Xatar: So kommt es zur Rekrutierung durch den IS in Deutschland

Im Interview mit den Kollegen von Noisey beantwortet Xatar Fragen über den "Islamischen Staat" und die Rekrutierung in Deutschland. Darüber hinaus spricht er über seine Vorstellung eines gerechten Staatssystems. 

Xatar wurde im Iran geboren und hat kurdische Wurzeln. Er distanziert sich klar von alten Freunden, die heute für den IS kämpfen: Sie sollen ihr Ding machen, denn Gott entscheide am Ende und das werde kein Spaß für die Kämpfer. 

Allerdings sei Xatar schon selbst kurz davor gewesen:

"Ich war selber schon ein paar Mal kurz davor, auf solche Filme zu kommen."  Seiner Meinung nach gibt es zwei grundsätzliche Ursachen für die Rekrutierung. Der erste Punkt sei die Sprache in den Moscheen: 

"Das eine Problem ist, dass Deutschland nur mit ein, zwei Organisationen aus der Türkei zusammenarbeitet und die als Repräsentanten für alles sieht, was mit dem Islam in Deutschland zu tun hat. Vor allem ist das die DİTİB. Die unterrichten und machen auch sonst alles nur auf Türkisch, nur ganz wenig auf Arabisch. Aber Muslime in Deutschland sind eben nicht nur Türken." 

Man müsse eben auch an Muslime aus anderen Ländern denken, die in der Moschee nichts verstehen würden. Die Salafisten seien 2003/2004 die ersten deutschen Prediger gewesen und die kleinen Hinterhofmoscheen gut besucht gewesen. 

Als zweiten Grund für die Rekrutierung macht er die deutsche Politik verantwortlich: 

"Das zweite große Problem sind die Wahlkämpfe in Deutschland: Immer wenn es zum Wahlkampf kommt, kommt dieses populistische Gelaber von irgendwelchen Parteien, auch von größeren Parteien. Dann werden sie auf einmal ganz kurz zu Nazis. Obwohl sie das gar nicht sind. Sie müssen das machen, damit die aus irgendwelchen Dörfern von irgendwelchen Vollidioten ihre Stimmen kriegen."

In der Moschee werde dies von salafistischen Predigern ausgenutzt und als Beweis genommen, dass die Politik Muslime als Teufel darstelle. Noch hinzu komme die semi-imperialistische Politik aus Amerika, die immer noch geduldet werde, da Amerika eben das "Para" in der Hand habe. 

Xatars Vorstellung von einem deutschen Staatssystem sieht ganz anders aus, denn er stellt sich einen König vor, der für Gerechtigkeit sorgt: 

"Ich habe mir mal gedacht: Das einzige, was funktionieren kann, ist ein König, der ein gutes Herz hat und das Volk liebt. Dann könnte vielleicht Gerechtigkeit herrschen, weil er die Menschen wirklich liebt und alles für das Wohl des Volkes tun würde."

Es müsse allerdings ein König sein, der sich auch wirklich um die Probleme der anderen kümmern würde. In Deutschland sei alles lobbyistisch vergiftet, man müsse egoistisch sein, um anerkannt zu werden. 

Seine Meinung über die IS-Kämpfer und das deutsche Staatssystem spiegelt sich auch an manchen Stellen in seinem Album wider. Du findest Baba Aller Babas in unserer Release Section, kannst aber auch bei Amazon reinhören: 

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