Vor wenigen Tagen hat PA Sports einen Sample-Streit zu einem geplanten Song über die aktuelle Situation in Palästina öffentlich gemacht. Auf Namen verzichtete er dabei ganz bewusst. In den sozialen Medien machten in der Zwischenzeit Spekulationen die Runde, laut denen Moses Pelham derjenige sein soll, der ihm die Freigabe für den Track verwehren würde. Nun macht PA reinen Tisch. Er bestätigt die vorherrschenden Gerüchte und erzählt die vollständige Geschichte aus seiner Sicht.
Moses Pelham soll PA Sports das Sample erst freigegeben, dann aber wieder zurückgezogen haben
Zu Beginn seines ausführlichen Video-Statements erklärt PA Sports, dass ein gemeinsamer Bekannter den Kontakt zu Moses Pelham hergestellt hätte. Recht bald haben sich die beiden Musiker wohl zu einem Telefonat verabredet. Der Life is Pain-Chef sei zu Beginn sogar etwas "starstruck" gewesen, da er in vielerlei Hinsicht zu Moses aufgeschaut habe.
PA habe dem Frankfurter dann von seinem Vorhaben erzählt: Aktuell passiere sehr viel "Leid und Unrecht" auf der Welt – dazu möchte er einen Song schreiben. Grundlage dafür sollte ein Track von Glashaus sein, der Band von Moses. Der hätte PA aber sofort zugesagt und ihm die Sample-Freigabe erteilt. Im Zuge dessen hätte der Rapper aus Essen im Übrigen auch Kontakt mit der Sängerin Cassandra Steen gehabt, über die er nur Positives zu berichten hat. Sie sei eine "bodenständige" und "reale" Frau.
Einige Zeit nach dem Telefonat habe der gemeinsame Bekannte PA Sports davor gewarnt, dass er sich wohl doch noch auf eine Diskussion mit Moses Pelham einlassen müsse. Der LiP-CEO hatte schon im Hinterkopf, dass Moses auf irgendeine Art und Weise "mit Israel connected" sei und dachte sogar, er sei Jude. "Das ist er zwar nicht, scheinbar ist er einfach nur ein Idiot", meint PA heute.
Zu dem Zeitpunkt hätte er aber "niemals" damit gerechnet, dass Moses seinem Vorhaben einen Riegel vorschieben würde. Nicht zuletzt, weil das Deutschrap-Urgestein selbst schon seit weit mehr als 20 Jahren mit Kraftwerk vor Gericht wegen eines Samples streitet und sich für eben dieses Thema stark macht. Dass Moses' künstlerische Prinzipien derart mit seinen politischen Ansichten clashen würden, hätte PA nicht gedacht – zumal er Israel auf seinem geplanten Song nicht einmal direkt kritisiere.
Es kam also, wie es kommen musste und die beiden haben sich für ein zweites Telefonat verabredet. Als Moses ihm dort gesagt habe, dass PA noch die Sicht eines israelischen Kindes in seinen Track einbauen müsse, habe der "das Gespräch so freundlich, wie es in dem Moment noch möglich war, beendet".
Eine erneute Freigabe bleibt seither aus. Natürlich könne er auch einfach auf das Sample verzichten, so PA, leicht würde ihm diese Entscheidung aber keineswegs fallen.
"Natürlich ist es schwer, eine Hook, die du dir all die Jahre im Hinterkopf für den richtigen Moment aufgespart hast, einfach so zu droppen. Also für mich fühlt sich das alles gerade richtig beschissen an."
PA Sports wendet sich mit direkter Kritik an Moses Pelham
Gegen Ende seines Statements richtet PA ein paar direkte Worte an Moses. Trotz des höflichen Umgangs im Privaten könne er dem Frankfurter in der Öffentlichkeit nun nicht mehr mit demselben Maß an Respekt begegnen. PA würde es als feige empfinden, auf die "Befindlichkeiten eines Menschenfeindes" einzugehen, wie er Moses und all jene, die in der Sache eine "zionistische Position" einnehmen, bezeichnet.
Der Life is Pain-Chef fordert seinen Gegenüber dazu auf, öffentlich zu seiner Position zu stehen – auch wenn dann all die Leute, die zu ihm und seiner Musik aufgeschaut haben, ihn "ab jetzt die Toilette runter[spülen]" würden. PA geht es hierbei offenbar vorrangig um Integrität. Moses Pelham hat seinen Instagram-Account inzwischen auf privat gestellt.
Abschließend folgt noch eine "politische Lehrstunde". PA Sports erklärt, warum er Israel verurteilt und was die eigentliche Intention seines Songs gewesen sei: "denen eine Stimme zu geben, die keine haben", einfach, weil sie am falschen Ort der Erde geboren worden wären. Der Track hätte sich demnach auch um Syrien, Kongo oder den Sudan drehen können und dabei die exakt selbe Berechtigung gehabt. Bewusstsein schaffen, das sei PAs primäres Ziel gewesen.
"Also was an diesem Song geht gegen deine Werte?"
In einer Instagram-Story schickt PA hinterher, dass das Thema für ihn damit jetzt erledigt sei: "Ich werde mir überlegen, was mit der Nummer passiert und gut ist." Ihm sei es in erster Linie wichtig, Haltung zu zeigen. Gleichzeitig wiederholt er seine Bitte aus dem Statement, dass nun niemand damit anfangen soll, "stumpfe Beleidigungen" in Richtung von Moses zu schicken. Das wäre schließlich der "primitivste Weg der Ansprache" und würde der Sichtweise der Gegenseite nur zugutekommen.
Das vollständige Statement kannst du dir hier anschauen:
Noch bevor PA Sports bestätigt hat, dass er den Sample-Streit mit Moses Pelham austrägt, hatte Nura bereits nahegelegt, dass der Frankfurter gemeint sein muss. So hat sie unter anderem öffentlich infrage gestellt, warum der frühere Rödelheim Hartreim Projekt-Rapper dem israelischen Militär auf Instagram folgen würde. Darüber hinaus hat sich auch einige andere Persönlichkeiten der deutschen Medienlandschaft in Bezug auf ihre angeblichen politischen Haltungen kritisiert.
Mehr dazu kannst du hier nachlesen:
Du kannst dir Hiphop.de-Artikel nun bevorzugt in der Google-Suche anzeigen lassen.