Wer Sierra Kidds Karriere schon seit den frühesten Stunden verfolgt, erinnert sich womöglich auch noch an eine Zeit, in der er sein Gesicht nicht öffentlich gezeigt hat. Das Mysterium um den damals noch aufstrebenden Newcomer hielt jedoch nicht allzu lange an. Anfang 2014 wurde sein Gesicht bei den RTL 2 News zur besten Sendezeit um 20 Uhr völlig ungefragt geleakt. Wie kann so etwas passieren? Und wie hat er sich damit gefühlt? In einem neuen Interview mit Deutschrap Plus blickt Kidd auf diese Aktion zurück.
So hat Sierra Kidd auf den Leak im RTL 2-Beitrag reagiert
Zunächst gibt Sierra Kidd dem Interviewer Props dafür, dass er sich überhaupt an den berüchtigten Gesichts-Leak erinnern würde. Denn "heute juckt das niemanden mehr", dass der TeamFuckSleep-Gründer einst ein Geheimnis um seine Identität machte. Im Jahre 2013, als er bei RAF Camoras Label Indipendenza unter Vertrag genommen wurde und auf seine erste EP "Kopfvilla" hinarbeitete, zeigte er sich der Öffentlichkeit ausschließlich mit seiner schützend vors Gesicht gehaltenen Hand.
Zusammen mit seinen damaligen Managern Ronny Boldt und Hadi El-Dor habe Kidd seinerzeit die (wenn auch nicht in Stein gemeißelte) Idee gefasst, sein Gesicht im Alter von 18 Jahren zu enthüllen – also frühestens im September 2014. Wären ihm die RTL 2 News da nicht zuvorgekommen.
Die Nachrichtensendung hat ihn damals für ein Interview angefragt. Dafür sei ein Kamerateam zu ihm gefahren und hätte einen ganzen Beitrag auf solch eine Weise abgedreht, dass man ihn nicht erkennen könne. Zusammen mit seinen beiden Managern habe der damals 17-Jährige die einiges verändernde Sendung am 2. Januar 2014 in einem Hotelzimmer geschaut.
"Und auf einmal geht der [Beitrag] in so 'ne komische Richtung."
Völlig unerwartet wurde im Zuge des Interviews, das vermeintlich mit Achtung seiner Privatsphäre abgedreht worden war, Sierra Kidds Gesicht geleakt. Zu dem Zeitpunkt habe er gedacht, dass die Welt für ihn untergehe. Entgegen des Ratschlags von Hadi sei Kidd aus dem Hotelzimmer gegangen, um durch Berlin zu laufen. Dabei hätte er sich viele Gedanken gemacht. Er habe befürchtet, dass seine Karriere nun vorbei sein könne. Seine Identität geheim zu halten, sei bis dato schließlich sein "ganzes Gimmick" gewesen.
Am Tag nach der Sendung hat Sierra Kidd das Ruder selbst in die Hand genommen und kurzerhand einen Post mit seinem Gesicht abgesetzt. Er habe "halt einfach eh' keinen Bock mehr auf das Versteckspiel" gehabt, schrieb er damals dazu. Indipendenza-Gründer RAF Camora veröffentlichte am selben Abend ein Video-Statement zu der Thematik – online ist jedoch nur noch die dazugehörige Ankündigung auffindbar.
Insbesondere der Vorwurf, dass all das ein bewusster Promomove gewesen sei, hielt sich zu der Zeit hartnäckig. Von außen würde man vielleicht denken, dass hinter den Kulissen alles professionell und geplant ablaufen würde, so Sierra Kidd in dem neuen Interview. Spätestens dort sei ihm jedoch bewusst geworden, dass das "überhaupt nicht" der Fall sei.
Aber warum haben die RTL 2 News das Gesicht von Sierra Kidd ungefragt gezeigt?
"Wir wissen's bis heute nicht", sagt Sierra Kidd. Seine Mutter hätte damals sogar mit dem Sender telefoniert – dort habe man sich bei ihr entschuldigt. Eine Erklärung habe aber auch sie nicht bekommen. Später habe Kidd gerätselt, ob das Interview eigentlich nur ein Vorwand gewesen sei, um sein Gesicht mit den Fotos, die der Redaktion wohl schon vorlagen, abzugleichen.
Auf Facebook hatte die Redaktion der RTL 2 News nach Ausstrahlung des Beitrags mit negativen Kommentaren zu kämpfen. Die damalige Rechtfertigung: Sierra Kidds Identität hätte man auch damals schon binnen weniger Minuten im Internet herausfinden können. Denn vor seinem Durchbruch war er noch unter dem Künstlernamen Zwille aktiv und verhüllte sein Gesicht noch nicht. Plus: "Er kann ja nicht ewig hinter 'ner Wand stehen." Als Support auf RAFs Tour hat Kidd zu der Zeit hinter einem Vorhang performt.
Heute kann der Künstler mit einem Lächeln auf die Geschichte zurückblicken. Auch wenn es damals für ihn sehr schwierig gewesen sei, findet er die Story mittlerweile "eigentlich ganz lustig" – und auf irgendeine Art und Weise auch "cool". Denn dadurch, dass sein Gesicht im linearen Fernsehen geleakt wurde, könne man seinem jüngeren Ich eine gewisse Relevanz ja nicht absprechen.
Hier kannst du dir das gesamte Interview anschauen. Ab Minute 35:10 geht es um die Geschichte:
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