Vom Bordstein bis zur Skyline: Was Bushido zu einem der größten Rapper Deutschlands macht

Nach dieser möglichst kurzen Zusammenfassung ist wohl Zeit für ein Fazit: Was macht die Faszination Bushido aus?

Zunächst spielt wohl sein langjähriges Bestehen in der Szene eine entscheidene Rolle. Als Rapper, der Teil der Aggro-Ära war, kann ihm ein besonderer "Legendenstatus" zugesprochen werden. Immerhin zählt er zu den ersten deutschen Gangster-Rappern und bezeichnet seine Nachfolger daher lediglich als "kleine Bushidos". Außerdem überzeugt Bushidos Image seit Beginn seiner Karriere und die Skandale, die in der breiten Öffentlichkeit für Aufruhr sorgten, machten ihn als Gangster-Rapper für seine Zuhörerschaft umso faszinierender. 

Besonders das Cover "Bushido und die Mafia" dürfte hier als Höhepunkt bezeichnet werden. Immerhin ist es kein Geheimnis, dass besonders Jugendliche eher vom Anti-Helden angezogen werden. Das Prinzip "Bad Boy" zieht nicht nur im Rap, sondern zum Beispiel auch im Punk (Sid Vicious) oder im klassischen Rock'n'Roll (Elvis). Wer rebellisch ist, wirkt gleichzeitig selbstbewusst, unabhängig und interessant und kann so zum Jugendidol werden. Das funktionierte bereits bei Aggro und es funktioniert bis heute. Wie bereits erwähnt lautet das Geheimrezept von Anfang an: Je schlechter das Vorbild, desto mehr verkaufte Platten.

Nicht zu vergessen ist aber auch, dass Bushido mit seinem eigenen Sound, dem Inhalt seiner Texte und seinen Punchlines sein Image perfekt ergänzt. Er bleibt bewusst der Außenseiter, der nichts für den Rest der Szene übrig hat und unterstreicht dies auch selbst auf Black Friday: "Es ist egj-Gang, f*ck die Szene, Top-Ten." Berücksichtigen wir jetzt noch Bushidos Stimme, für die er schon vielfach gelobt wurde und die letztlich für die Atmosphäre seiner Tracks verantwortlich ist, dann entsteht wohl die Formel, die Bushido zu einem der erfolgreichsten Rappern Deutschlands macht.

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"Hat mir wehgetan": Ali Bumaye über Bruch mit Shindy

"Hat mir wehgetan": Ali Bumaye über Bruch mit Shindy

Von Paul Kruppa am 17.10.2021 - 13:05

EGJ ist heute nicht mehr das Label, das es vor ein paar Jahren noch war. Die ehemaligen Geschäftspartner Bushido und Arafat Abou-Chaker treffen sich regelmäßig vor Gericht, viele Artists sind gekommen und wieder gegangen. Mittendrin bei der Umwälzung von ersguterjunge war Ali Bumaye. Bei dem Berliner Rapper hat das seine Spuren hinterlassen. Er hat sich für TV Strassensounds Record Podcast mit Burak getroffen und von der Zeit erzählt, in der alles in die Brüche ging – dabei spricht er insbesondere die Beziehung zu Shindy an.

Ali Bumaye über EGJ-Zerfall: "Am meisten hat es mir wegen Shindy wehgetan"

Aus nächster Nähe hat Ali Bumaye (jetzt auf Apple Music streamen) miterlebt, wie sich die Dinge bei ersguterjunge entwickelt haben. Seine zwei Alben "Fette Unterhaltung" (2015) und "Rumble In The Jungle" (2016) erschienen über das Label. Kalt gelassen haben ihn all die Veränderungen nicht. Er sei generell jemand, der zu seinen Gefühlen stehe. Vor allem der abgerissene Kontakt zu Shindy scheint schmerzhaft zu sein.

"Wenn mir was wehtut, dann sag ich das. Das hat mir wehgetan. Die Trennung damals hat mir wehgetan – klar. Am meisten hat es mir wegen Shindy wehgetan, sag ich ganz ehrlich. [...], weil wir wie Brüder waren und wir ohne Grund keine mehr sind. Weil es einfach keinen Grund gibt, von beiden Seiten. Wir haben uns nie gegenseitig was getan. Die Situation hat sich so ergeben."

Im März 2018 ließ Bushido verlauten, dass er die Geschäftsbeziehung zu Arafat Abou-Chaker auflösen werde. Daraufhin gab es beim Label ersguterjunge mehrere personelle Neuausrichtungen. Shindy, AK Ausserkontrolle und Laas Unltd. schlugen eigene Wege ein. Capital Bra wurde im Sommer 2018 als Signing vorgestellt. Nach nicht einmal einem Jahr endete diese Zusammenarbeit schon wieder. Da sein "Labelboss mit der Polizei arbeitet", hielt Capital diesen Schritt für notwendig. Samra verabschiedete sich anschließend ebenfalls von EGJ. Gegenwärtig zählen Animus, Bushido sowie Jean und Solé zur Besetzung des Berliner Labels. Auch Baba Saad zeigt sich mit dem EGJ-Camp verbunden.

Ali Bumaye & Shindy: Funkstille nach Platin-Erfolg

Shindy hatte wohl schon vor der Trennung von Bushido und Arafat Abou-Chaker eigene Pläne. Die Zeit nach dem Abgang aus dem EGJ-Lager beschrieb er Ende 2018 als "absoluter Psychoterror". Die angespannte Situation und seine Rolle darin greift Shindy musikalisch auch in seinem Track "Road2Goat" auf. Dort rappt er in Bezug auf den Split von Bushido und Arafat Abou-Chaker:

"Als die beiden mit dem Streit in jeder Zeitung sind / Kämpfen sie ums Recht auf Shindy, als wär' ich ein Scheidungskind"

Nachdem sich Shindy von seiner Vergangenheit erfolgreich abnabeln konnte, ist offenbar kein Platz mehr für alte Weggefährten wie Ali Bumaye. Von Bietigheim-Bissingen aus versorgt er seine Fans nun mit Musik. Mit Friends With Money hat Papi Pap ein eigenes Label an den Start gebracht. Auch Ali Bumayes Musikkarriere ist nicht zum Erliegen gekommen. Er releast regelmäßig Tracks – ebenfalls in neuen Strukturen. Mit "Ali therapiert" hat er zudem ein eigenes Interview-Format auf YouTube etabliert.

Doch selbst die veränderten Umstände haben die beiden ehemaligen EGJ-Signings augenscheinlich nicht wieder zusammengeführt. Dabei ist die Vergangenheit von Erfolgen gepflastert. Der Kollabo-Track "Sex ohne Grund" von Alis Album "Rumble In The Jungle" konnte über 400.000 Einheiten absetzen. Wie er damals für sich feststellte: "Der Dicke hat 'ne Platin Single"! Momentan macht es nicht den Eindruck, als könnten Ali Bumaye und Shindy ihre gemeinsame Geschichte fortschreiben.


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