Senegalesischer Rapper kritisert europäische Politik
Polo G

Einer der bedeutendsten westafrikanischen Rapper hat sich im Gespräch mit welt.de über die Flüchtlingsproblematik geäußert. Didier Awadi kritisiert die Politik der europäischen Länder.

Laut der Welt sind in den vergangenen 10 Jahren 60.000 Senegalesen bei dem Versuch, nach Europa zu gelangen, ertrunken. An der Lage in seinem Heimatland seien auch die europäischen Länder Schuld:

"Wenn die westlichen Länder sagen: 'bleibt doch lieber in Afrika, wir können nicht alle Armen und Gestrauchelten aufnehmen', dann muss man erst einmal verstehen, welche Prozesse die Misere in diesem Teil der Welt bedingen."

Der Westen verlange freie Märkte und zerstöre dann mit dem Verkauf von billigen, subventionierten Lebensmitteln die Landwirtschaft vor Ort:

"Es gab immer wieder afrikanische Politiker, die Alternativen entwickelten[.] Aber der Westen unterstützt bis heute lieber korrupte Typen, die für ein bisschen Taschengeld nach seiner Pfeife tanzen."

Er befürworte die lebensgefährlichen Fluchtversuche nicht, doch die Menschen würden schlicht und einfach dem "Strom des Geldes" folgen. Er selbst sieht es als Aufgabe eines Rappers an, auf Missstände hinzuweisen. Rapper hätten im Senegal ein höheres Ansehen als Politiker:

"Wer erzählte sonst von den gebrochenen Wahlversprechen? Wer berichtete der Welt, dass die senegalesischen Fischer nichts mehr fangen, weil europäische Trawler das Meer vor ihrer Küste leerfischen? Wer würde das Recht auf Jobs, auf Mitbestimmung, auf Reisefreiheit einfordern? [...] Ich will den Jugendlichen afrikanische Idole zeigen. Die Möglichkeit, vor Ort etwas zu ändern."

Als Teil der Gruppe Positive Black Soul und durch seine Soloveröffentlichungen wurde Didier Awadi bekannt. Heute betreibt er einen Musikverlag, veranstaltet Konzerte und ein jährliches Festival. Momentan verhandelt er mit Universal über die Gründung eines afrikanischen Ablegers. Sein Dokumentarfilm Le Point de Vue de Lion behandelt das Thema Migration und erschien auch mit deutschen Untertiteln.