Shirin David "würde definitiv in die Politik gehen"
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Shirin David ist gerade stark damit beschäftigt, eine Hit-Single nach der anderen aus ihrem kommenden Album "Bitches Brauchen Rap" zu veröffentlichen. In den viralen Songs äußert sie sich zu verschiedensten Themen, sei es Feminismus, Politik oder die Stellung der Frau ganz allgemein im deutschen Rap. Damit polarisiert sie natürlich ungemein.

Mit dem Spiegel hat sie sich für ein Interview getroffen und über ebendiese Themen gesprochen. Ihr Urteil: "Im Deutschrap herrscht ein strukturelles Problem."

Shirin David erklärt, was "Ultrafeminin" sein mit Feminismus zu tun hat

Zu Beginn des Gesprächs nimmt sich Shirin (jetzt auf Apple Music streamen) dem Thema Feminismus an. Sie erklärt dabei unter anderem ihre bekannte Line "Feminin as f*ck, meine nicht Alice Schwarzer" aus dem Track "Babsi Bars" und erläutert ihren Interview-Partnern, was es mit Alice Schwarzer auf sich hat.  

"Dass es Feministinnen wie Alice Schwarzer gab, ist wichtig. Sie waren Vorreiterinnen [...]. Früher, zu Schwarzers Zeiten, verbanden die Leute Feminismus mit Frauen im Rollkragenpullover, die kein Gramm Schminke trugen. [...] Durch so einen Feminismus werden Frauen wie ich ausgeschlossen."

Shirin selbst steht für einen inklusiven Feminismus ein, der "Schwarze Frauen, behinderte Frauen oder auch Sexarbeiterinnen" miteinbeziehen. Auch sei das "Ultrafeminine" ihrer Ansicht nach Teil vom Feminismus. Damit meint sie Frauen, die nach außen hin dem Klischee einer Frau entsprechen, also stark geschminkt sind, sich weiblich kleiden und sich für diese Dinge auch verstärkt interessieren. Auch diese können Feministinnen sein und für die Frauenbewegung einstehen. Auch wenn der Feminismus von Alice Schwarzer sie ausschließen würde.

Ähnlich läuft es auch im Rap, wo Frauen wie "Lil Kim" - so erklärt sie - es schwieriger haben als eine "Missy Elliott", akzeptiert zu werden. 

"Rap ist maskulin, und wir sind feminin. Und das ist genau das, wogegen ich ankämpfe: Du musst nicht rappen und dich kleiden wie ein Mann, damit du dich als Rapperin bezeichnen kannst."

Shirin David sagt ihre Meinung zu Angela Merkel

Ihre eigenen Vorbilder seien Influencerinnen und Aktivistinnen. Heutzutage müsse man nicht nur eins sein. Man könne seinen Feminismus auch neben dem eigentlichen Job leben und verbreiten. Auch die "Jungs" um sie herum müsse sie Feministen nennen können. 

Im Laufe des Spiegel-Interviews spricht Shirin über einige sehr bekannte Frauen. Darunter auch Angela Merkel, die, wie sie findet, nichts für den Feminismus getan hat. Sie habe "niemals öffentlich gegen Dinge gekämpft, die ihr als Frau ganz sicher passiert sind". 

Für Politik ganz allgemein interessiere sich Shirin seit etwa zwei Jahren. Bei der jüngsten Bundestagswahl sei sie "richtig am Start gewesen". Auf die Nachfrage hin, ob sie sich selbst vorstellen könne in die Politik zu gehen, erklärt sie: "Wenn ich so weit bin, dann definitiv".

Shirin David erklärt, wieso B*tch keine Beleidigung ist

Die Rapperin erläutert außerdem, weshalb das Wort "B*tch", wenn sie es nutzt, kein Schimpfwort ist. 

"Wenn ich das Wort benutze, ist das der Versuch, sich einen Begriff zurückholen, der von anderen Leuten als Schimpfwort benutzt wird, um Frauen zu diffamieren, auch Reappropriation genannt."

In dem Kontext geht sie auch auf den Titel ihres Albums "Bitches Brauchen Rap" ein: "Weil wir eine Stimme brauchen. Und Rap ist für mich die stärkste, die lauteste, die aggressivste Stimme in der Musik."

Im Interview wird auch das Thema Deutschrap MeToo angesprochen. Shirin David war bekanntlich eine der Ersten, die sich unterstützend auf Nika Iranis Seite stellten, nachdem diese die Missbrauchsvorwürfe gegen Samra öffentlich machte.

Auch jetzt steht sie noch zu dem, was sie damals sagte: "Ich werde jedem mutmaßlichen Opfer einer Vergewaltigung immer glauben. Grundsätzlich ist es für Frauen sehr schwer, darüber zu sprechen. Wieso kennen wir alle eine Frau, die schon sexuell belästigt wurde, aber wir kennen keine Täter? Es muss darüber gesprochen werden, dass Frauen noch als weniger wert und nicht als gleich behandelt werden."

Zu der Frage vom Spiegel, ob Deutschrap an sich ein Frauenproblem hat, erklärt sie: "Ja, es herrscht ein strukturelles Problem, aber es verändert sich auch was." 

Sexismus jedenfalls sei ein gesellschaftliches Problem. Frauen hätten es laut Shirin auch in "Firmen und Abteilungen" schwer. Weil Rap so plakativ ist, sei es hier auffälliger als anderswo. 

"Deutschrap spiegelt auch das wider, was die Gesellschaft vorlebt."

Shirin David über Depressionen: "es kann eigentlich nichts Anderes sein"

Am Ende des Interview gibt Shirin noch einen Einblick in ihre mentale Gesundheit. So erklärt die Künstlerin, dass sie sich zwar noch nicht diagnostizieren lassen habe, es aber nichts anderes sein könne als Depressionen:

"[S]o krass wie ich dann abstürze, kann es eigentlich nichts Anderes sein"

Bei Frauen würde man Verstimmungen ohnehin auf andere Dinge schieben und sie nicht als das akzeptieren was sie sind, nämlich Depressionen. An Tagen, in denen sie sich depressiv fühle, "mache [sie] zuhause die Jalousien runter und die Klingel aus". Sie schaut sich dann "Avatar – Der Herr der Elemente", eine aus ihrer Sicht "sehr europäisierte Anime-Serie" oder "Sex and the City" an. 

Neue Serien würde sie nicht anfangen, weil sie sensibel sei und es "triggern" könne, wenn sie neue Serien guckt, weil sie nicht weiß, was als Nächstes passiert. Deshalb verlasse sie sich auf Comfort-Serien. 

Zahlreiche in dem Interview angesprochene Themen greift Shirin in ihrem Song Babsi Bars auf. Hört ihn Euch hier an: 

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