Shindy im Interview: Features, AK Ausserkontrolle & Einflüsse auf "Drama"

Zum ersten Mal seit der Trennung von Bushido hat Shindy diesen Dienstagabend live ein Interview gegeben. Bei BigFM präsentierte er nicht nur seinen neuen musikalischen Vorgeschmack "Road2Goat" für sein Album "Drama", sondern sprach mit Moderator Reece auch erstmals über einige interessante Themen.

Die Pause seit 2017 habe er "nonstop" kreativ genutzt, und nicht für Urlaub. Nachdem das eigene Studio in Bietigheim-Bissingen fertig gebaut war, sollen die Arbeiten für "Drama" begonnen haben:

"Ich bin [...] mit dem ganzen Aufmerksamkeitsentzug eigentlich relativ gut zurecht gekommen. Aber das brennt schon ein bisschen in der Seele, wenn man Songs so lange herumliegen hat. [...] Die ersten drei, vier Monate habe ich erst einmal damit verbracht, ein eigenes Studio zu bauen – als das erledigt war, ging es eigentlich schon direkt am nächsten Tag mit den Arbeiten an neuen Songs und einem neuen Album los. Falls die Leute also denken, ich bin irgendwo auf den Malediven rumgesessen – das hätte ich zwar schon gerne gemacht, dem war aber nicht so."

Seinem Team um Nico Chiara und OZ sprach er schon vor einigen Tagen einen ausdrücklichen Dank auf Instagram aus. Im Interview betont Shindy nochmal, wie sehr ihm das eigene Studio in seiner Heimat geholfen haben soll, seine Vision zu verwirklichen:

"In Berlin hatte ich auch Leute, mit denen ich gern zusammengearbeitet habe, aber jetzt ist es etwas ganz anderes. Ich habe meine eigenen Uhrzeiten, suche meine Leute selber aus und wir sind einfach unabhängig. Wir können vier Wochen an einem einzigen Track arbeiten, wenn wir das möchten. [...] Der Mensch ist ein Gewohnheitstier und ich habe mir das Ganze hier aufgebaut und weiß ganz genau, wie ich wo stehen muss, wie meine Stimme gemischt werden muss und so weiter, damit am Ende alles so klingt, wie es ganz am Anfang in meiner Vision stattfindet. [...] Unser Anspruch ist dieses Mal aber, alle Erwartungen zu übertreffen, weshalb wir wahrscheinlich bis zur letzten Sekunde daran arbeiten werden."

AK Ausserkontrolle als einziges Feature?

Gäste gibt es bisher scheinbar nicht auf dem Album. Ausgeschlossen seien Features nicht, Shindy scheint jedoch nicht auf der Jagd danach zu sein. Lediglich AK Ausserkontrolle wurde vom Schwaben namentlich erwähnt. Mit ihm soll bereits ein Song stehen, der aus vertraglichen Gründen nie erschienen sein soll:

"Bis dato gibt es vielleicht noch gar kein Feature. Vielleicht wird es auch ein straightes Shindy-Soloalbum – man weiß es noch nicht. [...] Ich muss gestehen, ich gebe relativ ungern einen Verse her – da müsste schon eine Geschichte dahinter stecken. Meistens lade ich die Leute aber einfach zu mir [ins Studio] ein. [...] Aber wenn jemand etwas machen möchte und ich auch Bock habe, sind alle herzlich eingeladen. AK Ausserkontrolle war zwei, drei Mal hier – wir haben auch einen nicen Song gemacht, der jedoch leider nicht releast wurde, weil ich da noch in Vertragsschwierigkeiten steckte - wir holen das aber auf jeden Fall nach!"

Was "Drama" von Deutschrap unterscheidet

Das Album soll, wie bereits in der Reportage im BOA Magazin angedeutet, viele Elemente verarbeiten, die amerikanischen Hiphop um die Jahrtausendwende ausmachten. Shindy nennt zwei bestimmte Künstler und ein Vorhaben. Deutschrap habe ihn trotz großer Erfolge eher weniger beeinflusst:

"Hierzulande habe ich leider nicht viel gefunden, was mich inspiriert oder bewegt hat. [...] Ich schaue aber nicht nur über den Ozean, sondern auch in der Zeit zurück: Ich bin mit Fabolous und Mase aufgewachsen – zwei meiner absoluten Lieblingsrapper. [...] Meine neuen Sachen sind stark davon inspiriert. [...] [Woran ich mich orientiert habe, ist] definitiv der Anfang der 2000er, vielleicht bis 2003 – alles, was ein bisschen mehr fancy ist als das, was in Deutschland sonst gang und gäbe ist. [...] Ich finde es auch wichtig, dass man mit den Kids die [Rap-]Geschichte etwas aufarbeitet. [...] Ich habe 1998, 1999 angefangen, Rap zu hören und war so davon verzaubert und so darin vertieft, dass ich mir nachträglich noch einmal alles selbst angehört habe, um zu verstehen, woher das alles kommt und warum die Dinge jetzt so sind wie sie sind. Ich finde, dass das bei den Kids in Zeiten von Streaming und Co. leider etwas verloren gegangen ist."

Für die wahnsinnig hohe Releasetaktung von Rappern wie Capital Bra, Azet, Zuna und vielen anderen hat Shindy positive Worte. Für ihn selbst sei das allerdings keine passende Strategie.

"Meine Arbeitsweise ist aber eigentlich völlig konträr dazu – wie gesagt, wir arbeiten teilweise vier Wochen an einem einzigen Song. Da ist es dann einfach nicht möglich, jede Woche einen neuen Track zu droppen. Das sollen andere Leute machen – ich feiere das auch, es unterhält die Leute, aber es ist nicht mein Ding. [...] Ich finde auch, dieser Blockbuster-Charakter geht dadurch verloren: Dieser große Moment, wenn die Single oder das Album kommt. Ich bin absoluter Fan dieser Magie."

In der Nacht von Donnerstag auf Freitag soll bei BigFM die Videopremiere zum Song "Road2Goat" erscheinen, der einen berühmten Whitney-Houston-Song samplet. Das gesamte schriftliche Interview gibt es bei den Kollegen von BigFM zum Durchlesen:

Shindy im exklusiven bigFM-Interview über „Drama", große Pause & mehr

Nach zwei Jahren Öffentlichkeits-Abstinenz ist Shindy endlich zurück und spricht im exklusiven bigFM-Deutschrap-rasiert-Interview mit Reece erstmals über sein neues Album „Drama" und vieles mehr. Shindy im exklusiven bigFM-Interview Über 1,9 Millionen Streams innerhalb 24 Stunden - mit seiner Single „DODI" gelang Shindy im Januar nach zwei Jahren Funkstille ein grandioses Comeback.

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Bushido sorgt mit Aussagen über Samra, Shindy & Arafat für Verwirrung vor Gericht

Bushido sorgt mit Aussagen über Samra, Shindy & Arafat für Verwirrung vor Gericht

Von David Molke am 09.02.2021 - 18:33

Bushido und sein ehemaliger Geschäftspartner Arafat Abou-Chaker stehen sich immer noch vor Gericht gegenüber. Dabei gab es am mittlerweile schon 22. Verhandlungstag gestern offenbar jede Menge Verwirrung wegen verschiedener Aussagen zu Shindy oder Samra und ein bisschen allgemeine Belustigung, weil Bushido den neuesten eigenen Track lieber nicht vor Gericht hören wollte.

Bushido und Arafat verhandeln immer noch vor Gericht

Darum geht's: Seit einer kleinen Ewigkeit dauert der juristische Konflikt zwischen Arafat und Bushido nun schon an. In erster Linie dreht sich die Verhandlung um die Künstlerverträge der Rapper, die beim gemeinsamen Label der beiden Geschäftsmänner unter Vertrag standen. Genauer gesagt: Um Shindy, Samra, Laas Unltd, Ali Bumaye und AK Ausserkontrolle.

Angeblich soll Arafat hohe Millionen-Beträge von Bushido gefordert haben, weil der die Geschäftsbeziehung auflösen wollte. Arafat Abou-Chaker habe das nicht hinnehmen wollen und soll laut Bushido auch zu härteren Maßnahmen gegriffen haben. Bushido klagt an, er sei von Arafat und dessen Brüdern bedroht worden. Sie sollen ihn sogar festgehalten und angegriffen haben.

Um Shindy und Laas Unltd sowie Ali Bumaye ging es bei bisherigen Prozesstagen schon öfter. Mehr dazu findet ihr unter anderem hier:

Bushido vor Gericht: Shindy soll von Arafat Abou-Chaker bedroht worden sein

21. Prozesstag: Bushido saß zum 15. Mal im Zeugenstand, um vor dem Berliner Landgericht gegen Arafat Abou-Chaker auszusagen...

Bushido-Doku "Unzensiert": Einer der Verteidiger von Arafat soll gefordert haben, die angekündigte Bushido-Doku "Unzensiert" bereits vor Veröffentlichung ansehen zu dürfen. Laut Watson habe die Staatsanwältin das sehr skeptisch gesehen. Was aus dem Antrag geworden ist, bleibt im Bericht aber leider unklar.

Große Verwirrung rund um Aussagen Bushidos über Samra & Shindy

Samras Vertrags-Auflösung: Bushido hat einer Vertragsauflösung von Samra zugestimmt. Obwohl dieser der zweiterfolgreichste Rapper des Labels hätte werden sollen. Vier Alben seien im Vertrag festgelegt worden, von denen letztlich keines erschienen ist. Das sorgte wohl für Verwunderung bei der Verteidigung, die Bushido fragt, wieso er der Vertragsauflösung ohne große Umschweife und recht zügig zugestimmt habe.

"Geld ist nicht alles": Laut Bushido könne kein Künstler dazu gezwungen werden, Musik zu machen, wenn der nicht wolle. Geld sei außerdem nicht alles – eine Aussage, die ebenfalls für einiges an Überraschung unter den Anwesenden gesorgt haben soll.

Auch die von Bushido selbst offenbar so eingestandene Tatsache, dass er Samra über Arafat kennengelernt habe, sorgte für Verwirrung. Immerhin habe Bushido ansonsten eher davon gesprochen, dass Arafat keinen allzu großen Einfluss auf die musikalischen Geschicke des Labels gehabt hätte.

Nur ein "Soldat"? Bushido erklärt stattdessen wohl, dass es Arafat bei Samra nur darum gegangen sei, einen Gegenpol zu Kollegah und Farid Bang in Stellung bringen zu können. Bushido drückt das vor Gericht offenbar so aus:

"Es ging Arafat nur darum, einen Soldaten zu rekrutieren, den er gegen Farid Bang und Kollegah schicken konnte."

Bushido packt vor Gericht über Schwarzgeld & "Mafiafilme" aus

Bevor Bushido aus dem Zeugenstand heraus erzählt, wie er von seinem ehemaligen Geschäftspartner womöglich beleidigt, bedroht, eingesperrt und angegriffen worden ist, ging es um die Vorgeschichte...

Treffen mit Shindy: Für noch mehr Verwirrung sorgten offenbar Bushidos Aussagen darüber, wer jetzt wann genau bei welchem Treffen und vor allem für wen mit dabei war. Der Verteidigung war anscheinend auch nicht klar, ob bestimmte Personen wie Ashraf R. und Veysel K. nun Samra oder Bushido zuzuordnen seien.

Bushido hatte offenbar erklärt, dass beide bei einem Treffen mit Shindy als seine eigenen Begleiter mit von der Partie waren. Bei einem Treffen mit Samra hätten sie allerdings als dessen Begleitung fungiert. Auf eine diesbezügliche Nachfrage soll Bushido laut Watson ausweichend geantwortet haben.

Die Rolle der beiden Personen bleibt dem Bericht zufolge unklar. Bushido habe für noch mehr Verwirrung gesorgt, weil er erklärt haben soll, Shindy habe sich von Arafat bei einem Treffen bedroht gefühlt, bei dem der aber wohl gar nicht anwesend war. Shindy soll bei dem entsprechenden Treffen Menschen aus der Rockerszene mitgebracht haben.

Zu guter Letzt gab es wohl noch einige Lacher, weil Bushido seinen eigenen Song nicht hören wollte. Einer der Verteidiger soll vorgeschlagen haben, den "EGJ"-Track mit Baba Saad und Animus vor Gericht zu hören, woraufhin Bushido offenbar ein "Bitte nicht!" herausgerutscht ist, was laut Watson "für Heiterkeit im Saal sorgte". Die Verhandlung geht kommenden Mittwoch weiter.

Bushidos "Leben und Tod des Kenneth Glöckler": 5 Lines, die heute ganz anders klingen

Wer, wenn nicht Bushido weiß: " Zeiten ändern dich" - und so wirkt der vermeintliche Realtalk auf früheren Disstracks einige Jahre später gar nicht mehr so real. Mit "Leben und Tod des Kenneth Glöckler" zog Bushido 2013 gefühlt die komplette Szene auf seine Seite.


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