Ein neues Video auf dem YouTube-Kanal des ZDF-Magazins "Frontal" beschäftigt sich mit der Frage, wie "Korruption unsere Behörden gefährdet". Dafür werden drei aktuelle, deutschlandweite Fallbeispiele aufgearbeitet: In Hannover steht ein Staatsanwalt vor Gericht, da er einem Drogenkartell ermittlungsinterne Informationen gesteckt haben soll. Nahe Stuttgart wird einem Polizisten vorgeworfen, enge Kontakte zur kalabrischen Mafia 'Ndrangheta zu pflegen. Und in Berlin laufen bekanntermaßen Ermittlungen gegen Bushido, der mindestens zwei LKA-Beamte im Privaten als Bodyguards beschäftigt haben soll.
Korruptionsverdacht gegen Bushido und das Berliner LKA: "Frontal" spricht mit früherem Ermittler
Würde man nur Bushidos Musik hören, könnte man auf die Idee kommen, dass er eigentlich eine Abneigung gegen die Behörden haben müsste. Jedenfalls zitiert das ZDF-Magazin eine Line aus seinem 2017 erschienenen Song "Sodom und Gomorrha", die genau das nahelegt:
"Ihr zieht Lines und wir ziehen Strippen/
Und deine Polizei nehm' ich ernst wie Chief Wiggum"
Ist das in der Realität so aber wirklich abgelaufen? "Frontal" trifft sich mit Klaus Nachtigall, der zu einer Zeit als Ermittler beim Berliner LKA tätig war, in der Bushido sich noch mit dem Abou-Chaker-Clan umgeben hat. Er sei damals oft bei Einsätzen in Clubs und Szene-Lokalen in Neukölln dabei gewesen. Bushido habe er dabei als untergeordnet empfunden.
"Ich hatte eigentlich immer den Eindruck, auch bei den ganzen persönlichen Begegnungen, dass Bushido eigentlich immer so derjenige war, der immer nur sprechen durfte, wenn er um Erlaubnis gefragt hat."
Dass der EGJ-Gründer unter Polizeischutz stand, nachdem er sich von Arafat getrennt hatte und als Nebenkläger und Zeuge im langjährigen Prozess gegen ihn aufgetreten ist, findet Klaus Nachtigall "nicht unberechtigt". Schließlich sei das gesamte Gerichtsverfahren ein "massiver Gesichtsverlust" für Bushidos ehemaligen Manager gewesen.
Dass der Personenschutz aber weitergelaufen sein soll, nachdem Arafat im vergangenen Jahr von den Vorwürfen freigesprochen wurde, stellt für Nachtigall ein absolutes No-Go dar. Die Bevölkerung könne so den Eindruck bekommen, dass man sich die Polizei mit genügend Geld schlicht kaufen könne. Er spricht von einem "immensen Schaden", nicht nur für das mittlerweile aufgelöste LKA-Kommissariat, sondern auch für das grundsätzliche Vertrauen in die Behörden.
Barbara Slowik Meisel, die Polizeipräsidentin in Berlin, kommt im Zuge dessen ebenfalls zu Wort.
"Es beschädigt einfach den Ruf der Personenschützer des Landeskriminalamts und das bedauer' ich zutiefst."
Hier kannst du dir das vollständige Video anschauen:
Der Ausgang des aktuellen Ermittlungsverfahrens ist noch offen. Bushido sieht sich mit dem Verdacht der Vorteilsgewährung konfrontiert, die zwei mutmaßlich außerdienstlich engagierten LKA-Beamten mit einer möglichen Vorteilsnahme – beides Korruptionsdelikte. Dem "König für immer"-Rapper droht eine Geldstrafe oder im schlimmsten Fall eine Freiheitsstrafe in Höhe von bis zu drei Jahren.
Auslöser des Ganzen war ein Frauke Ludowig-Interview im September, bei dem im Hintergrund von Bushido und Anna-Maria offenbar zwei LKA-Beamte zu erkennen gewesen sind. Geht es nach einer Spiegel-Recherche, dann hätte dem Kommissariat das private Engagement von Bushido aber schon Ende letzten Jahres bekannt sein dürfen.
Weder Bushido noch die verdächtigten Personenschützer oder deren Rechtsbeistand seien für "Frontal" zu erreichen gewesen.