Trettmann im ZDF: Klare Statements gegen Rechts

Trettmann hat sich in einem Beitrag des ZDF Formats "Frontal 21" zu den rechten Ausschreitungen in seiner Geburtsstadt Chemnitz von vor einem Jahr geäußert und sich klar gegen Rechts positioniert.

Am 26. August 2018 wurde in Chemnitz der 35-Jährige Daniel Hillig bei einer Auseinandersetzung auf einem Stadtfest getötet. Sein gewaltsamer Tod löste eine erschreckende Kettenreaktion aus. Es gab Aufmärsche von Nazis, ein rechter Mob zog durch Chemnitz und machte Jagd auf Ausländer. Eigentlich unvorstellbar, leider Realität in Deutschland 2018.

Musiker setzten Zeichen gegen rechte Hetze

Wenige Tage nach der Tat, am 3. September 2018, fand in Chemnitz ein kostenloses Konzert als Reaktion auf die Ausschreitungen statt. Der Hashtag „Wir sind mehr“ wurde ins Leben gerufen. Neben den Toten Hosen, Marteria, Casper, Nura, Kraftklub, Feine Sahne Fischfilet und K.I.Z. trat auch Trettmann auf.

Trettmann erkannte Chemnitz nicht wieder

Tretti ist gebürtiger Chemnitzer und äußert sich bei „Frontal 21“ zu den Vorfällen in seiner Heimat. Er erkannte das Chemnitz, in dem er aufgewachsen ist, in den Bildern der Nazi-Aufmärsche nicht wieder. Er wirkt betroffen als er von einem Mob voller Leute erzählt, die kein Problem hatten, neben strammen Nazis zu stehen. Sachsen hat schon lange ein Problem mit rechter Gewalt, laut Trettmann wurde das von der Politik immer heruntergespielt:

"Sachsen wird jetzt seit 3 Dekaden von der CDU regiert und laut Biedenkopf hatte Sachsen damals schon kein Problem mit Rechtsextremismus, obwohl wir alle wissen, dass es immens viele Straftaten gab. Jugendclubs, Ausländer, Wohnheime überfallen wurden. Es wurde immer klein gespielt. Der Feind stand immer auf der anderen Seite, nämlich links."

Trettmann denkt, dass uns das Thema Rechtsextremismus noch viele Jahrzehnte beschäftigen wird:

"Es ist ein kontinuierlicher Kampf, dem wir uns stellen müssen."

Ab Minute 6:35 seht und hört ihr was er zu sagen hat.

Auf Trettmanns neuem Album, das am 13. September erscheinen wird, findet sich der Track "Stolpersteine". Darauf thematisiert er rechte Gewalt in Deutschland früher und heute.

Trettmann - Stolpersteine [Video]

Neuer Tune von Tretti! Auf einer KitschKrieg-Produktion blickt Trettmann auf die "Stolpersteine" in seiner Straße. Nach dem "Intro" und dem Gzuz-Feature auf "Du weißt" bringt Trettmann einen emotionalen Track, der sowohl auf die dunklen Zeiten deutscher Geschichte als auch auf die Gegenwart Bezug nimmt. Der Titel "Stolpersteine" geht auf ein Projekt des Künstlers Gunter Demnig zurück.

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Amazon, Spotify & Co schmeißen Nazi-Rapper raus

Amazon, Spotify & Co schmeißen Nazi-Rapper raus

Von HHRedaktion am 08.07.2020 - 17:30

Boxen futsch! Spotify futsch! Charterfolg futsch! Der kommerzielle Durchbruch eines Mannes, der vom bayrischen Verfassungsschutz 2016 als Rechtsextremist eingestuft wurde und auf der Feature-Wunsch-Liste von Xavier Naidoo ganz oben steht, muss warten. Pointierter könnte man schlichtweg davon reden, dass einem bekannten Nazi-Rapper die Existenzgrundlage abhandengekommen ist.

1000 Boxen storniert – und das ist gut so

Alles schien bereit für den großen Moment des leidenschaftlichen Patrioten, der auf Facebook noch so provokant auf eine "Reaktion der Linken" hofft. Die Früchte seines menschenfeindlichen Unsinns kann er nun jedoch vorerst nicht ernten. Amazon, Spotify, Apple Music und Co haben kurzerhand die Platte des rechten Rappers aus dem virtuellen Regal genommen. 1000 Boxen einfach storniert. Die Konsequenzen dieser "widerlichen Aktion" schlagen aufs Gemüt. Der Frust muss raus:

"Spotify und Amazon löschen all meine Lieder."

Im Fernsehen werden Politiker, die selbst der AfD zu rechts sind, neuerdings zum lockeren Sommer-Interview begrüßt. Streamingdienste und gigantische Unternehmen wie Amazon haben dahingehend auch eine Zeit lang für eine gewisse Wohlfühlatmosphäre gesorgt. Nun wurde der Teppich eingerollt und die Tür für rechte Propaganda auf Beats wieder verschlossen. Eine Verbindung, die für sich schon total paradox ist.

Warum Nazis Hiphop nicht verstanden haben

Diese unheilige Vereinigung wurde allerdings über Jahre hinweg einfach hingenommen. Dass ein bekannter Rechtsextremist 24/7 seine Botschaften senden konnte, ist ein Armutszeugnis. Auf Spotify ist noch zu sehen, dass sich über 26.000 Menschen monatlich in dieses braune Paralleluniversum verirrt haben. Eine Welt, die sich an Hiphop anbiedert und die Kultur zugleich komplett ablehnt. In Dauerschleife und frei zugänglich konnte man sich mit Parolen beschallen lassen, die uns zurück in eines der dunkelsten Kapitel der Geschichte katapultieren.

Diesem Artikel ging ein langes Abwägen voraus, ob wir überhaupt darüber berichten sollen, wie es um die musikalische Existenz eines Mannes steht, der Rap für rechten Bullshit missbraucht. Letztendlich dürften jedoch eh schon die meisten von rechtem Rap Notiz genommen haben. Wir haben uns letzendlich dazu entschieden, diesen anzuprangern, statt ihn totzuschweigen.

Was ist mit Capital Bra, Azet & Haftbefehl? Die Leiden des jungen Extremisten

Als Beispiele für die Ungerechtigkeit, die ihm da aktuell zu widerfahren scheint, zieht der gecancelte Volksrapper übrigens ausschließlich Künstler heran, die einen Migrationshintergrund besitzen: Capital Bra, Haftbefehl, Azet. Diese dürften schließlich die wildesten Dinge in ihren Texten sagen – ohne dass jemand eingreift. Diese fast schon weinerliche Reaktion auf die Stornierung und die Löschungen verdeutlicht gut, wie sehr die Rechten an ihrer medialen Präsenz hängen.

Amazon, Spotify und Co entreißen den Akteuren mit ihrer Aktion wesentliche Schauplätze der Selbstinszenierung und bequeme Einnahmequellen. In Anlehnung an den Output des frisch Betroffenen sollte es ein "Neuer Deutscher Standard" sein, dass große Plattformen sich dazu entschließen, ihre gesellschaftliche Verantwortung derart wahrzunehmen. So ein Vorgehen ist ein wichtiges Zeichen in einem System, das auf dem rechten Auge allzu oft blind scheint. Inhalte, die unverhohlen rechtes Gedankengut vermitteln, sollten nicht scheinbar belanglos neben dem Rest stehen.

Der Move des Handelskonzerns und der Streamingdienste ist schlussendlich auch eine Entscheidung, die von außen angestoßen wurde. Sie ist notwendig, um nicht an Glaubwürdigkeit einzubüßen. Wer sich auf der einen Seite klar mit Black Lives Matter solidarisiert, wirkt inkonsequent und höchst fragwürdig, wenn auf der anderen Seite rechtem Gedankengut Tür und Tor offen stehen. Es bleibt zu hoffen, dass es sich hier nicht um einen einmaligen positiven Ausrutscher handelt, sondern Nazi-Rap permanent vom Radar verschwindet.


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