Wandel in der Musikindustrie: Republic Records verbannt veralteten Begriff

Der Mord an George Floyd hält die Musikwelt in Atem und scheint zu maßgeblichem Wandel beizutragen. Als erstes großes Label verbannt Republic Records den Begriff Urban aus seinem Wortgebrauch. Die musikalische Heimat von Stars wie Ariana Grande, The Weeknd oder Post Malone fordert außerdem andere Labels auf, es ihnen gleichzutun.

Urban wird in der Musikwelt schon lange als Synonym für R&B und Hiphop verwendet. Dies wird zurückgeführt auf den New Yorker DJ Frankie Crocker, der die Bezeichnung in den 70er-Jahren prägte, damals noch als "urban contemporary".

Die Verwendung von Urban als Synonym für Rapmusik und R&B wurde seitdem schon öfter kritisiert. So berichtete das Magazin Music Business Worldwide 2018, dass sich der damalige Warner Chapell Music CEO Jon Platt mehrfach lauthals in Meetings gegen die Verwendung des Begriffes ausgesprochen hatte.

Republic Records geht jetzt den ersten Schritt. In einem Statement erklärte das Label, ab heute Urban nicht mehr als Bezeichnung für Künstler, Genres oder Positionen im Label zu verwenden.


Urban ist ein sehr negativ behaftetes Wort

Grund für den Unmut über die Verwendung des Begriffes Urban ist die negative Konnotation, die dem Wort anhaftet. Sam Taylor, Senior Vice President of Creative bei Kobalt Music, fasste die Problematik einer Gleichsetzung der Begriffe von Urban und HipHop in einem Q&A treffend zusammen:

"Das Wort Urban fühlt sich für mich wie ein Projekt an. Es fühlt sich wie etwas an, das gebaut werden muss. Es bedeutet niedriges Einkommen, nicht sicher, et cetera. Wenn du also Urban Music sagt, dann lässt du mich wissen, dass du denkst [diese Musik] müsste neu aufgebaut werden. Nichts an Hiphop und R&B muss wieder aufgebaut werden. Nichts. Hiphop läuft seit 40 Jahren oder so, R&B läuft seit wer weiß wie lang. Und beides ist jedes Jahr erfolgreich."

(The word urban to me feels like a project. It feels like something that needs to be built. [...] It means it’s low-income, not safe, etc. So when you say urban music, to me, it’s letting me know that you think it needs to be rebuilt. Nothing about Hip-Hop and R&B needs to be rebuilt. Nothing. Hip-Hop’s been running for 40-something years, R&B’s been running for however long, if not longer. And, it’s been successful every single year.)

Urban wird der Kultur nicht gerecht

Jeder, der Hiphop hört, weiß wie facettenreich diese Musik ist. Drill ist nicht das gleiche wie Trap, Trap ist nicht das gleiche wie Boom Bap, Boom Bap ist nicht das gleiche wie Soul. Die wenigsten würden wahrscheinlich behaupten, dass der verstorbene Pop Smoke und Kid Cudi besonders viel gemeinsam haben. Trotzdem zählten beide bei Republic Records bis jetzt zur Kategorie Urban.

Auch Deutschland hat ein Problem

In Deutschland gibt es eine ähnliche Begriffsproblematik. Hier wird Hiphop zu Teilen immer noch unter dem Begriff Black Music zusammengefasst. Wer sich beispielsweise bei der Drogeriekette Müller eine CD kaufen möchte, hat dort die Möglichkeit im Genre "Black, R&B, Soul" fündig zu werden. Was an der Gleichsetzung von einer Hautfarbe und einer Musikrichtung problematisch ist, sollte mittlerweile jedem klar sein.

Es bleibt also abzuwarten, ob Republic Records mit seinem Move einen Stein ins Rollen bringen. Immerhin ist Republic Teil der Universal Music Group, dem größten Major Label der Welt.

Universals Hiphop Bereich in Deutschland wäre dabei ein erster Punkt zum Ansetzen: Der heißt nämlich Universal Urban.

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Kid Cudi kündigt eigenen Podcast an & die Leute drehen durch

Kid Cudi kündigt eigenen Podcast an & die Leute drehen durch

Von Till Hesterbrink am 25.06.2020 - 16:58

Nach einem massiven Boom in den letzten Jahren, gibt es mittlerweile gefühlt mehr Podcasts als Menschen. Erst letzten Monat verkündete Joe Rogan, angeblich für 100 Millionen Dollar mit seinem Podcast exklusiv auf Spotify umzusteigen. Kein Wunder, dass immer mehr Leute in das Business einsteigen wollen, unter anderem wohl auch der Man On The Moon: Kid Cudi.

Kid Cudi kündigt neuen Podcast an

"The Chosen One" gilt sonst eigentlich als verschlossener Charakter der - auch aufgrund wiederkehrender psychischer Probleme - immer mal wieder verschwindet und länger nicht von sich hören macht. Diese stillen Phasen von Scott Mescudi könnten nun ein Ende haben. Gestern kündigte der Künstler aus Cleveland an, einen eigenen Podcast starten zu wollen, nachdem fast 100.000 Leute die Frage bejahten ob er solle.

Informationen zur Form, möglichen Co-Hosts oder der Häufigkeit gibt es noch keine, zum Inhalt aber schon. Cudi macht direkt deutlich, dass in seiner Sendung niemand runtergemacht werde. Es gehe einzig und allein darum, Liebe und Positivität zu verbreiten.

Joe Budden & Co.: Viele Rapper haben einen Podcast

Kid Cudi wäre nicht der erste Künstler, der sich neben der Musik auch dem Geschäft mit dem Gespräch widmet. Das ehemalige Slaughterhouse-Mitglied Joe Budden moderierte lange die Complex-Show "Everyday Struggle" und hat nebenbei mit dem "Joe Budden Podcast" sein eigenes Medium aus dem Boden gestampft. Dafür hing er sogar seine Rapkarriere vollends an den Nagel.

Auch Talib Kweli hat mit "People's Party" ein eigenes Interviewformat als Podcast gestartet und weitere Künstler wollen folgen:  Vince Staples ließ auf Twitter verlauten, dass auch er einen Podcast starten würde, sollte er dafür Joe Rogan-Money bekommen.

Kid Cudi & Lupe Fiasco: Ein langer Beef

Manche Cudi-Fans vermuten in der Ankündigung auch eine Stichelei gegen Kid Cudis langjährigen Kontrahenten Lupe Fiasco. Der Streit zwischen den beiden begann 2014, als Mescudi die Praktik von Lupe infrage stellte, $500 von Fans für personalisierte Verses zu nehmen. Der Streit dümpelte seitdem vor sich hin und führte immer mal wieder zu gegenseitigen Seitenhieben, wie als Lupe Fiasco meinte Kid Cudi „needs his ass beat“.

Und nun, drei Tage vor Cudi, veröffentlichte Lupe Fiasco eine Umfrage auf Twitter, ob sich seine Fans einen Podcast von ihm wünschen.

Wer Bock auf Rap-Podcasts hat, sollte übrigens auf jeden Fall in den "teuflisch" guten Podcast “Release Friday“ von Hiphop.de reinhören:

"Release Friday" startet Partnerschaft mit Teufel

Unser Format "Release Friday", in dem Jonas und Clark jede Woche die Neuerscheinungen der Szene besprechen und einordnen, geht diese Woche in ein neues Kapitel. Wir freuen uns, zur neuen Folge die bereits bei den Awards gestartete Partnerschaft mit Teufel auszubauen.


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