Wie du für weniger als 3 Euro an einen echten Banksy kommen kannst

Die Kunstwerke von Banksy sind für Normalsterbliche kaum zu bezahlen. Der Popstar der Streetart-Szene möchte daran offenbar etwas ändern. Für eine Gebühr von umgerechnet 2,25 Euro ist es nun realisierbar, einen echten Banksy in Form eines ferngesteuerten Flüchtlingsbootes zu ergattern.

Gewinne ein Miniatur-Flüchtlingsboot

Auf seiner Instagram-Page kündigt der Künstler eine Verlosung an. Interessierte müssen genau zwei Dinge tun: Die vergleichsweise geringe Zahlung leisten und möglichst exakt schätzen, wie viel das Kunstwerk wiegt (hier).

In einem Londoner Pop-Up-Store kann man das Objekt mit ungefähr 30 Flüchtlingsfiguren aus Kunstharz auch im Original anschauen. Alle erzielten Einnahmen kommen Flüchtlingsprojekten zugute. Die Bootsskulptur stammt ursprünglich aus Banksys "Dismaland" – eine Art Anti-Disneyland gepaart mit bitterböser Sozialkritik.

. I'm raffling one of the boats from Dismaland for £2 at www.choose.love Fully remote controlled, top speed 3 knots, batteries included. Just guess how much it weighs. It's on display at the pop-up Help Refugees shop. 30 Fouberts Place, Carnaby Street, London until competition closes 22nd December.

451k Likes, 5,654 Comments - Banksy (@banksy) on Instagram: ". I'm raffling one of the boats from Dismaland for £2 at www.choose.love Fully remote controlled,..."

Wen das bisher noch nicht überzeugt hat, der sollte ein Auge auf die Details werfen. Das Boot lässt sich fernsteuern, kann eine Top-Geschwindigkeit von drei Knoten erreichen und ist münzbetrieben. Gewinner ist derjenige, der mit seiner Schätzung dem tatsächlichen Gewicht am nächsten kommt. Akku und Sockel zählen nicht dazu. Batterien sind bei der Auslieferung mit inbegriffen. Bis zum 22. Dezember können alle Schnäppchenjäger ihren Vorschlag abgeben.

Ist Gewinnen überhaupt möglich?

Was zunächst einfach und unkompliziert wirkt, könnte sich als durchaus schwierige Angelegenheit herausstellen. Allein die Frage nach dem Gewicht ist nicht ohne weiteres zu beantworten. Auf den ersten Blick scheint es tatsächlich so, als wären Antworten im Bereich von Gramm und Milligramm erwünscht. Das moralische Gewicht eines solchen Bootes ist dennoch schwer auszublenden. Auf der Seite des Flüchtlingsprojektes heißt es:

"Ist es ein düster satirisches Kunstwerk oder ein ferngesteuertes Spielzeug von sehr schlechtem Geschmack?"

Vielleicht handelt es sich bei der Verlosung selbst um eine weitere Aktion von Banksy. Es würde zu dem Briten passen, wenn sich hinter der vordergründigen Charity-Aktivität noch mehr verbirgt. Es ist nicht das erste Mal, dass der namenlose Brite seine Kunst für relativ wenig Geld unter die Leute bringt. 2013 hat er vor dem New Yorker Cental Park handsignierte Bilder für um die 60 Dollar verkaufen lassen.

Was für Preise für die Kunst von Banksy mitunter aufgerufen werden, zeigte in diesem Jahr die Auktion von "Girl with Balloon". Für über eine Million Euro wurde das Werk versteigert. Auch nach dem plötzlichen Schreddern trat die Käuferin von ihrer Neuerwerbung nicht zurück. Höchstwahrscheinlich hat sich der Wert des Werkes sogar noch erhöht.

Kritik oder Teil vom Zirkus? Wieso Banksys Schredder-Aktion genial ist

An Banksy scheiden sich wieder mal die Geister: Freitagabend wurde ein Bild von ihm zuerst für über eine Million Pfund versteigert - und direkt im Anschluss zur Hälfte zerschreddert. Das Ganze hat übers Wochenende die Runde gemacht und für ordentlich Gesprächsstoff gesorgt.

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Kritik oder Teil vom Zirkus? Wieso Banksys Schredder-Aktion genial ist

Kritik oder Teil vom Zirkus? Wieso Banksys Schredder-Aktion genial ist

Von David Molke am 08.10.2018 - 17:41

An Banksy scheiden sich wieder mal die Geister: Freitagabend wurde ein Bild von ihm zuerst für über eine Million Pfund versteigert – und direkt im Anschluss zur Hälfte zerschreddert. Das Ganze hat übers Wochenende die Runde gemacht und für ordentlich Gesprächsstoff gesorgt. Auch wenn die Aktion im Nachhinein einige Fragen aufwirft: Banksy ist offensichtlich wieder mal ein Geniestreich gelungen.

Banksy verarscht die Kunstszene...

Auf den ersten Blick wirkt der eingebaute Schredder wie eine sehr plakative Kritik an der Kunstszene und dem Markt, dem es nur ums Geld geht. Gerade, als der Hammer gefallen ist, ertönt ein Piepen und es geht los: Der sowieso schon absurd hohe Preis für ein ursprünglich vergängliches Straßen-Kunstwerk wird durch seine Vernichtung komplett ad absurdum geführt.

Das Bild wurde gerade erst für eine Unsumme verkauft, schon zerstört es sich selbst. Ein riesiger Mittelfinger an Käufer, Verkäufer und den Zirkus drumherum? Vielleicht, aber vielleicht auch nur auf den ersten Blick.

...oder ist er längst Teil von ihr?

Bisher ist Banksy eher dadurch aufgefallen, dass er sich gegen Ausstellungen seiner Kunstwerke sträubt. Dazu würde passen, dass er sein Bild vernichtet wissen will, um den Besitzern ein Schnippchen zu schlagen.

Dass weder Streetart noch Graffiti in Museen und Ausstellungen gehören, ist eine in der Szene weit verbreitete Überzeugung. Der Verkauf oder eine Versteigerung für Millionen-Preise widerspricht der ursprünglich öffentlichen, illegalen und vergänglichen Kunstform komplett.

Banksy scheint mittlerweile aber vielleicht einfach selbst Teil des kommerziellen Kunstmarktes zu sein, den er anprangert. Oder er will ihm einfach nur so viel Geld wie möglich aus der Nase ziehen. Je länger wir darüber nachdenken, umso mysteriöser wirkt das Ganze.

Going, going, gone...

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Wusste Sotheby's von Banksys Vorhaben?

Wahrscheinlich schon. Sotheby's freut sich seit Freitagabend über weltweite Publicity und den damit verbundenen Aufmerksamkeitszuwachs. Banksy macht vielleicht gemeinsame Sache mit dem Auktionshaus.

Dafür spricht zum Beispiel, dass sein Bild mit dem Ballon-Mädchen als allerletztes an diesem Tag versteigert wurde. Kann natürlich Zufall sein, wäre andersrum aber definitiv unpraktisch gewesen. Die vermeintliche Kritik am Millionen-Markt direkt zu Beginn zu bringen, hätte es schwieriger gemacht, danach einfach weiterhin Business as usual zu machen.

Normalerweise hängen Bilder dieses Formats nicht an der Wand, wenn sie bei Sotheby's versteigert werden. Sie stehen auf einem Gestell, einer Art Staffelei. Aber dann hätte man die ordentlich herab hängenden Streifen des Bildes nicht mehr so gut sehen können, wie es jetzt der Fall war.

Banksy-Kunstwerk im Wert von $45.000 offenbar gestohlen

Banksy erfreut sich so großer Beliebtheit, dass die Leute ihre Finger nicht von seinen Kunstwerken lassen können. Im wahrsten Sinne des Wortes...

Ebenfalls äußerst merkwürdig: Dass Sotheby's angeblich nichts von dem Schredder im Bilderrahmen wusste. Eigentlich sollten Kunstwerke vor ihrer Versteigerung eingehend untersucht werden. Das beinhaltet in der Regel auch, dass sie dafür aus dem Rahmen genommen werden. Wenn schon das Gewicht nicht aufgefallen ist, hätte das spätestens beim Herausnehmen der Fall sein müssen.

Wieso hat der Schredder nicht das ganze Bild geschreddert? Die obere Hälfte des Kunstwerks bleibt unversehrt. Die untere hängt jetzt aus dem Rahmen heraus. Allerdings sogar in so breiten Streifen, das alles noch perfekt zu erkennen ist. Zerstört sieht anders aus.

Banksys Bild ist jetzt wahrscheinlich das Doppelte wert

Es bleibt zwar nach offiziellen Angaben von Sotheby's erstmal unklar, wie es weitergehen soll. Aber erste vorsichtige Schätzungen gehen davon aus, dass das Bild jetzt locker das Doppelte wert ist.

Spannend ist jetzt natürlich, ob das Bild dem Käufer gehört, der es ersteigert hat. Ist die Versteigerung trotz des Schredderns gültig, dürfte sich die Person freuen.

Wird das Ganze aber rückgängig gemacht, wechselt das Bild in seinem jetzigen Zustand für noch viel mehr Geld den Besitzer. Ob das im Sinne Banksys ist? Gut möglich.

. "The urge to destroy is also a creative urge" - Picasso

1.4m Likes, 69.6k Comments - Banksy (@banksy) on Instagram: ". "The urge to destroy is also a creative urge" - Picasso"

Wer zuletzt lacht, lacht am Besten:

Und das ist Banksy, so oder so. Ein hübsches Sümmchen ist ihm für sein Kunstwerk wohl sowieso sicher. Höchstwahrscheinlich hat sich das durch seinen Streich mal eben verdoppelt. Dafür spielt es auch gar keine Rolle, ob die Sache mit Sotheby's abgesprochen war oder nicht.

Banksy hat sich einen Scherz erlaubt, soviel ist ebenfalls sicher. Auf wessen Kosten der jetzt genau geht, ist eigentlich auch egal: Er trägt in jedem Fall weiter zur Legendenbildung bei und stärkt den Mythos, der sich um den anonymen Künstler rankt.

Sollte er wirklich mit Sotheby's zusammenarbeiten, wäre es Banksy vielleicht zwar nicht gelungen, die Absurdität der Kunstwelt anzuprangern – er hat ihr aber definitiv ein weiteres, absurdes Kapitel hinzugefügt.

Banksy

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Banksy mit besonderem Statement zu seiner angeblichen Ausstellung

In Moskau soll offenbar wieder mal eine Banksy-Ausstellung stattfinden, die nicht vom weltberühmten, aber gleichzeitig unbekannten Künstler autorisiert wurde.Wie er dagegen protestieren soll, wo er doch selbst dazu neigt, sich über Eigentumsgrenzen hinwegzusetzen, beschäftigt Banksy offenbar selbst. Möglicherweise hat er jetzt einen adäquaten Weg gefunden...


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