Rekordjagd in Frankreich: Superstar Damso releast neues Album "QALF"

Seit einigen Jahren zählt Damso zur absoluten Champions League der französischsprachigen Rapwelt. Knapp zwei Jahre nach "Lithopédion" (2018, Dreifachplatin) ist er diese Woche Freitag mit der Platte "QALF" ("Qui Aime Like Follow") zurückgekehrt.

Musikvideos oder auch nur ein Streaming-Release? Fehlanzeige. Das Artwork der Platte zeigt lediglich Künstlernamen, Albumtitel und Spieldauer in weißer Schrift auf schwarzem Hintergrund – ein ähnlicher Minimalismus wie bei der quasi nicht vorhandenen Promophase. Dennoch oder gerade deswegen knackt der belgische Riese, der im Kongo geboren wurde, schon wieder Rekorde und macht international auf sich aufmerksam.

Damso rasiert Spotify & Genius mit seinem Album "QALF"

Wie auch in Deutschland und den USA ist einer der besten Indikatoren für Hype ein Blick auf die Spotify-Zahlen. Dort konnte "QALF" nach 24 Stunden bereits mehr als 11,3 Millionen Streams verzeichnen. Damit steckt Damso die beiden erfolgreichsten Rapalben des Jahres in Frankreich von Maes ("Les derniers salopards" mit 8,2 Millionen im gleichen Zeitraum) sowie Ninho ("MILS 3" mit 6,5 Millionen) in die Tasche.

In Frankreichs Spotify-Charts liegen alle 13 Songs des Albums aktuell in den Top 17. Das Interlude "Thevie Radio" schafft es immerhin auf Platz 22. Gestern sollen die 13 Songs der Platte allesamt in den globalen Top 200 von Spotify vertreten gewesen sein, wie das französische Portal Booska-P berichtet. Heute sind "BXL Zoo" (#151) mit Hamza sowie "Deux Toiles de Mer" (#154) noch in der Liste zu finden und kristallisieren sich für den Moment als die größten Hits heraus.

Einen weiteren Beweis für die Größenordnung, in der Damso spielt, findet man auf Genius. In den Top 10 der am häufigsten aufgerufenen Songs stehen derzeit mit den beiden oben genannten und dem Titel "Life Life" gleich drei "QALF"-Songs.

Damsos Engagement im Kongo

Es ist Damsos erstes Album, das er ohne die Hilfe und das Label seines ehemaligen Mentors Booba veröffentlicht. Seit der Trennung gab es – man ist es von Booba nicht anders gewohnt – kleinere und größere Seitenhiebe auf Instagram. Die melancholische Gelassenheit aus Damsos Musik findet sich aber auch in seinem Krisenmanagement wieder. Offenbar unbeeindruckt hat er sich auf das Album und Arbeit jenseits der Musik konzentriert.

Unter anderem gründete er die Vie Sur Nous Fondation. Mit der Stiuftung hat er es sich zum Ziel gemacht, die menschenunwürdigen und teils lebensgefährlichen Zustände beim Bergbau in der Demokratischen Republik Kongo zu bekämpfen. Unter anderem beim Abbau des Rohstoffes Kobalt, der beispielsweise für die Akkus von Handys und E-Autos elementar ist, sterben täglich Menschen, während sie für einen Hungerlohn schuften. Außerdem hat er dort den Bau eines Waisenhauses vorangetrieben.

Kobaltabbau im Kongo - Der hohe Preis für Elektroautos und Smartphones

In der Batterieherstellung für Smartphones, Tablets und neuerdings auch Elektroautos benötigen die Hersteller Kobalt. Im Kongo wird der Rohstoff unter katastrophalen Bedingungen abgebaut - häufig von Kindern.

So klingt "QALF": Erster Eindruck & eine Kritikerstimme

Schon auf den ersten Metern von "QALF" merkt man den afrikanischen Einfluss deutlicher als auf den bisherigen Alben. Kurios: Das Album hat zwar ein "Intro", es ist allerdings der letzte Song in der Tracklist. Das tatsächliche Intro heißt "Mevtr" und switcht nach knapp 40 Sekunden mit afrikanischem Gesang und Percussions zu sphärischem 808-Sound.

Auf den folgenden Anspielstationen gibt es Damsos Stimmgewalt erneut sowohl in sanfter als auch härterer Ausführung zu hören. Zu den potenziellen Hits und den gefühlvollen Momenten gesellen sich dieses Mal auch sehr tanzbare Uptempo-Nummern (zum Beispiel "Pour l'argent"), 80s-Nostalgie ("911") und afrikanischer Rumba ("Fais ca bien" ft. Fally Ipupa).

Brice Miclet schreibt bei Les Inrockuptibles, "QALF" erreiche weder die Härte des Debüts "Batterie faible" (2016) noch die Intensität von "Ipséité" (2017), zeichne sich aber durch seine Vielfältigkeit aus. Außerdem vermutet er, wie viele Fans, dass "QALF" ein Teil eines größeren, release-übergreifenden Plans des Musikers sein könnte. Dass das "Intro" als letzter Song auftaucht und Damso an dessen Ende laut brüllt, woraufhin eine Computerstimme "Batterie aufgeladen" sagt, würde diese Theorie stützen. Miclet erwartet auf dem vermeintlichen Nachfolger einen deutlich härteren Damso.

Damso gibt seinen Anhängern und Kritikern ein einzigartiges Stück Musik, das zum Diskutieren animieren möchte und sich nur selten dem Fast-Food-Spirit der Streaming-Ära beugt. Hört die Platte und macht euch selbst einen Eindruck!



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Fußballverein Olympique Marseille gründet Rap-Label

Fußballverein Olympique Marseille gründet Rap-Label

Von Clark Senger am 26.09.2020 - 14:45

Der französische Fußballverein Olympique Marseille geht einen möglicherweise zukunftsweisenden Schritt ins Musikgeschäft. Gemeinsam mit BMG gründet der neunmalige Ligue-1-Meister das Label OM Records, dessen Fokus auf Rap und R&B liegen soll.

Olympique Marseille & BMG gründen OM Records

Was diese Kombination wichtiger Player aus der Kultur an Vorteilen für alle Beteiligten mitbringen könnte, kann man sich bereits ausmalen. Spieler*innen sowie Musiker*innen haben eine enorme Reichweite in den sozialen Medien und die Verbindung zwischen Fußball und Rap oder R&B ist ohnehin sehr eng, wie man immer wieder auf beiden Seiten beobachten kann. Sylvain Gazaignes, General Manager Frankreich von BMG, sagt zu dieser Connection:

"Die kulturelle Verbindung zwischen Hiphop und Fußball ist sehr stark, ganz besonders in einer Stadt wie Marseille mit einer so lebhaften und kreativen Musikszene. Die Partnerschaft mit OM bietet neue Möglichkeiten für etablierte Acts, aufstrebende Talente und Künstler*innenkollektive aus Marseille, Südfrankreich und Afrika."

Neben dem Großraum Paris ist Marseille Frankreichs wichtigster Hotspot für Hiphop. Mit IAM kommt eine der legendärsten französischsprachigen Rapformationen aus der Metropole an der Côte d'Azur. Einige der aktuell erfolgreichsten Acts wie Jul, SCH, Naps oder Alonzo stammen ebenfalls von dort und representen ihre Stadt häufig mit Leidenschaft.

Mitte August erschien der von Jul ins Leben gerufene Marseille-Possetrack "Bande organisée", der mit 36 Millionen Plays auf Spotify und über 80 Millionen Views bei YouTube schon jetzt einer der größten französischen Songs des Jahres ist. Jul, SCH, Naps, Kofs, Elams, Solda, Houari sowie Soso Maness tragen im Video das klassische Hellblau, das Verein und Stadt im jeweiligen Wappen zeigen. Dabei performt die "organisierte Bande" auf Bolzplätzen sowie im Stade Vélodrome, der Heimat von Olympique Marseille:

Was die Partnerschaft bedeutet

Der Deal macht BMG zum Exklusivpartner für musikalische Projekte und Aktivitäten von Olympique, wie die Musikwoche berichtet. Der Vereinspräsident Jacques-Henri Eyraud beschwört den Spirit der Stadt:

"Olympique de Marseille ist in erster Linie ein Fußballclub, aber seine Wirkung geht weit über die Spielfelder hinaus, insbesondere bei den jungen Menschen in Marseille. L'OM ist ein starker Hebel, um das große künstlerische Potenzial der Bevölkerung freizusetzen. Marseille ist seit der Gruppe IAM eine Wiege des französischen Rap und HipHop, und die Verbindungen zwischen OM und den lokalen Künstler*innen sind seit Jahren stark. Die Gründung von OM Records stärkt diese Verbindung und symbolisiert den Wunsch des Clubs, die einzigartige Energie, die von Marseille und seinen Leuten ausgeht, in der ganzen Welt voranzubringen."

Konkret dürfte das bedeuten, dass der Verein mit seinem Einfluss und seinen Möglichkeiten so gut wie möglich Künstler*innen des Labels unterstützt. OM bekennt sich mit dem Move ganz eindeutig zur Kraft, der Attitude und der Ästhetik des einflussreichsten Genres der Gegenwart.

Haaland, Alaba & Co: 7 Fußball-Stars, die rappen

Der weltweite Fußball-Zirkus sollte sich eigentlich in der verdienten Sommerpause befinden. Doch Corona macht es möglich: Der Ball rollt die nächsten Wochen in nahezu leeren Stadien. Champions League und Europa League müssen noch zu Ende gespielt werden. Sobald es die Zeit erlaubt, gehen manche Ballkünstler aus den Elite-Ligen auch ganz anderen Hobbys nach.

Wenn der Plan aufgeht, dürften die Musiker*innen im Gegenzug dabei helfen, die Marke Olympique Marseille nicht nur in Frankreich, sondern auch in Belgien, dem aussichtsreichen Wachstumsmarkt in Westafrika und über die Grenzen der französischsprachigen Welt hinaus zu stärken. Hinter den schönen Worten der Verantwortlichen über das "künstlerische Potenzial der Bevölkerung" oder die "einzigartige Energie" der Stadt steckt natürlich auch der Wunsch nach finanziellen Vorteilen für alle Beteiligten.

Ein Move mit Signalwirkung?

Die unweigerlichen Verbindungen und Sympathien aus den Welten der Musik und des Sports zusammenzubringen, ist natürlich nichts gänzlich Neues. Wenn MoTrip für den FC Bayern rappt, der FIFA-Soundtrack mal wieder vor Hiphop nur so strotzt oder Spieler wie Haaland, Alaba und Sergio Ramos sich als Rapper versuchen, erscheint eine Labelgründung unter dem Dach eines Fußballvereins nicht abwegig, sondern fast schon logisch.

Andere Vereine aus Frankreich, Deutschland, England, Spanien und womöglich auch den USA werden genau verfolgen, ob und wie OM Records sich etabliert und auszahlt. Man kann sich vorstellen, wie Vereine aus Hamburg, Berlin, London, Madrid, Barcelona oder auch kleineren Städten, die bereit für die Nische sind, profitieren könnten.

Dass Fußball und Rap nicht nur wirtschaftlich ein passendes Paar abgeben, sondern auch in der Mentalität der Protagonisten viele Überschneidungspunkte bieten, haben wir beispielweise in diesem Artikel gezeigt:

Was Rapper an Fußballern fasziniert - und umgekehrt

Rap und Fußball - da wächst etwas zusammen. Vor allem Straßenrapper supporten Spieler und Clubs. Sie tragen Trikots, nutzen die Namen berühmter Spieler als Tracktitel und widmen sich auch sonst gerne textlich dem Volkssport Nummer eins. Auf der Seite der Sportler läuft es fast spiegelverkehrt.


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