Bis heute kann man sich reißerische TV Berichte über Berlin Crime auf YouTube ansehen. Wie falsch ist der Eindruck, den solche Berichte vermitteln?
Der Eindruck ist eigentlich richtig. Das war schon so wie es da gezeigt wird.

Laut Buch hast du dir einen Namen gemacht, indem du am helllichten Tag auf belebten Straßen gemalt hast, nicht durch den ausgefallensten Style der Stadt.
Ja, absolut. Graffiti war bei mir immer mehr Vandalismus als große Kunst. Bei Berlin Crime gab es aber beides, die Bomber ebenso wie die künstlerischen Typen. Wir waren ja eine sehr große Crew mit mehr als 100 Mitgliedern die Deutschlandweit unterwegs waren. Da gabs auch Leute die richtig was drauf hatten. Aber eben auch viel Gewalt und Sachbeschädigung.

Zu Graffiti kam dann Rap dazu. Dass du heute Pressesprecher der  israelischen Armee bist, Basstard und Bogy Underground Heroen, Tony D ehemaliger Aggro Star und Frauenarzt und Manny Marc die Charts regieren, ist natürlich eine krasse Geschichte.  
Ich freue mich für sie! Es ist krass was für Erfolg sie heute haben, das war natürlich früher nicht abzusehen. Aber wir haben nach wie vor Kontakt und verstehen uns sehr gut, auch wenn wir andere Wege gegangen sind.

Du bist auf Manny Marcs Doberman Demotape Part 1 und Frauenarzts BC in den Intros und Outros zu hören. Und rappst auf dem Track Echte Atzen von Frauenarzts Album Der Untergrundkönig .
Ja. Damals war auch geplant, dass ich ein Album mache. Die Intros und Outros sollten der Anfang sein. Aber ich war nie wirklich jemand, der gerne Texte geschrieben hat. Ein Rapper ist einfach nicht aus mir geworden.

Über deine Gang Zeit bei den Black Panthers und Kolonie Boys steht einiges in deinem Buch, Berlin Crime besprichst du nicht. Was war der größte Unterschied zwischen Berlin Crime und den Straßengangs, in denen du warst? Kann man das, was du über andere Gangs schreibst, übertragen?

Das war einfach nicht das Thema des Buches, es ist ja kein Graffiti Buch. Das wäre vielen wahrscheinlich viel zu sehr ins Detail gegangen. Bei den Weddinger Straßengangs war Sprühen nebensächlich. Da ging es nicht um Vandalismus und schon gar nicht um Kunst, sondern um Respekt, Cool-sein und in seinem Bezirk den dicken Mann machen. Das war eine rein lokale Sache, jede Straße im Wedding war voll von solchen Typen. Und die meisten Gangs waren muslimisch - arabisch, kurdisch, palästinensisch, libanesisch. Bei den Graffiti Gangs war das ganz anders, die waren immer kunterbunt. Da gabs Türken, Araber, Deutsche, Spanier Engländer, Griechen,... und einen Juden - ganz egal. Da hat niemand drüber geredet, das war völlig uninteressant.  Bei Berlin Crime gabs Alles. Arzt ist Halb-Venezolaner oder so- Da haben wir gar nicht drüber gesprochen. So gesehen, ist das schon eine Erfolgsgeschichte des Graffitis: Da zählte nicht deine Herkunft, sondern das Malen, was für ein Typ du bist und echte Freundschaft. Andererseits ging es bei uns natürlich auch viel um harten Vandalismus. Und auch bei den Black Panthers hatte ich wenig Probleme durch meine Religion. Das war eine türkische Gang und die meisten Türken waren sehr cool mit mir.

"Wir kreisten sie ein, damit sie keine Gelegenheit zur Flucht hatten. Ohne groß zu reden, schoss einer von uns einem von ihnen mit der Gaspistole aus ca. 20 Zentimetern Entfernung ins Ohr. Der schrie auf und rannte weg. 15 von uns, mich eingeschlossen, verfolgten ihn. Der Rest nahm sich die anderen Jungs der Streetfighters vor. Leute blieben entsetzt stehen und Autos hielten an. Der Leopoldplatz war eine der belebtesten Kreuzungen Weddings und wurde nun Schauplatz einer Verfolgungsjagd wie im Kino. Nach mehreren 100 Metern ging dem Verfolgten offensichtlichdie Luft aus. Er blieb stehen, nahm die Hände in die Höhe und meinte, dass es doch nur Spaß gewesen sei und sie sich entschuldigen würden. Aber das half ihm nichts. Er wurdezu Boden geschlagen und von allen mit schweren Tritten zusammengetreten. Ich befand mich mittendrin und sollte derjenige sein, der ihm den Rest gab. Ich zog mein Messerund stieß es dem Opfer zwei- bis dreimal in den Oberschenkel und in den Rücken. Fast leblos lag der Türke auf dem Bordstein. [...] Ich war jetzt wie ein Mitglied der Kolonie Boys und gehörte zu denjenigen im Wedding, die was zu sagen hatten."
(Der Verletzte überlebte, Anm.d.Red.)
(Auszug aus dem Buch Ein nasser Hund ist besser als ein trockener Jude )

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