"Das kann ich nicht bedienen": Prinz Pi liefert weitere Hintergründe zu seinem Karriereende
Prinz Pi

Vor knapp zwei Wochen hat Prinz Pi öffentlich angekündigt, nach seiner letzten Tour seine aktive Rap-Karriere zu beenden. Als Gründe hat der Berliner angegeben, dass die Mechanismen der modernen Musikindustrie nicht mehr mit seiner Musik vereinbar seien. Im Interview mit dem Stern hat sich Prinz Pi konkreter zu den Gründen für sein Karriereende geäußert.

Prinz Pi über sein Karriereende: "Meine Familie kommt an erster Stelle"

Auf die Frage, wieso sein früherer Erfolg heute finanziell nicht mehr ausreicht, antwortet Prinz Pi, dass das mit dem Streamingzeitalter zu tun hat. Da der Tonträgermarkt "quasi tot" sei, würden alle nur auf die Streams schauen. Eine hohe Anzahl an Hörern bringt dort aber nicht ansatzweise so viel Geld ein wie früher der Verkauf von Platten und CDs. Spotify zahlt momentan durchschnittlich etwa zwischen 3 und 5 Euro pro 1.000 Streams – selbst bei einem Hit mit einer Million Streams also maximal 5.000 Euro. Auch Musikvideos würden sich nicht mehr lohnen: Damit sich ein Clip zu einem Song finanziell rentiert, bräuchte Prinz Pi "mehrere Millionen Klicks". Das schaffe er mit seiner Musik jedoch "nur ganz selten".

Einen weiteren Grund für diese Entwicklung sieht Prinz Pi in der "radikalen Simplifizierung" von Musik und anderen Inhalten durch soziale Medien. Heute verlange der Markt nach dem "Hook in den ersten zwei Sekunden eines Reels oder TikToks", sonst werde "einfach weggewischt". Dadurch würden kaum noch zusammenhängende Alben, sondern nur noch "15-Sekunden-Häppchen" produziert werden. Das würde nicht zu Prinz Pis Verständnis von Kunst passen:

"Meine Songs waren immer komplex, randvoll mit Text und komplexen Arrangements [...] Dieses stumpfe Trial-and-Error-Prinzip und das Herunterbrechen auf schnelle, starke Reize entsprechen nicht meinem Verständnis von Kunst. Das kann ich nicht bedienen."

Auch das Live-Geschäft, das früher eigentlich als "sichere Einnahmequelle" für Artists galt, lohne sich laut dem Keine Liebe-Gründer nur noch für die erfolgreichsten Künstler. Vor allem nach der Corona-Pandemie seien die Kosten einfach zu hoch:

"Seitdem sind die Ausgaben für Busse, Diesel, Technik und Hallenmieten regelrecht explodiert. Früher lag der Break-even einer Tour vielleicht bei 50 Prozent Auslastung. Heute schreiben wir erst ab 80 Prozent eine schwarze Null. Und 80 Prozent muss man erst mal vollkriegen – das ist viel. Viele Kolleginnen und Kollegen mussten in den letzten Jahren Touren absagen. Auch einige Festivals haben aufgegeben."

Als "hauptsächlicher Ernährer" seiner Familie könne es sich Prinz Pi also schlicht nicht mehr leisten, hauptberuflicher Rapper zu sein. "Wenn meine Beschäftigung nicht mehr genügend einbringt, muss ich wohl oder übel wechseln", so der Berliner im Stern-Interview. Seine Entscheidung habe nichts mit "Unlust" am Musik-machen zu tun. Trotzdem hofft Prinz Pi, mit seiner Musik die Deutschrap-Szene nachhaltig verändert zu haben.

"Ich glaube, ich habe zusammen mit anderen Künstlern wie Casper und Tua gezeigt, dass man im Hip-Hop erfolgreich sein kann, ohne das klassische Klischee des starken, unverletzlichen Mannes zu bedienen [...] Ich war als Künstler immer ein Gegenentwurf zum Industriestandard. Ich hoffe, einen kleinen Teil zu dieser Musik, die mir so viel gegeben hat und der ich so viel zu verdanken habe, zurückgegeben zu haben."

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