Wegen Auschwitz-Line: ECHO prüft die Nominierung von Kollegah & Farid Bang

Eine Zeile von der Bonus-EP zu "Jung Brutal Gutaussehend 3" könnte Kollegah und Farid Bang beim ECHO zum Verhängnis werden, bei dem das Duo gleich doppelt nominiert ist. Im Song "0815" rappt Farid im ersten Part:

"Und wegen mir sind sie beim Auftritt bewaffnet / Mein Körper definierter als von Auschwitzinsassen"

Wie die Bild berichtet, hat sich der Ethik-Beirat eingeschaltet, der nach der Debatte um die Nominierung der Rechtsrockband Frei.Wild ins Leben gerufen wurde. Die ECHO-Geschäftsführerin Rebecka Heinz wird dort wie folgt zitiert:

"Die Sprache des Battle-Rap ist hart und verbale Provokationen sind ein typisches Stilmittel. Die Kunst- und Meinungsfreiheit ist ein hohes Gut, angesichts der Textzeilen in '0815' haben wir aber tatsächlich den Beirat gebeten, sich mit dem Produkt zu beschäftigen. Die Frage ist, ob bei dem Track '0815' die Grenze zwischen künstlerischer Freiheit und gesellschaftlich nicht hinnehmbaren Äußerungen überschritten wurde. Eine Indizierung durch die Bundesprüfstelle für jugendgefährdende Medien ist bisher nicht erfolgt."

Ein alter Konflikt für alle Rapfans, der durch neue Zeilen immer wieder in den Fokus der Öffentlichkeit gerät. Wo enden Provokation und Kunstfreiheit? Wo fangen Rassismus und Antisemitismus an? Das wird nun mit Hinblick auf die Preisverleihung am 12. April vom Ethik-Beirat entschieden.

Mittlerweile haben sich Farid Bang und Kollegah zu dem Fall geäußert. Farid weist in einem Post auf seiner Facebookseite daraufhin, dass es sich um "harten Battlerap" handele und die Line keineswegs eine politische Aussage beinhalte. Von "Antisemitismus oder Hass gegen Minderheiten" distanziere man sich, so Farid in seinem Statement:

Farid Bang

Bezug nehmend auf den Artikel der Bild Zeitung möchten wir deutlich machen, dass wir keinerlei Minderheiten oder Religionen diskriminieren wollen. In dem zitierten Satz ‚Mein Körper ist definierter...

Als Hintergrund für diese kontroverse Line wird eine Wette zwischen Kolle und Farid vermutet, die die beiden zu Beginn der Promophase abschlossen. Die beiden schätzten die Boxenverkäufe der ersten Tage und Farid lag noch weiter daneben als Kollegah. Auf Instagram hatte das Duo zuvor den Wetteinsatz bekanntgegeben: Der Verlierer müsste eine Zeile rappen, für die "man auf jeden Fall verklagt wird". Seitdem spekulierten Fans darüber, welche Line denn nun gemeint war, da die namentlichen Nennungen einiger Rapkollegen hier durchaus Raum für Spekulationen ließen und immer noch lassen. Ein legitimer Kandidat wäre die Auschwitz-Zeile definitiv.

Allerdings gibt es da noch einiges über Flüchtlinge und Syrer, was ebenso Seilchenspringen mit der Grenze des guten Geschmacks spielt. Ob Kollegah und Farid nun vom ECHO ausgeschlossen werden, wird sich in den kommenden Tagen zeigen. Dass das Duo auch mit einem geringeren Level an Asozialität ordentliche Lines schreiben kann, haben wir auf "JBG 3" ebenfalls zu hören bekommen:

"Reif & vorbildlich": Die harmlosesten Lines auf "JBG 3"

Die Ankunft von JBG 3 verlief rau und hart wie der einsetzende Winter. Rapper und die Mütter von Rappern bekamen ihr Fett weg. Der letzte Teil von JBG beinhaltet Battle-Lines noch und nöcher - aber was steht da eigentlich zwischen all den Disses?

Update: In der ursprünglichen Version des Artikels hatten wir das Statement der Künstler Kollegah und Farid Bang nicht berücksichtigt. Wir haben den Artikel nun überarbeitet und um die Stellungnahme, die auf Farid Bangs Facebookseite erschien, ergänzt.

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Zum Thema objektive Berichtserstattung: hier bitte "Rechtsrockband" in "Deutschrockband" umändern! :)

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Morten, Plusmacher, Sinan-G, Booz & mehr im Deutschrap-Update

Morten, Plusmacher, Sinan-G, Booz & mehr im Deutschrap-Update

Von HHRedaktion am 07.02.2020 - 13:58

Wie jeden Freitag findet ihr auch heute wieder eine bunte Palette an Neuzugängen, die heute in der deutschsprachigen Rapwelt gelandet sind. Mit dabei sind unter anderem der Plusmacher, Morten (3x), Money Boy, Farid Bang mit Kollegah und Fler, Greeny mit OG Keemo, Sero El Mero und viele mehr:

Allen voran steht natürlich das Trio im Fokus, das vor ein paar Jahren noch undenkbar war: Farid Bang versammelt erstmals Kollegah und Fler auf einem Song. Der Beat von Kyree und Deats lässt allen drei Rappern Platz, ihre eigene Note in den Song zu bringen und geht ordentlich nach vorne.

Die gleiche Marschrichtung – allerdings in einem ganz anderen Sound-Gewand – gibt es heute beim Hamburger Booz mit "Drip Check". Material, zu dem man bestens durch den Moshpit bouncen kann. Unser Tipp des Tages. Zeitgemäßen Abriss machen außerdem Greeny und OG Keemo mit ihrer neuen Nummer "Schwör ma" möglich.

Bei Sinan-G und dem jungen Künstler Milano gibt es währenddessen eine Mischung aus Rap und Pop, aus Deutsch und Französisch, die mit modernem Westcoast-Vibe von Rocks inszeniert wird. In eine ähnliche Kerbe schlägt der neue Plusmacher-Song "Wo sind meine Fische", der auf französische und poppige Einflüsse verzichtet, aber dafür umso mehr die Nackenmuskulatur stimuliert.

Der Wochenbeste ist Morten, aus dessen neuem Tape "Escape The City (Level 1)" wir gleich drei Songs in unserer Playlist platziert haben. Bei "Frio" hat er den Kölner Lugatti an Bord, mit "Violett" liefert er solo tanzbar-verträumten Sound und in "Hartz V" mit Opti Mane trifft 90er Dirty South auf Berlin 2020.

Apropos 90er: Bei Benyo51 von der Schälsick gibt es heute Boombap auf EP-Länge mit jeder Menge kölschem Humor. Für authentischen Rap von der Straße sorgen aber auch Bangs von der Army Of Brothers mit Ulysse ("Das Selbe"), Jaill ("24 Tanquerays") oder Erabi und Jam ("Unter Druck").

Soweit der wöchentliche Sneak Peek in unser Playlist-Update. Neben den genannten gibt es noch einige andere Songs zu entdecken, also pickt hier euren Streaming-Anbieter und checkt die gesamt "Groove Attack" ab!


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