Twitter-Rant: Celo & Abdi schenken Frankfurter Waisenkindern ein Festmahl

Vor einigen Tagen haben Celo & Abdi einen kleinen Tweef mit Lieferando ausgetragen. Es ging um eine Schweinefleischlieferung mitten in der musilimischen Fastenzeit, die die Rapper zu einem Rant auf Twitter veranlasste, in dem sie Lieferando Disses androhten. Doch statt eine Track zu schreiben, überlegten sie es sich anders und boten Lieferando einen Deal an, von dem die Kinder eines Frankfurter Waisenhauses profitieren werden. Nun hat Lieferando sich auf den Deal eingelassen. 

Der Lieferdienst hatte den Rappern Schweinefleisch gebracht, obwohl sie - dem Ramadan entsprechend - helal bestellt hatten. Um die beiden Rapper zu besänftigen, hatte Lieferando angeboten, die nächste Studiosession könnte kulinarisch auf Lieferandos Nacken gehen. Celo & Abdi lehnten das Angebot mit dem Hinweis ab, sie wollten den Lieferdienst lieber auf ihren nächsten Alben "verewigen". Doch bevor Lieferando Opfer eines Celo & Abdi-Disstracks werden konnte, haben es sich die Frankfurter anders überlegt und ihren Ärger und die Öffentlichkeit genutzt, um Gutes zu tun. Sie boten Lieferando an, auf den Diss zu verzichten - unter folgender Bedingung:

Celo & Abdi on Twitter

@lieferando ok wir wollen ja nicht so sein,wir verschonen euch,aber ihr müsst es trotzdem wieder gut machen... Anstatt das Ihr unsere nächste Studiosession mit versorgt,meldet euch doch beim Waisenhaus Frankfurt und fragt die Kids auf was die Bock haben: https://t.co/9mKQCWR91j Deal?!

Klingt sehr vernünftig. So geben sie dem Lieferdienst die Möglichkeit, den Fehler zu beheben. Dass Celo & Abdi keinen persönlichen Vorteil daraus ziehen wollen, ehrt die beiden. Und ein Disstrack gegen Lieferando wäre letztendlich auch nicht mehr gewesen als eine witzige Geschichte, von der schlussendlich vielleicht sogar beide Seiten profitiert hätten. Mit dem Angebot an Lieferando liefern die beiden eine mehr als diplomatische Lösung, die zudem Kindern, die sonst wohl eher selten in den Genuss eines Lieferdienstes kommen, eine Freude bereitet. Das Social Media-Team Lieferandos scheint das ähnlich zu sehen:

Lieferando.de on Twitter

@CeloundAbdi Deal! Die Kinder werden sich freuen. Ist ein echt cooler Move von Euch.

Am Ende profitieren alle: Celo & Abdi haben ihre Reichweite genutzt und Gutes getan, Lieferandos Social Media Team hat gute Krisenkommunikation betrieben und die Kinder des Waisenhauses bekommen leckeres Essen. Im besten Falle auch das, was sie bestellt haben. 

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Kommentare

Kann man nicht haten die Aktion. guter Move der Beiden.

Gute Aktion! Trotzdem die beiden sind nicht ganz dicht.

Falsch. Nicht die beiden Empörten schenken sondern Lieferando schenkt (für etwas, für das sie nicht einmal etwas können, da der Fehler wohl beim Essensanbieter lag). Lieferando ist vermutlich trotzdem froh, aus der Sache gut raus zu sein, weil sie einen *****torm fürchten aber nicht wissen, dass C&A keinen interessieren und fast niemand die Platten kauft, trotzdem ärgert mich das Duckmäusertum. Einen zwei Euro Gutschrift-Code via E-Mail und gut ...

Ich sagte Pello und Hapti sollen ihren religiösen Firlefanz doch bitte in 1 islamischen Land machen und Herrn Büchler zum Fast-Brechen doch einfach mitnehmen. Vielleicht jucken solche News da jemanden. Lieferando außerdem richtig peinlich, würde ich das nutzen, würde ich die ab heute boykottieren.

Respekt an den Menschen, der hier nachts um kurz vor 4 noch Kommentare löscht. Frohes Schaffen noch!

Achso, wird doch nicht gelöscht sondern manuell freigeschaltet. Dann doch kein Respekt.

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Kanye West pinkelt auf Grammy-Award: Seine Offensive gegen die Musikindustrie

Kanye West pinkelt auf Grammy-Award: Seine Offensive gegen die Musikindustrie

Von Clark Senger am 17.09.2020 - 13:06

Kanye West ist grade auf einem heiligen Kreuzzug gegen die Musikindustrie, die er vorgestern als "modernes Sklavenschiff" beschrieben hat. Er selbst sei der "neue Moses" und heute Nacht hat er seinen Darstellungen ordentlich Nachdruck verliehen. Er hat zunächst mehr als 100 Seiten seiner Verträge mit Universal und Sony auf Twitter geteilt und später ein provokantes Bild mit Symbolkraft geliefert, das in Erinnerung bleiben dürfte: Er pinkelt in einem Video auf einen seiner 21 Grammy Awards, den er in einer Toilette versenkt hat. Reaktionen kommen auch aus dem Deutschrap-Kosmos.

Kanyes Kampf gegen die Musikindustrie

Das mag im zunächst für manche massivst over-the-top wirken, aber es stellen sich langsam immer mehr Menschen an Kanyes Seite. Der Inhalt, also seine Forderung nach gerechteren Verträgen und den Master-Rechten für entsprechenden Künstler*innen, scheint für einige nicht nur legitim, sondern auch notwendig zu sein.

Ganz konkret spricht er in diesem Zusammenhang die fehlenden Einnahmen durch Konzerte an, die durch die Covid-19-Pandemie wegbrechen und Löcher in die Taschen vieler Kulturschaffender reißt. Oftmals heißt es, Corona sei ein Brennglas, das uns zwingt, lange ignorierte Missstände endlich anzugehen. Diese Metapher passt auch hier:

Unter anderem Producer Kenny Beats supportet Yes Vorstöße. Er sagt, insbesondere Schwarze Künstler*innen bräuchten mehr Schutz in der Musikindustrie. Die meisten Labels hätten außerdem kein Problem damit, junge Menschen mit Verträgen in eine hartnäckige Falle zu locken.

Auch Hit-Boy, auf persönlicher Ebene kein Fan von Kanye, fühlt die Message. Seit dem Alter von 19 Jahren fühlt er sich in seinem Vertrag mit Universal Music Publishing gefangen. Seine Anwält*innen hätten diesen als den "schlimmsten Publishing Deal, den sie je gesehen haben" beschrieben.

Der Rapper Logic berichtet von ausbleibenden Zahlungen – etwa an Lil Wayne – auf die er nach wie vor von Def Jam wartet:

Kanyes Mittel haben häufig, so auch jetzt, eine unweigerliche Mit-dem-Kopf-durch-die-Wand-Attitüde, die polarisiert. In der Form kann man aber erstens kaum Zurückhaltung von jemandem erwarten, der nicht nur einen Song namens "I Am A God" im Katalog hat, sondern sich auch schon als Yeezus oder eben New Moses bezeichnet hat. Zweitens ist es leider einfach so, dass man mit netten Hinweisen und Vorschlägen selten so schnell Fortschritte erzielt wie mit dem Brecheisen – Kanyes Werkzeuge sind seine Reichweite und sein damit einhergehender Einfluss. Zudem sollte man nie vergessen, dass seine bipolare Störung alles andere als ein Witz ist, über den man sich allzu sorglos amüsieren könnte (mehr dazu in unserem Artikel aus dem Juli).

Kanye Wests Twitter-Meltdown: Eine bipolare Störung ist kein Witz

Seit Kanye West seine Kandidatur für die US-Präsidentschaftswahl bekanntgegeben hat, sprudelt es nur so aus ihm heraus. Statements, Auftritte, Postings...

Own your Masters, das ist die Message!

Kanye will sein Volk aus der ägyptischen/musikindustriellen Unterdrückung führen, in das Land, wo Geld durch Master-Rechte fließt – nämlich auf die Konten der Urheber*innen. Was er erschaffen hat, soll in der Zukunft seinen Kindern zugutekommen und nicht den Sprösslingen derer, die Musiker*innen in verlockende Verträge lotsen, deren Rattenschwanz sie nicht einschätzen können.

Einen Trend weg von der Bündelung diverser Rechte, Kompetenzen und Entscheidungsgewalten unter dem Dach der größten Labels meint man seit einiger Zeit beobachten zu können. Es ist sicher auch eine Typfrage, ob man die Vorzüge eines Majors über die komplette Unabhängigkeit stellt. Sido beispielsweise fühlt das 360-Grad-Paket schon seit langer Zeit:

Wenn Kanyes Plan aufgeht, bringt er die Industrie dazu, sich auf die Künstler zuzubewegen. Man darf aber in almanesker Korrektheit nicht vergessen: Unter jedem Vertrag, über den Kanye sich heute beschwert, steht seine Unterschrift. Ein solches Dokument sollte man nur mit Weitsicht unterschreiben und gerade in Kanyes Größenordnung auch durch Fachkundige prüfen lassen. Das David-gegen-Goliath-Narrativ von einem Milliardär zu hören, der nicht mehr mit Entscheidungen zufrieden ist, die er vor Jahren selbst getroffen hat, hat durchaus eine ironische Note.

Transparente DIY-Vertriebe wie beispielweise TuneCore, bei denen man 100 % seiner Einnahmen und Rechte behält, gewinnen auch für prominente Acts immer mehr an Attraktivität. Grade Einsteiger können bei solchen Modellen ein frühes Abhängigkeitsverhältnis umgehen und später überlegen, ob sie nicht doch einige Rechte gegen die Dienste eines Majors eintauschen möchten. Außerdem haben Künstler*innen und Managements 2020 ganz andere Optionen, mit Vertrieben, Labels oder Verlagen zusammenzuarbeiten als noch vor einigen Jahren.

Reaktionen auf der Deutschrap-Szene

Der deutschsprachige Rapkosmos zeigt sich bislang weitgehend erheitert von der jüngsten Twitter-Offensive. Die Jungs von K.I.Z antworteten (vermeintlich als Spaß), sie würden Kanye ihren Vertrag zuschicken. Celo & Abdi reagieren gewohnt humorvoll und wollen Ye zu 385i holen, sie würden ihre Rechnungen immer pünktlich begleichen.

Olson ist mehr der Pragmatiker:

Juju und RIN zeigen sich amüsiert:

Das letzte Wort in dieser Sache – und das verdeutlicht Kanye vehement – ist erst gesprochen, wenn er seinen Willen bekommen hat. Dass er sich in seinem Freiheitskampf als "Baby Putin" bezeichnet, wäre wohl unter normalen Umständen das Gesprächsthema. Nur ist seine Twitter-Aktivität von normalen Umständen weiter entfernt als Hit-Boy von einem zufriedenstellenden Publishing Deal und so bleibt dieser zynische Vergleich vorerst nur eine Erinnerung daran, dass Ye-Tweets mit Vorsicht zu genießen sind.


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