Ein kleiner Moment Openair Frauenfeld 2020 trotz Corona

Die einen haben Rock Am Ring, die anderen das Summerjam, Wacken, Hurricane oder was auch immer. Für manchen Leser*innen dürfte es das Splash! sein. Für die Hiphop.de-Crew ist das Openair Frauenfeld jedes Jahr das Highlight der Festival-Saison. Im Summer of Coroni ist aber alles anders.

Es ist Donnerstag Nachmittag. Eigentlich würde grade Jamule oder ein ähnliches Kaliber die ersten Gäste auf das Gelände vor der riesigen Skyline Stage locken. Bei 29° und praller Sonne spielen ein paar unfair gut trainierte Dudes vorm SNIPES Store Basketball. Leute stehen Schlange für frisches Bier, das diesjährige Frauenfeld-Merch und kaltes Wasser aus den Zapfstationen, die überall über das Gelände verteilt sind. Endlich geht's wieder los!

Ich schlendere vorbei an Gruppen, die auf dem Boden sitzen und Joints durch die Runde wandern lassen. Ein Kerl sieht für diesen frühen Zeitpunkt des Tages und Festivals schon eindeutig zu rot aus. Ein anderer ext das zweite 0,5er Piwo in Folge. Für beide wird es morgen ein böses Erwachen geben.

Während meine Kollegen entweder ausgeschwärmt sind, um Interviews mit Fans für unsere Insta Story zu machen oder ihre Laptops aufbauen, um News und Artikel übers Festival zu schreiben, bilde ich mir ein, mein Eröffnungsspaziergang sei Vorbereitung auf "Release Friday". Dann erschüttern aus den Boxen eines Standes diese gefährlichen 808 Slides den Boden, die man aktuell jeden Freitag bei einem neuen Rapper hört.

"She like the way that I dance, she like the way that I move" – 2018 stand XXXTentacion wenige Wochen nach seinem Tod im Fokus vieler DJs und Artists beim Frauenfeld, dieses Jahr werden Pop Smokes und Juice WRLDs Geister über vielen Sets und Moshpits schweben. Pop Smoke wäre sogar leibhaftig hier gewesen, sein Slot war für Freitag geplant und wie gemacht für einen dieser legendären Abrisse in der La Fabrik Area.

Ein Blick in die OAF App: Vor A$AP Rocky und seinem Homie Ferg sind gleich noch DaBaby, Royce Da 5'9'' und Saint JHN am Start, die ich aus unterschiedlichen Gründen sehen möchte. Generell hat das wie gewohnt prominente Lineup 2020 einige Volltreffer für mich parat. Kendrick Lamar, Meek Mill, Apache 207, die Earthgang, Ski Mask The Slump God, Rico Nasty, IDK und Maxo Kream – alle kenne ich mehr oder weniger gut von Spotify, aber noch nicht in natura. Das will korrigiert werden.

Besonders gespannt dürfte nicht nur ich auf das Konzert von PNL sein. Die französischen Gebrüder Andrieu schaffen es, dass selbst fünf Jahre nach ihrem Debütalbum "Le Monde Chico" noch ein mysteriöser Schleier über ihrem Schaffen hängt. "Deux frères" war 2019 eins der besten Alben, auch wenn ich kein Wort verstanden habe.

Ihr legendäres Bühnenbild, das RAF und Bonez inspiriert haben dürfte, werden sie wohl kaum mitgebracht haben. Ich frage mich trotzdem, wie die riesige Bühne bei den beiden Perfektionisten aussehen wird. Und wie geben sie sich im Backstage? Kommen sie mit einer Armee an Securitys oder ist die Devise eher Understatement? Vermutlich werden sie – wie Busta Rhymes damals beim Out4Fame in Hünxe – mit dem Auto direkt an die Bühne gebracht und sind dann so schnell wieder weg, wie sie gekommen sind.

Dass außerdem die Kölner Homeboys Lugatti & 9ine dieses Wochenende auf Europas größtem Rapfestival auftreten, fühlt sich fast wie ein persönlicher Sieg an. Der Weg von wilden Gigs im Kölner AZ oder im Grüngürtel bei Yelms Bday Bash bis hin zum millimetergenau geplanten Openair hier in der Schweiz war lang, der heutige Spot der beiden ist mehr als verdient.

Als ich mir grade im Kopf ein paar Smalltalk-Fragen zurechtlege, mit denen man in ein Festival-Interview einsteigen könnte, reißt mich ein Anruf aus den Gedanken. Toxik. Aria soll einen Ami interviewen und unserem Backstage-Team fehlt jemand für den Ton. Jetzt!

Erst widerwillig trabend, dann immer schneller manövriere ich mich an sehr vielen sehr schönen Menschen vorbei und fühle mich wie Ezio Auditore. Ohne die Waffen, versteht sich. Ausweichen, beschleunigen, abbremsen, Kopftuch nass machen, wieder beschleunigen, Backstage-Pass für die Securitys aus dem Hemd friemeln, freundlich lächeln, aber nicht anhalten.

Diese sportlichen Einlagen gehören genauso zum Frauenfeld wie die Suche nach jemandem, der die Rückfahrt zum Hotel übernehmen kann. Für andere Leute gibt es andere Momente, in denen die monatelange Vorfreude zur Gewissheit wird, endlich wieder angekommen zu sein: Zum Beispiel das erste Bier nach dem Zeltaufbau.

Für die Besucher bedeutet so ein Festival: Drei Tage Urlaub, die vor einem liegen und sowohl schnell vergessene als auch unvergessliche Momente mit sich bringen werden. Neue Menschen, die man kennenlernt. Neue Künstler, die man entdeckt. Diese Vorfreude auf den beginnenden Trip in eine andere Welt – und da lasse ich gerne mit mir diskutieren – ist der beste Moment auf so einem Festival.

Am portablen Nachbau des Tischs aus unserem Büro sitzt Aria neben einem Kerl, der mit (vermutlich teurer) Sonnenbrille auf der Nase und Dior-Seidentuch auf dem Kopf in sein Handy guckt. Zwei Securitys, die breiter als hoch sind, lassen die Umgebung ihres Schützlings nicht aus den Augen.

"You're the audio guy, right?", sagt die unverwechselbare Stimme unter dem Seidentuch, die ich grade noch irgendwo gehört habe. Seinem mäßig überzeugenden "Let's go" lässt er schnell ein aufrichtiges "Woo!" folgen, mit dem er sich motiviert und mich aus meinem Gedankekonstrukt reißt.

Das passt nicht. Der Mann ist eigentlich tot und eigentlich sollten die Leute auf dem Gelände auch gar nicht so eng aneinander stehen.

Diesen Sommer versuchen wir vergeblich, etwas zu ersetzen, das man sich nicht so einfach mit einem Artikel herbeischreiben kann. Uns fehlen die Festivals, den Festivals fehlen die Einnahmen, den Künstlern fehlen ebenfalls die Festivals. Ja, für die meisten von uns hat Corona größere Probleme mit sich gebracht als den Verzicht auf einen Kurzurlaub mit Musik und Exzess. Wer sich aber irgendwo in diesen Zeilen wiedergefunden hat, wird unterschreiben: Die Festivals sind vielleicht die Highlights jeden Sommer. Sie fehlen!

(Wer von Covid-19 getroffenen Unternehmen der Kulturbranche helfen will, behält bestenfalls seine Tickets. Auch große Festivals wie das Openair Frauenfeld sehen sich in dieser Krise existenziellen Gefahren ausgesetzt. Wie du in dieser Situation aktiv werden und supporten kannst, haben wir in diesem Artikel erklärt. Das Openair Frauenfeld beispielsweise geht 2021 einen Tag länger – mit dem #OAForever-Upgrade kann man ein bestehendes Ticket auf diese Dauer erweitern und den Veranstaltern des Festivals (finanzielle) Planungssicherheit geben.)

Hiphop.de ist offizieller Medienpartner von: Openair Frauenfeld 2020

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Das Splash! Festival findet 2021 zweimal statt

Das Splash! Festival findet 2021 zweimal statt

Von Michael Rubach am 27.08.2020 - 11:01

Aus Festival-Sicht kann das nächste Jahr eigentlich nur besser werden – dachten sich wohl auch die Verantwortlichen vom Splash! Festival und lassen Ferropolis 2021 gleich zweimal bespielen. Eine Woche nach dem ursprünglich angesetzten Splash! Festival (8.-10. Juli) findet einfach noch ein Splash! (15.-17.Juli) statt.

Splash! Festival 2021: Doppelt hält besser

2020 ist das Splash! bekanntlich ins Wasser gefallen. Weiterhin lässt die Corona-Pandemie nicht zu, dass Events in dieser Größenordnung zustandekommen. Das hat offenbar die Vorfreude befeuert. Wie die Veranstalter*innen erklären, war das Splash! Festival 2021 bereits ein Jahr im Voraus ausverkauft. Daraufhin sei man auf die Idee gekommen, der weiter bestehenden Nachfrage mit einem zusätzlichen Wochenende Rechnung zu tragen.

"Nächstes Jahr feiern wir deswegen ein zweites Mal splash! Festival in Ferropolis! Regulär vom 8.-10. Juli mit allen bereits bestätigten Acts und zusätzlich vom 15.-17. Juli als eigenes, zweites splash!."



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splash! gon' multiply: 8.-10. & 15.-17. Juli 2021 splash! Fam, zu aller erst wollen wir Euch für Euren Support der letzten Monate danken! Trotz einer weltweiten Pandemie habt Ihr das splash! Festival 2021 ein Jahr im Voraus ausverkauft. Mit Eurer Euphorie, nächstes Jahr noch einen drauflegen zu wollen und nach mehr Tickets zu fragen, habt Ihr uns auf eine Idee gebracht: wir wollen Euch etwas zurückgeben und uns diesen Sommer nächstes Jahr gleich doppelt zurückholen. Nächstes Jahr feiern wir deswegen ein zweites Mal splash! Festival in Ferropolis! Regulär vom 8.-10. Juli mit allen bereits bestätigten Acts und zusätzlich vom 15.-17. Juli als eigenes, zweites splash!. Alle Infos zum separaten Lineup des zweiten splash! Festivals haben wir dafür in Kürze für Euch. Tickets für das Weekend 2 könnt Ihr Euch ab dem 2. September über unsere Festivalwebsite sichern oder Eure Tickets aus 2020 einfach übertragen. Markiert Eure Homies, die immer zu spät in den Moshpit sprinten und natürlich alle, die auch zwei Wochenenden im splash!-Pit locker überstehen. Unter allen Teilnehmern verlosen wir Tickets für das zweite Wochenende! Wir freuen uns, Euch 2x auf dem splash! Festival 2021 zu sehen. Für Rückfragen zu Tickets & Line-Up checkt bitte das Festival-FAQ auf unserer Website (Link in Bio).

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Eine Verdopplung des Festivals bedeutet aber nicht, dass sich alle bis dato bestätigten Acts kurzerhand ein weiteres Mal zusammenfinden. A$AP Rocky, A$AP Ferg, Migos, RIN, Haftbefehl oder Kool Savas haben bisher nur zum ersten Termin zugesagt. Wer sieben Tage später zum Turnup vorbeischaut, ist zum jetzigen Zeitpunkt noch unklar. Infos zum separaten Lineup für das zweite Splash! werde es in naher Zukunft geben. Antworten zu allen Fragen rund ums Splash! 2021 findest du im Festival FAQ. Das Lineup für das erste Splash! 2021 kannst du hier auschecken:


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