Streetart-Künstlerin Barbara wirft Facebook & Instagram "willkürliche Zensur" vor

Auch wer sie nicht abonniert hat, wird in seinem Facebook-Feed schon auf Werke von Barbara gestoßen sein. Die Streetart-Künstlerin interagiert mit dem öffentlichen Raum, um positive, lustige und nicht selten auch politische Botschaften zu verbreiten. Oft geht sie (oder er – wer weiß das schon) mit ihren Beiträgen viral – so auch jetzt.

Gestern meldete Barbara sich erstmals im neuen Jahr zu Wort und kritisierte das Vorgehen von Facebook und Instagram gegen einige ihrer Bilder in der letzten Zeit:

In den letzten Wochen haben Facebook und Instagram zahlreiche Beiträge von mir gelöscht, weil sie angeblich gegen die Gemeinschaftsstandards verstoßen. Dabei wurde mir gedroht, dass mein Account gelöscht wird, wenn das nochmal passiert. Es waren (aus meiner Sicht) völlig harmlose Beiträge, die sich gegen rechtsradikale Schmierereien und diskriminierende Schilderbotschaften gerichtet haben, ihr kennt meine Arbeit.

Das Problem scheint das Netzdurchsetzungsgesetz (NetzDG) zu sein, das im vergangenen Jahr beschlossen wurde und zum 1. Oktober in Kraft getreten ist. 2018 wird es jetzt ernst, unter anderem da der neue Halbjahresbericht erstmals für die Zeit von Januar bis einschließlich Juni fällig wird. Problematische Beiträge müssen zudem in der Regel innerhalb von 24 Stunden gelöscht werden. Eigentlich hatte das Gesetz es wohl als Ziel, Hass und Diskriminierung im Netz einzuschränken. Der Schuss könnte aber gehörig nach hinten losgehen.

Privatfirmen seien für das Löschen der Beiträge verantwortlich, kritisiert Barbara. Wenn nun Beiträge irgendwo in einer Grauzone zwischen Hass und Meinung oder Meinung und kontroverser Satire liegen, wird unter Umständen im Zweifel gegen den Beitrag entschieden. Was weg ist, kann keine Probleme machen – so könnte man sich die Vorgabe vorstellen. Ein Blick auf die gelöschten Bilder von Barbara zeigt, wie viel Arbeit man hier noch vor sich hat, um ein gut funktionierendes System zu etablieren:

Oder die Leute sind mit der Funktionsweise des Systems zufrieden und die (Meinungs)Freiheit in den sozialen Medien wird massive Schäden erleiden. Das befürchtet auch Barbara:

Ich habe ständig versucht dem Hass im Internet mit meinen Botschaften etwas entgegenzusetzen, habe dafür super viel positives Feedback bekommen, nicht zuletzt sogar den Grimme online Award. Dass ich jetzt von den Plattformen Facebook und Instagram dafür abgestraft werde, fühlt sich schrecklich und unwürdig an. Ich liebe die Freiheit und kann auf Dauer nur dort agieren, wo ich sie leben kann. Facebook war mal so ein Ort und ich werde genau hinschauen in welche Richtung sich das alles entwickelt.

Es drängt sich die Frage auf, ob man wirklich auf diese Freiheit verzichten will, um weniger Schwachsinn von Leuten zu lesen, deren Gedankengut aus einer traurigen Zeit in einem anderen Jahrhundert stammt. Hält unsere Gesellschaft ein paar (laute) Idioten nicht aus? Würde es nicht reichen, bestehende Gesetze konsequenter auch auf soziale Medien anzuwenden?

Immerhin wurden zwei der gelöschten Beiträge wieder online gestellt, schreibt Barbara auf Facebook. Das sei "ein Zeichen des Entgegenkommens, wenn auch wieder ohne Begründung". Der Kaktus und der fiktive Aufruf zum Flashmob bleiben aber vorerst offline. Im Chat auf Facebook erläutert die Künstlerin uns gegenüber zusätzlich zu ihrem öffentlichen Statement:

Mir ist bewusst, dass auf einem Schild das Wort Ar....och steht, aber es richtet sich nicht gegen eine greifbare Person, es soll auch zeigen, dass die "Gutmenschen", die nur "singen und klatschen" können, durchaus in der Lage sind mal etwas härter zu kontern. Falls aber dieses Wort der Grund für die Löschung war, dann dürfte auch zum Beispiel der Song "Schrei nach Liebe" von den Ärzten nicht mehr auf Facebook erscheinen.

Zensur im Internet ist ein Thema, das noch relativ jung ist, uns aber in Zukunft immer mehr beschäftigen wird. Wie stehst du dazu? Richtiger Ansatz, falsch umgesetzt? Schwachsinniger Ansatz? Was wären Alternativen zum rigorosen Löschen problematischer Beiträge?

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Kommentare

Liebe Barbara, fang doch bitte schon an zu tanzen, der Rest deiner Klasse kommt dann gleich. LG Dein Waldorflehrer

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Troll-Battle auf Instagram: 50 Cent & French Montana schenken sich nichts

Troll-Battle auf Instagram: 50 Cent & French Montana schenken sich nichts

Von Michael Rubach am 05.01.2020 - 15:38

Es ist nichts Neues, dass sich 50 Cent in Rambo-Manier durch den Social-Media-Dschungel bewegt. Mit French Montana ist er nun allerdings auf einen Kontrahenten gestoßen, der mit ebenso harten Bandagen kämpft. Beide New Yorker Rapstars trollen sich seit Ende 2019 auf Instagram. Dabei haben die gewählten Angriffspunkte gewissen Wiedererkennungswert: Gekaufte Streams, Bild-Montagen und Luxusgüter sind unter anderem Teil der Auseinandersetzung. Hier folgt nun eine knappe Chronologie der Ereignisse.

50 Cent, French Montana & der Bugatti

Es beginnt damit, dass sich 50 Cent zu Weihnachten selbst reich beschenkt. Er gönnt sich einen Bugatti Chiron. Auch French Montana hat sich nach einem zweiwöchigen Aufenthalt im Krankenhaus ein wenig Luxus verordnet – ebenfalls in Form eines Bugattis. Kostenpunkt: 1,5 Millionen Dollar.

Nun beginnt Fiddys Trollerei. Auf Instagram postet er ein Bild (inzwischen gelöscht), das ihn im Krankenhaus umringt von Stofftieren zeigt. Dazu schreibt er sinngemäß, dass ihn diese Leute krank machen würden, die sich 2010er Bugatti-Modelle kaufen. Man solle den Dreck doch direkt zurück auf den Truck laden.

Damit auch ja nicht angezweifelt werden kann, dass sich 50 Cent mit seinem Post auf French Montanas Neuerwerbung bezieht, packt er in die Galerie noch ein Foto des Rappers mit dessen frisch erstandenen Sportwagen.

French Montana zieht Eminem in den Konflikt hinein

Schnell sind Montana und Fifty dazu übergegangen, sich nicht mit ihren korrekten Künstlernamen anzusprechen. Fiddy schießt seine Spitzen, in dem er oft Wrench verwendet. Sein Kontrahent nimmt die kurzzeitige Nähe von 50 Cent zu 6ix9ine zum Anlass, um den Buddy von Eminem als 59 zu betiteln. Auch Ratten-Emojis haben Hochkonjunktur.

Apropos Eminem: French Montana schlägt nach dem Bugatti-Front mit der Power von Bildbearbeitung zurück. Er postet ein Foto, auf dem wohl ursprünglich 50 Cent und Ex-Pussycat-Doll Nicole Scherzinger in Nahkontakt zu sehen sind. Nun tauchen dort zwei Männer auf, die Eminem und 50 Cent ähneln und sich küssen. Warum man so eine Montage 2020 benutzt, um in einem Beef zu punkten, bleibt rätselhaft. Es sagt vermutlich weitaus mehr über French Montanas Weltbild aus, als ihm lieb sein kann.

In seiner Insta-Story zelebriert French Montana kurzzeitig sogar seinen Sieg im ausgiebigen Instagram-Mobbing. Er rappt 50 Cents Verse von "How We Do" und zeigt sich überzeugt von seinem Triumph.



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#frenchmontana playing #50cent

Ein Beitrag geteilt von DJ Akademiks (@akadmiks) am

Kaufte 50 Cent Fake Streams, um French Montana bloßzustellen?

Wer 50 Cents Social Media Game in den letzten Jahren verfolgt hat, der weiß, dass diese Sache noch nicht am Ende angelangt ist. Nachdem Meldungen die Runde machen, die French Montanas Song "Writing On The Wall" in Verbindung zu gekauften Streams bringen, repostet Fifty eifrig diese Schlagzeilen.

Der Track, der Post Malone und Cardi B als Feature-Gäste auffährt, konnte um die Weihnachtszeit einen enormen Zuwachs an Spotify-Streams verzeichnen. Bei Apple sei so ein Anstieg jedoch nicht der Fall gewesen. Das macht die Internetgemeinde misstrauisch. Einige Twitter-User berichten davon, dass ihr Spotify-Account gehackt worden sei und dann Musik von French Montana abgespielt wurde.

karl on Twitter

so i decided to search on twitter to see if anyone was actually listening to the song since its popular on tiktok and i found some very interesting tweets of people saying their spotify was hacked and it was playing...french montana.

French Montana, der seinen Gegner inzwischen auch gerne als "Dinosaurier" bezeichnet, verdächtigt im Gegenzug Fiddy für solche illegalen Streams verantwortlich zu sein. Laut seiner Recherche findet sich der Ursprung der ungewöhnlichen Zahlen in New York. Er habe das gecheckt.

"Du kaufst Fake Streams für meinen Song und versuchst das gegen mich zu verwenden. Wow. Du bist so verzweifelt."

Dass 50 Cent durchaus bereit ist, für sein eigenes Troll-Vergnügen zu investieren, weiß Ja Rule. 2018 kaufte 50 Cent 200 Tickets für die ersten Reihen eines Konzerts seines Gegenspielers – nur um zu verhindern, dass diese Plätze besetzt werden.

Die Kunst des Trollens: Wie ein Ja-Rule-Konzert zu 50 Cents Meisterstück werden könnte

Der Streit von Ja Rule und 50 Cent dauert inzwischen fast zwei Jahrzehnte. Was früher noch mit Tracks und zum Teil auch körperlich ausgetragen wurde, lässt sich heute am Display regeln. 50 Cents neuester Streich ist dabei ein Paradebeispiel für Trolling. Dieses Mal könnte Fiddys Aktion sogar Konsequenzen in der Wirklichkeit nach sich ziehen.

Zurück zum gegenwärtigen Beef: Die Instagram-Accounts von 50 Cent und French Montana sind voller weiterer Provokationen und Behauptungen. Wenn man sich die Frequenz anschaut, mit der die Parteien gegeneinander schießen, macht es vorerst nicht den Eindruck, als würde dort demnächst Ruhe einkehren. Der öffentlich ausgetragene Streit hat aber natürlich auch einen nicht zu verachtenden Promo-Effekt, den die Protagonisten sicherlich gerne mitnehmen.

So sind zwischen 50 Cents Attacken immer wieder Hinweise auf die finale Staffel seiner Serie "Power" eingebaut. French Montana präsentiert seinerseits neue Songskizzen. Sein Album "Montana" ist zudem noch ziemlich aktuell. Es erschien erst Anfang Dezember.

French Montana - Montana

French Montana - Montana - Am 6 Dezember, 2019 - 00:00 erscheint French Montana - Montana. French Montana releast am 6. Dezember sein drittes Studioalbum "Montana". Features kommen unter anderem von Gunna, Travis Scott, Asap Rocky, Cardi B, Post Malone, Drake und mehr.


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