Wegen Trumps Politik? Die französischen Superstars PNL können nicht zu Coachella

PNL haben die französische Rap-Szene seit ihrem Debüt 2015 im Sturm erobert. Das letzte Album Dans la légende (2016) war rekordverdächtig erfolgreich und steht aktuell bei Triple-Platin. Derartiger Erfolg strahlt weit über die Grenzen unserer Nachbarn hinaus und so waren für das berühmte Coachella Festival zwei Auftritte der Rapper am morgigen Sonntag und in der Woche darauf geplant.

Daraus wird nichts. Ademo und N.O.S haben es bislang nicht geschafft, beide in die USA einzureisen – "aus Gründen, die man sich vorstellen kann", wie sie es auf Facebook formulieren. Vermutlich scheitern die beiden an den bürokratischen Formalia, weil sie eine algerische Mutter haben.

Die Regierung des neuen US-Präsidenten Donald Trump war zwar erfolglos beim Durchsetzen des Einreiseverbots für Menschen aus sieben (und später sechs) vorwiegend muslimischen Staaten. Trotzdem wurden die Hürden für die Einreise und für Visa je nach Herkunft stark erhöht. Unter Umständen muss der Betroffene seine Reiseaktivitäten, Adressen, Telefonnummern, Beiträge in sozialen Medien oder sogar seinen Lebenslauf über die letzten 15 Jahre überprüfen lassen.

Einer der Brüder sei "nach mehreren Monaten voller Behördengänge" bereits in den Staaten und versuche dort, die Dinge voranzutreiben. Daher hoffe man, fürs nächste Wochenende bessere Nachrichten zu haben. Diesen Sonntag werde es aber nicht klappen.

Das Coachella ist eins der größten und medial wichtigsten Events der Festival-Saison in den Staaten. Mit eher links-orientierten Acts wie Kendrick Lamar, Lady Gaga oder Radiohead hatte das Festival dieses Jahr eigentlich schon eine gewisse Brisanz im Hinblick auf Trumps Politik. Dass die derzeitigen Superstars aus Frankreich nicht rechtzeitig einreisen dürfen, könnte das politische Potenzial noch steigern. Wir werden es sicher mitbekommen:

PNL

Slt la mif, on était censé être présent à Coachella les dimanche 16 et 23 avril, ce sera malheureusement impossible pour ce premier week-end. Après plusieurs mois de démarches administratives, l'un...

Mehr zum Thema:

YG & Nipsey Hussle - FDT (F*ck Donald Trump)

Größenwahnsinnige, populistische Politiker feiern in der "westlichen Welt" Hochkonjunktur. Ganz übel könnte es die USA bei der Präsidentschaftswahl 2016 treffen, wenn der nicht enden wollende Witz Donald Trump wirklich ins Weiße Haus einziehen sollte. Sehr wahrscheinlich ist das zum Glück nicht. Trotzdem macht sich immer mehr Widerstand bemerkbar, der sogar Menschen zusammenbringt, die sich normalerweise nicht leiden können.

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Kommentare

das ist schon traurig. wenn man was von "unerlaubte einreise" lesen muss, würde man doch eher an irgendein diktatoren-staat in zentralafrika oder nord-korea denken, aber für usa-verhältnisse ist das schon schade sowas.

"Linksorientierte künstler wie lady gaga"alles klar

Es überrascht ich immer, wie rechts manche Leute sind, die auf HipHop.de Kommentare hinterlassen. Unter jedem Artikel sammeln sich solche rechten Kommentare und das macht mich traurig, und wütend!

Das geht an euch mit rechtem Gedankengut: Ihr seid richtige Schizophrene H****kinder. Lasst Hiphop und HipHop.de in Ruhe mit eurern Brainfarts. F**** euch und hört keinen Hiphop, die multikulturellste Musikform überhaupt!

Vonwegen es ist gut was Trump macht, Trump soll deine Mutter, du weißt schon was.

Wo ist ein Rechter Kommentar?? Der einzige der irgendwie nichts zur Sache beiträgt und auch noch Leute übelst beleidigt bist DU.

Es überrascht mich immer wie naiv die Leute sind, egal ob rechts oder links.

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18 türkische Musiker verbünden sich mit Posse-Track gegen Erdogan

18 türkische Musiker verbünden sich mit Posse-Track gegen Erdogan

Von Jesse Schumacher am 10.09.2019 - 14:16

Häufig wird Rappern vorgeworfen, ihre Kunst sei unpolitisch und es gehe in den Songs nur um Drogen, Gewalt und Bling Bling. Der türkische Sänger Şanışer und 17 Rapper*innen und Sänger*innen beweisen mit dem Song „Susamam“ („Ich kann nicht schweigen“) das Gegenteil. Die Künstler*innen schießen mutig auf einem am 5. September veröffentlichten 15-Minuten-Track gegen das Establishment des türkischen Präsidenten Erdogan – ohne dabei seinen Namen zu nennen. 

Jeder der 18 Artists hat sich eines Thema angenommen, unter dem die türkische Bevölkerung leidet. Dabei werden unter anderem Korruption, Zensur, Gewalt gegen Frauen, Polizeigewalt, Tierquälerei und Umweltzerstörung besprochen. Şanışer hat anschließend die einzelnen Videos zu einem der größten politischen Posse-Tracks der Geschichte zusammengestellt. 

18 Türkische Musiker*innen verbünden sich gegen Erdogan

  • Şanışer
  • Fuat
  • Ados
  • Hayki
  • Server Uraz
  • Beta
  • Tahribad-ı İsyan
  • Sokrat St
  • Ozbi
  • Deniz Tekin
  • Sehabe
  • Yeis Sensura
  • Aspova
  • Defkhan
  • Aga B
  • Mirac
  • Mert Şenel
  • Kamufle

So kritisiert Şanışer zum Beispiel die extrem eingeschränkte Meinungs- und Pressefreiheit in der Türkei:

"Die Gerechtigkeit ist tot, doch ich habe lange geschwiegen, weil ich nicht betroffen war. Jetzt lasse ich sogar von Twitter die Finger und habe Angst vor der Polizei meines Landes“ 

Weiter heißt es in seinem Text:

"Wenn sie eines Nachts kommen und dich holen, dann wirst du keinen Journalisten finden, der darüber schreibt, denn sie sitzen alle im Knast“

Die türkischen Bürger*innen scheinen sich in dem Video bestätigt zu sehen: Nach nur fünf Tagen hat der Clip über 17 Millionen Aufrufe auf YouTube, 190.000 Kommentare und geht weiterhin viral. Die Sängerin Şebnem Ferah kommentierte: 

"Ich bin voller Hoffnung, ich bin stolz und fühle mich wie innerlich gereinigt.“

Auch Superstar Ezhel protestiert gegen Erdogan

Die 18 Künster*innen waren aber nicht die Einzigen, die an diesem Tag einen Song veröffentlichen, in dem mit der Politik der Türkei abgerechnet wird. Der Rapper Ezhel lud den Song „Olay“ („Ereignis“) auf YouTube hoch. In dem Video wird die Schreckenspolitik Erdogans gezeigt und kritisiert. Diese konkretisiert sich in der brutalen Polizeigewalt gegen Demonstranten in den Straßen der Türkei. Immer wieder ist auch der türkische Präsident selbst zu sehen. Schon im letzten Jahr wurde Ezhel zum Symbol der bedrohten Kunstfreiheit in der Türkei.

Die türkische Regierung rund um Erdogan und die Anhänger*innen der Regierungspartei AKP reagierten sofort auf die Musikvideos. Auf Twitter werfen sie den Künstlern unter dem Hashtag „Sustunuz“ („Ihr habt geschwiegen“) vor, sie würden die Putschversuche aus 2016 und die Opfer der kurdischen Arbeiterpartei PKK unkommentiert lassen, die unter anderem von den USA sowie Deutschland als Terrororganisation eingestuft wird.

Die Istanbuler Oppositionschefin Canan Kaftancioglu wurde am Tag der Veröffentlichungen zu knapp zehn Jahren Haft verurteilt. Grund der Gefängnisstrafe sind 35 Tweets der türkischen Politikerin und ein von ihr zitiertes Gedicht. Ihr wird Präsidentenbeleidigung, Erniedrigung der Türkischen Republik und Terrorpropaganda vorgeworfen. Das zeigt wie hochaktuell die Videos sind und wie wichtig es ist, dass bekannte Persönlichkeit sich für die Freiheit in der Türkei stark machen. 

So frustrierend und erschreckend die politische Entwicklung der Türkei in den letzten Jahren auch gewesen sein mag, so zeigt diese Story doch eindrucksvoll eines: Rap hat auch dreißig Jahre nach dem N.W.A-Klassiker "F*ck Tha Police" nichts seines subversiven Potentials verloren und kämpft 2019 noch für die Rechte der Unterdrückten.


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