Vor einigen Tagen hatte MC Rene einen kritischen Post zum splash! Festival auf Instagram veröffentlicht und damit für reichlich Diskussion in der Szene gesorgt. Dabei gab es viel Gegenwind – aber auch Zuspruch. Nun reagiert der Künstler mit einem zweiten Beitrag auf die Ereignisse der letzten Tage und stellt dabei klar: "Splash war nie das eigentliche Thema."
Neues Statement: MC Rene kritisiert den aktuellen Stand von Hiphop
Während sich sein erster Post noch konkret auf das splash! Festival bezog, richtet MC Rene seinen Fokus nun auf die Szene insgesamt. Dabei schreibt er, dass das Festival in seinem ursprünglichen Kommentar lediglich als Beispiel fungiert hätte – dafür, was passiert, wenn "Kunst nur noch Content" ist. Die rege Diskussion rund um seinen Post sieht er selbst als "Erschüttern von Komfortzonen".
In seiner Reaktion auf die vergangenen Tage formuliert MC Rene eine zentrale These: Moderner Hiphop ist größtenteils Pop, der lediglich als Hiphop vermarktet wird. Er spricht von einem "systematischen Etikettenschwindel." Zur Untermauerung dieser These verweist er auf den Zuspruch, den er von einigen Rappern erhalten hat. Rene behauptet, ein "wichtiger deutscher Hiphop-Künstler" hätte ihm Folgendes geschrieben: "Sie sehen sich ja selber gar nicht als Hiphop. Sie wollen gar nichts mit Hiphop zu tun haben. Für sie spielt es keine Rolle."
Er wirft der Szene vor, Komplizen in einem "Theater" zu sein, bei dem Dance-Pop auf Hiphop-Festivals stattfinde und Labels gezielt Casting-Produkte erschaffen würden.
Der 48-Jährige äußert sich auch zu einigen Kritikpunkten gegen ihn. Er schreibt, dass es "keine echten Gegenargumente" gegeben hätte. Aussagen wie "Du warst nicht da" interpretiert er als Versuch, ihn zu diskreditieren. Dass er in seinem ersten Post einen großen Teil des Line Ups ignoriert und Künstler mit weniger poppigen Sound gar nicht erst erwähnt hatte, thematisiert er nicht weiter. Des Weiteren bemängelt er die Kommentare zu seinem Alter und schreibt dabei, dass man ihn deshalb weniger ernst nehme. Dass Szene-Insider ihn kritisieren, läge außerdem daran, dass sie "im System gefangen" seien.
Für ihn ist die ganze Sache klar: In Deutschland habe der Hiphop von heute nichts mit der "Kultur zu tun, die in den 90ern" entstand. Aber: Er störe sich gar nicht an Artists wie beispielsweise Apache 207 oder Shirin David, die er beide als Popkünstler mit Rap-Elementen sieht. Seine Kritik liegt vor allem darin, dass diese Musik ebenfalls als Hiphop betitelt werde. Er fordert eine stärkere Differenzierung: Hiphop dürfe gern wieder eine Nischenkultur sein – die großen Hallen könne dann der Pop-Rap füllen.
Übrigens räumt MC Rene in seinem Statement ein, dass es auch Künstler mit Substanz gäbe wie OG Keemo. Die seien aber eine Ausnahme. Für ihn ist klar: "Echter Rap" bringt weniger Klicks:
MC Renes Statement zum Status der Hiphop-Kultur
Auffällig ist, dass MC Rene in seinem Statement fast ausschließlich etablierte Künstler erwähnt – etwa Shirin David oder OG Keemo. Erfolgreiche Newcomer wie Lacazette oder Mucco, die mit Straßenrap eine große junge Hörerschaft ansprechen, bleiben unerwähnt. Es wirkt, als setze sich MC Rene nicht besonders tiefgehend mit den aktuellen Entwicklungen im deutschen Rap auseinander.
Auch geht MC Rene nicht darauf ein, dass das splash! - und Deutschrap als Ganzes - in Vergangenheit andere, systematische Probleme hatte, darunter Diskriminierung und fehlende Diversität. Diese Kritik wurde unter anderem von Aria Nejati angebracht.
Was darf sich noch Hiphop nennen? ist eine Frage, die seit Jahrzehnten immer wieder aufkommt. Vielleicht auch, weil Dinge mischen und remixen elementarer Bestandteil von Hiphop ist. Die Grenzen sind nicht klar definiert. Was man MC Rene zugutehalten muss: Es stimmt, dass Deutschrap schon lange im Mainstream angekommen ist, diesen beeinflusst und sich auch Szene-Outsider an den Elementen von Rap bedienen. Gleichzeitig ist die hiesige Szene so divers, kreativ und offen für neue Ideen wie noch lange nicht mehr. Und wer weiß, vielleicht begeistern die Shirin Davids und die Apaches dieser Welt den einen oder anderen Pop-Hörer ja für etwas härteren Rap.
Hier könnt ihr das erste Statement von MC Rene und die Reaktionen dazu nachlesen:
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