Samra steht seinem Heimatbezirk, der Thermometersiedlung in Berlin-Lichterfelde, immer noch nahe. Der Cataleya Edition-Rapper hält sich regelmäßig dort auf und betreibt da neben seinem Friseursalon, auf den im vergangenen Monat Schüsse abgefeuert wurden, noch einen Dönerladen. Im Interview mit der Berliner Zeitung verrät Samra, was sein "next step" für die Thermometersiedlung ist: ein eigenes Jugendzentrum.
Samra will ein Jugendzentrum eröffnen
Als in dem Gespräch die Bedürfnisse der Thermometersiedlung angesprochen werden, zeigt sich Samra unzufrieden mit der politischen Entwicklung des Bezirks. Ihn und seine Mitmenschen habe vonseiten der Politik "niemand gefragt", was man dort verbessern könne. Der Rapper hat allerdings schon einen Vorschlag. Da sich Samra als Vorbild für die Kinder und Jugendlichen seines Bezirks sieht, möchte er ihnen direkt helfen: Es sei sein eigener Wunsch, eine Freizeiteinrichtung für Jugendliche in der Thermometersiedlung zu errichten. Dort möchte er den Kids unter anderem beibringen, "Raps zu schreiben" und "Beats zu produzieren". Denn Samra und viele andere seien Anfang der 2000er "im Jugendfreizeitheim aufgewachsen". Die Jugendzentren hätten ihm und seinen fünf Brüdern trotz ärmlicher Verhältnisse einige Teilnahmemöglichkeiten und Rückzugsorte gegeben.
Jetzt gibt es in Berlin-Steglitz jedoch ein Problem: "Von den öffentlichen Einrichtungen, die uns als Kids damals viel gegeben haben, gibt es heute nicht mehr viele. Die sind alle zu", berichtet Samra im Berliner Zeitung-Interview. Die Folgen davon würde man jetzt beispielsweise in der Thermometersiedlung sehen:
"Guck mal, was machen die Kids im Winter? Die Kids chillen auf der Straße, frieren sich den Arsch ab oder chillen im Treppenhaus, rauchen Kippen, rauchen Joints. Ich bin damals nach Hause, hab meinen Rucksack in die Ecke geschmissen, hab keine Hausaufgaben gemacht [...] und bin dann direkt raus ins Jugendfreizeitheim."
Die Schließung der Jugendzentren, die Samra frequentiert hat, könnte eine Folge der Haushaltspolitik Berlins sein. Im Jahr 2024 hat der Berliner Senat unter der Regierung des CDU-Bürgermeisters Kai Wegner infolge von Sparmaßnahmen Haushaltskürzungen beschlossen. Darunter fallen unter anderem 50 Millionen Euro an Mitteln, die jetzt der Jugendhilfe, Schulsozialarbeit und politischen Bildung der Bundeshauptstadt fehlen. Beispielsweise wurde die Finanzierung von Renovierungen maroder Jugendclubs gestrichen. Gegner der Maßnahmen protestieren seitdem regelmäßig gegen die Kürzungen. Lena Kiefer, Vorsitzende des Landesjugendrings Berlin, kritisierte im vergangenen Jahr, dass die Kinder und Jugendlichen Berlins bei der Sparpolitik der Landesregierung "den Kopf hinhalten müssen", während in der Verwaltung "kaum Opfer gebracht" würden. Für dieses und nächstes Jahr plant die Berliner Landesregierung, weitere 1,5 Milliarden Euro im Haushalt einzusparen.
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