Was die Politik von Hiphop lernen kann: Toxik im Stern-Interview

Toxik war kürzlich (virtuell) zu Gast beim Stern. Thema des Interviews: wie Politik mit Hiphop-Kultur interagieren kann, um junge Menschen zu erreichen und positive Veränderungen herbeizuführen.

"Menschen merken, wenn man sie verarschen will"

Zu dem Interview kam es im Zuge der Gründung der Consulting Agency The Ambition, die gesellschaftlichen Akteuren das Potential der Hiphop-Kultur aufzeigen und zugänglich machen will. Ziel ist es dabei, Talenten aus unserer Kultur Zugang zu neuen Betätigungsfeldern zu ermöglichen und die Hiphop-DNA weiter zu tragen.

Der Ansatz zielt auf Nachhaltigkeit ab: Dass Hiphop boomt, ist mittlerweile bekannt. Doch viele ließen ehrliches Interesse vermissen und seien lediglich auf der Suche nach schneller Reichweite, so Toxik. Nachhaltig sei das nicht, weder für die eine, noch für die andere Seite. Denn: "Menschen merken, wenn man sie verarschen will".

Politiker*innen müssten verstehen, dass es sich bei Zusammenarbeiten um ein Wechselspiel handele. Man müsse der Kultur etwas anzubieten haben. In allererster Linie politische Antworten auf die Bedürfnisse der Menschen, die man erreichen will.

Auch die letztlich gescheiterte Zusammenarbeit des einstigen Düsseldorfer Oberbürgermeisters Thomas Geisel (SPD) mit Farid Bang wurde vom Stern angesprochen. Farid hatte sich im Zuge der Zusammenarbeit 2020 für die Einhaltung der Corona-Schutzmaßnahmen eingesetzt. Nach starker Kritik zog Geisel das Video zurück. Wohl gegen seinen eigene Willen und mit dem Hinweis, sich nicht für die Kooperation entschuldigen zu wollen – der positive Effekt der Handreichung war aber dahin. Toxik:

"Man hat mit einem Rapper zusammengearbeitet, der in seinen Texten auch provoziert. Und nachdem es dann Kritik gab, ist man wieder von ihm abgerückt, was so ziemlich das falscheste ist, was man machen kann, wenn man authentisch und glaubwürdig mit Menschen kommunizieren will. Ich glaube, wenn man Jugend in Düsseldorf erreichen will, ist man bei Farid Bang absolut richtig."

Das ganze Interview seht ihr hier:

"Menschen merken, wenn man sie verarschen will": Warum unsere Politiker Hip-Hop-Nachhilfe brauchen

Unternehmen und Parteien nähern sich popkulturellen Strömungen oft mit überschaubarem Erfolg. Im stern-Interview erklärt Hip-Hop-Journalist Tobias "Toxik" Kargoll, was die deutsche Politik im Umgang mit der Hip-Hop-Kultur lernen kann - oder besser sollte.

Auch wir hatten damals darüber berichtet und erklärt, warum Farid Bang trotz seiner Lyrics ein Vorbild ist:

Kritik an Corona-Video: Wieso Farid Bang ein Vorbild ist [Kommentar]

Farid Bang hat in Zusammenarbeit mit der Stadt Düsseldorf ein Video zur Einhaltung der geltenden Corona-Vorschriften gedreht. In dem etwa 40-sekündigen Clip appelliert Farid an die Bürger*innen von Düsseldorf und erklärt: "Haltet euch an die Regeln und bleibt vernünftig". So weit, so gut? Das sieht längst nicht jeder so.

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Mord an King Von: Wie der Abend abgelaufen sein soll

Mord an King Von: Wie der Abend abgelaufen sein soll

Von Till Hesterbrink am 13.04.2021 - 12:12

Der US-Rapper und Beef-Kontrahent von King Von Quando Rondo sprach kürzlich in einem Interview mit Angela Yee darüber, wie der Abend abgelaufen sein soll, an dem Von erschossen wurde. Der erste Teil dieser Interview-Reihe wurde nun veröffentlicht. Dort wird thematisiert, wie es überhaupt zu der tödlichen Auseinandersetzung vor einem Club in Atlanta kam.

Quando Rondo über die Schüsse auf King Von

Gegenüber der Breakfast Club-Moderatorin gibt Rondo an, dass er eigentlich gar nicht geplant hatte, an dem Abend in den Club zu gehen. Allerdings habe ihn sein Kollege Lul Tim, der als potenzieller Täter gilt, überredet, noch einen kurzen Abstecher dorthin zu machen. Rondo habe nicht mit in den Club gewollt und daher seinem Freund 15 Minuten gegeben, nach welchen er abhauen wollte.

Draußen seien er und seine Entourage dann auf eine weitere Gruppe getroffen. Nach eigenen Angaben habe er diese allerdings nicht als King Von und dessen Crew erkannt. Als diese Gruppe dann an ihm vorbeiging, soll King Von auf einmal auf ihn eingeschlagen haben. Für ihn sei das ganze wie eine außerkörperliche Erfahrung gewesen. Er habe nicht gewusst, was passiere.

"Ich lasse also diese Gruppe vorbei gehen. Plötzlich werde ich geschlagen. Boom bow. Ich lüge nicht, es war, als hätte ich eine außerkörperliche Erfahrung"

"So I'm letting this group come by. Next thing you know, a n*gga hit me. Boom bow. I lie to you not, I lie to you not. It's like I had an out-of-body experience."

Nach dieser Erzählung endet der erste Teil des Interviews. In den kommenden Tagen sollen die nächsten Teile erscheinen, in denen dann explizit über die tödlichen Schüsse gesprochen werden soll.

US-Rapper King Von (26) wurde in Atlanta erschossen

Er galt als einer der vielversprechendsten Newcomer aus Chicago: King Von. Mit nur 26 Jahren verlor er gestern bei einem Schusswechsel in einer Shishabar sein Leben. Insgesamt sollen drei Menschen durch die Schüsse tödlich verletzt worden sein. Der Schießerei soll ein Streit und ein Handgemenge mit dem Rapper Quando Rondo und dessen Crew vorausgegangen sein.

Quando Rondo kauft vermeintlichem Schützen eine neue Uhr

Das Mitglied der Quando Rondo-Crew Lul Tim wurde nach der Schießerei festgenommen und kam auf Kaution in Höhe von 100.000 Dollar wieder frei. Gegen ihn wird aktuell wegen Mordes ermittelt. Rondo und seine Entourage behaupten, aus Notwehr gehandelt zu haben.

Nach der Freilassung von Tim, der eigentlich Timothy Leeks heißt, kaufte Quando Rondo diesem eine neue diamantenbesetzte Uhr und postete das Schmuckstück auf Instagram.


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