Spotify macht deutschen Schüler über Nacht zu US-Star Future

Streaming wird für Musiker*innen immer wichtiger. Das dachte sich wohl auch der 15-jährige Emre, der unter dem Namen Future seinen Content auf der Videoplattform YouTube veröffentlicht. Jetzt hat ein technischer Fehler dafür gesorgt, dass sein Song "Ausländer 2" als Neuerscheinung auf dem offiziellen Account des amerikanischen Rappers Future angezeigt wurde. Der Track des bisher unbekannten Rappers wurde somit auf einen Schlag fast 21 Millionen Hörer*innen zugänglich gemacht.

Anders als zunächst vermutet, handelte es sich bei der Verwechslung wohl tatsächlich eher um einen Fehler auf Seiten des Streaminganbieters als um eine bewusst herbeigeführte Täuschung. Im Interview mit der Vice erklärt der YouTuber, den Account auch nicht gehackt zu haben. Dort wird er folgendermaßen zitiert:

"Ich freue mich über die Aufmerksamkeit, aber es war definitiv kein Hacking."

Am neunten August habe er den Track über einen Digitalvertrieb bei Spotify hochgeladen. Auf das Versehen sei er durch zahlreiche Nachrichten bei Instagram aufmerksam geworden. Bis heute wird der Track des YouTubers auf dem Account des amerikanischen Rapstars angezeigt. Auf Twitter bestätigt er diese Aussage.

Der deutsche Future auf YouTube

Future hat auf seinem Kanal rund 400 Abonnenten und präsentiert ihnen einen sehr gemischten Content. Neben der Rapmusik produziert er auch Vlogs und lädt regelmäßig Gamingvideos hoch.

Dabei inszeniert er sich und seine Freunde stets als Gegenpart zu einem typischen Deutschen. Das verrät bereits der Titel Tracks, der auf der Videoplattform natürlich gerade verhältnismäßig viele Klicks macht. Während sonst um die 100 Menschen seine Videos anschauen, sind es aktuell 2700, die sich "Ausländer 2" angehört haben.

Ausländer 2 (AUDIO ONLY) - Future - prod. by Hanto Beats

Thema: Future - Ausländer 2 (prod.by Hanto Beats) VICE - Deutschland Interview: https://www.vice.com/de/article/d3azez/future-spotify-wie-ein-deutscher-... Song Lyrics: https://genius.com/Futureyt-auslander-2-lyrics Für Covers und Remixes offen. Lied ist von mir selbst produziert.

Der Inhalt des Track ist banal. Während Future gegenüber der Vice erklärt, nervige Klischees und Vorurteile verarbeiten zu wollen, findet sich dieses Vorhaben in dem Text kaum wieder.

"Ausländer 2 heißt Ausländer rein / weil Ausländer sein ist nicht so einfach"

Die meiste Zeit rappt der Künstler Erklärungen und Ankündigungen. Zudem träumt der Rapper in seinem Text davon, dass sein Track "vielleicht in die Läden" kommt. Dabei muss er aber feststellen, dass es vor der Veröffentlichung noch etwas für ihn zu tun gibt.

"Oh nein ,ich hab kein Geld um die Beats zu kaufen / da muss ich wohl ein paar Sachen auf Ebay verkaufen"

Laut Recherchen der Vice kann sich dieses Problem des jungen Künstlers nun erstmal erledigt haben. Denn es ist nicht ausgeschlossen, dass das Geld trotz des Versehens ausgezahlt wird.

Auch in den Kommentaren unter dem YouTube-Video zu "Ausländer 2" ist der Fehler des Streaminganbieter Topthema. Dort geht es hauptsächlich belustigt und positiv zu. In einem dieser Kommentare ist sogar zu lesen, dass der YouTuber es in einer amerikanische Rap-Playlist auf Spotify geschafft habe.

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Kool Savas erklärt auf Twitter, wie man gekaufte Spotify-Streams erkennt

Kool Savas erklärt auf Twitter, wie man gekaufte Spotify-Streams erkennt

Von Till Hesterbrink am 06.09.2020 - 17:19

Kool Savas nutzte den Sonntag äußerst produktiv und gab auf Twitter allen Interessierten eine kleine Lehrstunde zum Thema gekaufte Spotify-Streams. Der King of Rap veröffentlichte seine eigenen Spotify-Zahlen und verglich seine Chartposition mit der von anderen Rappern. Er vermutet außerdem, dass Labels mit dieser Methode Geld waschen.

Kool Savas: "Jeder Künstler weiß, dass das Blödsinn ist"

Savas bot seinen Followern auf Twitter heute an, die Masche um gekaufte Streams und manipulierte Chartpositionen "analytisch und klar" zu erklären. Dieses Angebot stieß auf regen Andrang, sodass Essah seinen Worten Taten folgen ließ und weiter ausführte.

Ein deutlicher Beweis für gekaufte Streams sei wohl, dass viele Künstler, die in der ersten Woche in den Top 10 der Single-Charts landen, in der folgenden Woche gerade mal in den Top 100 vertreten sind. Ein so rasanter Abstieg sei unrealistisch.

Schaut man sich die Single-Charts der letzten Woche an, so ist der einzige Top 10 Song, der diese Woche nicht mal mehr in den Top 100 vertreten ist "Morgens pauken" von den Ärzten. Dieser Track stieg auf dem dritten Platz der Charts ein und ist nun in der Folgewoche nicht mehr vertreten.

Der legendäre Hacker Kai aus der "Y-Kollektiv"-Dokumentation über gekaufte Streams spiele bei der Manipulation allerdings keine Rolle mehr. Das Ganze fände mittlerweile auf einem größeren Level statt und mehrere Personen würden daran verdienen. Außerdem behauptet Savas, dass durch diese Aktionen Geld gewaschen würde.

Dabei lässt SAV unklar, wie genau diese Geldwäsche aussehen soll. Mit der Bezeichnung ist schließlich eigentlich gemeint, dass illegal erwirtschafteter Gewinn in den legalen Wirtschaftsmarkt eingeschläust wird. Wenn nun Labels oder Manager für einen bestimmten Betrag Streams kaufen und eben diesen Betrag dann wiederum von Spotify für die vermeintlichen Premium-Streams ausgezahlt bekommen, wurde schließlich noch kein Geld gewaschen. Viel eher handelt es sich hierbei um ein Geld-Karussell, bei welchem für die Käufer keine wirklichen Kosten entstehen.

Im Folgenden führt Kool S seine eigenen Streaming-Zahlen an und stellt infrage, wie es sein kann, dass er mit insgesamt knapp acht Millionen Streams maximal Platz 24 der Singlecharts erreicht habe. Andere Künstler hätten bloß einen Bruchteil dieser Streams und würden in den Top 10 landen. Damit legt Savas wohl nah, dass Künstler sich auf einen Schlag eine große Menge an Streams kaufen, um einmalig zu charten. In der darauffolgenden Zeit wachse die Anzahl der All-Time-Streams jedoch kaum noch, sodass die Artists am Ende trotz besserem Charteinstieg weniger Streams vorweisen können.

Wenn man die einzelnen Plattformen miteinander vergleichen würde, dann gäbe es dort ebenfalls zu signifikante Unterschiede. Wenn Künstler auf Spotify zehn Millionen Hörer hätten aber auf Apple Music bloß 50 Tausend, dann wären das "lustige Ereignisse". Savas selbst habe ein normales Verhältnis von acht Millionen Streams auf Spotify und ungefähr 500 Tausend auf Apple Music.

Der Rapper Richter meldet sich ebenfalls zu Wort und behauptet, er kenne Personen, die ein Programm für Fake-Streams entwickelt hätten. Bei diesem sei es fast nicht möglich, die gekauften Streams als Fake zu enttarnen. Die Bots hätten so etwas Ähnliches, wie eigene Persönlichkeiten.

Labels mit vielen Künstlern würden sich diese Programme angeblich auch selbst kaufen und dann eigenhändig Streams faken. Durch die ausgezahlten Tantiemen von Spotify würde so auf lange Sicht viel Gewinn gemacht.

Kool Savas: "Ihr manipuliert nicht nur eure, sondern auch die Karrieren anderer"

Der Grund für seine Erläuterungen zu dem Thema sei aber laut Savas nicht, dass ihn die Machenschaften der Streamkäufer wirtschaftlich groß treffen würden. Viel mehr ginge es ihm darum, dass es moralisch verwerflich sei, jungen und hart arbeitenden Künstlern diese Plätze wegzunehmen.

Zuletzt kündigt Savas wohl eher spaßhaft an, wahrscheinlich bald auf mysteriöse Art und Weise zu verschwinden, nachdem er die illegalen Stream-Käufe thematisiert habe.

Bleibt wohl nur zu hoffen, dass Rooz ihn vor der Klick-Mafia erwischt.


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