, hatte der Rapper noch mehr als zuvor alle Augen auf sich gerichtet und lieferte anschließend mit “Bandit Saleté” ordentlich ab. Mit Tracks wie etwa “Mon p’tit loup” oder auch “Poto” zeigte Fianso erneut, dass er die Radio-Hits verstanden hat. Aber auch der Reibeisen-in-die-Fresse-Style wird mit “Le Cercle”, “Marion Maréchal” und eben “Toka” bedient.

Sofiane hat sich mit seinen zwei dicken Alben 2017 einen Namen bis weit über die Landesgrenze gemacht und sich wohl endgültig in der Top-Riege der französischen Szene festgebissen. Erst letzte Woche legte er schon nach und brachte auf “Affranchis” wieder alle Facetten seines Schaffens zur Geltung. Bei kaum einem anderen Rapper liegen augenscheinliche musikalische Widersprüche so nah beieinander wie bei Fianso.

Booba - Trône

Booba ruht sich nach wie vor nicht auf seinen Lorbeeren aus 20 Jahren Rap aus. Obwohl eine Ikone seines Formats niemandem etwas beweisen muss, wurde 2017 wieder in der guten alten Küche von Boobas Label Tallac Records gekocht – und zwar mit jeder Menge Hitze!

Zuerst überraschte er mit “Autopsie 0”, dem fünften Teil seiner Mixtape-Reihe, welche vor allem langjährige Fans schon seit einiger Zeit begleitet. Anschließend wurde mit “Trône” der Löwe der Leine gelassen, um seinen Anspruch auf den Thron zu untermauern. Der König komprimierte dafür seinen state of mind auf schmalen 13 Anspielstationen ohne überdeutliche Ausreißer nach oben oder unten. Einzig die Hits “DKR” und “E.L.E.P.H.A.N.T”, die schon 2016 erschienen sind und als Bonus Tracks obendrauf gepackt wurden, stechen etwas heraus.

Mit “Trône” erfindet Booba das Rad nicht neu, aber das hat er in der Vergangenheit ja bereits genug oft getan. Wie man es sich von ihm gewohnt ist, flowt Booba mit dieser mysteriös-überlegenen Aura über die bis ins letzte Eck ausgefeilten Beats. Auch Boobas charakteristischer Gebrauch von Autotune kommt auf “Trône” nicht zu kurz. Eine sehr überzeugende und runde Platte von dem Rapper, der im Stile des Paten stets über die gesamte französische Szene zu wachen scheint.

Niska - Commando

Niska hatte 2015 und dann 2016 mit seinem erfolgreichen Debütalbum “Zifukoro” (mittlerweile Platin) eine unwiderrufliche Duftmarke in der Szene hinterlassen. Eine einzigartige Delivery und unbändige Energie treffen in dem Shooting Star aus Evry auf großes musikalisches Talent. Die Frage 2017 war, was Niska den immer weiter steigenden Erwartungen entgegenzusetzen haben würde.

Er antwortete mit Hits und noch mehr Hype. Sein Song “Réseaux” stand nach nur zwei Monaten bei 87 Millionen Views. Miami Yacines "Kokaina" war zu diesem Zeitpunkt grade ein Jahr alt und geworden und hatte diese Marke noch nicht erreicht. Nur um die Dimensionen deutlich zu machen. Wie auch für Damso und Sofiane war 2017 das Jahr, in dem er sich endgültig unverzichtbar für französischsprachigen Rap machen konnte.

Der Style des Debütalbums wird dabei grundsätzlich beibehalten. Mit sehr viel Energie in der Stimme spittet Niska seine 16er und in der Hook darf es dann teilweise auch etwas melodiöser werden. Harte Schale, weicher Kern – sowas in der Art. Das Soundbild wird oft von relaxt atmosphärischen Beats geprägt und genau dann ist Niskas druckvoller Rap die perfekte Ergänzung. “Réseaux” oder auch “Story X” sind ideale Beispiele für Niskas sehr eigenen Stil. Natürlich gibt es auch straighte Banger auf dem Album, wo dann auch der Beat gut nach vorne geht. Kostprobe gefällig?

Mit “Commando” ist Niska ein Geniestreich gelungen, was man auch an den Verkaufszahlen erkennen kann: Das Ding ging Dreifach-Platin. Auch Gäste wie Booba und MHD zeigen, dass Niska der Durchbruch vom Newcomer zum Superstar innerhalb von weniger als drei Jahren eindrucksvoll gelungen ist. Charo c'est la Champions League, paw paw paw paw!

Jul - Je ne me vois pas briller

Jul bleibt auch bei beispielloser Output-Frequenz ein Qualitätsgarant – keine sonderlich häufige Kombination. Seit 2014 droppte der Marseille-Rapper acht Studioalben. Darunter sind jeweils eine Gold- und Diamantplatte, fünfmal Platin auf den Levels 1-3 und sein jüngster Streich “La tête dans les nuages” wird sich höchstwahrscheinlich auch bald eine Medaille an die Brust heften können.

Auf “Je ne me vois pas briller” spielt Jul seine offensichtlichen Stärken aus. Er setzt wie schon so oft auf tanzbare Uptempo-Beats, während seine Strophen meist melodiös und extrem catchy daherkommen. Ein Großteil der Tracks versprüht einen sehr fröhlichen Vibe, wobei immer wieder auch eine Anspielstation eingestreut wird, auf der man Jul eher melancholisch erlebt (z.B. “Mon tiek ti amo”). Diese kurzen Cuts in der sonst ausufernden Euphorie und Lebensfreude sind für den Hörgenuss des Albums enorm wichtig, da sie die nötige Abwechslung schaffen.

Wer vor oft sommerlichem Pop-Appeal bei Rappern nicht zurückschreckt, findet in Jul den Kerl, der regelmäßig und zuverlässig neues Material zum Tanzen und Feiern liefert.

3 kleinere Tipps

Das waren fünf der relevantesten, grössten und erfolgreichsten Platten 2017. Für Kenner der Szene keine Überraschungen, aber sicher dennoch Grundlage für Diskussionen: Wer hätte noch dazugehört? Wo sind die Alben von Lacrim, Kalash Criminel, Hornet La Frappe oder SCH? Auf wen könnte man in den Top 5 verzichten?

Zumindest auf die Frage, was abseits des ganz hellen Spotlights noch dope war, haben drei Antworten für dich. "Geheimtipps" können wir das nicht nennen, da die Artists alle auch schon in siebenstelligen Klickbereichen mitspielen. Dennoch: Die Rapper weiter oben waren die deutlich offensichtlicheren Kandidaten.

MMZ - N’DA

Nach dem erfolgreichen Erstlingswerk “Tout pour le gang” aus dem Mini Mafia Zoo zweifelten Kritiker an der Langlebigkeit der Gruppe. Diese Stimmen verstummten aber nach “N’DA”, dem zweiten Streich von MMZ. Cloudeske Klänge und verträumte Melodien mit einer Prise Autotune erwarten dich, wenn der Zoo seine Pforten öffnet.

Lomepal - Flip

Lomepal releaste seit 2011 mehrere EPs und im letzten Jahr war die Zeit reif für sein erstes Studioalbum. Das Warten hat sich gelohnt, denn mit “Flip” ist dem 26-jährigen Artist eine grandiose Platte gelungen. Lomepals Style zu beschreiben, ist aufgrund seiner unorthodoxen Art extrem schwierig. Prägend ist gechillte Atmosphäre, welche durch die Instrumentals und den Rap gleichermaßen entsteht. Gerade in einer Zeit, in der Trap und Autotune Gang und Gäbe sind, ist Lomepals “Flip” ein erfrischendes Album:

Caballero & JeanJass - Double Hélice 2

Der erste Teil der “Double Hélice”-Reihe generierte nicht den Hype, den sich Caballero und sein Kollege JeanJass erhofft und auch verdient haben. Mit dem zweiten Teil konnten die beiden Belgier bereits mehr Aufmerksamkeit auf sich ziehen. Durch moderne Instrumentals, die wie der Flow teilweise trotzdem einen gewissen Oldschool-Flair mit sich bringen, ist das Soundbild von “Double Hélice 2” alles andere als Standard. Liebevoll gepickte Samples, Ohrwurm-Melodien, druckvolle Brecher-Beats, tonnenweise ungehörte Flow-Variationen – alles dabei!

“Double Hélice 3” wird für 2018 erwartet und du kannst gespannt sein, wie die Entwicklung von Caballero und JeanJass sowohl musikalisch als auch bezüglich ihres Standings weitergeht – die Jungs sind einfach dope AF!

In unserer Playlist auf Spotify findest du immer eine Auswahl aktueller Songs aus der Szene:

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Die besten französischen Rap-Alben 2020 (bis jetzt)

Die besten französischen Rap-Alben 2020 (bis jetzt)

Von HHRedaktion am 29.04.2020 - 17:11

Der Einfluss von französischem Rap insbesondere auf die deutschsprachige Szene bleibt auch 2020 ungebrochen. Bei unseren Nachbarn im Westen tummeln sich innovative Newcomer, interessante Persönlichkeiten und Rapper, die auch jenseits der 40 noch frisch und hungrig klingen. Ein Blick herüber lohnt sich immer!

Nach dem Rückblick auf die Songs, die Rap-Frankreich im ersten Quartal im Griff hatten, liefert unser Kollege Tobias Wilinski jetzt für eine Zusammenstellung von Alben, die man 2020 gehört haben muss. Neben seinem "ThemaTakt"-Podcast hat Tobias kürzlich ein neues Format namens "L'heure du rap" (@lheuredurap) auf say-say.de gestartet, in dem er sich ausschließlich mit der französischen Rapwelt befasst. Mit Input zu seinem Podcast oder Pitches für Artikel bei uns könnt ihr euch vertrauensvoll an den entsprechenden Instagram-Account wenden.

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Isha - La Vie Augmente Vol. 3

Einer der wichtigsten kongolesischen Filme ist zweifelsohne „La vie est Belle“ („Das Leben ist schön“). Regisseur war 1987 Ishas Onkel Ngangura Dieudonné Mweze. Ishas Reihe „La vie augmente“ („Das Leben vergrößert sich“) ist eine Referenz an diesen Film. Auch in seinen Texten behandelt Isha, der schon seit über 15 Jahren Musik veröffentlicht, Afrika beziehungsweise die Kolonisation des Kongo.

Im Opener „Durag“ rappt er „Kongo – unsere Väter wurden von Priestern aufgezogen / man schlug uns, wenn wir das Ave Maria falsch zitierten“ und im Song „Les Magiciens“ nimmt Isha die Perspektive eines Kolonisierten ein, der die Kolonisatoren für Magier hält: „Sie haben Gold und Diamanten genommen, hinterlassen haben sie das magische Buch (die Bibel)“.

Isha gelingt es, tiefgründige Texte zu schreiben, ohne dass die Musik dadurch schwerfällig wird. „Magma“ ist einer der stärksten Songs des Jahres und „Chaud devant“ strahlt eine ähnliche Hitze aus. Aufgewertet wird „La vie augmente Vol. 3“ durch die Feature-Gäste: Green Montana auf „Bad Boy“, Ausnahme-Rapper Dinos, Sofiane Pamart am Piano und PLK, der auf „Tradition“ im gleichen Flow wie Isha rappt. 

Top-Songs

  • Les Magiciens
  • Magma
  • Chaud Devant

Laylow - Trinity

„Bienvenue dans le programme Trinity“, begrüßt uns im Intro eine weibliche Computerstimme. Wer oder was ist Trinity? Das erfahren wir nach und nach auf Laylows gleichnamigen Debütalbum. „Es ist wichtig, dass ihr das Album in der richtigen Reihenfolge hört!“, schreibt Laylow am Release Day auf Instagram. Es ist nämlich ein Konzeptalbum, dessen Songs aufeinander aufbauen. 

Es startet mit dem kraftvollen „MEGATRON“, das bewusst „Black Skinhead“ und andere Kanye West-Songs referenziert. Doch der Rest des Albums ist vor allem melancholisch und düster. Die Videoauskopplungen visualisieren eine dystopische Welt voller Technologie, Matrix-Referenzen und Emotionen.

Ein Höhepunkt ist „BURNING MAN“ mit Lomepal. Im Refrain heißt es übersetzt: „Ich kreiere, dann mache ich alles kaputt, das ist wunderbar / ich zerstöre mich jeden Tag etwas, das ist mein Leben“. Diese Stimmungen verstärkt Laylow mit vielen kleinen Details, indem er seine Stimme beispielsweise mit Effekten bearbeitet und so selbst teils wie ein Computer klingt. 

Trinity, die elektronische aber sanfte Frauenstimme aus dem Intro, taucht immer wieder in Skits auf. An einem Punkt scheint Laylow sogar zu denken, dass er in einer Beziehung mit ihr wäre. Die Wahrheit erfahren wir erst im Skit vor dem letzten Song: Trinity ist eine Software, die Emotionen stimuliert. Im anschließenden Song ist Laylow ohne Trinity – und somit auch ohne Emotionen. Damit ist er quasi selbst zu einer Software/einem Roboter geworden. Gänsehaut!

Top-Songs

  • Hört das ganze Album!

Népal - Adios Bahamas

Népal konnte die Veröffentlichung seines Albums leider nicht miterleben. Zwei Monate bevor es erschien, ist er aus unbekannten Gründen mit nur 29 Jahren verstorben. Er war Rapper, Beatmaker, Videograf, ein echtes Multitalent. Und Geheimniskrämer. Sein Gesicht hat er (so wie auf dem „Adios Bahamas“-Cover) verhüllt, maskiert oder geschminkt und im Video zu „Daruma“ bewegen sich vor seinem Gesicht verschiedene Elemente.

Ein wiederkehrendes Element auf „Adios Bahama“ ist Népals Lebensphilosophie. Dazu zählen Kritik am Kapitalismus, die er zum Beispiel im Song „Millionaire“ zeigt („Ihr seid im Wettlauf, aber es gibt keine Ziellinie“), und an Künstler*innen, die sich komplett verstellen („Leb wenigstens dein Leben, wenn du schon deine Texte nicht lebst“ in „Sundance“).

In vielen Songs zeigen sich hinduistische und buddhistische Einflüsse und Népals Begeisterung für Japan: Das Intro ist auf japanisch und der letzte Song „Daruma“ ist nach einer japanischen Glücksbringer-Figur benannt. „Adios Bahamas“ ist das Album eines reflektierten Künstlers mit einem extrem großen Wortschatz und für viele jetzt schon eines der Alben des Jahres. 

Top-Songs

  • Ennemis, Pt. 2 ft. Di-Meh
  • En Face ft. Nekfeu
  • Daruma

Meryl - Le Jour Avant Caviar

Meryl hat das Mixtape vor zwei Jahren geschrieben. Weil sie damals quasi noch nichts erreicht hatte, heißt es „Tag vor dem Kaviar“. In der Zwischenzeit hat sie allerdings eine ganze Menge geschafft und unter anderem mit bekannten Künstler*innen wie Soprano, Niska und SCH zusammengearbeitet. Bis jetzt hatte sie meist im Hintergrund gearbeitet und vor allem für andere Künstler*innen Songs geschrieben.

Sie ist außerdem eine äußerst talentierte Top-Linerin, sie schreibt also die Melodien, die später zu Ohrwürmern werden sollen – und die Fähigkeit demonstriert sie auf ihrem Tape in ihrer ganzen Pracht. Fast jeder der zehn Songs (+ 2 Bonus Tracks) enthält Stellen, die auch Stunden nach dem Hören noch im Kopf rotieren. Besonders gefährlich ist es beim gesungenen „La Brume“, der Hit-Single „AH LALA“ oder dem sommerlichen „Billets“-Refrain.

Auf „Jour Avant Caviar“ zeigt Meryl, dass sie rappen und singen kann – und nicht nur auf französisch: Auf „Beni“ singt Meryl, die in Martinique geboren wurde, zum größten Teil auf Kreol. Das Mixtape scheint wenig verkopft und dadurch umso vielseitiger.

Top-Songs

  • La Brume
  • AH LALA
  • Coucou

Ninho - M.I.L.S. 3

Ninho ist ein Phänomen. Er ist gerade erst 24 geworden, aber schon der Künstler mit den meisten Gold-, Platin- und Diamant-Singles in Frankreich.

Auch sein Mixtape „M.I.L.S 3“  ist nach nur einem Monat Platin gegangen. Es hat sich also mehr als 100.000-mal verkauft. Das einzige Album, das bislang 2020 noch erfolgreicher war, ist „Les derniers salopards“ von Maes.

Was Ninho und Maes (aber auch Booba, Damso, PNL oder Nekfeu) ausmacht: Alle legen sehr viel Wert auf Melodien und Harmonien. Ob mit oder ohne Autotune – sie können singen. Ninho zeigt das auf „M.I.L.S 3“ sowohl in eingängigen Hooks als auch in seinen Parts, in denen er immer wieder zwischen hartem Rap und gesungenen Lines switcht. So schafft er es, trotz weniger Feature-Gäste für Abwechslungsreichtum zu sorgen: Songs, die aggressiv nach vorne gehen wie das Intro, der Titeltrack oder „Millésimes“, wechseln sich mit sentimentalen Sounds wie in „La Puerta“, „Le Jeu“ oder „Mauvais Djo“ ab.

Auch „Promo“ stimmt traurige Piano-Klänge an. Es ist der erste Song von Ninho und dem belgischen Superstar Damso, nachdem eine Kollaboration auf Ninhos Album „Destin“ aus zeitlichen Gründen nicht geklappt hatte. Überraschenderweise ist der erfolgreichste Song des Albums keine von Ninhos Dealer-Balladen, sondern ein Liebessong, der seine besondere Atmosphäre einem minimalistischen Instrumental verdankt: „Lettre à une femme“ („Brief an eine Frau“).  

Top-Songs

  • M.I.L.S 3
  • Promo ft. Damso
  • Millésimes

Caballero & Jeanjass - High & Fines Herbes

Sie kochen mit Weed, lassen Rapper in Spielen wie „Wer dreht in zwei Minuten die meisten Joints?“ und filmen das Ganze in ihrer Reality-Show „High & Fines Herbes“. Jetzt hat das belgische Duo den Soundtrack zur dritten Staffel rausgebracht. Trotz Weed-Konsum waren die Beteiligten fleißig: Ganze 24 Songs (und als Sahnehäubchen ein Bonustrack) befinden sich auf dem Album. Wobei man auch sagen muss, dass sie ihr letztes Album „Double Helice 3“ vor zwei Jahren rausgebracht haben.

JeanJass hat auch zugegeben, dass der Titeltrack der Show („Demain“) schon seit 2018 auf dem Rechner schlummert. Damals hatten sie gedacht, dass den Song keiner mögen würde – mittlerweile ist er einer ihrer beliebtesten Songs.

Auf ihrem Soundtrack versammeln sie 22 Künstler*innen, von denen die meisten auch in der Show zu Gast waren: zu den bekanntesten Features zählen Rim’K, Mister V, Lefa und Lomepal. Highlights sind aber auch die Songs „De loin“ mit der begnadeten Chilla und das düstere „Quand Meme“ mit Isha, der seit kurzem sogar in der gleichen Straße wie JeanJass wohnt.

Das Album versprüht – passend zur Serie des belgischen Duos – positive, entspannte Vibes und ist auch ohne CD-Verkäufe mit 4.500 Einheiten auf Platz 3 der Charts eingestiegen. Welcher Rapper den ersten Platz aka „Poumon D’or“ („goldene Lunge“) in ihrer Show macht, seht ihr hier.

Top-Songs

  • De Loin ft. Chilla
  • Demain
  • Quand même

S. Pri Noir - Etat d’esprit

Circa zwei Jahre nach seinem Debütalbum „Masque Blanc“ bringt S.Pri Noir (Wortspiel mit „Esprit Noir“ – „Schwarzer Geist/Verstand“) sein zweites Album raus. Auffällig sind die Feature-Gäste, die er mit einem extra dafür angefertigten Video im Gaming-Style angekündigt hat: Leto, 4Keus, Alonzo, Lefa, Laylow, Lyna Mahyem, Dadju und die technisch extrem versierten Rapper Sneazzy und Alpha Wann auf der Auskopplung „T’as capté“.

Wie auch schon bei S. Pri Noirs Vorgänger-Projekten, hat Biggie Jo den Großteil der Beats produziert. Auffällig sind die extremen Stimmungswechsel zwischen fast allen aufeinander folgenden Songs. Auf einen eher fröhlichen Song folgt ein langsamer und umgekehrt. Der Club-Song „Badman“ liegt zwischen dem verspielt sentimentalen „Maman Dort“ und dem ruhigen „100 Regrets“. Am deutlichsten wird der Wechsel vom tanzbaren „911“ mit Dadju zu „Dystopia“, dessen orchestraler Beat auch ein Film-Soundtrack sein könnte. So wie „4 litres 2 (Freestyle)“ eine Video-Auskopplung und Album-Highlight! 

Top-Songs

  • Badman ft. Lefa
  • Dystopia
  • 4 litres 2 - Freestyle

Toan - Madre Mediterranea

Am Ende noch ein Geheimtipp: Toan. Er lebt in Paris und arbeitet als Psychologe, nebenbei macht er verdammt gute Musik. Sein erstes und 2020 letztes Album hat er 2015 herausgebracht. Die Zeit des Wartens hat sich gelohnt: „Madre Mediterranea“ ist ein deutlich reiferes Album als der Vorgänger, was sich schon auf dem gleichnamigen Opener zeigt.

Zusammen mit Producer Vincha hat Toan einen schönen Soundteppich gewebt und kleine Details wie Skits, Zikadenzirpen oder das Knistern eines Plattenspielers eingeflochten. Features kommen ausschließlich von Sängerinnen; unter anderem der bekannten Sängerin (und Toans Schwester) Olivia Ruiz.

Auf „Voyage Vers Nous“ zeigt er, dass er auch selbst gut singen kann. Das Thema des Albums ist das Mittelmeer: Spanisch, Arabisch, Französisch – Toan lässt all diese Einflüsse verschmelzen. Der Rapper hat selbst in Frankreich noch viel zu wenig Aufmerksamkeit bekommen. Es wäre schön, wenn sich das mit diesem Album ändern würde. 

Top-Songs

  • Madre Mediterranea
  • Rayon de Lumière
  • Voyage Vers Nous

Rap Français: 12 Songs, die du 2020 gehört haben musst // Q1

Hits und solche Songs, die es eigentlich verdient hätten


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